»Die Bücherdiebin« ist ein Roman des deutsch-australischen Schriftstellers Markus Zusak. Das Werk erschien 2005 und wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.

Die Bücherdiebin

Inhaltsangabe

Der Roman »Die Bücherdiebin« (Originaltitel »The Book Thief«) von Markus Zusak wurde 2005 veröffentlicht. Sein Thema ist der Nationalsozialismus in Deutschland zwischen Januar 1939 und Ende 1943. Im Mittelpunkt steht das Schicksal des Waisenmädchens Liesel Meminger. Sie ist zu Beginn der Handlung neun Jahre alt. Ihre Liebe zur Sprache und zu Büchern gibt ihr in den harten Kriegsjahren Halt und rettet ihr das Leben. Ort der Handlung ist der fiktive Ort Molching bei München. Nebenschauplätze sind Stuttgart und Essen. Erzähler ist der Tod persönlich. Indem er die Ereignisse schildert, reflektiert und kommentiert, stellt er die Frage nach dem Wesen des Menschen.


Der Krieg wirft seine Schatten voraus / Erste Begegnung des Todes mit Liesel

Liesel Memingers Eltern sind von den Nazis verfolgte Kommunisten. Um die Kinder zu schützen, veranlasst die Mutter die Unterbringung in einer Pflegefamilie. Die neunjährige Liesel und ihr sechsjähriger Bruder Werner werden nach Molching bei München gebracht. Unterwegs stirbt Werner. In diesem Moment trifft der Tod zum ersten Mal auf Liesel. Er beschließt, ihre Geschichte zu erzählen.

Der Tod als Erzähler

Der Tod spricht aus einer auktorialen Erzählhaltung. Als gleichsam allwissender Erzähler bettet er die »kleine Geschichte« der Bücherdiebin in große Zusammenhänge und in die Weltgeschichte ein. Für den Tod ist Liesel ein besonderer Mensch. Er ist der Meinung, ihr Leben sei es wert, erzählt zu werden. Dabei unterbricht er immer wieder den chronologischen Erzählfluss, um seine eigenen Erlebnisse zu schildern: Menschen sterben in Vernichtungslagern der Nazis, bei der Schlacht von Stalingrad oder bei Bombenangriffen der Alliierten auf Köln oder Hamburg.

Der Tod erzählt aus einer Art Überschau. Manchmal ist er weit weg von Molching, dann wieder zoomt er nahe heran. Er kommentiert die Ereignisse des Zweiten Weltkriegs in ihren globalen sowie persönlichen Auswirkungen. Damit geht er über die konkrete Handlung hinaus und vermittelt dem Leser weitergehende Einsichten. An einigen Stellen erscheint der Tod in seiner Rolle widersprüchlich. Er ist eigentlich ein nichtmenschlicher Erzähler. Daher kann er aus der Distanz das Wesen des Menschen betrachten. Andererseits zeigt der Tod menschliche Eigenschaften wie Empathie: Er stellt sich auf die Seite der unschuldig verfolgten Juden. Zudem wirft er angesichts des großen Leides die Frage nach Gott auf, wozu nur ein Mensch in der Lage ist.

Liesel lebt sich in Molching ein / Der Krieg verändert den Alltag

Die Pflegefamilie lebt in ärmlichen Verhältnissen in der Molchiger Himmelstraße. Pflegevater Hans Hubermann bessert das Familieneinkommen mit Akkordeonspielen auf. Der einfühlsame Mann nimmt sich der verängstigten und traumatisierten Liesel an. Er erfüllt ihren Wunsch und bringt der Analphabetin das Lesen bei. Als Lehrmaterial kommt das »Handbuch für Totengräber« zum Einsatz, das Liesel bei Werners Beerdigung auf dem Friedhof entwendet hat.

