Theodor Fontane

Theodor Fontane (1819–1898) war ein deutscher Schriftsteller und Journalist. Sein Geld verdiente er als Dichter und Romancier, als Theaterkritiker und wandernder Literat, als Chronist und Reiseschriftsteller. Fontane gilt als bedeutender Vertreter des Realismus. Zu seinen bekanntesten Werken zählen der Roman »Effi Briest« sowie die »Wanderungen durch die Mark Brandenburg«.
Geboren am
30. Dezember 1819
Gestorben am
20. September 1898
Theodor Fontane
Theodor Fontane

Biografie

Der Schriftsteller Theodor Fontane wurde 1819 im brandenburgischen Neuruppin geboren. Sein Vater war ein hugenottischer Apotheker. Nach dem Besuch des Gymnasiums absolvierte Fontane zunächst selbst eine Ausbildung in einer Apotheke. Bereits 1839 erschien seine erste Novelle »Geschwisterliebe«. Darin klingt schon ein zentrales Thema des Schriftstellers an: Liebe und Ehe im Spannungsfeld gesellschaftlicher Erwartungen. Ab 1849 widmete sich Fontane ausschließlich dem Schreiben.

Fontane engagierte sich in literarischen Zirkeln wie dem berühmten Berliner »Tunnel über der Spree«. Er unterstützte auch die Deutsche Revolution und die Freiheitskämpfer von 1848/49. Neben politischen Schriften verfasste er journalistische Texte und Reiseberichte. Zu seinen bekanntesten Arbeiten zählen die »Wanderungen durch die Mark Brandenburg«.

Internationale Berühmtheit erlangte Fontane mit seinen Gesellschaftsromanen, die dem »poetischen Realismus« zugerechnet werden. In ihnen übt er Kritik am deutschen Kaiserreich mit seinen überkommenen Konventionen. Zu Fontanes wichtigsten Werken gehören die Romane »Frau Jenny Treibel« (1893) und »Effi Briest« (1896) sowie das große Alterswerk »Der Stechlin« (1899). Von herausragender literarischer Bedeutung sind darüber hinaus seine Balladen wie »John Maynard« (1886) oder »Die Brück‘ am Tay« (1880). Fontane starb im Jahre 1898 hoch geehrt in Berlin.

Kindheit und Jugend

Der Schriftsteller Theodor Fontane (eigentlich Henri Théodore Fontane) wurde am 30. Dezember 1819 im brandenburgischen Neuruppin geboren. Sein Vater war ein Apotheker hugenottischer Abstammung. Wegen Spielschulden musste er 1826 seine Apotheke in Neuruppin verkaufen. 1827 siedelte die Familie nach Swinemünde um; ab 1838 lebte sie in Letschin im Oderbruch.

Theodor Fontane besuchte zunächst die Stadtschule und erhielt dann Privatunterricht. Von 1832 bis 1833 ging er in die Quarta (8. Klasse) des Gymnasiums in Neuruppin. Anschließend trat er in die Gewerbeschule von Karl Friedrich Klöden in Berlin ein; er verließ die Schule 1836 mit dem »Einjährigen«-Zeugnis.

Der Apotheker

Von 1836 bis Dezember 1839 absolvierte Fontane eine Ausbildung in der Berliner Apotheke »Zum Weißen Schwan«. Bereits 1839 erschien auch seine erste Novelle »Geschwisterliebe«. Darin klingt schon ein zentrales Thema des Schriftstellers an: Liebe und Ehe im Spannungsfeld gesellschaftlicher Erwartungen. Im Anschluss an seine Lehre arbeitete Fontane ab 1940 mehrere Jahre als Apothekergehilfe in Burg bei Magdeburg, Leipzig und Dresden. Ab 1849 widmete er sich ausschließlich dem Schreiben.

Der Revolutionär und Reiseschriftsteller

Fontane engagierte sich in literarischen Zirkeln wie dem berühmten Berliner »Tunnel über der Spree«. Politisch unterstützte er die deutsche Märzrevolution und die Freiheitskämpfer von 1848/49. An den sogenannten Barrikadenkämpfen in Berlin im März 1848 nahm er aktiv teil. Er war ein Gegner der Fürsten und der alten Kleinstaaterei und trat für ein geeinigtes Deutschland ein. Passend dazu erschienen im Winter 1849 seine ersten lyrisch-epischen Werke. In »Männer und Helden. Acht Preußenlieder« bearbeitete Fontane die brandenburgisch-preußische Geschichte.

Neben politischen Schriften verfasste Fontane journalistische Texte und Reiseberichte. Zu seinen bekanntesten Arbeiten zählen die »Wanderungen durch die Mark Brandenburg«. Er beschreibt darin Orte und Landschaften sowie Schlösser und Klöster in der Mark Brandenburg. Sein Interesse galt auch der Geschichte der Region und ihren Bewohnern. Auf seinen Wegen durchs Land sammelte er zudem Sagen und Anekdoten.

