Inhaltsangabe

Der Roman »Fast ein bisschen Frühling« erschien 2002. Mit minutiöser Genauigkeit schildert der Schweizer Autor Alex Capus einen historischen Kriminalfall aus den 1930er Jahren. Protagonisten sind Kurt Sandweg und Waldemar Velte. Die Freunde wollen Nazideutschland verlassen. Das Geld dafür beschaffen sie sich bei einem räuberischen Banküberfall. Im Winter 1933/34 sind sie auf der Durchreise in Basel, wo Waldemar sich in die Schallplattenverkäuferin Dorly Schupp verliebt. Die Geschichte von der Hoffnung auf ein bisschen Glück, von Freundschaft, Liebe und Verrat nimmt ein tragisches Ende.

Aufbau des Romans

Der Roman folgt weitgehend der Chronologie des Geschehens. Er ist in 23 Kapitel gegliedert, die jeweils in mehrere Abschnitte unterteilt sind. Ich-Erzähler ist Max, der Enkel von Ernst und Marie Walder. Er hat das damalige Geschehen recherchiert. Seine Schilderungen sind durchsetzt von Abschriften aus Polizeiarchiven und Verhörprotokollen, Zeitungsartikeln und Gerichtsbeschlüssen, Tagebuchnotizen sowie Äußerungen von Waldemars überlebender Schwester Hilde Velte. Durch eingestreute Werbung für Kinofilme oder die begeisterten Beschreibungen des Großvaters von den Autos jener Zeit werden die 1930er Jahre in Basel lebendig.

Ankunft in Basel

Am 13. Dezember 1933 sind die deutschen Ingenieure Kurt Sandweg und Waldemar Velte auf der Durchreise in Basel. Beide sind 23, wirken aber älter. Waldemar ist schwermütig, Kurt hat ein heiteres Wesen; sie verbindet eine auffallend enge Freundschaft.

In der Schallplattenabteilung im Basler Kaufhaus Globus tanzen die Männer Tango mit der geschiedenen Verkäuferin Viktoria Schupp, genannt Dorly. Bei der Musik von Willi Kollo verliebt sich Waldemar in Dorly. Die Männer verschieben ihre Weiterreise. Am nächsten Abend sind die drei zu einem Spaziergang verabredet. Dorly bringt ihre Freundin Marie Stifter mit, die spätere Großmutter des Erzählers Max.

Banküberfall in Stuttgart und Flucht – Rückblick

Im Rückblick wird ein Banküberfall in Stuttgart am 18. November 1933 geschildert. Dabei wird der Filialleiter in Folge einer Art Kettenreaktion unabsichtlich erschossen. Mit der Beute fahren die Täter Kurt und Waldemar zurück in ihre Heimatstadt Wuppertal. Ihre Familien leiden unter der extrem hohen Arbeitslosigkeit in Deutschland. Waldemar und Kurt sehen die Nazis als Verbrecherregime an und verweigern den Arbeitsdienst. Um nach Amerika oder Indien zu kommen, benötigen sie Visa, die umständlich zu erlangen sind. Sie fliehen zunächst nach Antwerpen, von dort weiter nach Paris, und sieben Tage später nach Basel. In Paris haben sie ein aufziehbares Reisegrammophon gekauft.

Entstehungsgeschichte

Alex Capus hat nach eigenen Angaben fünfzehn Jahre an diesem Roman gearbeitet. Veröffentlicht wurde schließlich die zweiundzwanzigste (!) Fassung. Die Herausforderung habe für ihn darin bestanden, dass das Buch »glaubwürdig und faktentreu werde wie eine wissenschaftliche Arbeit, gleichzeitig aber auch traurig, lustig und spannend wie ein Spielfilm«. (Quelle: »Was seither geschah«, Alex Capus, Residenz Verlag, 2003)

Die Großeltern des Erzählers

Die Großeltern des Erzählers, Ernst und Marie Walder, geborene Stifter, leben seit jeher im Basler Hinterland. Sie sind damals 33 und 26 Jahre alt und gelten im Dorf als füreinander bestimmt. Tatsächlich empfinden sie weder Liebe noch Leidenschaft füreinander. Ihr späteres gemeinsames Leben ist ein Kampf, den jeder von ihnen gegen den anderen gewinnen will. Ihr Umgang miteinander ist von Feindseligkeit bis hin zu Hass geprägt.

Bei dem Spaziergang zu viert ist Marie an Kurts Seite und hat Spaß wie nie zuvor. Ernst Walder verfolgt sie dabei. Am folgenden Abend merkt Marie, dass sie dabei ist sich in Kurt zu verlieben; sie erkrankt an Grippe und verlässt wochenlang nicht ihr Bett. Am 4. Januar verlobt sie sich mit Ernst.

Banküberfall in Basel

Unterdessen werden die abendlichen Spaziergänge zu dritt fortgesetzt. Tagsüber kaufen Kurt und Waldemar bei Dorly Schallplatten. Am 4. Januar stehlen die Männer ein Auto sowie Pistolen bei einem Waffenhändler. Am 5. Januar überfallen sie in Basel eine Bank. Der Direktor und der Hauptkassierer werden dabei erschossen. Die Beute ist gering.

Am Abend nach dem Verbrechen nehmen Kurt und Waldemar Abschied von Dorly. Auf deren Wunsch hin zeigen die Männer ihr ihre Pässe. Dorly merkt sich die Daten und wird sie später an die Polizei weitergeben.

Flucht nach Frankreich und Rückkehr nach Basel

Kurt und Waldemar reisen nach Lyon und weiter nach Marseille. Waldemar hat Sehnsucht nach Dorly. Als ihnen wiederholt die Einreise nach Spanien verweigert wird, machen sich die Freunde auf den Weg nach Berlin, um Visa zu beantragen. Ab 13. Januar sind sie erneut auf der Durchreise in Basel. Wieder kaufen sie jeden Tag eine Schallplatte und gehen abends mit Dorly spazieren.

