Thomas Mann

Thomas Mann (1875–1955) war der bedeutendste Epiker deutscher Sprache des 20. Jahrhunderts. Sein Gesamtwerk umfasst 12 Romane, über 30 Erzählungen, zwei Bühnenstücke, rund 30 Essays sowie ein knappes Dutzend autobiografische Schriften. Für den Roman »Buddenbrooks. Verfall einer Familie« wurde der Schriftsteller 1929 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet.
Geboren am
06. Juni 1875
Gestorben am
12. August 1955
Thomas Mann
Thomas Mann
Der Schriftsteller Thomas Mann. Foto: Carl van Vechten, 1937

Biografie

Thomas Mann kam am 6. Juni 1875 als zweites von insgesamt fünf Kindern zur Welt. Er besuchte zunächst eine Privatschule und wechselte im Alter von 14 Jahren auf ein Gymnasium. Dort arbeitete er bereits aktiv an der Schülerzeitung mit und machte später mit eigenen Werken wie der Novelle »Gefallen« (1893) und dem Gedicht »Zweimaliger Abschied« (1894) auf sich aufmerksam. Im Alter von nur 22 Jahren begann Thomas Mann während eines zweijährigen Italienaufenthalts sein wohl berühmtestes Werk »Buddenbrooks«, das er erst drei Jahre später vollenden sollte. Wieder zurück in Deutschland folgten weitere bedeutsame Werke wie die Novelle »Gladius dei« (1902), die Erzählung »Beim Propheten« (1904) oder das Theaterstück »Fiorenza« (1906).

Entsetzt über die Machtergreifung der Nationalsozialisten kehrte Mann Deutschland 1933 den Rücken und emigrierte zunächst in die Schweiz, fünf Jahre später nach Frankreich und anschließend in die USA. In Deutschland wurden ihm die Staatsbürgerschaft sowie die Doktorwürde aberkannt. In den Nachkriegsjahren (ab 1952 wieder in der Schweiz) verfasste Mann bis zu seinem Tod am 12. August 1955 einige der wichtigsten Werke der deutschen Literatur. Zu seinem berühmtesten Werken gehören neben den »Buddenbrooks« (Nobelpreis für Literatur 1929) auch »Lotte in Weimar« (1939), »Doktor Faustus« (1947) sowie »Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull« (1954). Das Gesamtwerk des Schriftstellers umfasst 12 Romane, über 30 Erzählungen, zwei Bühnenstücke, rund 30 Essays sowie ein knappes Dutzend autobiografische Schriften.

Kindheit und Schulzeit

Paul Thomas Mann wurde am 6. Juni 1875 als zweiter Sohn des Kaufmanns und späteren Senators Thomas Johann Heinrich Mann und dessen Frau Julia (geb. da Silva-Bruhns) in Lübeck geboren. Zu seinem vier Jahre älteren Bruder, dem späteren Schriftsteller und Satiriker Heinrich Mann (1871–1950), hatte Thomas Mann von Kindheit an ein wechselnd schwieriges Verhältnis.

Nach dem Besuch einer Privatschule trat Thomas Mann 1889 in das Lübecker »Katharineum«, ein altsprachliches Gymnasium, ein. In seine Schulzeit fiel der Tod des Vaters (1891) und die testamentarisch verfügte Auflösung der großen väterlichen Firma. Die Mutter zog mit den jüngeren Kindern nach München. Thomas beendete die Schule in Lübeck ohne Abitur. Er »machte das Einjährige« und ging 1894 ebenfalls nach München.

Von ersten Arbeiten zu den Buddenbrooks

Ab 1893 war der junge Thomas Mann Mitherausgeber und Autor der Schülerzeitung »Frühlingssturm. Monatsschrift für Kunst, Literatur und Philosophie«. Nur wenig später machte er mit Werken wie der Novelle »Gefallen« (1894) und dem Gedicht »Zweimaliger Abschied« (1894) auf sich aufmerksam.

Thomas Mann entschloss sich gegen einen bürgerlichen Beruf und für eine Existenz als freier Schriftsteller. Im Alter von nur 22 Jahren begann er während einer zweijährigen Italienreise (1896–1898) mit seinem Bruder Heinrich den Roman »Buddenbrooks. Verfall einer Familie«. Es ist die Geschichte des Niedergangs einer Lübecker Kaufmannsfamilie.