Das zwischen 1862 und 1889 erschienene Werk umfasst fünf Bände. Den ersten Band der »Wanderungen durch die Mark Brandenburg« mit dem Titel »Die Grafschaft Ruppin« widmete Fontane seiner Heimat. Der 1882 veröffentlichte vierte Band »Spreeland« beschäftigt sich mit der einzigartigen Kultur- und Naturlandschaft entlang der Spree von Köpenick bis zum Spreewald. Seinen großen Erfolg verdankten die Reisebeschreibungen unter anderem dem wachsenden preußischen Nationalbewusstsein jener Zeit.

Der Theaterkritiker

Von 1870 bis 1894 war Theodor Fontane als Theaterkritiker für die »Vossische Zeitung« tätig, einem bürgerlich-liberalen Blatt, das in Berlin verlegt wurde. In 25 Jahren verfasste Fontane etwa 650 Kritiken. In vergnüglichem Plauderton, mit Wortwitz und leiser Ironie, schilderte er seine Erlebnisse im Schauspielhaus am Gendarmenmarkt. Dabei verließ er sich mit den Jahren zunehmend auf sein Gefühl: »Je länger man das kritische Metier treibt, je mehr überzeugt man sich davon, dass es mit den Prinzipien und einem Paragraphenkodex nicht geht. Man muss sich auf seine unmittelbare Empfindung verlassen können,« schrieb Fontane am 7. Oktober 1877. Das Publikum liebte seine Theaterkritiken, manchen Theatermachern dagegen war er ein Dorn im Auge.

Der Romancier und Autor

Internationale Berühmtheit erlangte Fontane mit seinen Gesellschaftsromanen, die dem »poetischen Realismus« zugerechnet werden. In ihnen übt er Kritik am deutschen Kaiserreich mit seinen überkommenen Konventionen. Zu seinen wichtigsten Werken gehören die Romane »Frau Jenny Treibel« (1893) und »Effi Briest« (1896). Fontane erkennt die untergeordnete Rolle der Frauen in der Gesellschaft jener Zeit. Ihre Geschichten erzählt er mit viel Empathie. Dennoch sind es auch bei Fontane die Frauen, die am Ende nahezu immer verlieren.

»Der Stechlin« (1899) ist Fontanes großes Alterswerk. Die Handlung seines letzten Romans rankt sich um das märkische Adelsgeschlecht von Stechlin, dessen Familiensitz sich am Großen Stechlinsee im Kreis Ruppin befindet. Am Ende seines Lebens ordnet Dubslav von Stechlin dort seine Angelegenheiten. »Zum Schluss stirbt ein Alter und zwei Junge heiraten sich – das ist ziemlich alles, was auf 500 Seiten geschieht«, kommentierte Fontane seinen Roman.

Tatsächlich ist das Werk Fontanes Vermächtnis. Thomas Mann (1875–1955), großer deutscher Schriftsteller und Nobelpreisträger, schätzte den »alten Fontane« sehr. Sein gleichnamiger Essay von 1910 trug wesentlich zu der Wertschätzung bei, die Fontanes Werk bis heute erfährt.

Von herausragender literarischer Bedeutung sind darüber hinaus Fontanes Balladen wie »John Maynard« (1886) oder »Die Brück‘ am Tay« (1880).

Tod und Nachlass

Fontane starb am 20. September 1898 hoch geehrt in Berlin. Er wurde auf dem Friedhof der Französisch-Reformierten Gemeinde beigesetzt.

In Theodor Fontanes reichem Nachlass finden sich neben seinen großen Werken auch Dramen und mehr als 200 Gedichte sowie Biografien, Briefe und Tagebücher. 1935 wurde das Theodor-Fontane-Archiv in Potsdam gegründet. Es war dem Dichter und seiner Zeit gewidmet. Heute ist es eine wissenschaftliche Einrichtung der Universität Potsdam und gilt als »Kultureller Gedächtnisort von besonderer nationaler Bedeutung«.

