Inhaltsangabe

Von den Geschehnissen während »Gullivers Reisen« sind häufig nur jene Teile bekannt, die auch als Kinderbuch erschienen sind. Dabei umfasst der von Jonathan Swift verfasste und im Jahre 1726 veröffentlichte Roman insgesamt vier Teile, die dem Buch einen überwiegend satirisch-kritischen Tenor geben. Das Werk mit dem vollständigen Titel »Die Reisen in mehrere weit entfernte Länder der Erde von Lemuel Gulliver, erst als Arzt, dann als Kapitän mehrerer Schiffe« handelt zur Zeit der großen Entdeckungen durch das Befahren der Weltmeere im 17. und 18. Jahrhundert. Der genaue Zeitraum der Abenteuer wird mit Mai 1699 bis Dezember 1715 angegeben. Durch die wechselnden Handlungsorte ist Lemuel Gulliver die einzige Hauptperson, die während des gesamten Romans agiert.

Teil 1: Die Reise nach Lilliput

Gulliver's Travels

Die erste Ausgabe von »Gulliver’s Travels« (»Gullivers Reisen«)

Nach ein paar einleitenden Sätzen des fiktiven Buchverlegers Richard Sympson erfährt der Leser, wie Lemuel Gulliver auf einem Schiff anheuert. Dort ist er zunächst als Wundarzt tätig. Während eines heftigen Sturms gerät das Schiff in Seenot und Gulliver flüchtet gemeinsam mit fünf weiteren Seeleuten in einem Rettungsboot. Das kleine Boot kentert und Gulliver erreicht als einziger Überlebender einen Strand, wo er erschöpft einschläft. Als Gulliver allmählich wieder zu Bewusstsein kommt, kann er sich kaum bewegen, weil er mit Seilen und Stricken fixiert wurde. Gulliver bemerkt mehrere kleine Menschen, die von Swift als »sechs Zoll kleine Winzlinge« beschrieben werden. Diese Liliputaner bringen Gulliver zunächst Nahrung und verfrachten ihn dann in ihre Stadt, wo der Schiffbrüchige wieder gefesselt wird. Der Kaiser der Liliputaner lässt den Riesen zunächst mit Akrobaten und Artisten unterhalten und stellt danach einige Forderungen, die sich vor allem auf Kriegsdienste beziehen. Gulliver akzeptiert notgedrungen und wird von seinen Fesseln befreit.

Nachdem sich der Schiffbrüchige einige Tage in Lilliput eingelebt hat, erfährt er von verschiedenen politischen und diplomatischen Konflikten. So gäbe es gravierende Probleme zwischen zwei Gruppierungen, die sich lediglich durch die Höhe ihrer Absätze unterscheiden. Noch bedrohlicher aber seien die Invasionspläne der Insel Blefuscu. Streitpunkt zwischen den Völkern ist die Frage, ob ein Ei nun am flachen oder am spitzen Ende geöffnet werden soll. Ein Vorfahre des Kaisers hatte für das Volk der Liliputaner das spitze Ende verfügt, nachdem er sich am flachen Ende eines Tages verletzt hatte. Nach erheblichem Widerstand eines Teils der Liliputaner gegen diese Anordnung sind die Gegner auf eben diese Insel Blefuscu geflohen. Der Schiffbrüchige erklärt sich solidarisch mit den verbliebenen Liliputanern und begibt sich zur Insel Blefuscu, wo er alle Schiffe nach Lilliput entführt. Wenige Tage später erklären die Abtrünnigen von Blefuscu den Streit als beendet. Im Rahmen der Feierlichkeiten wird Gulliver eingeladen und kann dort – angeregt durch reichlichen Weinkonsum – einen Brand im Palast des Kaisers »löschen«. In den folgenden Tagen studiert der Riese die teilweise sehr skurrilen Sitten und Gebräuche in Lilliput, muss aber auch erfahren, dass man ihn wegen öffentlichen Urinierens vor Gericht stellen will. Um einer Bestrafung zu entgehen, flieht Gulliver zunächst nach Blefuscu und versucht kurz darauf mittels eines Bootes, in die Heimat zurückzukehren.

Teil 2: Die Reise nach Brobdingnag

Nachdem Gulliver von einem englischen Schiff entdeckt und nach England zurückgebracht wurde, ist er bereits einige Wochen später wieder auf hoher See unterwegs. Durch ein Unwetter kommt das Schiff vom Kurs ab und die Besatzung entdeckt eine fremde Insel, die auch sogleich erkundet wird. Gulliver – wegen der übereilten Flucht seiner Mannschaft inzwischen allein in dem fremden Land – findet sich plötzlich in einer Welt der Riesen wieder. Zuflucht findet er zunächst bei einer Bauernfamilie. Besonders die Tochter, ein Mädchen namens Glumdalclitch, kümmert sich rührend um den vermeintlichen Zwerg. Als die Existenz von Gulliver dem Königshaus bekannt wird, werden Bauer und Gulliver zur Königin befohlen, die den winzigen Gulliver natürlich behalten möchte. Gemeinsam mit Glumdalclitch wohnt Gulliver nun am Hofe, hat aber dort auch Feinde wie beispielsweise einen Zwerg, der um seine Popularität fürchtet. Mehrere Male muss sich Gulliver aus prekären Situationen retten, in die er von besagtem Zwerg gebracht wurde.

Als Gulliver am Strand von Brobdingnag von einem Vogel entführt wird, endet sein Aufenthalt auf der Insel der Riesen. Ein weiteres Mal wird er von einem Schiff aus dem Meer gezogen und gelangt so schließlich wieder zurück in seine Heimat.

