Inhaltsangabe

Thomas Mann schrieb seine Novelle »Der Tod in Venedig« im Jahr 1911 im Alter von 36 Jahren während seiner Zeit in München. Erstmals erschien das Werk 1912 in einer Literaturzeitschrift und wenige Monate später als separate Ausgabe. Im Mittelpunkt der fünf Kapitel steht neben dem Schriftsteller Gustav Aschenbach der 14-jährige polnische Junge Tadzio. Zeitlich ist die Novelle zu Beginn des 20. Jahrhunderts angesiedelt. Schauplätze sind im Wesentlichen Aschenbachs Heimatstadt München sowie Venedig.


Kapitel Eins

Schriftsteller Aschenbach – gerade 50 Jahre alt geworden – sucht bei einem Spaziergang durch die bayerische Metropole etwas Entspannung und Ablenkung vom Alltag, als ein offensichtlich fremdländischer Wandergeselle das Fernweh und die Reiselust in ihm weckt. Daraufhin beschließt der Schriftsteller, München für einige Tage zu verlassen, um Neues zu entdecken und dabei Kraft und Ideen für neue Stücke zu sammeln. Außerdem hofft Aschenbach so, dem hohen Erwartungsdruck an seine Werke vorübergehend zu entgehen.


Kapitel Zwei

Hier wird der biografische Hintergrund des Schriftstellers beleuchtet. Berichtet wird von den eher nüchternen und rationalen Wurzeln der väterlichen Seite (Militär, Jurist, Verwaltung etc.) und vom spontanen und emotionellen Hintergrund der mütterlichen Vorfahren (Musik, Kunst etc.). Ausgehend von diesen Voraussetzungen, war das Leben von Gustav Aschenbach schon immer auf hohe Leistung und gesellschaftliches Ansehen ausgerichtet. Sein Wissen und seine künstlerisch-literarischen Fähigkeiten haben ihm hohes Ansehen eingebracht und durch den Verlust seiner jungen Ehefrau hat sich der Schriftsteller noch intensiver mit seiner Arbeit beschäftigt. Der Preis für seine derzeitige Akzeptanz und das Ansehen sind allerdings Erschöpfung, Müdigkeit und Gereiztheit – ebenfalls gute Gründe für einen Urlaub.


Kapitel Drei

Die Reise von Gustav Aschenbach führt ihn zuerst nach Triest. Aber noch hat er die innere Unruhe nicht abgelegt, weshalb er schon am nächsten Tag nach Pola weiterreist. Eine gute Woche später beschließt Aschenbach, auf dem Seeweg nach Venedig zu fahren. Bereits auf dem Schiff und auch später in einer venezianischen Gondel werden in Aschenbach erste Überlegungen laut, nach denen er sich in einer für ihn fremden Welt befindet, in der ihm noch viele Dinge völlig unbekannt sind. Insbesondere einige Personen, die auf der Reise seinen Weg kreuzten, machten Aschenbach klar, das andere Länder und andere Kulturkreise auch andere – ihm bisher unbekannte – Charaktere von Menschen hervorbringen. Teils überrascht, teils fasziniert von dieser Vielfältigkeit, genießt es der Schriftsteller am ersten Abend in Venedig, die zahlreichen verschiedenen Hotelgäste zu beobachten. Dabei fällt ihm besonders der polnische Jüngling Tadzio auf, von dessen Schönheit Aschenbach vollkommen überwältigt ist. Seine innere Unruhe und die schier überwältigenden neuen Eindrücke verleiten den Münchner am nächsten Tag schon wieder zur Abreise, aber ein weiteres Zusammentreffen mit dem »gottähnlichen« polnischen Jungen lässt diese Gedanken vorerst wieder verfliegen.

Wenig begeistert ist Aschenbach von den Gassen Venedigs und dem dort herrschenden Klima, weshalb er am Nachmittag ein weiteres Mal seine Abreise beschließt. Am nächsten Tag muss Aschenbach jedoch erfahren, dass sein vorausgeschicktes Gepäck auf einen falschen Zug verladen wurde. Die einzige Alternative ist nun, in das Hotel zurückzukehren und sich erneut dort einzumieten. Allerdings ist der Schriftsteller nicht ärgerlich wegen des fehlenden Gepäcks, sondern viel mehr froh, nun wieder in der Nähe des schönen Knaben Tadzio zu sein.


