Inhaltsangabe

Mit dem Drama »Die Jungfrau von Orleans« blieb Friedrich Schiller seiner Vorliebe für historische Stoffe treu. Das Werk erzählt die Ereignisse um das Bauernmädchen Jeanne d’Arc aus Lothringen. Wegen ihrer Rolle im Hundertjährigen Krieg (1339–1453) und ihrem glühenden Einsatz für ihr französisches Heimatland wurde Jeanne d’Arc im Jahre 1909 selig- und elf Jahre später heilig gesprochen. Zeitlich ist Schillers Drama also im 15. Jahrhundert angesiedelt. Erstmals aufgeführt wurde das Werk, das aus einem Prolog und fünf Aufzügen besteht, im September 1801 in Leipzig. Die Geschehnisse, in die Jeanne d’Arc, der französische König Karl VII. und seine Familie sowie Philipp der Gute (Herzog von Burgund) verwickelt werden, behandeln vorwiegend die Frage nach der materiellen und intellektuellen Macht des Einzelnen sowie die Motive für die Erlangung und den Erhalt dieser Macht. Schillers »Die Jungfrau von Orleans« kann der aufkommenden Romantik zugeordnet werden.

Prolog

Der Prolog des Stückes berichtet von den Bemühungen des Thibaut d’Arc, der seine drei Töchter wegen des bevorstehendes Einmarsches der Engländer schnell und sicher verheiraten und damit absichern will. Im Gegensatz zu ihren beiden älteren Schwestern lehnt aber die junge Jeanne d’Arc ein solches Zweckbündnis ab, weil sie sich lieber religiösen Gedanken zuwendet. Währenddessen rückt der Krieg zwischen England und Frankreich immer näher und Jeanne d’Arc greift nach jedem Strohhalm, der den Sieg der eigenen Truppen verheißen könnte. Als die Lage für Frankreich aussichtslos zu sein scheint, folgt die junge Jeanne d’Arc ihrer – wie sie sagt – göttlichen Berufung. Sie will enthaltsam leben, die Truppen zum Sieg führen und so Land und König retten.

Erster Aufzug

Der Kampf Frankreichs gegen England läuft schlecht. Die Truppen sind demoralisiert, die Mittel werden knapp und die Engländer haben sich mit dem Herzog von Burgund verbündet. Nachdem der französische König Karl VII. den Kampf gegen die Engländer schon fast verloren geglaubt hatte, erreichen ihn Berichte von einer Jungfrau, die plötzlich auf dem Schlachtfeld erschienen sei und einen entscheidenden Sieg erringen konnte. Um die ungewöhnlich starke Ausstrahlung der Fremden zu testen, lässt Karl VII. das Mädchen in sein Feldlager bringen. Er tauscht seinen Platz auf dem Thron vorübergehend mit Graf Dunois, was Johanna aber sofort bemerkt. Nachdem der König von den ungewöhnlichen Fähigkeiten des Mädchens überzeugt ist, berichtet sie ihm von ihrer heiligen Mission, das Land zu retten. Der Preis dafür ist ein Leben als Jungfrau.


Zweiter Aufzug

Durch das Eingreifen von Jeanne d’Arc haben die britischen Truppen schwere Rückschläge hinnehmen müssen, weshalb sie die ungewöhnliche Ausstrahlung des Mädchens der Hexenkunst zuschreiben. Streitereien im britischen Lager zwischen dem Offizier Talbot, dem Feldherren Lionel und Philipp dem Guten (Herzog von Burgund) können nur noch durch Königin Isabeau, der Mutter des Königs, geschlichtet werden. Während die Engländer also mit Streiten und dem Planen einer neuen Offensive beschäftigt sind, dringen die Franzosen unter Führung von Jeanne d’Arc in das Lager ein und töten zahlreiche Engländer, darunter auch einen walisischen Soldaten namens Montgomery. Andere Soldaten werden von Talbot auf der Flucht erschossen und das Lager wird auf Geheiß Johannas schließlich niedergebrannt. Während der Kämpfe begegnet sie Philipp dem Guten (Herzog von Burgund), den sie mit viel Überredungskunst für die französischen Ziele begeistern kann. Die Kampfhandlungen werden vorerst beigelegt, als es Johanna gelingt, die Offiziere La Hire und Dunois mit dem übergelaufenen Herzog von Burgund zu versöhnen.


