Vormärz (1825–1848)

Als Vormärz wird ein Zeitabschnitt der deutschen Geschichte bezeichnet. Er wird auf die Jahre vor der sogenannten Märzrevolution (1848) datiert. Die Literaturepoche des Vormärz umfasst denselben Zeitraum. Bildungsbürgertum, Studenten und Literaten forderten Freiheit, Gleichheit sowie eine demokratische Verfassung. Ihrer politisch-revolutionären Bewegung gegenüber stand die konservativ-restaurative Strömung des Biedermeier.

Die Epoche des Vormärz

Der Vormärz bezeichnet eine Literaturepoche zum Ausgang der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts (ca. 1830 bis 1848), in der sich das politische und sozialkritische Aufbegehren zahlreicher Literaten gegen die staatliche Obrigkeit widerspiegelt. In der Kritik des herrschenden Zeitgeistes knüpft der Vormärz an die Schriften des Jungen Deutschland an – wenngleich nun ein größerer revolutionärer Eifer festzustellen ist.

Wichtige Autoren und Werke des Vormärz
  • Georg Büchner (1813–1837):
    • »Der hessische Landbote«
    • »Dantons Tod«
    • »Woyzeck«
  • Christian Dietrich Grabbe (1801–1836):
    • »Don Juan und Faust«
    • »Die Herrmannschlacht«
  • Heinrich Heine (1797–1856):
    • »Deutschland. Ein Wintermärchen«
    • »Die schlesischen Weber«
  • Georg Herwegh (1817–1875):
    • »Aufruf« »Gedichte eines Lebendigen«
  • August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798–1874):
    • »Das Lied der Deutschen«
  • Ludwig Börne (1786–1837):
    • »Briefe aus Paris«

Geschichtlicher Hintergrund

Auf dem Wiener Kongress 1814/1815 hatten führende Staatsmänner Europas die Restauration beschlossen. Ziel war ein Gleichwicht der Kräfte. Dafür sollte die alte absolutistische Ordnung wiederhergestellt werden, die durch die Französische Revolution und die Napoleonischen Kriege erschüttert worden war. Entscheidenden Einfluss nahmen die Monarchen aus Preußen, Österreich und Russland, die sich zur Heiligen Allianz verbündeten.

Die Beschlüsse des Wiener Kongresses führten zu massiven Protesten in der Bevölkerung. Einen ersten Höhepunkt des Widerstands bildete das sogenannte Wartburgfest im Oktober 1817. Dazu hatte die Jenaer Burschenschaft eingeladen. Die in Burschenschaften organisierten Studenten forderten die Gründung eines Nationalstaats mit einer Verfassung auf Grundlage liberal-demokratischer Werte. Auch das Bürgertum verlangte ein Ende der Kleinstaaterei. Es strebte nach der Übernahme politischer Verantwortung, die seinem wirtschaftlichen Erfolg Rechnung trug.

Die Ermordung des konservativen Schriftstellers August von Kotzebue (1761–1819) wurde zum Anlass genommen, der Bewegung mit allen Mitteln entgegenzutreten. Insbesondere auf Betreiben des österreichischen Außenministers und späteren Staatskanzlers Fürst von Metternich (1773–1859) wurden die »Karlsbader Beschlüsse« erlassen. Die darin enthaltenen Maßnahmen waren gegen das politisch aufstrebende Bildungsbürgertum gerichtet. Sie führten unter anderem zur Überwachung der Universitäten, zur Einschränkung der Pressefreiheit und dem Verbot der politischen Aktivitäten der Burschenschaften.

Die oppositionellen Strömungen innerhalb des Deutschen Bundes wurden durch die französische Julirevolution (1830) befeuert, die dem Bürgertum in der »Grande Nation« erneut zur Übernahme der Macht verhalf. Die Revolution im Nachbarland führte auch hierzulande zu weiteren Unruhen. Die Fürsten reagierten, indem sie den Druck auf liberale und demokratische »Querdenker« nochmals verschärften. Gleichzeitig zeigte das an Selbstbewusstsein gewinnende Bürgertum immer weniger Bereitschaft, sich mit der umfassenden Zensur und den Einschränkungen der Freiheit abzufinden. Auf dem Hambacher Fest im Mai 1932 forderten die Liberalen Einheit, Freiheit und Demokratie.

Nicht zuletzt das Verbot der Werke des Jungen Deutschland (1835) führte dazu, dass sich die Literaten des Vormärz zunehmend radikalisierten. Nicht nur verliehen sie den Forderungen nach Einigkeit und der Überwindung der Restaurationszeit immer stärkeren Ausdruck. Auch die Folgen der beginnenden Industrialisierung, die seit dem Aufstand der schlesischen Weber 1844 nicht mehr zu übersehen waren, ließen das soziale Gewissen vieler Autoren nicht kalt.

Die Literatur des Vormärz ist somit das künstlerische Abbild eines sich verändernden gesellschaftlichen Klimas, welches schließlich in der Deutschen Revolution (1848/49) gipfeln sollte.