Rosa Hubermann arbeitet als Wäscherin für die wohlhabenden Leute in Molching. Liesel muss die Wäsche abholen und ausliefern. Mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs am 1. September 1939 verschlechtert sich die allgemeine wirtschaftliche Situation und Rosa bekommt kaum noch Aufträge. Als zu Ehren von Hitlers Geburtstag am 20. April 1940 unliebsame Bücher verbrannt werden, kann Liesel ein Buch aus der Glut retten. Ilsa Hermann, die Frau des Bürgermeisters, beobachtet sie dabei.

Die verständnisvolle Frau lässt Liesel fortan die Bibliothek nutzen. Als auch Ilsa Rosa kündigen muss, ist Liesel maßlos wütend und es kommt zum Bruch mit Ilsa. Um sich trotzdem weiterhin mit Lesestoff zu versorgen, steigt Liesel wiederholt heimlich in das Haus des Bürgermeisters ein und stiehlt Bücher. Ihr bester Freund Rudi Steiner ist bei diesen Diebeszügen oft an ihrer Seite. Rudi ist ein guter Schüler, ein ausdauernder Sportler und ein treuer Kamerad. Er sehnt sich nach einem Kuss von Liesel, doch Liesel weicht ihm geschickt aus.

Die Hubermanns verstecken den Juden Max Vandenburg

Im Herbst 1940 nehmen die Hubermanns den Juden Max Vandenburg in ihr Haus auf und verstecken ihn im Keller vor den Nazis. Max ist der Sohn eines Freundes von Hans, der ihm einst das Leben gerettet hat. Aus Liesels anfänglicher Scheu gegenüber dem vierundzwanzigjährigen Max wird bald Freundschaft. Ihre Ängste und Albträume verbinden die beiden ebenso wie ihre Liebe zu Wörtern und Büchern. Liesel erinnert sich später an lange Abende, an denen Geschichten erzählt wurden. In einsamen Kellerstunden fertigt Max ein geheimes Buch mit Zeichnungen und Geschichten an. Als der entkräftete junge Mann in eine tiefe Bewusstlosigkeit fällt, liest Liesel ihm stundenlang aus ihren Büchern vor. Nach vielen Wochen erwacht Max aus dem Koma.

Judenverfolgung und Kriegsgeschehen werden in Molching sichtbar

Inzwischen hat der Tod viel zu tun. Er redet vom Krieg als seinem Arbeitgeber, der immer mehr von ihm verlangt. Der Tod muss die Seelen der Juden aus den Vernichtungslagern holen, die der Soldaten aus Russland und die der Toten aus den bombardierten deutschen Städten. Auch Molching bereitet sich auf den näher kommenden Krieg vor. Inspektoren der NSDAP untersuchen die Keller der Stadt nach geeigneten Luftschutzräumen. Max bleibt in seinem Versteck unentdeckt.

Ab 1942 passieren zahlreiche Juden Molching auf dem Weg ins Konzentrationslager Dachau. Bewaffnete Wachleute begleiten sie. Hans schenkt einem sterbenden alten Mann ein Stück Brot. Bisher konnte Hans seine Ablehnung dem System gegenüber geheim halten, doch jetzt gerät er in den Fokus der Nazis. Da Hans eine Hausdurchsuchung befürchtet, muss Max sein Versteck verlassen und untertauchen.

Eine Durchsuchung bleibt aus, doch Hans wird zur Wehrmacht eingezogen und zur unbeliebten Luftwaffensondereinheit abkommandiert. Während und nach feindlichen Bombenangriffen löschen die Männer der Einheit Brände, sichern einsturzgefährdete Gebäude und schaffen Leichen weg. Rosa vermisst ihren Mann und auch Liesel sorgt sich um Hans und Max. In Bombennächten liest sie jetzt den verängstigten Menschen im Luftschutzkeller vor. Mit Ilsa Hermanns stummem Einverständnis hat sie weitere Bücher aus deren Haus entwendet.

