Inhaltsangabe

Franz Kafkas Erzählung »In der Strafkolonie« entstand im Oktober 1914, zwei Monate nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges, und wurde 1919 erstmals veröffentlicht. Ein hochrangiger Forschungsreisender aus dem europäischen Ausland folgt der Einladung eines Offiziers der Exekution eines Verurteilten beizuwohnen. Ort der Handlung ist ein abgeschlossenes kleines Tal auf einer Insel in den Tropen. Angaben zur Zeit werden keine gemacht.

Die Demonstration der Hinrichtungsmaschine durch den Offizier und deren Ablehnung durch den Reisenden

Der Reisende beobachtet gleichmütig den Offizier, der eine Hinrichtungsmaschine auf ihre Einsatzfähigkeit untersucht. Der Apparat wie überhaupt die ganze Kolonie als ein geschlossenes Rechtssystem ist eine Erfindung des früheren Kommandanten, dessen Lebenswerk der Offizier nach dessen Tod vehement verteidigt und zu retten versucht. Begeistert erklärt der Offizier dem Reisenden die Funktionsweise der Maschine. Sie besteht aus drei Teilen: einem sogenannten Bett, auf dem der entblößte Verurteilte liegt, einem Zeichner, der nach Vorlagen arbeitet und die Egge steuert, deren spitze Nadeln in den Körper des Verurteilten eindringen.

Der Reisende bewundert den Offizier, dem die Hitze trotz seiner Uniform nichts auszumachen scheint, während sie ihm und dem Soldaten, der den Verurteilten bewacht, zu schaffen macht. Das Interesse des Reisenden nimmt zu und der Offizier erklärt, dass den Verurteilten das Gebot, das sie überschritten haben, mit der Egge auf den Leib geschrieben wird, bis die so Gefolterten nach sechs Stunden ihre Schuld erkennen. In den nächsten sechs Stunden werden sie langsam getötet und dann verscharrt. Zu seiner Überraschung erfährt der Reisende, dass die Verurteilten zu Beginn der Prozedur weder das Urteil kennen noch sich verteidigen können. Der Offizier ist einziger und höchster Richter in der Strafkolonie. Die Schuld ist immer zweifellos: Vollstreckt wird aufgrund einer Anzeige und die Hinrichtung ist ein vielbesuchtes öffentliches Ereignis.

Der Reisende runzelt die Stirn und setzt im Stillen seine Hoffnung auf den neuen Kommandanten, der die Exekutionsmaschine ablehnt und sie boykottiert, indem er das Budget für ihre Unterhaltung gekürzt hat. Der Offizier beklagt, dass es keine Anhänger der Maschine mehr gebe und er als einziger das Erbe des alten Kommandanten pflege. Unterdessen wird der Verurteilte auf das Bett geschnallt. Obwohl der Reisende die Ungerechtigkeit des Verfahrens und die Unmenschlichkeit der Exekution erkennt, will er sich nicht einmischen. Als ihn der Offizier jedoch drängt, sich bei dem neuen Kommandanten für den Erhalt der Maschine einzusetzen, lehnt er ab und verweigert jegliche Unterstützung.

Das gescheiterte Selbstopfer des Offiziers

Der Offizier sieht ein, dass er den Reisenden nicht überzeugen kann, und verkündet, dass die Zeit gekommen sei. Er will sich selbst der Maschinerie ausliefern. Er lässt den Verurteilten frei und programmiert den Zeichner mit dem Gebot »Sei gerecht«. Er zieht sich nackt aus und legt sich auf das Bett. Der Apparat wird in Gang gesetzt, funktioniert jedoch nicht wie geplant. Die Maschine geht in Trümmer und die Nadeln der Egge zerstechen den Körper der Offiziers, der sofort den Tod findet. Noch im Tod blicken seine Augen ruhig und überzeugt. Der Reisende, gefolgt vom Soldaten und dem Verurteilten, geht in das Teehaus der Kolonie, wo der alte Kommandant begraben liegt, weil der Geistliche ihm einen Platz auf dem Friedhof verwehrt hatte. Die Inschrift auf dem Grabstein prophezeit seine Auferstehung und Wiedereroberung der Kolonie.

Das fluchtartige Verlassen der Kolonie durch den Reisenden

Der Reisende geht zum Hafen und chartert ein Boot, das sofort ablegt. Der Soldat und der Verurteilte wollen sich ihm anschließen, aber der Reisende hindert sie daran.

Es gibt viele Lesarten dieser verstörenden Parabel, zudem unterschiedliche Interpretationsansätze. Kafka erzählt das Schockierende im Tonfall des Selbstverständlichen, und vergeblich sucht der empörte Leser nach einem Verbündeten unter den Protagonisten. Der in seiner Heimat angesehene Reisende bleibt in seinen Reaktionen uneindeutig. Obwohl er das Prinzip der Rechtsstaatlichkeit verletzt sieht, hat der Offizier doch seine Sympathie. Gleichzeitig ist der Reisende als Zuschauer eine Figur, die Distanz schafft und verhindert, dass der Leser selbst in die Geschichte hineingezogen wird.


Zusammenfassung von Mia Sabinger /  Inhaltsangabe.de.
Veröffentlicht am 1. August 2013, zuletzt aktualsiert am 26. März 2017.