Die Epoche der Klassik

Die Klassik (1786 – 1832) bezeichnet eine an den Idealen der Aufklärung angelehnte literarische Epoche, als deren zentrale Vertreter Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller in Erscheinung getreten sind. Die zeitliche Abgrenzung trägt allerdings allein Goethes herausgehobener Stellung Rechnung: So wird dessen erste Italienreise im Jahr 1786 als Beginn der deutschen Klassik angesehen, die dann mit seinem Tod im Jahr 1832 ihr Ende nimmt.

Wichtige Autoren der Klassik
  • Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832)
  • Johann Gottfried Herder (1744–1803)
  • Friedrich Schiller (1759–1805)
  • Christoph Martin Wieland (1733-1813)

Der Epochenbegriff

Der Begriff Klassik führt auf mehrere Bedeutungen zurück, die allesamt für das Verständnis der Literaturepoche bedeutsam sind. So spiegelt sich in der Ableitung des lateinischen Wortes »classicus«, welches die römischen Bürger der höchsten Steuerklasse bezeichnete, der elitäre Anspruch der einschlägigen Werke wider. Zugleich wird mit dieser Begrifflichkeit auf die antiken Vorbilder der deutschen Klassiker verwiesen, die insbesondere in der griechischen Gesellschaft die Ideale von Harmonie und Vollkommenheit verwirklicht sahen.

Als »Klassiker« werden im alltäglichen Sprachgebrauch zu guter Letzt auch große künstlerische Leistungen von zeitloser Wirkung verstanden: Folglich macht die Begrifflichkeit Klassik deutlich, dass diese Epoche die Blütezeit der deutschen Nationalliteratur markiert. Weil mit Goethe, Schiller, Herder und Wieland alle maßgeblichen Literaten jener Strömung im Fürstentum Sachsen Weimar und Eisenach tätig waren, wird hier aus Gründen der eindeutigen Zuordnung oftmals auch von der Weimarer Klassik gesprochen.

Merkmale der Klassik

Die Klassik ist maßgeblich von den Erfahrungen der Französischen Revolution (1789) beeinflusst worden. Brachten dem Volksaufstand zunächst auch die Weimarer Künstler grundsätzliche Sympathie entgegen, wendete dann die folgende Terrorherrschaft der Jakobiner das Blatt. In der Folge wurde von den Literaten die Auffassung vertreten, dass sich politische Veränderungen nicht mit einem gewaltsamen Umsturz, sondern nur durch eine permanente evolutionäre Vervollkommnung der Gesellschaft bewerkstelligen lassen. Mit diesem Programm setzten sich Goethe und Schiller klar von ihren der Sturm-und-Drang-Zeit zuzurechnenden Frühwerken ab.

Gingen die literarischen Helden des Sturm und Drang – ebenso wie die Protagonisten der Französischen Revolution – zumeist an dem Widerspruch zwischen egoistischem Gefühl und allgemeingültiger Vernunft zugrunde, steht bei der Klassik nunmehr das Streben nach Harmonie, Sittlichkeit und menschlicher sowie ästhetischer Vollendung in Mittelpunkt. Der Literatur kommt dabei die Aufgabe zu, die Menschheit zu Humanität zu erziehen: Der unvollkommenen Gegenwart sollte die Kunst das Ideal einer besseren Welt vor Augen führen.

Da nach dem Dafürhalten der Weimarer Literaten die griechische Antike diesem Ideal besonders nahe kam, griff die Klassik zahlreiche Stil- und Gestaltungsmittel der Antike wieder auf: So erlebten unter anderem die Hymne und die an strenge formale Kriterien gebundene Ode eine neue Blütezeit. Ebenso ist die verstärkte Hinwendung zur dramatischen Form wohl nur mit Verweis auf die griechischen Vorbilder zu verstehen.

Während Schiller in seinen Briefen über die ästhetische Erziehung des Menschen vor allem die Kunst als »Vorschein« des angestrebten Idealzustandes proklamierte, hat unter anderem Goethe das harmonische Zusammenspiel sämtlicher Kräfte zudem bereits in der Natur als verwirklicht angesehen. Auf die Begeisterung an der hier erkannten Harmonie ist es zurückzuführen, dass sich der »Dichterfürst der deutschen Literatur« auch als Naturforscher einen Namen machte.

Das Drama in der Klassik

Die Weimarer Klassik ist vor allem für die Produktion ihrer Dramen bekannt, die durch die Wahl der verhandelten Themen den Anspruch hatten, jenseits der flüchtigen Einflüsse des Zeitgeistes dauerhafte Gültigkeit zu erlangen. Dieses Vorhaben wurde von den Literaten mit beeindruckendem Erfolg in die Tat umgesetzt; so möchte auch in der Gegenwart kaum eine Bühne auf die Werke von Goethe und Schiller verzichten.

Unter anderem mit »Don Karlos« (1787), »Maria Stuart« (1800) und »Wilhelm Tell« (1804) steuerte Friedrich Schiller zahlreiche dramatische Meilensteine zur deutschen Klassik bei. Bei Johann von Goethe tut sich mit »Iphigenie auf Tauris« (1787), »Egmont« (1788) oder »Torquato Tasso« (1790) ein nicht minder großer Kosmos auf – wenngleich sich die Wahrnehmung dessen Schaffens in heutiger Zeit vor allem auf die epochale Menschheitsparabel in »Faust I« (1808) und »Faust II« (1832) reduziert.

Lyrik in der Klassik

Aus der lyrischen Produktion stechen bei Schiller und Goethe insbesondere die Balladen heraus, die fast allesamt den Jahren 1797 bis 1799 entstammen. Im Rahmen eines der klassischen Programmatik verpflichteten ästhetischen Experiments wendeten sich Schiller (u. a. »Der Handschuh«, »Der Taucher« sowie »Die Bürgschaft«) und Goethe (u. a. »Der Zauberlehrling«, »Die Braut von Korinth«) innerhalb eines kurzen Zeitraums intensiv der Abfassung von Balladen zu.

Eine Annäherung an die griechischen Vorbilder lässt sich des Weiteren in den zahlreich verfassten Oden, Hymnen und Sonetten der Weimarer Klassik erkennen. Von seinen Italienreisen wurde Goethe zudem zu einem 24 Gedichte umfassenden Zyklus, die Römische Elegien, inspiriert.

Prosa in der Klassik

Der vergleichsweise freien und nur wenigen Regeln unterworfenen epischen Form kam in der Literatur der Klassik nur eine untergeordnete Bedeutung zu. So griff Schiller vor allem auf diese zurück, um – etwa in »Über die ästhetische Erziehung des Menschen« – kunsttheoretische Überlegungen anzustellen. Goethe wusste dagegen in »Wilhelm Meisters Lehrjahre« (1796) und »Wilhelm Meisters Wanderjahre« (1829) den Bildungsroman zu nutzen, um seine idealistischen Vorstellungen anschaulich zu machen.