Der Begriff Vormärz

Der Begriff Vormärz bezeichnet somit nicht nur eine literarische, sondern vor allem auch eine Epoche der deutschen Geschichte, die der Märzrevolution im Jahr 1848 den Boden bereitete. An der Übereinstimmung der Begrifflichkeiten wird erkennbar, dass die Autoren jener Zeit mit ihrer Arbeit als unmittelbare politische Akteure tätig werden wollten.

Merkmale des Vormärz

Da die Autoren des Vormärz ihre Werke in erster Linie als ein Instrument des Kampfes und der Auflehnung verstanden, wurden sämtliche ästhetischen Kriterien der zu vermittelnden Botschaft untergeordnet. Die bereits beim Jungen Deutschland festzustellende Ablehnung der als zu elitär verworfenen Romantik und Klassik setzte sich somit auch in vorrevolutionärer Zeit unvermindert fort. Literatur sollte hier nicht mehr als ein unterhaltsames Beiwerk der Mußestunde dienen, sondern auf so viele Bevölkerungsschichten wie möglich wirken. Folgerichtig gewinnt im Vormärz unter anderem die Lyrik an Gewicht, in der sich die Kritik an Thron und Krone am prägnantesten zusammenfassen ließ.

Lyrik im Vormärz

Insbesondere aufgrund der zahlreich veröffentlichten politischen Gedichte und Lieder tritt die Lyrik als vorherrschende Literaturgattung des Vormärz in Erscheinung. Vor allem Georg Herwegh gelang es mit seiner Sammlung »Gedichte eines Lebendigen« nationale Bekanntheit zu erlangen – und entsprechenden Einfluss auf die politischen Entwicklungen zu nehmen. Engagierte Lyrik wurde zudem auch von Ferdinand Freiligrath (»Neue politische und soziale Gedichte«) und August Heinrich Hoffmann von Fallersleben veröffentlicht, der im Jahr 1841 auf Helgoland unter anderem auch das »Lied der Deutschen« verfasste.

Allerdings bleibt festzuhalten, dass sich unter den Literaten des Vormärz teilweise auch Widerspruch gegen den Versuch der direkten politischen Einflussnahme der Lyriker erhob. Namentlich von Heinrich Heine wurden die entsprechenden Werke als gehaltlose »Tendenzliteratur« kritisiert. Da Heine jedoch die grundsätzliche Kritik an den herrschenden Verhältnissen teilte, steuerte er mit »Die schlesischen Weber« und dem Epos »Deutschland. Ein Wintermärchen« auch selbst politische und sozialkritische Gedichte zur Literatur des Vormärz bei.

Prosa im Vormärz

Der Hang zur Kürze schlägt sich auch in der epischen Literatur des Vormärz nieder; so gewinnen in den entsprechenden Jahren der Brief und der Reisebericht als künstlerisches Ausdrucksmittel an Gewicht. Dabei zeigt sich immer wieder, dass die Entwicklungen in Frankreich im Nachgang der Julirevolution direkten Einfluss auf das Aufflammen der revolutionären Stimmung nehmen: Mit dem Journalisten Ludwig Börne (»Briefe aus Paris«) und Heinrich Heine (»Deutschland. Ein Wintermärchen«) machen sich zwei in Paris sesshaft gewordene Autoren um einschlägige Werke des Vormärz verdient.

Georg Weerth nutzt dagegen das Mittel der bissigen Satire, um in »Leben und Taten des berühmten Ritters Schnapphahnski« den Adel aufs Korn zu nehmen. Der im Revolutionsjahr 1848 veröffentliche Feuilletonroman ruft zudem in Erinnerung, dass sich zumindest einige Literaten des Vormärz auch weiterhin dem klassischen Bildungsbürgertum verpflichtet fühlten.

Dramatik des Vormärz

In Bereich der Dramatik wird vielleicht am deutlichsten, dass sich die literarischen Epochen des Vormärz und des Jungen Deutschland stellenweise überlagern und inhaltlich durchdringen. So ist etwa Georg Büchner aufgrund seines frühen Todes im Jahr 1837 zeitlich eher dem gemäßigteren Jungen Deutschland zuzurechnen, mit der kritische Sprengkraft seiner Werke wird von Büchner jedoch teilweise sogar die revolutionäre Literatur der 1840er Jahre übertroffen. Sowohl mit dem sozialkritischen »Woyzeck« als auch dem Revolutionsdrama »Dantons Tod« weist sich der Begründer des sozialen Dramas indirekt als Geisteskind des Vormärz aus.

Stärker noch als der zunächst verkannte Büchner, hat aber Karl Gutzkow mit seinem dramatischen Werk auf die tagespolitischen Diskussionen Einfluss genommen. Spätere Generationen haben dagegen eher dessen Komödien Interesse entgegengebracht, so ist etwa das 1844 uraufgeführte »Das Urbild des Tartüffe« zu den am häufigsten gespielten Bühnenstücken des 19. Jahrhunderts zu zählen.