Was ist eine Personifikation?

Die Personifikation ist rhetorisches Stilmittel. Sie ist eine Art der Metapher und wird häufig verwendet. Der Begriff lässt sich aus dem Lateinischen ableiten (persona = Person; ficare = machen) und bedeutet Vermenschlichung: Tiere, Pflanzen oder Lebloses werden mit menschlichen Eigenschaften ausgestattet oder handeln wie Menschen.

Beispiele:
  • »ein schüchterner Versuch«
  • »die Zeit rennt«
  • »Blätter tanzen im Wind«
  • »der Himmel weint«
  • »Kunst und Naturwissenschaft gehen Hand in Hand«

Wie wird eine Personifikation gebildet?

Tiere, Pflanzen, abstrakte Begriffe, Naturerscheinungen oder leblose Dinge werden in der Literatur als handelnde oder sprechende Menschen dargestellt. Beispiele dafür finden sich bereits in der antiken Rhetorik, im Mythos und insbesondere in der Literaturgattung Fabel.

Beispiele:
  • Goethe stellt die Zeit (Chronos) in seinem Gedicht als »Schwager Kronos« dar.
  • Fabeln des Äsop wie »Der Fuchs und der Rabe«

Eine Personifikation kann aber auch in Form von Verben, Adjektiven oder Substantiven ausgedrückt werden. Dabei werden Handlungen, Eigenschaften oder Begriffe, die man aus dem menschlichen Miteinander kennt, auf abstrakte Begriffe oder unbelebte Dinge übertragen. Die Personifikation ist ein Stilmittel, welches in Texten einfach zu entdecken ist.

Beispiele:
  • »Der Glaube besiegt die Furcht«
  • »Mir winkt das Glück«
  • »blinde Wut«
  • »ein hinkender Vergleich«
  • »Vater Staat«
  • »ein Strom fressender Kühlschrank«

Wirkung der Personifikation

Die Personifikation ist in literarischen Werken ebenso anzutreffen wie in politischen Reden. Sie ist auch in der Werbung und der Alltagssprache weit verbreitet. Durch Nutzung dieser Stilfigur wird ein Text und wird Sprache lebendiger. Zuhörer und Leser können den Inhalt so leichter erfassen. Daneben verstärkt die anschauliche Gestaltung das Interesse und sorgt für die gebotene Aufmerksamkeit.


Personifikation in der Literatur

Die Personifikation ist gleichermaßen ein Stilmittel der Epik wie der Lyrik. Der altgriechische Philosoph Platon, der römische Denker und Schriftsteller Cicero oder die Dichter im Mittelalter und Barock personifizierten zum Beispiel das Gesetz (»Justitia«) oder das Vaterland. In Fabeln agieren Tiere, die mit menschlicher Vernunft und Sprache ausgestattet sind. Die Tiere verkörpern dabei bestimmte Eigenschaften. Der Fuchs etwa steht für Schlauheit, der Löwe für Stärke und Macht. Eine berühmte Personifikation im Gedicht ist »Das Mädchen aus der Fremde« von Friedrich Schiller, in dem er die Kunst zur Frau macht.

Beispiele:

»Frühling lässt sein blaues Band
Wieder flattern durch die Lüfte«
Eduard Mörike (1804-1875), »Er ist’s«

»Ein dicker Sack – den Bauer Bolte,

Der ihn zur Mühle tragen wollte,

Um auszuruh’n mal hingestellt

Dicht an ein reifes Ährenfeld, –

Legt sich in würdevolle Falten

Und fängt ’ne Rede an zu halten.«
Wilhelm Busch (1832-1908), »Der volle Sack«


Personifikationen als Karikatur

Die Personifikation wird auch eingesetzt, um eine Nation zu charakterisieren bzw. ihren (vermeintlichen) Charakter zu karikieren. Klischeehafte Vorstellungen von den Eigenschaften eines Volkes werden in einer Figur zusammengefasst.

Beispiele:
  • »Deutscher Michel« (Deutschland)
  • »Uncle Sam« (USA)
  • »John Bull« (Großbritannien)

Personifikation in der Politik

Politische Reden verlangen mehr als Sachlichkeit und Konzentration auf Fakten, um die Aufmerksamkeit der Zuhörer zu erreichen. So nutzen Politiker die gesamte Bandbreite der rhetorischen Stilmittel, damit der Vortrag die gewünschte Wirkung zeigt. Die Personifikation gehört zu den rhetorischen Kunstgriffen, die im politischen Alltag recht häufig anzutreffen sind.

