Heinrich Böll

Der politisch engagierte Heinrich Böll (1917–1985) war einer der meistgelesenen und einflussreichsten deutschen Schriftsteller des zwanzigsten Jahrhunderts. 1972 wurde er mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet. Einige seiner bekanntesten Werke wurden verfilmt, darunter »Ansichten eines Clowns« und »Die verlorene Ehre der Katharina Blum«.
Geboren am
21. Dezember 1917
Gestorben am
16. Juli 1985
Heinrich Böll
Heinrich Böll

Biografie

Der politisch engagierte Heinrich Böll (1917–1985) war einer der meistgelesenen und einflussreichsten deutschen Schriftsteller des zwanzigsten Jahrhunderts. 1972 wurde er mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet. Einige seiner bekanntesten Werke wurden verfilmt, darunter »Ansichten eines Clowns« und »Die verlorene Ehre der Katharina Blum«.

Geboren 1917 in Köln, diente Böll im Zweiten Weltkrieg als Infanterist der Wehrmacht. Mit seinen frühen Werken der Nachkriegszeit begründete er die sogenannte »Trümmerliteratur« mit. Ein Beispiel ist die bekannte Erzählung »Mein teures Bein« von 1948. Anfang der 1950er Jahre gelang ihm der Durchbruch als Schriftsteller.

Böll galt als vehementer Kritiker des politischen und kirchlichen Establishment. Seine öffentlichen Auftritte sind ebenso im Gedächtnis geblieben wie seine Romane: 1968 sprach er bei einer Kundgebung der Studentenbewegung (APO); 1976 trat der gläubige Katholik aus der Kirche aus; Anfang der achtziger Jahre demonstrierte er für Frieden und Abrüstung, gegen den NATO-Doppelbeschluss.

Als erster deutscher Schriftsteller wurde Böll 1971 zum Präsidenten des internationalen PEN-Clubs gewählt. 1972 veröffentlichte er im SPIEGEL einen Essay über die RAF-Terroristin Ulrike Meinhof. Böll wollte damit zwischen den Fronten vermitteln, geriet jedoch selbst ins Kreuzfeuer der Kritik. Konservative Kräfte warfen ihm vor, mit der RAF zu sympathisieren. »Die verlorene Ehre der Katharina Blum« (1974) war Bölls Antwort auf seine Erfahrungen in dieser Affäre.

1985 verstarb Heinrich Böll in seinem Haus in der Eifel.

Tabellarischer Lebenslauf

  • 1917
    Heinrich Böll wurde am 21. Dezember 1917 in Köln geboren; er war der dritte Sohn des Kunsttischlers Viktor Böll und dessen Frau Maria.
  • 1924 – 1937
    Volksschule und Gymnasium in Köln; Abitur.
  • 1937 – 1938
    Buchhändlerlehre in Bonn, die er vorzeitig abbrach.
  • 1938 – 1939
    Reichsarbeitsdienst.
  • 1939
    Beginn eines Studiums (Germanistik und klassische Philologie) in Köln. Einberufung zur Wehrmacht.
  • 1939 – 1945
    Infanterist im Zweiten Weltkrieg. 1942 Eheschließung mit Annemarie Čech aus Pilsen.
  • 1945
    Nach amerikanischer und englischer Kriegsgefangenschaft Rückkehr nach Köln. Geburt und Tod des Sohnes Christoph.
  • 1946
    Fortsetzung des Studiums.
  • 1947
    Erste Erzählungen und Hörspiele wurden veröffentlicht. Geburt des Sohnes Raimund.
  • 1948
    Geburt des Sohnes René.
  • 1949
    Erste Publikation in Buchform: »Der Zug war pünktlich« (Erzählung) ; Niederschrift des Romans »Der Engel schwieg«, der erst 1992 veröffentlicht wurde.
  • 1950 – 1951
    Angestellter beim Statistischen Amt der Stadt Köln. 1950 Geburt des Sohnes Vincent.
  • 1953
    Roman »Und sagte kein einziges Wort«.
  • 1958
    Kauf eines Cottage in Dugort an der Westküste Irlands (vier Jahre nach seiner ersten Reise nach Irland).
  • 1963
    Veröffentlichung der »Anekdote zur Senkung der Arbeitsmoral«, in der Böll die Werte des deutschen »Wirtschaftswunders« ironisierte.
  • 1964
    Poetik-Vorlesungen an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main.
  • 1970 – 1972
    Präsident des PEN-Clubs Deutschland; von 1971–1974 zudem Präsident des internationalen PEN.
  • 1972
    Nobelpreis für Literatur.
  • 1976
    Austritt aus der Katholischen Kirche.
  • 1979
    Böll unterstützte Rupert Neudeck bei der Gründung des Komitees »Ein Schiff für Vietnam« (Vorläufer der Hilfsorganisation »Cap Anamur/Deutsche Not-Ärzte e. V.«).
  • 1980
    Unterzeichnung des »Krefelder Appells« gegen den NATO-Doppelbeschluss.
  • 1981
    Teilnahme an der Bonner Friedensdemonstration am 10. Oktober.
  • 1983
    Teilnahme an der Sitzblockade des US-Militärstützpunkts Mutlangen gegen die Pershing-2-Raketen.
  • 1985
    Tod am 16. Juli 1985 in seinem Haus in Langenbroich (Eifel); Annemarie Böll ist an der Seite ihres Mannes. Beisetzung am 19. Juli in Bornheim-Merten bei Bonn; die Schriftstellerkollegen Lew Kopelew, Günter Grass und Günther Wallraff sowie sein Sohn René tragen Bölls Sarg.