»Die Worteschüttlerin« / Zweite Begegnung des Todes mit Liesel

Ende 1942 überreicht Rosa Liesel das Skizzen- und Geschichtenbuch, das Max bei seiner Flucht für Liesel dagelassen hat. Ein Kernstück des Buchs ist die Parabel »Die Worteschüttlerin«. Sie schildert einen Führer, der sich die Macht der Worte zunutze macht. Damit bringt er Menschen unter seine Kontrolle und nutzt sie für seine zerstörerischen Ziele. Sein Gegenspieler ist ein kleines Mädchen, das die Macht von Worten ebenfalls kennt. Sie nutzt sie, um Freundschaft zu säen und Hoffnung in die Welt zu bringen.

Nach einem Luftangriff finden Liesel und Rudi einen sterbenden Piloten in einem abgestürzten feindlichen Flugzeug.

»Die Worteschüttlerin«

Max‘ Geschichte handelt von einem kleinen Mann mit dem Ziel, eines Tages die Welt zu regieren. Dafür will er die Macht der Worte nutzen. Zunächst sät er überall in Deutschland Worte aus. Daraus wachsen ganze Wälder von Wortbäumen. Als Führer hypnotisiert er das Volk, so dass es nach immer mehr Worten verlangt. Deshalb müssen Menschen auf die Bäume klettern und die Worte zu den unten Wartenden hinunterwerfen. Die Menschen in den Bäumen heißen »Worteschüttler«. Einer von ihnen ist ein kleines Mädchen. Sie hungert selbst nach Worten und klettert höher hinauf als alle anderen.

Eines Tages begegnet das Mädchen einem Mann, der in seinem Vaterland verachtet und verfolgt wird. Die beiden werden Freunde. Das Mädchen sät das Wort »Freundschaft« zwischen die anderen Bäume. Der Same geht auf und ein kräftiger Baum wächst schnell heran. Er ist bald höher als alle anderen Bäume um ihn herum. Der Führer kann das nicht dulden und will den Baum fällen lassen. Doch das Mädchen klettert in seine Krone und richtet sich dort ein. Das macht den Baum unverwundbar. Axthiebe können ihm nichts anhaben.

Viele Jahre lebt das Mädchen in dem Baum. Eines Tages klettert ihr alter Freund zu ihm nach oben. Er veranlasst es, mit ihm den Baum zu verlassen. Als sie unten sind, werden die Asthiebe sichtbar und der gewaltige Baum stürzt zur Seite. Er schlägt eine riesige Schneise in den Wald und zerstört viele der anderen Bäume. Die Schneise leuchtet in einer neuen Farbe. Die nach Worten gierenden Menschen zerstreuen sich. Der Bann ist gebrochen.

Die Bücherdiebin verliert den Glauben in die Macht der Worte

Liesel hält ständig nach Max Ausschau und schließlich entdeckt sie ihn in einem Treck auf dem Weg nach Dachau. Sie läuft verbotenerweise zu ihm, die beiden reden und halten sich an den Händen. Erst brutale Peitschenhiebe bringen sie auseinander. Angesichts der erschreckenden Ereignisse in ihrem jungen Leben verliert Liesel den Glauben an die Kraft der Sprache und Worte. In blinder Verzweiflung zerstört sie eins von Ilsas Büchern.

Unterdessen ist Hans nach einem Beinbruch auf Urlaub nach Molching gekommen. Anschließend soll er in München in der Verwaltung arbeiten.

Bombardierung der Himmelstraße / Dritte Begegnung des Todes mit Liesel

Ilsa schenkt Liesel ein leeres Buch, in dem sie ihre Geschichte aufschreiben soll. Fortan zieht Liesel sich zum Schreiben in den Keller zurück. Dort ist sie auch, als die Himmelstraße im Oktober 1943 ohne Vorwarnung bombardiert wird. Liesel wird verschüttet und später von einer Luftwaffensondereinheit befreit. Ihre Pflegeeltern und alle Nachbarn kommen ums Leben, darunter auch Rudi Steiner. Mit einem Kuss verabschiedet Liesel den toten Freund. Das Akkordeon von Hans nimmt sie an sich. Dabei verliert das verstörte Mädchen ihr von Hand geschriebenes Buch mit dem Titel »Die Bücherdiebin«. Der Tod bringt es in seinen Besitz.