Das Werk erschien 1901. Die zeitgenössische Rezeption war zunächst verhalten. Immerhin handelte es sich um ein äußerst umfangreiches Werk eines unbekannten Autors. Das mag manche Kritiker abgeschreckt haben, das Buch zu lesen und zu rezensieren. Spätestens ab der zweiten Auflage 1903 wurden die »Buddenbrooks« jedoch ein sensationeller Erfolg.

Heirat und Familie

1905 heiratete Thomas Mann die liberal erzogene und gebildete Katharina (Katia) Pringsheim (1883–1980). Das Paar bekam sechs Kinder: Erika Mann (1905–1967), Klaus Mann (1906–1949), Golo Mann (1909–1994),  Monika Mann (1910–1992), Elisabeth Mann (1918–2002) und Michael Mann (1919–1977). Abgesehen von Michael traten alle Mann-Kinder früher oder später ebenfalls als Schriftsteller hervor; unter ihnen galt Klaus als der begabteste.

Im Jahre 1912 litt Katia Mann unter einer schweren Lungenerkrankung, die eine längere Heilkur im schweizerischen Davos notwendig machte. Bei einem Besuch seiner Frau im Sanatorium wurde Thomas Mann zu dem Roman »Zauberberg« inspiriert: 1913 begann er mit der Arbeit an dem erst 1924 erschienenen Schlüsselwerk.

Vom Ersten Weltkrieg …

Anders als sein älterer Bruder Heinrich verteidigte Thomas Mann das Kaisertum. Es galt ihm als Garant der Erhaltung hoher deutscher Kultur. Während Heinrich sich als Pazifist und Demokrat sah, war Thomas ein Befürworter des Ersten Weltkriegs. Seine Gedanken fasste er zwischen 1915 und 1918 in der Streitschrift »Betrachtungen eines Unpolitischen« zusammen. Die in dem Essay enthaltene Kriegsbegeisterung wirkt aus heutiger Sicht problematisch und befremdlich. Damals entsprach das Werk durchaus dem Zeitgeist.

Das Zerwürfnis der Brüder über die unterschiedlichen politischen Standpunkte dauerte bis zum Tod der Mutter 1923 an, wenngleich der Kontakt zwischen ihnen nie gänzlich abriss. Zeitlebens gab es einen mehr oder weniger persönlichen Briefwechsel zwischen den Schriftstellern. Am 13. Oktober 1922 bekannte sich Thomas Mann in Berlin in seiner Rede »Von deutscher Republik« aus Anlass des 60. Geburtstags von Gerhart Hauptmann dann offen zur Demokratie.

Von 1918 an bis zu seinem Tod im Jahr 1955 führte Thomas Mann seine berühmten Tagebücher. Sie sind einerseits persönliche Lebenschronik, andererseits Aufzeichnungen über weltpolitische Entwicklungen und Umbrüche. Der erste, sehr private Eintrag ist von Mittwoch, dem 11. September 1918: »Seit vorgestern von Tegernsee zurück. Das Haus noch in ungeputztem Zustande, ohne Teppiche. Nasser Spaziergang mit Bauschan. Mittagessen auf der oberen Diele.«

… zum Zweiten Weltkrieg

1929 wurde Thomas Mann für sein Werk »Buddenbrooks. Verfall einer Familie« mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet.

Ab 1930 warnte der einstmals »Unpolitische« vor dem Erstarken der NSDAP. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten kehrte er Deutschland 1933 den Rücken. Er emigrierte zunächst nach Frankreich und bald darauf in die Schweiz, wo er mit seiner Familie von 1933–1938 in Küsnacht am Zürichsee lebte. Nachdem er sich am 3. Februar 1936 in einem offenen Brief in der Neuen Zürcher Zeitung gegen das nationalsozialistische System gestellt hatte, wurde ihm die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt; er erhielt die tschechoslowakische Staatsbürgerschaft.

Mit dem Roman »Lotte in Weimar« setzte Thomas Mann dem von ihm verehrten Johann Wolfgang von Goethe ein Denkmal. Das Werk erschien 1939 zuerst in Stockholm. Es geht dabei unter anderem um das Verhältnis zwischen dem großen Mann Goethe und seinen Bewunderern. Es ist anzunehmen, dass Thomas Mann beim Schreiben zu jener Zeit auch an Hitler und dessen Gefolgschaft dachte.

