Nachkriegsliteratur / Trümmerliteratur

Die Nachkriegsliteratur war zumeist von dem Versuch geprägt, die traumatischen Erfahrungen des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs zu bearbeiten. Die alternativ verwendeten Begriffe Kahlschlag- bzw. Trümmerliteratur führen gleichermaßen auf die zerbombten Städte wie auf den Verlust vermeintlich unantastbarer Werte zurück.

Wichtige Autoren der Nachkriegsliteratur

Geschichtlicher Hintergrund der Nachkriegsliteratur

Nach der bedingungslosen Kapitulation am 8. Mai 1945 musste sich Deutschland der Schuld für den verlustreichsten Krieg der Weltgeschichte stellen. Neben den über 60 Millionen zu beklagenden Toten fügte insbesondere der Holocaust dem Selbstverständnis als Kulturnation schweren Schaden zu. Die im August 1945 von den Siegermächten vollzogene Aufteilung in vier Besatzungszonen leitete die fast fünf Jahrzehnte währende Teilung des Landes ein; auch die Literatur in Ost und West folgte schon vor der Gründung der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik im Jahr 1949 jeweils eigenständigen Wegen. Es entstanden zwei deutsche Literaturen.

Literatur der »Stunde Null« in Ost und West

Die Literatur in der SBZ (Sowjetische Besatzungszone) entstand im Zeichen des Antifaschismus. Aus dem Exil zurückkehrende Schriftsteller wie Bertolt Brecht, Anna Seghers (»Das siebte Kreuz«) oder Bruno Apitz (»Nackt unter Wölfen«) fühlten sich dieser Gesinnung verpflichtet und wurden zu Leitfiguren des Sozialismus.

Im westlichen Nachkriegsdeutschland wurde die Literatur von jungen Schriftstellern wie Wolfgang Borchert, Heinrich Böll oder Günter Eich geprägt. Daneben meldeten sich Autoren zu Wort, die zur NS-Zeit in Deutschland geblieben und in der sogenannten Inneren Emigration gelebt hatten, unter ihnen Erich Kästner und Hans Fallada. Ihnen war an einer Rückschau und Verarbeitung des Erlebten gelegen; insbesondere der Dichter und Essayist Gottfried Benn wurde zu einem literarischen Idol der Nachkriegszeit.

Die Gruppe 47

Als Sprungbrett für zahlreiche talentierte Schriftsteller der Bundesrepublik stellte sich bald die Gruppe 47 heraus, die sich in der Zeit ihres 20-jährigen Bestehens (1947 – 1967) als Netzwerk von Autoren und Verlegern verstand. Die regelmäßig abgehaltenen Treffen boten unter anderem die Möglichkeit, noch nicht veröffentlichte Texte im kleinen Kreis der Mitglieder und geladenen Gäste zu diskutieren. Neben dem Gründer Wolfdietrich Schnurre gehörten der Gruppe 47 eine große Zahl illustrer Persönlichkeiten wie Heinrich Böll, Günter Grass, Martin Walser, Uwe Johnson und Ingeborg Bachmann an.

Lyrik der Nachkriegsliteratur

Aufgrund ihrer natürlichen Unmittelbarkeit schien die Lyrik den Schriftstellern der Nachkriegszeit eine geeignete Form zu sein, um Erfahrungen und Empfindungen auszudrücken; entsprechend lässt sich bei den Gedichten eine beachtliche Bandbreite feststellen.

Versuchte etwa Johannes R. Becher, der spätere Kulturminister der DDR, mit zahlreichen Sonetten an frühere Lyrik-Traditionen anzuknüpfen, wurde von Paul Celan eine »Flucht« in hermeneutisch abgeschlossen wirkende Inhalte vollzogen. Ein besonders prägnantes Werk der Trümmerlyrik hat Günter Eich mit dem Gedicht »Inventur« in seiner Kriegsgefangenschaft geschaffen.

Epik der Nachkriegsliteratur

Die Nachkriegsliteratur war von großen Vorbehalten gegen die epische Form geprägt: Vor allem die als Verrohung wahrgenommene Entwicklung der Sprache im Nationalsozialismus, mit der sich unter anderem Victor Klemperer in »LTI – Notizbuch eines Philologen« (1947) beschäftigte, schien es vielen Schriftstellern unmöglich zu machen, Prosa in der Sprache der Täter-Generation zu verfassen. Die vielbeachteten Romane jener Jahre wurden deshalb vornehmlich von im Exil verbliebenen Literaten wie Thomas Mann niedergeschrieben (»Doktor Faustus«, 1947).

In Deutschland kristallisierte sich in den Nachkriegsjahren dagegen die Kurzgeschichte als zentrale Prosaform heraus; insbesondere der Einfluss der US-amerikanischen »short story« wurden von vielen Schriftstellern als Chance auf einen unverbrauchten Neubeginn der epischen Form verstanden. Siegfried Lenz und Heinrich Böll setzten hier Maßstäbe.

Die für die Trümmerliteratur als typisch geltenden Geschichten von Wolfgang Borchert (»Die Kirschen«, »An diesem Dienstag«) waren zumeist von den verheerenden Erfahrungen des Krieges geprägt.

Dramatik der Nachkriegsliteratur

Mit dem Drama »Draußen vor der Tür« (1947) hat Borchert, selbst bereits mit dem Tode ringend, den entwurzelt in die Heimat zurückkehrenden Soldaten ein eindrucksvolles Denkmal gesetzt. Ansonsten zeigten sich die westdeutschen Bühnen vor allem darum bemüht, sich mit Stücken der Aufklärung und der Klassik von den ideologisch indoktrinierten Spielplänen der NS-Zeit abzusetzen. In der SBZ und später in der DDR standen die Theater hingegen den aus dem Exil heimkehrenden Dramatikern wie Bertolt Brecht offen.