Theodor Fontane (1819–1898) war ein deutscher Schriftsteller und Journalist. Er gilt als bedeutender Vertreter des Realismus. Zu seinen bekanntesten Werken zählen der Roman »Effi Briest« sowie die »Wanderungen durch die Mark Brandenburg«.

Tabellarischer Lebenslauf

1819Geburt am 30. Dezember 1819 in Neuruppin
1827Umzug der Familie nach Swinemünde
1836Nach Beendigung der Schulausbildung Beginn einer Apothekerlehre; bis 1849 arbeitet Fontane in verschiedenen Apotheken in seinem Beruf, darunter auch in der Apotheke seines Vaters in Letschin (Brandenburg)
1839Erste Veröffentlichung in der Berliner Zeitschrift »Figaro«: Die Erzählung »Geschwisterliebe«
1844Freiwilliger für ein Jahr im Regiment der Gardegrenadiere »Kaiser Franz« in Berlin; erste Reise nach England
1845Verlobung mit Emilie Rouanet-Kummer, seiner späteren Ehefrau
1848Teilnahme als Beobachter und Revolutionär an den Straßenkämpfen in Berlin während der deutschen Revolution; journalistische Beiträge für das liberale Blatt »Berliner Zeitungshalle«
1849Aufgabe des Apothekerberufs; Leben als Freier Schriftsteller
1850Heirat mit Emilie Rouanet-Kummer; das Ehepaar bekam sieben Kinder, von denen drei kurz nach der Geburt starben
1852Zweiter Englandaufenthalt; Beiträge für Zeitungen
1855Beginn eines mehrjährigen Aufenthalts in England; Arbeit für die deutsche Presse und als Schriftsteller
1856Emilie und die Kinder übersiedeln nach London
1859Rückkehr nach Berlin mit der ganzen Familie
1860Eintritt in die Redaktion der »Neuen Preußischen Zeitung« (Kreuzzeitung)
1861Veröffentlichung des ersten Bands der »Wanderungen durch die Mark Brandenburg«: »Die Grafschaft Ruppin«; bis 1882 erscheinen insgesamt vier Bände
1864Geburt des Sohnes Friedrich, der ab 1888 Verleger der letzten Werke Fontanes wird
1870Beginn der Arbeit als Theaterkritiker für die »Vossische Zeitung«; Informationsreise durch das besetzte Frankreich und Festnahme als vermeintlicher Spion; Freilassung aufgrund der Intervention des preußischen Ministerpräsidenten und späteren Reichskanzlers Otto von Bismarck
1874Bis 1876 Reisen mit seiner Frau nach Österreich, Italien und in die Schweiz
1876Beendigung aller Beschäftigungsverhältnisse und erneuter Beginn der Arbeit als Freier Schriftsteller
1878Veröffentlichung von Romanen, Erzählungen, Balladen und Gedichten in rascher Folge während der nächsten Jahre
1892Erkrankung an schwerem Gehirnleiden (Ischämie)
1898Tod am 20. September 1898 in Berlin und Beisetzung auf dem Friedhof der Französischen Reformierten Gemeinde

Biografie

Kindheit und Jugend

Der Schriftsteller Theodor Fontane wurde am 30. Dezember 1819 im brandenburgischen Neuruppin geboren. Sein Vater war ein hugenottischer Apotheker. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Neuruppin (1832–1833) trat Fontane in die Gewerbeschule von Karl Friedrich Klöden in Berlin ein. Er verließ die Schule 1836 ohne Abschluss.

Der Apotheker

Von 1836 bis Dezember 1839 absolvierte Fontane eine Ausbildung in der Berliner Apotheke »Zum Weißen Schwan«. Bereits 1839 erschien auch seine erste Novelle »Geschwisterliebe«. Darin klingt schon ein zentrales Thema des Schriftstellers an: Liebe und Ehe im Spannungsfeld gesellschaftlicher Erwartungen. Im Anschluss an seine Lehre arbeitete Fontane ab 1940 mehrere Jahre als Apothekergehilfe in Magdeburg, Leipzig und Dresden. Ab 1849 widmete er sich ausschließlich dem Schreiben.