Von 1938 bis 1952 lebte Thomas Mann im Exil in den USA. 1944 wurde er amerikanischer Staatsbürger. Nach den ersten Jahren in Princeton, New Jersey, ließ er sich 1942 eine Villa in den Hügeln von Santa Monica, Kalifornien, bauen. Seine zehn Lebensjahre dort waren von Schaffenskraft geprägt. 1943 begann er mit der Niederschrift seines Spätwerks »Doktor Faustus«; er hat darin seine eigene Lebensgeschichte mit der Zeitgeschichte verwoben.

Nachkriegszeit

In dem offenen Brief »Warum ich nicht nach Deutschland zurückkehre« befasste sich Thomas Mann 1945 mit dem Thema der Kollektivschuld des deutschen Volkes. 1947 reiste er zum ersten Mal nach Kriegsende wieder nach Europa; 1949 auch nach Deutschland. Doch sein Land war ihm fremd geworden.

Das veränderte politische Klima nach dem Tode von Präsident Roosevelt 1945 betrachtete Thomas Mann mit ähnlicher Sorge wie den wachsenden Antibolschewismus in Europa. Da er in den USA zunehmend als Sympathisant Stalins und des Kommunismus denunziert wurde, verließ er 1952 Amerika. Im Alter von 77 Jahren ging Thomas Mann endgültig zurück nach Europa. Er ließ er sich in der Schweiz nieder.

Tod in Zürich

Thomas Manns letzter Roman blieb unvollendet; allerdings hatte er die Fortsetzung der »Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull« bereits skizziert.

Der Schriftsteller und Nobelpreisträger starb am 12. August 1955 im Alter von 80 Jahren im Kantonsspital in Zürich.

Tabellarischer Lebenslauf

  • 1875
    Geburt am 6. Juni 1875 in Lübeck als zweiter Sohn des Kaufmanns und späteren Senators Thomas Johann Heinrich Mann und dessen Frau Julia (geb. da Silva-Bruhns)
  • 1889
    Eintritt in das altsprachliche Gymnasium »Katharineum«
  • 1891
    Tod des Vaters, gefolgt von der Liquidierung der väterlichen Firma
  • 1893
    Mitherausgeber der Schülerzeitung »Frühlingssturm. Monatsschrift für Kunst, Literatur und Philosophie«
  • 1894
    Beendigung der Schullaufbahn mit dem »Einjährigen«; Umzug nach München, wo die Mutter inzwischen mit den jüngeren Geschwistern lebte; Volontär bei einer Versicherungsgesellschaft; Publikation der ersten Novelle »Gefallen«
  • 1895
    Entschluss, sich eine Existenz als freier Schriftsteller aufzubauen; Studium an der Technischen Hochschule München; Mitarbeit bei der von seinem Bruder Heinrich herausgegebenen Zeitschrift »Das Zwanzigste Jahrhundert. Blätter für deutsche Art und Wohlfahrt«
  • 1896–1898
    Italienreise mit seinem Bruder Heinrich: Aufenthalt in Rom und Palestrina; unterwegs Beginn der Arbeit an den »Buddenbrooks«
  • 1898
    Veröffentlichung einer Novellen-Sammlung unter dem Titel »Der kleine Herr Friedemann«
  • 1898–1900
    Redakteur bei der satirischen Zeitschrift »Simplicissimus« in München
  • 1900
    Militärdienst
  • 1901
    Veröffentlichung des Romans »Buddenbrooks. Verfall einer Familie«, der ein großartiger Erfolg wird
  • 1905
    Eheschließung mit Katharina Pringsheim, genannt Katia; aus der Ehe gingen sechs Kinder hervor: Erika (1905), Klaus (1906), Golo (1909), Monika (1910), Elisabeth (1918) und Michael (1919)
  • 1912
    Inspiration zu dem Roman »Zauberberg« während eines Besuchs seiner kranken Frau Katia in einem Lungensanatorium in Davos, Schweiz
  • 1914
    Bau und Bezug eines Hauses in der Poschinger Straße 1 in München
  • 1915–1918
    Zerwürfnis mit dem Bruder Heinrich wegen ihrer unterschiedlichen Haltungen zum Ersten Weltkrieg (Thomas war kaisertreu und kriegsbegeistert, Heinrichs Haltung pazifistisch und demokratisch).
  • 1919
    Verleihung der Ehrendoktorwürde der Universität Bonn
  • 1922
    Bekenntnis zur Demokratie in einer Rede in Berlin aus Anlass des 60. Geburtstags von Gerhart Hauptmann
  • 1923
    Tod der Mutter
  • 1924
    Veröffentlichung des Romans »Zauberberg«
  • 1926
    Beginn der Arbeit an der »Joseph«-Tetralogie
  • 1929
    Nobelpreis für Literatur für den Roman »Buddenbrooks. Verfall einer Familie«
  • 1930
    Mahnrede als Warnung vor dem Erstarken der Partei der Nationalsozialisten »Deutsche Ansprache – Ein Appell an die Vernunft«; Reise nach Ägypten und Palästina
  • 1933
    Emigration nach Frankreich, später Niederlassung in Küsnacht bei Zürich
  • 1936
    Aberkennung der deutschen Staatsbürgerschaft und Annahme der tschechoslowakischen Staatsbürgerschaft; Aberkennung des Ehrendoktorats der Universität Bonn
  • 1938
    Asyl in den USA; Gastprofessur an der Universität Princeton, New Jersey; Verleihung der Ehrendoktorwürde der Columbia University, New York
  • 1941
    Umsiedelung nach Kalifornien
  • 1942
    Bau und Bezug eines eigenen Hauses in Pacific Palisades, Kalifornien, sein Wohnsitz bis 1952
  • 1942–1945
    Radiosendungen unter dem Titel »Deutsche Hörer!«, Übertragung nach Deutschland mit Hilfe der BBC
  • 1944
    Annahme der amerikanischen Staatsbürgerschaft
  • 1947
    Veröffentlichung von »Doktor Faustus«; erste Reise nach Europa nach dem Krieg
  • 1949
    Erster Besuch Deutschlands nach dem Krieg
  • 1950
    Tod des Bruders Heinrich
  • 1952
    Endgültige Rückkehr nach Europa; Niederlassung in der Schweiz
  • 1954
    Erwerb eines Hauses in Kilchberg bei Zürich
  • 1955
    Ehrenbürger der Stadt Lübeck; Tod am 12. August 1955 im Kantonsspital Zürich