Beispiele:

»Die Spatzen pfeifen es von den Dächern: Wissen ist heute die wichtigste Ressource in unserem rohstoffarmen Land.«
Roman Herzog, 1997, Berliner Bildungsforum

»Ja, die Sprache springt aus dem Ämter- und Zeitungsdeutsch heraus, in das sie eingewickelt war, und erinnert sich ihrer Gefühlswörter.«
Christa Wolf, 1989, Rede auf dem Alexanderplatz in Berlin


Personifikation in der Werbung

Die Werbung arbeitet mit allen rhetorischen Möglichkeiten der Sprachgestaltung, um Produkten zu einem höheren Bekanntheitsgrad zu verhelfen und den Wiedererkennungswert zu steigern. So finden sich in der Werbesprache Personifikationen in griffigen Slogans.

Beispiele:
  • »Citroën – Intelligenz auf Rädern« (Autohersteller Citroën)
  • »Weil unsere Haut Durst auf Gesundheit hat.« (Thermalwasser von Vichy)
  • »Der Tag geht, Johnny Walker kommt.« (Johnny Walker Whisky)
  • »Lieben Sie ihr Zuhause, dann liebt es Sie auch.« (Hornbach Baumarkt)
  • »Rennie räumt den Magen auf.« (Magenmittel Rennie)
  • »Wir geben Ihrer Zukunft ein Zuhause.« (LBS)

Personifikation im Alltag

In der Alltagssprache lassen sich in vielen Bereichen ebenfalls Personifikationen entdecken. Auffallend ist hier, dass sie häufig mit Wetterphänomenen einhergehen. Das lässt sich damit erklären, dass sie aus einer Zeit stammen, in der Gottheiten als ursächlich verantwortlich für Erscheinungen wie beispielsweise Blitz oder Donner galten.

Beispiel:
  • »Der Himmel weint.«
  • »Die Sonne lacht.«
  • »Der Wind rüttelt an der Tür.«
  • »Die Natur erwacht.«
  • »Der Sturm tobt.«
  • »Der Tag verabschiedet sich.«

Personifikation, Metapher und Allegorie

Personifikation, Metapher und Allegorie sind verwandt. Die Personifikation gilt als Form der Metapher und weist außerdem Züge der Allegorie (Verbildlichung von Abstraktem) auf. Die Übergänge sind oft fließend. Eine eindeutige Abgrenzung dieser drei Stilfiguren ist nicht immer einfach. Bei der Untersuchung der Stilmittel in einem Text muss die Personifikation immer auch im Zusammenhang mit Metapher und Allegorie geprüft werden.

Personifikation und Allegorie

Eine Allegorie ist häufig eine erweiterte Personifikation. Ein abstrakter Begriff wie etwa ein Laster, eine Tugend oder der Tod werden durch Handlungsweisen, Attribute oder Reden als Person versinnbildlicht.

Beispiele:

»Justitia« steht als Allegorie für Gerechtigkeit. Um die Allegorie zu erzeugen, bedient man sich der Personifikation: In der römischen Mythologie wird die Gerechtigkeit als Frau mit einer Augenbinde dargestellt. Sie hält in der einen Hand eine Waage und in der anderen ein Schwert. Recht soll ohne Ansehen der Person gesprochen werden (Augenbinde). Ein Urteil ist das Ergebnis gründlichen Abwägens des Sachverhalts (Waage) und der notwendigen Härte (Schwert).

»Sensenmann« steht als Allegorie für den Tod. Der Allegorie liegt die Personifikation des Todes zugrunde. Seit dem späten Mittelalter wird der Tod als menschliches Skelett dargestellt, nackt oder notdürftig bekleidet mit einem Leichentuch. Das Gerippe wirkt furchteinflößend. Wie ein Landarbeiter Gras oder Getreide schneidet (Sense), so durchtrennt der Tod den Lebensfaden der Menschen.

Personifikation und Metapher

Die Personifikation ist eine Art der Metapher. Eine Metapher zeichnet sich dadurch aus, dass ein Wort nicht in seiner eigentlichen lexikalischen Bedeutung gebraucht wird. Es soll vielmehr im übertragenen Sinn verstanden werden. Indem die Personifikation Unbelebtem oder Tieren menschliche Eigenschaften zuschreibt, ergibt sich eine andere, eine metaphorische Bedeutungsebene. Beide Stilfiguren können auch gemeinsam auftreten.

Beispiele:

»Angst schnürte mir die Kehle zu.«

Dieser Satz enthält sowohl eine Metapher als auch eine Personifikation. Die zugeschnürte Kehle ist ein Bild für existenzielle Not und Bedrohung und damit eine metaphorische Wendung. Zugleich wird dem abstrakten Gefühl Angst eine menschliche Verhaltensweise zugewiesen. Sie »handelt« wie ein Mensch, der einen anderen verletzt.

»Ihm lacht das Glück.«

Der Satz sagt aus, dass es der Person außergewöhnlich gut geht. Er ist eine Metapher zum Beispiel für Erfolg im Beruf. Gleichzeitig wird das eigentlich unbelebte und abstrakte Glück vermenschlicht. Die Personifikation findet ihren Ausdruck im »Lachen«.