Inhaltsangabe

Wolfgang Borcherts Erzählung »Die Hundeblume« ist am 24. Januar 1946 während eines Krankenhausaufenthaltes entstanden, am 30. April und 4. Mai 1946 in der »Hamburger Freien Presse« veröffentlicht worden und im Frühsommer 1947 in Buchform erschienen. Sie handelt von einem Gefangenen in Einzelhaft, dem es gelingt, im Gefängnishof eine Blume zu pflücken und mit ihr Lebendigkeit und Hoffnung in seine Zelle zu tragen. Da der Erzählung persönliche Erfahrungen des Autors zugrunde liegen, kann als Ort der Handlung ein deutsches Gefängnis in den Jahren vor der Niederschrift angenommen werden.

Der zweiundzwanzigjährige Ich-Erzähler sitzt in einem Gefängnis ein. Seine Zelle mit der Nummer 432 ist völlig leer und der Erzähler zur Untätigkeit verdammt. Als er beginnt, sich an das Alleinsein mit sich zu gewöhnen, wird ein täglicher halbstündiger Hofgang eingeführt. Zwölf uniformierte Beamte bewachen dabei die siebenundsiebzig Gefangenen. Anfangs eine willkommene Abwechslung wird der Hofgang auf Dauer zur Qual. Die Männer gehen immer wieder im Kreis und der Erzähler ist gezwungen die Gestalt und die Glatze seines Vordermanns zu beobachten. Er nennt ihn »Perücke« und beginnt mit der Zeit ihn zu hassen. Seine Verachtung für den Mithäftling macht selbst vor Mordgedanken nicht halt.

Die Männer umkreisen jeden Morgen ein schmutziges Stück Rasen, auf dem der Erzähler eines Tages eine Hundeblume (Löwenzahn) entdeckt. Seine Sehnsucht nach etwas Lebendigem in seiner Zelle wird so übermächtig, dass er sie pflücken will. Auf den Herdentrieb vertrauend lenkt er seine Schritte an jedem Tag und bei jeder Runde allmählich immer näher an die Blume heran. Die Mitgefangenen folgen ihm und nach vier Tagen führt der Weg so nahe an der Blume vorbei, dass der Erzähler sie pflücken könnte. Er täuscht einen rutschenden Strumpf vor, den er hochziehen will. Kurz vor dem entscheidenden Augenblick vereitelt »Perücke« das Vorhaben: Er reißt die Arme hoch, dreht sich auf einem Bein zum Erzähler um und fällt tot um.

Jetzt hat der Erzähler einen Vordermann, der sich darin gefällt, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Bei jeder Runde verbeugt er sich vor jedem der Wachmänner und grüßt ihn. Das Pflücken der Blume wird somit unmöglich. Durch einen Trick gelingt es dem Erzähler am nächsten Tag, sich dem Kreis der Männer verspätet anzuschließen. Hinter einem besonders großen Vordermann versteckt kann er unbemerkt die Blume pflücken.

Die Erzählperspektive wechselt in die dritte Person. Zurück in seiner Zelle riecht der Häftling an der Blume und saugt ihr Wesen ein. Er ist beglückt von ihrer Lebendigkeit, behandelt sie zärtlich wie eine Geliebte, gibt ihr den Namen »Aline« und will werden wie sie. In der Nacht kann er die Last der Gefangenschaft vergessen und stellt sich im Schlaf vor zu sterben und zu Erde zu werden, aus der Blumen wachsen.

»Die Hundeblume« ist die erste gedruckte Erzählung Wolfgang Borcherts. Voraussetzung für ihre Entstehung waren nach Aussage von Borchert seine Erlebnisse im Gefängnis und seine Krankheit. Die traumatischen Umstände der Haft führen zum Verlust von mitmenschlichem Empfinden und Solidarität. Völlig auf sich zurückgeworfen findet der Gefangene Trost und Hoffnung in der Natur, die ihm in einer unscheinbaren Hundeblume begegnet. Die Erzählung erschüttert den Leser und hallt nach.


Zusammenfassung von Mia Sabinger /  Inhaltsangabe.de.
Veröffentlicht am 31. Juli 2013, zuletzt aktualsiert am 26. März 2017.