Werke

  • 1894
    Gefallen
    Novelle
  • 1894
    Zweimaliger Abschied
    Gedicht
  • 1897
    Der kleine Herr Friedemann
    Novelle
  • 1899
    Tonio Kröger
    Novelle
  • 1901
    Buddenbrooks
    Roman
  • 1902
    Gladius dei
    Novelle
  • 1904
    Beim Propheten
    Erzählung
  • 1907
    Fiorenza
    Bühnenstück
  • 1909
    Königliche Hoheit
    Roman
  • 1912
    Der Tod in Venedig
    Novelle
  • 1918
    Betrachtungen eines Unpolitischen
  • 1922
    Von deutscher Republik
    aus Anlass des 60. Geburtstags von Gerhart Hauptmann
  • 1924
    Der Zauberberg
    Roman
  • 1930
    Mario und der Zauberer
    Novelle
  • 1933
    Joseph und seine Brüder. Die Geschichten Jaakobs.
    Roman, Teil 1 von 4
  • 1934
    Joseph und seine Brüder. Der junge Joseph.
    Roman, Teil 2 von 4
  • 1936
    Joseph und seine Brüder. Joseph in Ägypten.
    Roman, Teil 3 von 4
  • 1939
    Lotte in Weimar
    Roman
  • 1943
    Joseph und seine Brüder. Joseph, der Ernährer.
    Roman, Teil 4 von 4
  • 1945
    Deutschland und die Deutschen
    Vortrag
  • 1947
    Doktor Faustus
    Roman
  • 1948
    Nietzsches Philosophie im Lichte unserer Erfahrung
    Essay
  • 1954
    Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull
    Roman
  • 2005
    Im Schatten Wagners: Thomas Mann über Richard Wagner. Texte und Zeugnisse

Zitate

Ist nicht das Leben an sich etwas Gutes, gleichviel, ob es sich nun so für uns gestaltet, dass man es ›glücklich‹ nennt?
Thomas Mann, Der kleine Herr Friedemann
Wahrscheinlich kann man vom Nichtwollen seelisch nicht leben; eine Sache nicht tun wollen, das ist auf Dauer kein Lebensinhalt.
Thomas Mann, Mario und der Zauberer
Die Rolle des Vertrauten ist immer zugleich wohltuend und schmerzlich, denn man spielt sie ja immer nur unter der Voraussetzung, dass man selbst nicht in Betracht kommt. Aber wie viel besser ist es doch, habe ich mir oft gesagt, der Welt Vertrauen einzuflößen, als ihre Leidenschaften zu erregen! Wie viel besser, ihr ›gut‹, als ›schön‹ zu erscheinen!
Thomas Mann, Doktor Faustus