Dritter Aufzug

Die Zukunft Frankreichs wird geplant. Während einige Feldherren politische Themen besprechen, bereiten Graf Dunois und La Hire jeweils ihre Hochzeit mit Johanna von Orleans vor. Beide halten um die Hand Johannas an und sind schwer enttäuscht, als diese unter Hinweis auf ihr Leben als Jungfrau beide Anträge ablehnt. Kurz darauf kommt es zu einer Schlacht, die Talbot das Leben kostet. Zeitgleich begegnet Johanna dem »Schwarzen Ritter«, der sie von ihrer heiligen Mission abbringen will, was sie aber ablehnt. Im weiteren Verlauf der Schlacht kommt es zum Kampf zwischen Jeanne d’Arc und Lionel, dem englischen Offizier. Augenblicklich verlieben sich die verfeindeten Kriegshelden ineinander, was in Johanna tiefe Konflikte bezüglich ihrer heiligen Sache auslöst. Bevor Jeanne d’Arc und Lionel sich näherkommen, muss Lionel wegen anrückender französischer Truppen flüchten.


Vierter Aufzug

Die inzwischen geachtete Kriegerin ist verwirrt angesichts ihrer Zuneigung zu dem Engländer Lionel. Geplagt von starken Zweifeln und Scham über den empfundenen Verrat an Frankreich nimmt sie an der Krönung König Karl VII. in Reims teil, zu der auch ihre beiden älteren Schwestern angereist sind. Vor der Kirche kommt es zu einem unangenehmen Zwischenfall, als Thibaut d’Arc, Johannas Vater, aus der Menge hervortritt und seine Tochter vor aller Augen der Hexerei beschuldigt. Da sich Johanna nicht rechtfertigen will, wird sie in die Verbannung geschickt. Auf ihrem Weg in die Einsamkeit begleitet sie ihr einstiger Verehrer Raimond, der immer noch Gefühle für Jeanne d’Arc hegt.


Fünfter Aufzug

Auch auf ihrem einsamen Weg in die Verbannung erfährt Johanna nun Abneigung und Hass, weil sie nach Auffassung vieler Franzosen den Krieg negativ beeinflusst hat. Sie erklärt sich ihrem Begleiter und macht deutlich, dass sie niemals mit dem Teufel im Bunde war. Auch begründet sie ihr Schweigen zu den Vorwürfen des Vaters mit der empfundenen Scham, die aus ihrer Liebe zu Lionel resultiert. Als sie kurz darauf in die Hände der ebenfalls zornigen Engländer fällt, scheint ihr Tod eine beschlossene Sache. Sie erkennt, dass die Gefühle für Lionel erloschen sind und wendet sich wieder stärker ihrer heiligen Aufgabe zu. Nach einem innigen Gebet lösen sich ihre Ketten und Johanna greift wieder in das Kampfgeschehen ein. Es gelingt ihr tatsächlich, die vorrückenden Briten aufzuhalten, allerdings wird sie dabei schwer verwundet. Die Soldaten und Offiziere sehen plötzlich ein starkes Leuchten, das von Jeanne d’Arc ausgeht. Mit dem Bedecken der toten Kriegerin endet das Drama.


Wichtigster Handlungsstrang des Dramas ist die persönliche Motivation, für die Erlangung oder den Erhalt der Macht einzutreten. Im Falle des Bauernmädchens Jeanne d’Arc sind es religiös belegte Motive, wodurch das Stück eine ungewohnt idyllische, mystische und religiöse Note bekommt. Die besondere Tragik bezieht das Drama aus dem persönlichen Konflikt Johannas, die sich zwischen ihrem Vaterland und der Liebe zum Feind (Lionel) gefangen sieht. Auch der Aufstieg zur beinahe heiligen Figur und der anschließende Fall in Gefangenschaft und Verbannung verdeutlicht die tragische Komponente. Die von Schiller verwendeten sprachlichen Hilfsmittel sind hier vor allem innere Monologe in Form von Gebeten, Gedanken und Überlegungen sowie Dialoge, die häufig aus Planungen, Erklärungen oder Androhungen bestehen.


Zusammenfassung von Inhaltsangabe.de.
Veröffentlicht am 24. Juli 2012, zuletzt aktualsiert am 26. März 2017.