Der politisch engagierte Heinrich Böll (1917–1985) war einer der meistgelesenen und einflussreichsten deutschen Schriftsteller des zwanzigsten Jahrhunderts. 1972 wurde er mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet. Einige seiner bekanntesten Werke wurden verfilmt, darunter »Ansichten eines Clowns« und »Die verlorene Ehre der Katharina Blum«.

Lebenslauf (Wichtige Daten und Ereignisse)

1917 Heinrich Böll wurde am 21. Dezember 1917 in Köln geboren; er war der dritte Sohn des Kunsttischlers Viktor Böll und dessen Frau Maria.
1924 – 1937 Volksschule und Gymnasium in Köln; Abitur.
1937 – 1938 Buchhändlerlehre in Bonn, die er vorzeitig abbrach.
1938 – 1939 Reichsarbeitsdienst.
1939 Beginn eines Studiums (Germanistik und klassische Philologie) in Köln. Einberufung zur Wehrmacht.
1939 – 1945 Infanterist im Zweiten Weltkrieg. 1942 Eheschließung mit Annemarie Čech aus Pilsen.
1945 Nach amerikanischer und englischer Kriegsgefangenschaft Rückkehr nach Köln. Geburt und Tod des Sohnes Christoph.
1946 Fortsetzung des Studiums.
1947 Erste Erzählungen und Hörspiele wurden veröffentlicht. Geburt des Sohnes Raimund.
1948 Geburt des Sohnes René.
1949 Erste Publikation in Buchform: »Der Zug war pünktlich« (Erzählung) ; Niederschrift des Romans »Der Engel schwieg«, der erst 1992 veröffentlicht wurde.
1950 – 1951 Angestellter beim Statistischen Amt der Stadt Köln. 1950 Geburt des Sohnes Vincent.
1953 Roman »Und sagte kein einziges Wort«.
1958 Kauf eines Cottage in Dugort an der Westküste Irlands (vier Jahre nach seiner ersten Reise nach Irland).
1963 Veröffentlichung der »Anekdote zur Senkung der Arbeitsmoral«, in der Böll die Werte des deutschen »Wirtschaftswunders« ironisierte.
1964 Poetik-Vorlesungen an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main.
1970 – 1972 Präsident des PEN-Clubs Deutschland; von 1971–1974 zudem Präsident des internationalen PEN.
1972 Nobelpreis für Literatur.
1976 Austritt aus der Katholischen Kirche.
1979 Böll unterstützte Rupert Neudeck bei der Gründung des Komitees »Ein Schiff für Vietnam« (Vorläufer der Hilfsorganisation »Cap Anamur/Deutsche Not-Ärzte e. V.«).
1980 Unterzeichnung des »Krefelder Appells« gegen den NATO-Doppelbeschluss.
1981 Teilnahme an der Bonner Friedensdemonstration am 10. Oktober.
1983 Teilnahme an der Sitzblockade des US-Militärstützpunkts Mutlangen gegen die Pershing-2-Raketen.
1985 Tod am 16. Juli 1985 in seinem Haus in Langenbroich (Eifel); Annemarie Böll ist an der Seite ihres Mannes. Beisetzung am 19. Juli in Bornheim-Merten bei Bonn; die Schriftstellerkollegen Lew Kopelew, Günter Grass und Günther Wallraff sowie sein Sohn René tragen Bölls Sarg.

Biografie

Der politisch engagierte Heinrich Böll (1917–1985) war einer der meistgelesenen und einflussreichsten deutschen Schriftsteller des zwanzigsten Jahrhunderts. 1972 wurde er mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet. Einige seiner bekanntesten Werke wurden verfilmt, darunter »Ansichten eines Clowns« und »Die verlorene Ehre der Katharina Blum«.

Geboren 1917 in Köln, diente Böll im Zweiten Weltkrieg als Infanterist der Wehrmacht. Mit seinen frühen Werken der Nachkriegszeit begründete er die sogenannte »Trümmerliteratur« mit. Ein Beispiel ist die bekannte Erzählung »Mein teures Bein« von 1948. Anfang der 1950er Jahre gelang ihm der Durchbruch als Schriftsteller.

Böll galt als vehementer Kritiker des politischen und kirchlichen Establishment. Seine öffentlichen Auftritte sind ebenso im Gedächtnis geblieben wie seine Romane: 1968 sprach er bei einer Kundgebung der Studentenbewegung (APO); 1976 trat der gläubige Katholik aus der Kirche aus; Anfang der achtziger Jahre demonstrierte er für Frieden und Abrüstung, gegen den NATO-Doppelbeschluss.

