Inhaltsangabe

Theodor Storms erfolgreichste, 1849 erstmals veröffentlichte und 1850 in einer überarbeiteten Fassung erschienene Novelle »Immensee« erreichte schon zu seinen Lebzeiten dreißig Auflagen. In der Rahmenerzählung kommen einem alten Mann Erinnerungen an eine Frau namens Elisabeth. In der Binnengeschichte der unerfüllten Liebe zwischen Reinhard Werner und Elisabeth werden Episoden aus Kindheit, Jugend und den frühen Mannesjahren des Protagonisten erzählt. Die Handlung spielt im Süden Deutschlands; Angaben zur Zeit fehlen.

Der Alte

Ein in auskömmlichen Verhältnissen lebender alter Mann kommt an einem Spätherbstnachmittag nach Hause, zieht sich in sein dunkles Bücherzimmer zurück und spricht den Namen »Elisabeth« aus, der ihn in seine Jugend zurückversetzt.

Die Kinder

Elisabeth ist fünf und Reinhard zehn Jahre alt. Im Garten haben sie ein Haus aus Rasenstücken gebaut, in dem Reinhard Elisabeth Märchen erzählt und Pläne für eine gemeinsame Zukunft entwirft.

Im Walde

Die Kinder verbringen jede freie Minute zusammen, auch noch, als Reinhard eine weiterführende Schule besucht. In einem Pergamentband hält er Erlebnisse und Eindrücke, zu denen Elisabeth ihn bewegt, in Gedichtform fest. Auf lose Zettel schreibt er Märchen für sie, die sie sorgfältig aufbewahrt. Mit siebzehn soll Reinhard wegen einer Ausbildung die Stadt verlassen. Er verspricht Elisabeth ihr weiterhin Märchen zu schicken. Anlässlich der Abreise findet eine große Landpartie statt. Alle Kinder werden in den Wald geschickt um Erdbeeren zu pflücken. Reinhard und Elisabeth verlaufen sich im Wald und kehren ohne Erdbeeren zu den anderen zurück. Dafür hat Reinhard ein neues Gedicht für das Pergamentbuch, in dem er Elisabeth als Waldkönigin sieht.

Da stand das Kind am Wege

Am Weihnachtsabend ist Reinhard mit anderen Studenten im Ratskeller. Er flirtet mit einem schönen Zigeunermädchen, das Zither spielt, als er die Nachricht bekommt, dass zu Hause ein Paket auf ihn warte. Er wendet sich daraufhin von der fremden Frau ab. Seine Mutter und Elisabeth schicken ihm Weihnachtskuchen und persönliche Geschenke. Elisabeth schreibt, dass der Hänfling, den er ihr geschenkt habe, tot sei, und erwähnt, dass sie seinem Schulfreund Erich jetzt häufig begegne. Sie beklagt, dass Reinhard die versprochenen Märchen nicht schicke. Ihm kommt ein Vers in den Sinn, in dem es heißt, dass das Kind ihn nach Hause gewinkt habe. Er kauft ein Schmuckstück für Elisabeth und schreibt seiner Mutter und ihr lange Briefe. Er hat Heimweh.

Daheim

Zu Ostern kehrt Reinhard in die Heimat zurück. Elisabeth und er verbringen viel Zeit miteinander, doch will sich die alte Vertrautheit nicht einstellen. Anstelle des Hänflings tritt ein Kanarienvogel, den Erich Elisabeth schenkt. Reinhard erfährt, dass Erich jetzt einen Hof seines Vaters am Immensee übernommen habe. Reinhard vertraut Elisabeth sein Pergamentbuch an. Die Verse, deren Mittelpunkt sie ist, machen Elisabeth verlegen und sie gibt ihm das Buch mit einem Erikazweig zurück. Vor seiner Abreise lässt Reinhard sich von Elisabeth das Versprechen geben, dass sie ihn bei seiner Rückkehr in zwei Jahren noch lieb haben werde. Er erwähnt ein Geheimnis, das er dann lüften will.

Ein Brief

Nach zwei Jahren ohne jeglichen Kontakt zwischen Elisabeth und Reinhard schreibt dessen Mutter ihm, dass Elisabeth Erichs Antrag angenommen habe, nachdem sie ihn zuvor zweimal abgelehnt hatte.

Immensee

Jahre später folgt Reinhard einer Einladung des wohlhabenden Erichs in sein großes Haus am Immensee, von der weder Elisabeth noch ihre Mutter im Vorhinein wissen. Elisabeth freut sich über Reinhards Ankunft.

Meine Mutter hat‘s gewollt

Eines Abends trägt Reinhard Volkslieder vor, die am selben Tag erst in seinen Besitz gekommen sind. Elisabeth stimmt ein. Unter den Liedern ist auch eines, in dem ein Mädchen auf den Wunsch seiner Mutter hin einen anderen Mann wählt als den, den es liebt. Verstört verlässt Elisabeth die Runde. Reinhard folgt ihr in den Garten, begegnet ihr aber nicht. Stattdessen versucht er sich schwimmend einer Wasserlilie zu nähern, was ihm jedoch nicht gelingt.

Elisabeth

Während eines Ausflugs zu zweit am nächsten Tag überkommt Reinhard und Elisabeth die Erinnerung an ihre Jugend. Sie verbergen ihren Schmerz und ihre Wehmut voreinander. Zurück am Haus begegnet ihnen die schöne Zigeunerin. Mit verstörten Zügen singt sie das Lied vom Weihnachtsabend. Verwirrt und erregt durchwacht Reinhard die Nacht und schreibt einen Abschiedsbrief. Als er in der Morgendämmerung heimlich das Haus verlassen will, überrascht ihn Elisabeth. Er bestätigt ihre Vermutung, dass er niemals wiederkommen werde. Er löst sich gewaltsam von ihrem Anblick und geht.

Der Alte

Vor seinem inneren Auge sieht der Alte in weiter Ferne und kaum erkennbar eine einsame Wasserlilie. Er lässt ein Licht auf den Tisch stellen und vertieft sich mit Entschlossenheit in seine Studien.

Theodor Storm verstand sich ungeachtet seiner zahlreichen Novellen vor allem als Lyriker, und die Kapitel in »Immensee« lassen sich als lyrische Stimmungsbilder lesen. Viele inhaltliche Dinge werden dabei bewusst im Unklaren gehalten und der Leser ist auf Vermutungen angewiesen. Das zentrale Motiv ist die im See schwimmende Wasserlilie als Symbol eines scheinbar zum Greifen nahen und doch unerreichbaren Glücks.


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