Inhaltsangabe

Die Novelle »Die schwarze Spinne« von Jeremias Gotthelf stammt aus dem Jahr 1842. Ein Tauffest im 19. Jahrhundert im Emmental dient als Rahmenhandlung. Darin eingebettet finden sich zwei Binnengeschichten, die vom zweimaligen Auftreten einer teuflischen schwarzen todbringenden Spinne erzählen, zuerst zur Zeit der Kreuzritter und Kreuzzüge im 13. Jahrhundert, ein weiteres Mal in der frühen Neuzeit des 15. Jahrhunderts.


In einer rechtschaffenen und gottesfürchtigen Familie im Emmental wird ein Tauffest gefeiert. Das Haus ist herausgeputzt, und bevor man zur Kirche geht, werden besonders gute Speisen vorbereitet. Nach der Taufe versammeln sich Eltern, Großeltern und Paten zum Festmahl. Im Neubau des Hauses fällt ein offensichtlich alter, schwarzer Fensterpfosten auf, und die Gäste fragen nach dem Grund dafür. Nach anfänglichem Zögern entschließt sich der Großvater die Geschichte des Pfostens zu erzählen. Er schildert die Zeit der Kreuzritter vor etwa 600 Jahren:

Die Bauern leben als Leibeigene der Ritter und sind deren Willkür ausgeliefert. Hans von Stoffel beutet die Bauern des Tals rücksichtslos aus. Unter der Last immer neuer schikanöser Aufgaben brechen sie fast zusammen. Als sie innerhalb eines Monats einhundert große Buchen den Schlossberg hinaufschaffen und daraus eine Allee pflanzen sollen, sind sie der Verzweiflung nahe.

Ein grüner Jäger erscheint, der den Bauern seine Hilfe anbietet. Als er im Tausch für seine Dienste ein neugeborenes und ungetauftes Kind verlangt, erkennen sie in dem Grünen den Teufel und ergreifen die Flucht. Alle lehnen den Pakt einhellig ab, mit Ausnahme von Christine, einer Zugezogenen aus Lindau. Um die aussichtslose Situation zu retten, entschließt Christine sich zu dem Handel mit dem Teufel. Dieser besiegelt das Geschäft mit einem Kuss auf ihre Wange, der ihr als brennender Schmerz durch den ganzen Körper fährt und den sie fortan glühend auf der Wange spürt.

Der Grüne erfüllt seinen Teil der Abmachung auf mysteriöse Weise, niemand kommt hinter das Geheimnis. Die Bauern jedoch verweigern die Gegenleistung. Als eine junge Frau ein Kind gebiert, wird es sofort vom Priester getauft. Im Glauben den Teufel überlistet zu haben feiert man ein großes Fest. Unterdessen beginnt das Kussmal auf Christines Wange schrecklich zu schmerzen. Ein schwarzer Punkt mit schwarzen Streifen entsteht auf der Wange, und ein Höcker bildet sich heraus.

Vor der Geburt eines weiteren Kindes verändert sich der Höcker auf dem Mal und gleicht schließlich einer behaarten Kreuzspinne, vor der die Menschen sich fürchten. Als auch dieser Säugling getauft wird, schlüpfen aus der Kreuzspinne unzählige weitere Spinnen, die eine Viehseuche ins Tal bringen. Tierherden verenden, und um die wachsende Not abzuwehren, soll das nächste Neugeborene dem Grünen geopfert werden. Christine raubt das Kind, doch der Priester verfolgt sie. Christine verwandelt sich, schrumpft in die große schwarze Spinne und setzt sich auf das Kind.

Der Priester befreit das Kind von der Spinne und tauft es. Fortan bringt die Spinne jedem, der mit ihr in Berührung kommt, auch dem Priester, den Tod. Alle Versuche, die Spinne ihrerseits zu töten, scheitern.

Schließlich gelingt es der jungen Frau, deren Kinder der Priester gerettet hat, die Spinne zu fangen. Sie sperrt sie in ein zuvor gebohrtes Loch in einem Holzbalken und verschließt es mit einem Zapfen. Dabei kommt die Frau zu Tode, aber sie rettet das Leben ihrer Kinder und der anderen Menschen.

Nach dem Ende der Geschichte setzt die Taufgesellschaft das Festmahl bestürzt und beklommen fort. Auf die drängende Nachfrage, ob die Spinne seither das Loch nicht verlassen habe, erzählt der Großvater die zweite Geschichte, die sich etwa zweihundert Jahre nach der ersten abspielt:

Nach einer langen Zeit der Ruhe und des Friedens greifen Hochmut und der Verfall der Sitten um sich. In dem Haus mit der Spinne regiert erneut eine Zugezogene, die ihre Untergebenen quält und ihren gutmütigen Sohn Christen beherrscht.

Ein fremder Knecht, dessen Erscheinung dem Grünen ähnelt, löst an einem Weihnachtstag aus Übermut den Zapfen und befreit die Spinne. Diese beginnt erneut einen mörderischen Zug durch das Haus und das ganze Tal; nur wenige Menschen überleben.

Der Hausherr Christen übernimmt die Verantwortung für die grausamen Vorkommnisse. Wie die junge Mutter zu Christines Zeiten, seine Ahnin, opfert Christen sein Leben, um die Spinne erneut einzufangen. Er sperrt sie wieder in das Loch und stirbt. So rettet er seine Kinder und alle Menschen im Tal.

Nach dem Ende der zweiten Geschichte legt sich die Beklommenheit der Taufgäste. Die Hoffnung des Großvaters, dass sich das Wissen um die Vergangenheit positiv auf die Lebensführung der Menschen auswirke, scheint sich zu erfüllen. Der Festtag geht ruhig und besinnlich seinem Ende entgegen.


Im 19. Jahrhundert sah Jeremias Gotthelf die Lösung für die Gefährdungen der Gemeinschaft in der Rückbesinnung auf Sitte, Anstand und gottesfürchtige Religion im Sinne Luthers. Gerade wenn uns diese Ansätze aus der Epoche des Biedermeier nicht mehr zeitgemäß erscheinen, so können wir die Novelle »Die schwarze Spinne« doch zum Anlass nehmen, nach anderen Antworten auf die Herausforderungen des gesellschaftlichen Zusammenlebens zu suchen.

Zusammenfassung von Mia Sabinger /  Inhaltsangabe.de.
Veröffentlicht am 11. April 2012, zuletzt aktualsiert am 26. März 2017.