Kapitel Vier

Zwei Tage später erhält der Schriftsteller sein Gepäck wieder zurück, hat aber dennoch längst kein Verlangen mehr, abzureisen. Stattdessen gestaltet er seinen Aufenthalt so, dass er Tadzio möglichst oft beobachten und in dessen Nähe sein kann. Einige Tage später kommt es vor dem Hotel zu einer unverhofften Begegnung zwischen Aschenbach und Tadzio. Beide sind überrascht. Ohne es mit Worten zu sagen, offenbaren Ausdruck, Gestik und Mimik Aschenbachs die Gefühle, die er dem Jungen heimlich entgegenbringt. Tadzio seinerseits lächelt den älteren Mann nur an, was dieser aber völlig falsch als starke Zuneigung interpretiert. Nun ist Aschenbach fest davon überzeugt, dass seine starken Gefühle (inzwischen hält er es für echte Liebe) von Tadzio erwidert werden.


Kapitel Fünf

Aschenbach weilt inzwischen die vierte Woche in der Lagunenstadt. Seltsame Düfte, heimliche Gespräche und aufgestellte Transparente lassen den Dichter den Ausbruch einer Seuche vermuten, die den Touristen jedoch verschwiegen werden soll. Zwar reisen auch einige Hotelgäste vorzeitig ab, da es sich aber dabei hauptsächlich um deutsche und österreichische Gäste handelt, ist Aschenbach wegen seiner heimlichen Leidenschaft eher erleichtert. Die Chancen, dass seine Zuneigung zu Tadzio weiter sein Geheimnis bleibt, sind so gestiegen. Diese Zuneigung hat in den letzten vier Wochen allerdings fast schon skurrile Züge angenommen und bestimmt den kompletten Aufenthalt des Münchners. Täglich schleicht er dem Jungen nach und folgt so oft wie möglich dem Tagesablauf Tadzios. Kurz darauf wird Aschenbach in einem Reisebüro über das wahre Ausmaß der Seuche aufgeklärt und ihm wird zur baldigen Abreise geraten. Er erwägt sogar, die Familie des Angebeteten einzuweihen, verwirft den Gedanken jedoch wieder.

Irritiert und aufgewühlt von einem seltsamen Traum, befürchtet Aschenbach plötzlich, er könne dem heimlichen Geliebten nicht gefallen. Er beschließt eine »Verjüngungskur« mithilfe von Pudern, Cremes, Makeup und einer völlig neuen Frisur mit gefärbten Haaren, was den einstmals ehrwürdigen gereiften Dichter zu einer absonderlichen Erscheinung werden lässt. Wenige Tage später überkommt Aschenbach – inzwischen völlig verblendet und unter der Wirkung verdorbener Erdbeeren – ein weiterer Traum, der die gesamte Zerrissenheit und das Dilemma des Schriftstellers verdeutlicht. Kurz darauf – Aschenbach stellt einmal wieder dem polnischen Knaben nach – geht dieser ins Meer, um sich zu erfrischen. In Aschenbachs Fantasie will er aber seinem jungen Leben ein Ende setzen. Dabei lächelt der Junge ihn an und lockt ihn ebenfalls ins Meer. Diese Wunschvorstellung war der letzte Gedanke Aschenbachs, kurz darauf verstirbt er.


In der Novelle »Der Tod in Venedig« lässt Mann zwei wesentliche Gegensätze aufeinander treffen. Der eigentlich eher rationale, nach Perfektion strebende Schriftsteller, der von gesellschaftlichen Konventionen, aber auch von hohem Leistungs- und Schaffensdruck geprägt ist, trifft auf eine äußerst emotionale Welt, die sich nur schwer in Worte fassen lässt. Außerdem liegen in dieser Welt Dinge wie Tod und Liebe dicht beieinander. Erzählt werden die Ereignisse dabei durch einen Erzähler bzw. durch Aschenbachs Augen. Mann verwendet dabei lange, teils sehr verschachtelte Haupt- und Nebensätze sowie verschiedene verheißungsvolle Begegnungen (seltsamer Wandergeselle, Gondoliere, Musiker im Hotel). Durch diese Erzählart wirkt die eigentlich wenig spektakuläre Geschichte dennoch fesselnd und spannend.

Zusammenfassung von Inhaltsangabe.de.
Veröffentlicht am 10. April 2012, zuletzt aktualsiert am 26. März 2017.