Als erster deutscher Schriftsteller wurde Böll 1971 zum Präsidenten des internationalen PEN-Clubs gewählt. 1972 veröffentlichte er im SPIEGEL einen Essay über die RAF-Terroristin Ulrike Meinhof. Böll wollte damit zwischen den Fronten vermitteln, geriet jedoch selbst ins Kreuzfeuer der Kritik. Konservative Kräfte warfen ihm vor, mit der RAF zu sympathisieren. »Die verlorene Ehre der Katharina Blum« (1974) war Bölls Antwort auf seine Erfahrungen in dieser Affäre.

1985 verstarb Heinrich Böll in seinem Haus in der Eifel.

Werke von Heinrich Böll (Auswahl)

1950
»Wanderer, kommst du nach Spa…«
Erzählungen
1951
»Wo warst du, Adam?«
Roman
1953
»Und sagte kein einziges Wort«
Roman
1954
»Haus ohne Hüter«
Roman
1954
»Es wird etwas geschehen«
Kurzgeschichte
1955
»Das Brot der frühen Jahre«
Erzählung
1957
»Irisches Tagebuch, Reisebericht«
1958
»Doktor Murkes gesammeltes Schweigen – und andere Satiren«
Kurzgeschichten
1959
»Billard um halbzehn«
Roman
1962
»Als der Krieg ausbrach«
Erzählungen
1963
»Ansichten eines Clowns«
Roman
1964
»Entfernung von der Truppe«
Erzählung
1971
»Gruppenbild mit Dame«
Roman
1974
»Die verlorene Ehre der Katharina Blum«
Erzählung
1979
»Fürsorgliche Belagerung«
Roman
1985
»Frauen vor Flusslandschaft«
Roman

Auszeichnungen und Preise (Auswahl)

1951 Preis der Gruppe 47 (Förderpreis für Nachwuchsautoren) für die satirische Kurzgeschichte »Die schwarzen Schafe«
1961 Literaturpreis der Stadt Köln (seit 1985 »Heinrich-Böll-Preis«)
1967 Georg-Büchner-Preis
1972 Nobelpreis für Literatur
1973 Ehrendoktorwürde der Universitäten Dublin, Birmingham und Uxbridge
1974 Carl-von-Ossietzky-Medaille der Internationalen Liga für Menschenrechte
1982 Ehrenprofessur des Landes Nordrhein-Westfalen
1983 Ehrenbürgerschaft der Stadt Köln
1984 Französischer Kulturorden »Ordre des Arts et des Lettres«

Zitate von Heinrich Böll

»Die Menschen, von denen wir schrieben, lebten in Trümmern, sie kamen aus dem Kriege, Männer und Frauen in gleichem Maße verletzt, auch Kinder… und wir als Schreibende fühlten uns ihnen so nahe, dass wir uns mit ihnen identifizierten. Mit Schwarzhändlern und den Opfern der Schwarzhändler, mit Flüchtlingen und allen denen, die auf andere Weise heimatlos geworden waren…«
Heinrich Böll, Essay: Bekenntnis zur Trümmerliteratur, 1952
»Der Regen ist hier absolut, großartig und erschreckend. Diesen Regen schlechtes Wetter zu nennen, ist so unangemessen, wie es unangemessen ist, den brennenden Sonnenschein schönes Wetter zu nennen.«
Heinrich Böll, Irisches Tagebuch, 1957
»Höflichkeit ist doch die sicherste Form der Verachtung.«
Heinrich Böll, Billard um halbzehn, 1959
»Ich bin ein Clown... und sammle Augenblicke.«
Heinrich Böll, Ansichten eines Clowns, 1963
»Politik ist hart, ist schmutzig, notwendig – und zum Kotzen.«
Heinrich Böll, Frauen vor Flusslandschaft, 1985

Inhaltsangaben

Weiterführende Literatur

Christian Linder, Das Schwirren des heranfliegenden Pfeils. Heinrich Böll. Eine Biografie, erschienen bei Matthes & Seitz, Berlin
Im Jahre 2009 legte Christian Linder eine viel besprochene Biografie des Schriftstellers vor. Linder hatte eine enge Beziehung zu Heinrich Böll. Er war dem Nobelpreisträger 1975 persönlich begegnet: Das dreitägige Gespräch wurde damals in dem Buch »Drei Tage im März. Ein Gespräch« aufgezeichnet.
Heinrich Vormweg, Der andere Deutsche, erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, Köln 2000
Der Literaturkritiker Heinrich Vormweg war in Bölls letztem Lebensjahrzehnt ein enger Freund des Schriftstellers. Im Jahre 2000 veröffentlichte er eine Biografie des Autors. Sein Ziel war es nicht nur, Bölls Lebensweg nachzuzeichnen, sondern vor allem dessen Bücher in Beziehung zu setzen zu seiner Prägung und den zugrunde liegenden Lebensstationen.