Werke

  • 1950
    Wanderer, kommst du nach Spa…
    Erzählungen
  • 1951
    Wo warst du, Adam?
    Roman
  • 1953
    Und sagte kein einziges Wort
    Roman
  • 1954
    Haus ohne Hüter
    Roman
  • 1954
    Es wird etwas geschehen
    Kurzgeschichte
  • 1955
    Das Brot der frühen Jahre
    Erzählung
  • 1957
    Irisches Tagebuch, Reisebericht
  • 1958
    Doktor Murkes gesammeltes Schweigen – und andere Satiren
    Kurzgeschichten
  • 1959
    Billard um halbzehn
    Roman
  • 1962
    Als der Krieg ausbrach
    Erzählungen
  • 1963
    Ansichten eines Clowns
    Roman
  • 1964
    Entfernung von der Truppe
    Erzählung
  • 1971
    Gruppenbild mit Dame
    Roman
  • 1974
    Die verlorene Ehre der Katharina Blum
    Erzählung
  • 1979
    Fürsorgliche Belagerung
    Roman
  • 1985
    Frauen vor Flusslandschaft
    Roman

Auszeichnungen und Preise

  • 1951
    Preis der Gruppe 47 (Förderpreis für Nachwuchsautoren) für die satirische Kurzgeschichte »Die schwarzen Schafe«
  • 1961
    Literaturpreis der Stadt Köln (seit 1985 »Heinrich-Böll-Preis«)
  • 1967
    Georg-Büchner-Preis
  • 1972
    Nobelpreis für Literatur
  • 1973
    Ehrendoktorwürde der Universitäten Dublin, Birmingham und Uxbridge
  • 1974
    Carl-von-Ossietzky-Medaille der Internationalen Liga für Menschenrechte
  • 1982
    Ehrenprofessur des Landes Nordrhein-Westfalen
  • 1983
    Ehrenbürgerschaft der Stadt Köln
  • 1984
    Französischer Kulturorden »Ordre des Arts et des Lettres«

Zitate

Die Menschen, von denen wir schrieben, lebten in Trümmern, sie kamen aus dem Kriege, Männer und Frauen in gleichem Maße verletzt, auch Kinder… und wir als Schreibende fühlten uns ihnen so nahe, dass wir uns mit ihnen identifizierten. Mit Schwarzhändlern und den Opfern der Schwarzhändler, mit Flüchtlingen und allen denen, die auf andere Weise heimatlos geworden waren…
Heinrich Böll, Essay: Bekenntnis zur Trümmerliteratur, 1952
Der Regen ist hier absolut, großartig und erschreckend. Diesen Regen schlechtes Wetter zu nennen, ist so unangemessen, wie es unangemessen ist, den brennenden Sonnenschein schönes Wetter zu nennen.
Heinrich Böll, Irisches Tagebuch, 1957
Höflichkeit ist doch die sicherste Form der Verachtung.
Heinrich Böll, Billard um halbzehn, 1959
Ich bin ein Clown… und sammle Augenblicke.
Heinrich Böll, Ansichten eines Clowns, 1963
Politik ist hart, ist schmutzig, notwendig – und zum Kotzen.
Heinrich Böll, Frauen vor Flusslandschaft, 1985