Liesel findet zunächst Aufnahme bei Ilsa Hermann. Später führt ihr Weg sie nach Australien, wo sie am Ende eines langen erfüllten Lebens in Sydney stirbt. Der Tod überreicht der Verstorbenen ihr Buch aus der Bombennacht.

Zusammenfassung von Heike Münnich / Inhaltsangabe.de.

Der Film: »Die Bücherdiebin«

Der Film »Die Bücherdiebin« kam 2013 in die amerikanischen Kinos. Die deutsche Uraufführung war am 23. Januar 2014 im Berliner Zoopalast. Die US-amerikanisch-deutsche Koproduktion basiert auf dem gleichnamigen Roman von Markus Zusak. Regisseur ist Brian Percival (»Downton Abbey«). Die Rolle der Liesel wird von Sophie Nélisse gespielt; Geoffrey Rush und Emily Watson sind Hans und Rosa Hubermann.

Auch im Film tritt der Tod als Erzähler auf. Seine Rolle übernimmt eine schwarz gekleidete Figur, die nur von hinten gezeigt wird. Anders als im Buch liegt der Fokus auf Liesels Erfahrungen. Die Handlung entwickelt sich aus ihrer Sicht, der Blick auf den Nationalsozialismus ist also der einer Heranwachsenden. Die globale Überschau und Gleichzeitigkeit von Erlebnissen, die dem Tod im Buch möglich sind, fehlen im Film. Das Grauen des Krieges, das Zusak schildert, erscheint im Film so gedämpft, dass eine Altersfreigabe ab 6 möglich wurde.

Von der Kritik wurde der Film sehr unterschiedlich aufgenommen. Weitgehende Übereinstimmung herrschte über die gelungene Besetzung und die schauspielerische Leistung der Darsteller. Der Film war 2014 für zahlreiche Preise nominiert, darunter den Oscar für die Beste Filmmusik für John Williams.

Weitere Informationen und Trailer: Offizielle Website zum Film

Zitate und Textstellen

»Die Menschen beachten die Farben eines Tages lediglich an seinem Anfang und an seinem Ende. Dabei wandert der Tag durch eine Vielzahl von Farbtönen und Schattierungen, und zwar in jedem Augenblick. Eine einzige Stunde kann aus Tausenden von unterschiedlichen Farben bestehen. Wachsgelb, regenbesprühtes Blau. Schlammige Dunkelheit. In meinem Geschäft habe ich es mir zur Angewohnheit gemacht, darauf zu achten.«
Markus Zusak, »Die Bücherdiebin«, Seite 11

Rudi war »ein Beweis für die widersprüchliche Natur des Menschen. Ein bisschen gut, ein bisschen böse. Man muss nur einen Schuss Wasser dazugeben und umrühren.«
Markus Zusak, »Die Bücherdiebin«, Seite 183

»Sie hatte eine Mission. Sie schenkte Max das Buch, als ob allein die Worte ihn ernähren könnten.«
Markus Zusak, »Die Bücherdiebin«, Seite 357

Liesel beendet ihr Buch: »Ich habe die Worte gehasst, und ich habe sie geliebt, und ich hoffe, ich habe sie richtig gemacht.«
Markus Zusak, »Die Bücherdiebin«, Seite 563

Die Seitenangaben beziehen sich auf die 2009 im Blanvalet Verlag erschienene Taschenbuchausgabe.

Veröffentlicht am 28. Januar 2019, zuletzt aktualisiert am 5. Februar 2019.