Unterdessen wird in Basel mit Hochdruck nach den Bankräubern gefahndet. Am 19. Januar werden Kurt und Waldemar von einer Zivilstreife überprüft. Daraufhin kaufen sie für den nächsten Tag Fahrkarten nach Berlin. Am Morgen des 20. Januar werden sie beim Packen in ihrer Pension von einer Polizeikontrolle überrascht. Waldemar schießt auf zwei Polizisten und tötet sie. Waldemar und Kurt fliehen mit gestohlenen Fahrrädern.

Das Gangsterduo Bonnie und Clyde

Wiederholt zitiert Alex Capus Zeitungsmeldungen über das US-amerikanische Mörderpaar Bonnie Parker und Clyde Barrow. Sie waren fast gleich alt wie Kurt und Waldemar und agierten etwa zur selben Zeit im Mittleren Westen. Während der großen Weltwirtschaftskrise überfielen sie Banken, Tankstellen und Läden, waren an Entführungen beteiligt und befreiten ehemalige Komplizen aus dem Gefängnis. Clyde erschoss jeden, der sich ihm in den Weg stellte, darunter zahlreiche Polizisten. Zwei Jahre dauerte die Jagd nach den beiden. Am 23. Mai 1934 gerieten sie im Auto in einen Hinterhalt und wurden brutal zur Strecke gebracht. Sie starben im Kugelhagel der Polizei auf dem Highway 154 in Louisiana.

Großfahndung

Die Polizei leitet eine Großfahndung ein. Eine Spur führt zu Dorly, die noch am selben Tag vernommen wird. Sie sagt alles aus, was sie über ihre Freunde weiß. Am Abend werden Kurt und Waldemar in der Nähe von Dornach entdeckt. Sie erschießen zwei Polizeibeamte, die ihnen dicht auf den Fersen sind. Einer ist sofort tot, der andere wird überleben.

Mit Verstärkung aus den Nachbarkantonen werden Kurt und Waldemar in einem Wald umzingelt. Die Bevölkerung verbarrikadiert sich. Nur Franz Zellweger, 21, besteigt sein Motorrad, um die Bankräuber zu stellen. Er wird von einem Polizisten irrtümlich erschossen.

Die Nacht zum 21. Januar verbringen Kurt und Waldemar im Wald versteckt. Waldemar notiert, dies sei der letzte Tag seines Leben. Auf der Suche nach objektiver Wahrheit und mit seiner Fähigkeit logisch zu denken, müsse er konsequenterweise mit der bürgerlichen Gesellschaft in Konflikt geraten. Er verachte die Menschen als Weltverbrecher und bereue nichts. Er und Kurt hoffen auf das Verständnis ihrer Familien.

Am nächsten Morgen gibt die Polizei ihre Stellungen rund um den Wald auf. Es wird vermutet, dass die Bankräuber im Schutz der Nacht geflohen sind. Ein Doppeldecker kreist über dem Basler Umland. Auf freiem Feld wird Ernst Walder für Kurt gehalten und gerät kurz ins Visier der Polizei.

Verrat und das Ende

Am Abend des 22. Januar ruft Kurt bei Dorly an und bittet sie Essen zu einem Treffpunkt im Park zu bringen. Dorly informiert die Polizei, die den Park umstellt. Kurt und Waldemar erwarten Dorly mit gezückter Pistole. Die beiden scheinen jede Hoffnung aufgegeben zu haben. Später wird Dorly Ohrenzeuge von Schüssen.

Die Freunde wollen sich gegenseitig auf drei erschießen. Kurt stirbt, doch Waldemar ist nur leicht verletzt. Er schreibt Abschiedsworte an Dorly, bittet um Verzeihung und nennt sie das größte Glück seines Lebens. Im Morgengrauen tötet er sich mit einem Schuss in die Brust.

Die Reaktionen auf das Geschehen sind vielfältig. Die Kommunisten nennen Kurt und Waldemar Nazis, die Katholiken Manifestationen des Teufels. Andere diskutieren die Ausländer- und Flüchtlingsfrage. Nur eine Gleichaltrige schreibt vom Heranwachsen in einer Welt, die Jugendlichen keinen Raum für ihre Fähigkeiten gibt.

Im letzten Kapitel wird erzählt, was aus den Überlebenden geworden ist. Hervorzuheben ist Dorly. Sie wurde insgeheim der Mitwisserschaft beschuldigt und hatte eine schwere Zeit. Ihre Spur verliert sich 1942 nach dem Tod ihrer Mutter.

»Tagebuch eines Romans«

So lautet der Untertitel eines 2003 erschienenen Buches »Was seither geschah« von Alex Capus. Nach der Veröffentlichung seines Romans über die Bankräuber Kurt Sandweg und Waldemar Velte sah sich der Autor mit wohlwollenden »Richtigstellungen« von Zeitzeugen konfrontiert. Niemals, so der Autor, wurde jedoch der Wahrheitsgehalt der geschilderten Spaziergänge angezweifelt. Die winterliche Flusslandschaft war der Vorstellung des Autors entsprungen; diese wurde durch unerwartet aufgetauchte Schnappschüsse aus jenen Tagen bestätigt. Das Folgebuch enthält darüber hinaus weitere Fotografien und Kopien von Dokumenten und als besonderes Highlight eine CD mit Liedern von Willi Kollo.


Zusammenfassung von Mia Sabinger / Inhaltsangabe.de.
Veröffentlicht am 3. November 2015, zuletzt aktualsiert am 2. November 2015.