Was ist Ironie?

Die Ironie ist ein rhetorisches Stilmittel, das ein uneigentliches Sprechen bezeichnet: Zum Verständnis des Gemeinten ist es somit erforderlich, die Aussage des Sprechenden in ihr exaktes Gegenteil zu verkehren. Da sich die Ironie oftmals nur mithilfe verbaler Signale (»verstellte« Stimme, Unterton) oder nonverbaler Signale (Mimik, Gestik) Signale eindeutig entschlüsseln lässt, findet dieses Stilmittel vor allem in der Umgangssprache Verwendung – dennoch ist die Ironie auch in sämtlichen literarischen Gattungen zu finden.

Der Begriff Ironie

Die Begrifflichkeit Ironie ist aus dem griechischen Wort eironeia abgeleitet, welches in etwa der Bedeutung von »Vortäuschung« oder »Verstellung« entspricht. Folglich wird der Wesenszug der Ironie durch den griechischen Ursprung bereits ziemlich treffend wiedergegeben.

Beispiele zum besseren Verständnis

Da ein ironischer Sprecher eine Aussage tätigt, die dessen Überzeugungen oder gar den offensichtlichen Tatsachen widerspricht, wird den Zuhörern ein Gedankensprung abverlangt, um dem eigentlich Gemeinten auf die Spur zu kommen. Im Alltag genügt dabei jedoch oftmals bereits das Wissen um den situativen Hintergrund, um zweifelsfrei einen ironischen Ausspruch erkennen zu können.

Beispiel 1

Familie Meier ist mit Sack und Pack auf dem Weg zum Strand, als es plötzlich heftig zu regnen beginnt. »Das ist ja ein großartiges Wetter!«, stellt der Vater seufzend fest.

Aufgrund der Mitteilung, dass die Familie einen Tag in der Sonne plant, erklärt es sich hier von selbst, dass es sich bei dem Satz des Vaters um eine ironische Aussage handelt. Wäre es prinzipiell durchaus denkbar, dass sich die Familie Meier auch einmal für einen Regenschauer begeistern kann, muss das schlechte Wetter in diesem speziellen Fall ganz einfach dem erhofften Badespaß im Wege stehen. Obendrein ist der Seufzer ein weiterer Hinweis darauf, dass der Regen in Wirklichkeit alles andere als großartig ist.

War es für das Verständnis des ersten Beispiels nicht vonnöten, mit den besonderen Vorlieben und Eigenheiten der Familie Meier vertraut zu sein, ist in vielen anderen Fällen ein gemeinsames Wissen bzw. ein übereinstimmender Hintergrund an Erfahrungen erforderlich, um eine Aussage tatsächlich zweifelsfrei als ironisch gemeint zu identifizieren.

Beispiel 2

Mit klopfendem Herzen hat sich Kira endlich dazu entschlossen, sich von ihren langen Haaren zu trennen. »Tolle Frisur«, ruft ihr Julia zu, die ihr zufällig auf dem Heimweg begegnet.

Nun ist Kira natürlich zu wünschen, dass Julia das Kompliment wirklich aufrichtig meint. Sollte es sich bei Julia jedoch nicht gerade um eine ihrer besseren Freundinnen handeln, dürfte diese Aussage schon zu einem Gefühl der Verunsicherung führen. Ist sich in diesem Fall bereits die Betroffene selbst nicht völlig über den möglichen ironischen Gehalt der Äußerung im Klaren, ist es Außenstehenden praktisch unmöglich, hier zu einem begründeten Urteil zu kommen. Für die Entschlüsselung ist das Wissen erforderlich, in welchem Verhältnis die beiden Mädchen zueinander stehen.

Welche Funktion hat die Ironie?

Scheint es zunächst widersinnig zu sein, dass ein Sprecher durch die Verwendung der Ironie das Verständnis seiner Aussagen erschwert, weisen die beiden erläuterten Beispiele bereits auf typische Gründe für den Gebrauch dieses rhetorischen Mittels hin. So wird im ersten Fall durch den Ausspruch des Vaters für eine Auflockerung der prinzipiell ärgerlichen Situation gesorgt. Ironie kann also dabei helfen, die Kommunikation mit etwas mehr Abwechslung, Originalität und Witz zu spicken.

Wird beim zweiten Beispiel der bedauerliche Fall angenommen, dass auch Julia ihre Aussage ironisch meint, findet dieses Stilmittel als bewusste Verschlüsselung des eigentlich Gemeinten Verwendung. Zudem kann die Ironie der Distanzierung und Abgrenzung dienen – und damit durchaus auch ein identitätsstiftende Funktion erfüllen. Wird für das Verständnis der Ironie nämlich ein sehr spezielles gemeinsames Wissen zwischen Sprecher und Empfänger vorausgesetzt, weisen sich die Gesprächspartner bei einer gelingenden Kommunikation (hier also dem Erkennen der ironischen Bedeutung) als einer gemeinsamen Gruppe – etwa von Wissenschaftlern, Musikliebhabern oder Kleingärtnern – zugehörig aus.

Abgrenzung zu Sarkasmus und Zynismus

Das Stilmittel der Ironie weist sowohl zum Sarkasmus als auch zum Zynismus gewisse Ähnlichkeiten auf, was im alltäglichen Sprachgebrauch gelegentlich zu Verwechslungen führen kann. Vor allem aufgrund der unterschiedlichen Stoßrichtungen lassen sich die drei Begriffe jedoch relativ klar voneinander unterscheiden.

Die Ironie ist als sprachliches Ausdrucksmittel zunächst einmal wertneutral. Dies bedeutet, dass die ironische Aussage je nach Situation positive, negative oder eben neutrale Botschaften transportieren kann.

Sarkastisch gemeinte Äußerungen werden zwar oftmals in ein ironisches Gewand gekleidet, haben jedoch stets einen spöttischen oder gar höhnischen Hintergrund. Ein sarkastischer Sprecher tritt dem Empfänger also immer mit einer negativ konnotierten Haltung entgegen.

Mit dem Begriff Zynismus wird dagegen eine Geisteshaltung umschrieben, die sich nicht um Normen und gesellschaftliche Konventionen schert, und diese – unter anderem auch mithilfe der Ironie – in einer häufig persönlich verletzenden Weise ins Lächerliche zieht.

Ironie in Texten

In schriftlicher Form wird das Verständnis ironischer Äußerungen stets durch das Fehlen nonverbaler Kommunikationsmittel erschwert. Wird die Ironie in Gesprächen unter anderem aufgrund der »zugehörigen« Mimik und Gestik identifiziert, lässt sich dieses Stilmittel in sämtlichen literarischen Gattungen zumeist nur durch die Mitteilung des des situativen Hintergrundes kenntlich machen. Oftmals wird aber auch hier vom Autor ein gemeinsames Welt- oder Spezialwissen mit den Leser vorausgesetzt.

Die mittlerweile inflationäre Verwendung von Emoticons ist jedoch ein Beleg, dass ironische Äußerungen in Texten besonders häufig missverstanden werden. Da Fehlinterpretationen insbesondere im persönlichen Schriftverkehr gern einmal zu verärgerten Reaktionen führen, haben Emoticons in der modernen Kommunikation von der E-Mail bis zur WhatsApp-Nachricht als Hinweis auf ironische Aussagen an Bedeutung gewonnen.