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Der goldne Topf

Gattung/Textsorte
Erscheinungsjahr
1814
Originalsprache
Deutsch
Literarische Epoche oder Strömung

Über das Werk

»Der goldne Topf« ist ein Kunstmärchen von E. T. A. Hoffmann (1776 - 1822) und ein typisches Werk für die Literaturepoche der Romantik. Die Erstveröffentlichung erfolgte innerhalb einer vierbändigen Reihe, genannt die »Fantasiestücke in Callot’s Manier«, 1814.

Hoffmann arbeitete bereits seit Juli 1813 an dem Werk, eine Zeit, die von politischen Umbrüchen und Kriegen geprägt war. Verweise darauf sind auf den ersten Blick nicht im Märchen wiederzufinden, vielmehr scheint es einen Gegenvorschlag zum düsteren Alltag darzustellen. Während sich über den politischen Bezug streiten lässt, weist das Werk durchaus autobiographische Züge aus Hoffmanns Zeit in Bamberg auf.

Der Student Anselmus wird durch die Liebe zu Serpentina und den Anblick des goldenen Topfes von einer nie gekannten Sehnsucht erfasst, die ihn durch die Arbeit beim Archivarius Lindhorst über die Grenzen der alltäglichen Welt hinweg in das wunderbare Reich Atlantis führt.

Schauplatz der Handlung ist Dresden, das mit genauen Ortsangaben die realistische und bürgerliche Welt darstellt. Daneben existiert die fantastische, mystische Welt, der Atlantis als Ursprung dient. Atlantis ist ein sagenumwobenes, paradiesisches Reich. Obwohl Figuren in beiden Welten existieren und von der einen in die andere übergehen, handelt es sich um eine Zwei-Welten-Konstruktion, die auch auf sprachlicher Ebene deutlich wird. Bipolare Figurenpaare machen neben den beiden Welten auch die Gegensätze von Gut und Böse deutlich. Der zeitliche Rahmen ist vom Himmelfahrtstag (also Anfang Mai) bis zum 4. Februar genau datiert.

Hoffmann spielt mit Illusionen, Metamorphosen und der Frage nach Realität und Einbildung. Die Erzählperspektive leistet dazu einen großen Beitrag. So wendet sich der Erzähler, der erst auktorial agiert, insgesamt viermal als Ich-Erzähler an den Leser und fordert dessen Empathie und Einbezug in das Geschehen. Das Erzählen selbst rückt in den Vordergrund. Die Poesie hat einen hohen Stellenwert in der Romantik. Eine mögliche Interpretation beschreibt Anselmus’ Entwicklung vom Schreiberling zum Poeten. Hoffmann selbst war nicht nur Dichter, sondern auch Musiker. Die Vereinigung der Künste war ein Bestreben der Romantiker, das sich in den ausführlichen Beschreibungen von Klängen und Tönen im Werk wiederfinden lässt.

Obwohl das Kunstmärchen lobend aufgenommen wurde, erntete es von den Vertretern der Weimarer Klassik herbe Kritik. Der große Erfolg trat im Ausland, insbesondere in Frankreich ein. Heute wird das Märchen auf unterschiedlichen Deutungsebenen untersucht und auf deutschen Bühnen in Szene gesetzt.  

Veröffentlicht am 5. August 2012. Zuletzt aktualisiert am 1. Juni 2024.

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