Die Epoche der Aufklärung

»Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit.« Dieser weltberühmte Satz wurde von dem bedeutendsten Denker der Aufklärung, Immanuel Kant (1724-1804), geprägt, und er ist nicht nur das Leitmotiv der Philosophen des 18. Jahrhunderts, sondern auch das seiner Dichter und Dramatiker.

Der Dichter der Aufklärung

Wichtige Autoren der Aufklärung
  • Christian Fürchtegott Gellert (1715–1769)
  • Johann Christoph Gottsched (1700–1766)
  • Friedrich von Hagedorn (1708-1754)
  • Immanuel Kant (1724-1804)
  • Friedrich Gottlieb Klopstock (1724-1803)
  • Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781)
  • Christoph Martin Wieland (1733-1813)

Während das Selbstverständnis der Künstler noch bis zum 17. Jahrhundert davon geprägt ist, Auftragsarbeit für einen meist fürstlichen Mäzen zu leisten und absolutistische Herrscher in ihren Werken zu glorifizieren, entsteht durch die bürgerliche Revolution des 18. Jahrhunderts ein neues Bild des Dichters. Die Abkehr von der Position des Hofdichters erschließt neue Leserkreise, auch wenn noch immer große Teile der Bevölkerung, vor allem auf dem Lande, weder lesen noch schreiben können. Das 18. Jahrhundert ist bedeutsam für die Entwicklung von Buchhandel, Zeitschriften und Verlagen, die wiederum Einfluss hat auf die Entstehung des Typus des »freien Schriftstellers«, der nur sich selbst verpflichtet ist.

Beflügelt durch Denker der Aufklärung wie Kant, Hume oder Voltaire, beginnt das Bürgertum in ganz Europa, sich von seinen absolutistischen Herrschern, aber auch vom Obrigkeitsanspruch der Kirche zu emanzipieren. Nicht mehr ein vermeintlich gottgegebener Herrschaftsanspruch der Fürsten bestimmt nun die moralischen und künstlerischen Richtlinien der Bürger, sondern die freiwillige Orientierung an den Idealen der Vernunft und des Humanismus. Dabei greift man auf Vorbilder aus der Antike und der Renaissance zurück.

Literaturtheorien und Sujets der Aufklärung

Gemäß dieser neuen Ausrichtung stehen im Mittelpunkt vieler literarischer Werke der Aufklärung Fragen nach dem »richtigen« Leben. Menschen, die sich durch selbstständiges Denken und vernunftgemäßes, nützliches Handeln weiterentwickeln, sind ihre Protagonisten. So erlebte der Bildungsroman einen glanzvollen Höhepunkt, etwa mit Christoph Martin Wielands »Geschichte des Agathon« (1766/67). Eine beliebte Prosaform ist auch die Fabel, eignet sie sich doch in besonderem Maße dazu, moralische Normen und erzieherische Inhalte zu vermitteln – nicht immer mit erhobenem Zeigefinger, sondern oft auch satirisch gewürzt. Christian Fürchtegott Gellert (1715-1769) und Gottlieb Konrad Pfeffel (1736-1809) gehören zu den wichtigen Fabeldichtern.

Die formale Basis für die Verbreitung aufklärerischen Gedankengutes in der Literatur bildete das 1730 erschienene literaturtheoretische Werk »Versuch einer critischen Dichtkunst vor die Deutschen« von Johann Christoph Gottsched. Gottsched richtet sich darin gegen das Ornamentale und »Schwülstige« der spätbarocken Dichtung. Der Regelpoetik des Barock stellt er neue Regeln für eine neue Dichtkunst im Geiste der Aufklärung gegenüber. Die althergebrachte Ständeklausel, die besagt, dass nur Adelige die Helden großer Tragödien sein dürfen, während Personen niedrigerer Stände ausschließlich in Romanen und Komödien vorkommen dürfen, wird bei Gottsched allerdings noch nicht in Frage gestellt.

Lessing und das Drama der Aufklärung

Den revolutionären Schritt, in seinen Tragödien die Ständeklausel zu durchbrechen, wird erst Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781) wagen, der bedeutendste deutsche Dramatiker der Aufklärung. Mit »Miss Sarah Sampson« (1755) schuf er das erste bürgerliche Trauerspiel. Seine Dramen »Minna von Barnhelm« (1767), »Emilia Galotti« (1772) und »Nathan der Weise« (1779) gehören bis heute zu den meistgespielten Theaterstücken auf deutschen Bühnen. Sie alle kreisen um charakteristische Themen der Aufklärung: Aufhebung der Standesgrenzen und Kritik an der Dekadenz des Adels, Emanzipation des Bürgertums, Toleranz und Religionsfreiheit.

Von Lessing stammt auch die Idee eines deutschen Nationaltheaters, und in seiner »Hamburgischen Dramaturgie« sind meisterhafte Bühnenkritiken von ihm in einem Band zusammengefasst. Auch andere Werke wie seine Schrift »Laokoon oder Über die Grenzen der Malerei und Poesie« (1766) und seine »Briefe, die neueste Literatur betreffend« (1759), kennzeichnen ihn als großen Literaturtheoretiker der Aufklärung. Zusammen mit Moses Mendelssohn (1729-1786) und dem Buchhändler Friedrich Nicolai (1733-1811) zählte er zu den literarischen Autoritäten des aufgeklärten Berlin, das im 18. Jahrhundert durch die Kultur des bürgerlichen Salons geprägt war. Die Salons so bedeutender Frauen wie Rahel Varnhagen oder Henriette Herz, in denen sich Künstler und Denker der Aufklärung trafen, gehören untrennbar zur Aufklärung in Deutschland.

Die Lyrik der Aufklärung

Wie die anderen literarischen Gattungen, so war auch die Lyrik der Aufklärung vor allem von der Intention bestimmt, sich gegen die höfische Dichtkunst und ihre limitierenden Regeln zu stellen. Das Gedicht sollte vor allem ein Instrument sein, mit dem der mündige Bürger zum einen den Idealen von Vernunft, Emanzipation, Freiheit und Toleranz huldigen, zum anderen aber auch seine reichhaltige und vielschichtige Gefühlswelt zum Ausdruck bringen konnte, die ihn als von der Adelswelt deutlich abgegrenztes Individuum kennzeichnete. So entstanden Lehrgedichte auf der einen, emphatische Oden und gefühlvolle Hymnen auf der anderen Seite.

Die Strömung der »Empfindsamkeit«, deren bedeutendster Vertreter Friedrich Gottlieb Klopstock (1724-1803) mit seinen »Oden« (1771) ist, steht nur auf den ersten Blick im Kontrast zur Aufklärung. Mit ihrer Betonung der Werte von Freundschaft, Naturnähe und Authentizität der Empfindungen ist auch sie ein bürgerliches Gegenmodell zur Welt des Adels.