Tabellarischer Lebenslauf

  • 1819
    Hochzeit der Eltern Louis Henri Fontane (1796-1867) und Emilie Labry (1798–1869) am 24. März
  • 1819
    Geburt am 30. Dezember 1819 in Neuruppin als Heinrich Theodor Fontane
  • 1827
    Umzug der Familie nach Swinemünde
  • 1836
    Nach Beendigung der Schulausbildung Beginn einer Apothekerlehre
  • 1839
    Abschluss der Lehre im Dezember 1839; erste Veröffentlichung in der Berliner Zeitschrift »Figaro«: Die Erzählung »Geschwisterliebe«
  • 1840
    Im Herbst 1940 Eintritt als Apotherkergehilfe in eine Apotheke in Burg bei Magdeburg; bis 1849 arbeitet Fontane in verschiedenen Apotheken in seinem Beruf, darunter auch in der seines Vaters in Letschin (Brandenburg)
  • 1844
    Freiwilliger für ein Jahr im Regiment der Gardegrenadiere »Kaiser Franz« in Berlin; erste Reise nach England
  • 1845
    Verlobung mit Emilie Rouanet-Kummer, seiner späteren Ehefrau
  • 1848
    Teilnahme als Beobachter und Revolutionär an den Straßenkämpfen in Berlin während der deutschen Revolution; journalistische Beiträge für das liberale Blatt »Berliner Zeitungshalle«
  • 1849
    Aufgabe des Apothekerberufs; Leben als Freier Schriftsteller
  • 1850
    Heirat mit Emilie Rouanet-Kummer; das Ehepaar bekam sieben Kinder, von denen drei kurz nach der Geburt starben
  • 1852
    Zweiter Englandaufenthalt; Beiträge für Zeitungen
  • 1855
    Beginn eines mehrjährigen Aufenthalts in England; Arbeit für die deutsche Presse und als Schriftsteller
  • 1856
    Emilie und die Kinder übersiedeln nach London
  • 1859
    Rückkehr nach Berlin mit der ganzen Familie
  • 1860
    Eintritt in die Redaktion der »Neuen Preußischen Zeitung« (Kreuzzeitung)
  • 1861
    Veröffentlichung des ersten Bands der »Wanderungen durch die Mark Brandenburg«: »Die Grafschaft Ruppin«; bis 1882 erscheinen insgesamt vier Bände
  • 1864
    Geburt des Sohnes Friedrich, der ab 1888 Verleger der letzten Werke Fontanes wird
  • 1870
    Beginn der Arbeit als Theaterkritiker für die »Vossische Zeitung«; Informationsreise durch das besetzte Frankreich mit der Absicht, das dritte seiner Kriegsbücher zu schreiben; Festnahme als vermeintlicher Spion; Freilassung aufgrund der Intervention des preußischen Ministerpräsidenten und späteren Reichskanzlers Otto von Bismarck
  • 1874
    Bis 1876 Reisen mit seiner Frau nach Österreich, Italien und in die Schweiz
  • 1876
    Beendigung aller Beschäftigungsverhältnisse und erneuter Beginn der Arbeit als Freier Schriftsteller
  • 1878
    Veröffentlichung von Romanen, Erzählungen, Balladen und Gedichten in rascher Folge während der nächsten Jahre
  • 1892
    Erkrankung an schwerem Gehirnleiden (Ischämie)
  • 1898
    Tod am 20. September 1898 in Berlin und Beisetzung auf dem Friedhof der Französischen Reformierten Gemeinde

Werke

  • 1860
    Jenseit des Tweed
    Reisebericht aus Schottland
  • 1862
    Wanderungen durch die Mark Brandenburg (5 Bände bis 1889)
    Reisebericht
  • 1866
    Reisebriefe vom Kriegsschauplatz Böhmen
    Bericht
  • 1871
    Kriegsgefangen
    Biografie
  • 1873
    Der Krieg gegen Frankreich 1870-1871
    Bericht
  • 1878
    Vor dem Sturm
    Roman
  • 1881
    Ellernklipp
    Novelle
  • 1882
    L’Adultera
    Roman
  • 1883
    Graf Petöfy
    Roman
  • 1883
    Schach von Wuthenow
    Erzählung
  • 1886
    John Maynard
    Ballade
  • 1888
    Irrungen, Wirrungen
    Roman
  • 1889
    Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland
    Ballade
  • 1890
    Stine
    Roman
  • 1892
    Frau Jenny Treibel
    Roman
  • 1892
    Unwiederbringlich
    Roman
  • 1893
    Meine Kinderjahre
    Autobiographischer Roman
  • 1896
    Die Poggenpuhls
    Roman
  • 1896
    Effi Briest
    Roman
  • 1906
    Mathilde Möhring
    Roman

Zitate

Courage ist gut, aber Ausdauer ist besser.

Ausdauer – das ist die Hauptsache.
Theodor Fontane
Zwischen Hochmut und Demut steht ein drittes, dem das Leben gehört, und das ist der Mut.
Theodor Fontane
In der Aufstellung unserer Grundsätze sind wir strenger als in ihrer Befolgung.
Theodor Fontane
Die Talente sind oft gar nicht so ungleich, im Fleiß und im Charakter liegen die Unterschiede.
Theodor Fontane
Man muss es so einrichten, dass einem das Ziel entgegenkommt.
Theodor Fontane
Die große Welt ist klein, und die Größe liegt ganz woanders.
Theodor Fontane
Und richtige Menschen sind die, die sich um mehr als ihren Maulwurfshügel kümmern.
Theodor Fontane, »Der Stechlin«
In Anschauungen bin ich sehr tolerant, aber Kunst ist Kunst.
Theodor Fontane in einem Brief an seine Frau (1883) über Emile Zola