Der Schriftsteller und Autor

Fontane engagierte sich in literarischen Zirkeln wie dem berühmten Berliner »Tunnel über der Spree«. Er unterstützte die deutsche Märzrevolution und die Freiheitskämpfer von 1848/49. An den sogenannten Barrikadenkämpfen in Berlin nahm er 1848 selbst teil.

Neben politischen Schriften verfasste Fontane journalistische Texte und Reiseberichte. Zu seinen bekanntesten Arbeiten zählen die »Wanderungen durch die Mark Brandenburg«. Der erste Band »Die Grafschaft Ruppin« ist seiner Heimat gewidmet.

Internationale Berühmtheit erlangte er mit seinen Gesellschaftsromanen, die dem »poetischen Realismus« zugerechnet werden. In ihnen übt er Kritik am deutschen Kaiserreich mit seinen überkommenen Konventionen. Zu Fontanes wichtigsten Werken gehören die Romane »Frau Jenny Treibel« (1893) und »Effi Briest« (1896) sowie das große Alterswerk »Der Stechlin« (1899). Von herausragender literarischer Bedeutung sind darüber hinaus seine Balladen wie »John Maynard« (1886) oder »Die Brück‘ am Tay« (1880).

Tod und Nachlass

Fontane starb am 20. September 1898 hoch geehrt in Berlin. Er wurde auf dem Friedhof der Französisch-Reformierten Gemeinde beigesetzt.

In Theodor Fontanes reichem Nachlass finden sich neben seinen großen Werken auch Dramen und mehr als 200 Gedichte sowie Biografien, Briefe und Tagebücher. 1935 wurde das Theodor-Fontane-Archiv in Potsdam gegründet. Es war dem Dichter und seiner Zeit gewidmet. Heute ist es eine wissenschaftliche Einrichtung der Universität Potsdam und gilt als »Kultureller Gedächtnisort von besonderer nationaler Bedeutung«.

Werke von Theodor Fontane (Auswahl)

1860
»Jenseit des Tweed«
Reisebericht aus Schottland
1871
»Kriegsgefangen«
Biografie
1878
»Vor dem Sturm«
Roman
1881
»Ellernklipp«
Novelle
1882
»L’Adultera«
Roman
1883
»Graf Petöfy«
Roman
1883
»Schach von Wuthenow«
Erzählung
1886
»John Maynard«
Ballade
1888
»Irrungen, Wirrungen«
Roman
1889
»Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland«
Ballade
postum veröffentlicht 1919
1890
»Stine«
Roman
1892
»Frau Jenny Treibel«
Roman
1892
»Unwiederbringlich«
Roman
1893
»Meine Kinderjahre«
Autobiographischer Roman
1896
»Die Poggenpuhls«
Roman
1896
»Effi Briest«
Roman
1906
»Mathilde Möhring«
Roman
postum veröffentlicht von Josef Ettlinger

Zitate von Theodor Fontane

»Courage ist gut, aber Ausdauer ist besser.
Ausdauer – das ist die Hauptsache.«
Theodor Fontane
»Zwischen Hochmut und Demut steht ein drittes, dem das Leben gehört, und das ist der Mut.«
Theodor Fontane
»In der Aufstellung unserer Grundsätze sind wir strenger als in ihrer Befolgung.«
Theodor Fontane
»Die Talente sind oft gar nicht so ungleich, im Fleiß und im Charakter liegen die Unterschiede.«
Theodor Fontane
»Man muss es so einrichten, dass einem das Ziel entgegenkommt.«
Theodor Fontane
»Die große Welt ist klein, und die Größe liegt ganz woanders.«
Theodor Fontane
»Und richtige Menschen sind die, die sich um mehr als ihren Maulwurfshügel kümmern.«
Theodor Fontane, »Der Stechlin«

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