Teil 3: Die Reisen nach Laputa, Balnibarbi, Luggnagg, Glubbdubdrib und Japan

Auch der dritte Teil des Romans beginnt mit einer Schiffsreise, die Gulliver diesmal auf Ersuchen eines seltsamen Unbekannten unternimmt. Nach einem Piratenüberfall soll Gulliver zunächst über Bord geworfen werden. Ein japanischer Pirat allerdings kann ihn davor bewahren und so wird er mit etwas Verpflegung in einem kleinen Boot seinem Schicksal überlassen. So gelangt Gulliver auf eine Insel, über der zu seinem Erstaunen eine weitere, offensichtlich stark bevölkerte, Insel schwebt. Über eine herabgelassene Kette erreicht er die schwebende Insel und stellt dort sehr merkwürdige Eigenheiten der Bewohner fest. So haben alle Menschen den Kopf seitlich geneigt und blicken mit den beiden Augen in verschiedene Richtungen. Da Gulliver die fremde Sprache nicht beherrscht, wird er zunächst unterrichtet. So erfährt er, dass die Bewohner von Laputa – so der Name der Insel – sich nur mithilfe von Dienern und leichten Schlägen auf Mund und Ohren verständigen können. Laputa kann mittels eines Magneten gesteuert werden, um beispielsweise die Land-Insel darunter namens Balnibarbi in Dunkelheit oder Trockenheit zu hüllen. Da aber die schwebende Insel Laputa nur wenige Reize bietet, bittet Gulliver den König um seine Freiheit und wird auf der Land-Insel Balnibarbi ausgesetzt.

In der Hauptstadt Lagado angekommen, erfährt Gulliver von dem Bemühen, die Wissenschaften in Lagado durch Erkenntnisse aus Laputa neu zu definieren. Allerlei abstruse Forschungsprojekte in der Akademie zeigen Gulliver aber, dass dies wohl erheblich misslungen ist.

Gulliver begibt sich nun nach Glubbdubdrib, einer weiteren Insel. Der dortige Herrscher kann alle lebenden und toten Menschen nach Belieben erscheinen lassen. Erfreut über einige Versuche, lässt Gulliver historische Figuren wie Hannibal, Julius Caesar, Aristoteles, Descartes, Homer und Alexander den Großen »erscheinen«.

Auch die nächste Station der abenteuerlichen Reise ist nicht weniger seltsam, denn Gulliver begibt sich nun nach Luggnagg. Dort ist es seit jeher Sitte, den Fußboden abzulecken, bevor man sich dem König nähern darf. Der einstige Wundarzt erfährt dort von einer Volksgruppe namens Struldbrugs, die angeblich unsterblich sein sollen. Als man ihm aber die Begleiterscheinungen des ewigen Lebens erläutert, reift in ihm die Erkenntnis, doch besser ein Sterblicher zu sein. Er tritt abermals die Heimreise an, die ihn über Japan wieder nach England zurückbringt.

Teil 4: Die Reise in das Land der Houyhnhnms

Nach mehreren Monaten an Land verspürt Gulliver wieder den Ruf der See und begibt sich als Kapitän erneut auf große Fahrt. Nach einer Meuterei findet er sich ausgesetzt auf einer Insel wieder, wo ihm seltsame Tiere begegnen. Nach einem wenig appetitlichen Fäkalien-Angriff der Tiere werden diese aber von zwei herbeigeeilten Pferden vertrieben. Die beiden tierischen Retter bringen den irritierten Gulliver in ihr Heim, das ebenfalls von Pferden bewohnt wird. Man zeigt ihm ein Gehege, in dem mehrere der »wilden Tiere« gehalten werden. Es handelt sich bei den Kreaturen, die von den Pferden als »Yahoo« bezeichnet werden, offensichtlich um Menschen. Nach mehreren Wochen können sich Gulliver und die Pferde verständigen und so erfährt er von einer verkehrten Welt, in der die sogenannten Houyhnhnms (Pferde) die dominante Spezies sind, während die Yahoos die schwere Arbeit verrichten. Zufällig bemerken die Houyhnhnms, dass auch ihr Besucher ein ganz gewöhnlicher Yahoo ist. Sie bitten ihn, die Insel zu verlassen, was Gulliver mithilfe eines selbst gebauten Bootes auch tut.

Seine Erlebnisse im Land der Houyhnhnms lassen Gulliver aber an den Menschen zweifeln und so will er auf einer einsamen Insel sein Glück suchen. Gejagt von den Bewohnern der Insel flieht er zunächst wieder aufs Meer, entscheidet sich letztlich aber doch für einen Neuanfang auf der Insel. Die Schiffsbesatzung findet ihn jedoch und bringt ihn zurück nach England. Seine Freunde und selbst seine Familie – also alle Yahoos – sind ihm nun fremd, er verbringt seine Zeit fortan lieber mit seinen Pferden.

Der Autor kritisiert mit seinem Roman eine lange Reihe von Missständen, angefangen von der Dünkelhaftigkeit der Menschen, über staatliche Willkür bis hin zur Unterdrückung des Volkes. Genutzt wird dafür vor allem eine sehr übertriebene Erzählform. Staatliche Regeln oder gesellschaftliche Normen werden bis zur Lächerlichkeit und Absurdität verzerrt; groteskes Verhalten und skurrile Geschehnisse bestimmen den Roman in weiten Teilen.


Zusammenfassung von Inhaltsangabe.de.
Veröffentlicht am 30. November 2011, zuletzt aktualsiert am 21. Juli 2017.