Erstes Leid

Franz Kafkas 1922 erstmals veröffentlichte und 1924 in den Sammelband »Ein Hungerkünstler« aufgenommene Erzählung »Erstes Leid« spielt in einem Wander-Varieté vermutlich zur Zeit ihrer Entstehung. Sie handelt vom Altern eines begabten, aber absonderlichen Trapezkünstlers. Ein Trapezkünstler lebt mit Einverständnis der Direktion Tag und Nacht auf seinem Trapez in der Zirkuskuppel und wird von unten mit […]

Werkdaten

Titel
Erstes Leid
Autor
Gattung/Textsorte
Erscheinungsjahr
1922
Originalsprache
Deutsch

Autor des Werkes

Franz Kafka
Böhmischer Romancier und Kurzgeschichtenschreiber
Franz Kafka (1883–1924) war einer der wichtigsten deutschsprachigen Erzähler des 20. Jahrhunderts. Sein Leben verbrachte er überwiegend in seiner Geburtsstadt Prag. Kafka ist berühmt für seine grotesken und absurden Erzählungen und Romane. Viele davon erschienen postum: Herausgeber war Max Brod (…

Inhaltsangabe

Franz Kafkas 1922 erstmals veröffentlichte und 1924 in den Sammelband »Ein Hungerkünstler« aufgenommene Erzählung »Erstes Leid« spielt in einem Wander-Varieté vermutlich zur Zeit ihrer Entstehung. Sie handelt vom Altern eines begabten, aber absonderlichen Trapezkünstlers.


Ein Trapezkünstler lebt mit Einverständnis der Direktion Tag und Nacht auf seinem Trapez in der Zirkuskuppel und wird von unten mit dem Nötigsten versorgt. Kontakte zu anderen Menschen sind die Ausnahme.

Notwendige Ortswechsel des Varietés sind eine große Belastung für den Künstler. Der ihm zugetane Impresario sorgt dafür, dass Autoreisen mit Höchstgeschwindigkeit gemacht werden. Bahnfahrten verbringt der Künstler im Gepäcknetz hängend.

Auf einer Bahnfahrt bittet der Trapezkünstler den Impresario plötzlich weinend um ein zweites Trapez – dem ersten gegenüber. Er könne so nicht mehr leben. Der Impresario sagt es ihm zu. Während der Künstler im Gepäcknetz einschläft, überkommen den Impresario Unruhe und Sorge. Er meint, die ersten Falten auf der Stirn des Trapezkünstlers zu erkennen.


Die kurze und – für Kafka ungewöhnlich – schlichte Erzählung rührt den Leser an. Der in seiner eigenen Welt lebende Protagonist spürt nach vielen Jahren der Genügsamkeit einen Mangel, den er nicht benennen kann und dem er allein mit den Mitteln, die er kennt, zu begegnen versucht. Der Schlusssatz lässt der Fantasie Raum für die Fortsetzung der Geschichte.