Was ist eine Metapher?

Die Metapher ist ein Stilmittel, bei dem eine Beschreibung aus einer Begriffswelt in eine andere Begriffswelt übertragen wird. Das Wort Metapher kommt aus dem Altgriechischen (metaphorá) und heißt wörtlich übersetzt Übertragung.

Beispiele

»Lebensuhr«
In dieser Metapher wird die Uhr als Gerät zur Zeitmessung auf den Verlauf des menschlichen Lebens übertragen.

»gebrochenes Herz«
Von einem »gebrochenen Herzen« sprechen wir, wenn jemand großen Liebeskummer hat. Hier wird ein beschädigter Körperteil als Sinnbild schmerzlicher Emotionen benutzt, und beide Begriffswelten fließen auf diese Weise zusammen.

Generell gilt, dass Metaphern zwar durch Umschreibung erklärt werden können, dabei jedoch immer ein Teil der Wirkung und/oder Bedeutung verloren geht.

Wie werden Metaphern gebildet?

Metaphern entstehen durch

  • Ähnlichkeiten in der äußeren Gestalt (z. B. »Glimmstängel« – eine Zigarette erinnert an den Stängel einer Pflanze);
  • eine ähnliche Funktion (z. B. »Stuhlbein« – das Möbelstück steht auf Holzstäben wie Menschen und Tiere auf ihren Beinen);
  • das Ineinanderfließen von Vorstellungen (z. B. »Gesang der Wellen« – das Geräusch des Wassers erinnert an Musik).

Unbewusste und bewusste Metaphern

Viele Metaphern sind im Laufe der Zeit zum festen Bestandteil unserer Alltagssprache geworden. Wie verwenden sie unbewusst. Der Gebrauch einiger solcher Sinnbilder ist sogar notwendig, da es keine anderen Bezeichnungen für den jeweiligen Gegenstand gibt. Notwendige Metaphern füllen Lücken in der Sprache.

Beispiele notwendiger Metaphern
  • Flaschenhals
  • Buchrücken
  • Briefkopf
  • Redefluss
  • Tischbein
  • Motorhaube

Zu den unbewussten Metaphern gehören auch solche Bilder, die durch häufigen Gebrauch verblasst sind. Anders als notwendige Metaphern ließen sich hier auch andere Bezeichnungen finden, die Menschen haben sich jedoch an die Verwendung der Sinnbilder gewöhnt. Die Metapher ist hier zum Synonym eines anderen Begriffs geworden.

Beispiele verblasster Metaphern
  • Kaderschmiede (Eliteuniversität)
  • gebrochenes Herz (Liebeskummer)
  • rauschendes Fest (ausgelassene Feier)
  • Adleraugen (sehr gutes Sehvermögen)
  • Katerfrühstück (Mahlzeit, die Folgen von Alkoholgenuss vertreiben soll)
  • Kriegsmüdigkeit (fehlender Wille, weiterhin Krieg zu führen)

Auf der anderen Seite existiert die bewusste, echte Metapher. Sie wird gezielt als Stilfigur eingesetzt, um eine bestimmte Wirkung zu erzielen. Ein solches Sinnbild ist neu. Da Publikum wird durch den sprachlichen Ausdruck überrascht.

Beispiele bewusster Metaphern
  • »Ritter der Servietten« (Thomas Mann)
  • »letztes Gehöft von Gefühl« (Rainer Maria Rilke)
  • »Sturm der Neugierde« (Jeremias Gotthelf)
  • »Liebesfackel« (Friedrich Schiller)
  • »Das europäische Haus«
  • »Fundament der Gesellschaft«
  • »Flamme des Geistes«
  • »Kernschmelze im Bankensystem«
  • »Meer des Lebens«

Die Metapher als literarische Stilfigur

In der Literatur spielt Metaphorik als Stilmittel eine wichtige Rolle. Neben Metaphern, die den Lesern aus dem Alltag vertraut sind, werden übertragene Ausdrücke häufig vom Autor speziell geschaffen.

Diese Begriffe sind dem Leser zunächst unbekannt, und der Bedeutungszusammenhang ist je nach Vorwissen leicht oder schwer zu erfassen. Gelingt die Interpretation, tragen Metaphern in der Regel zum Textverständnis bei. Die bildhafte Umschreibung gibt den Lesern die Möglichkeit, das Gemeinte ohne umständliche Erklärungen besser zu verstehen und vor allem auch die gefühlsmäßige Bedeutung zu erfassen.

Eine gut verständliche Metapher macht einen Text leicht lesbar, unterhaltsam und einprägsam. Ist eine Metapher dagegen nur unter Schwierigkeiten zu entschlüsseln, wird der Text schwer verständlich.

Die Metapher in Poesie und Moderne

Häufig tragen Metaphern zur Poetik von Texten bei, indem sie mit Worten Bilder zeichnen. Ein Beispiel wäre der »blankgeputzte Himmel«.
Autoren der Moderne setzen Metaphern teilweise bewusst so ein, dass sie schwer oder gar nicht zu entschlüsseln sind. Dann ist die Textumgebung, in der die Metapher steht, wichtiger als die Bedeutung des übertragenen Ausdrucks. Der Leser soll zum Beispiel zum Innehalten gezwungen werden. Das ist bei der Interpretation zu berücksichtigen.

Die Metapher in Politik und Werbung

Auch in der politischen Rhetorik werden gern Metaphern benutzt. Sie machen Reden einprägsam und interessant und lassen in den Köpfen der Zuhörer Bilder entstehen. So sprechen Politiker angesichts der Finanzkrise zum Beispiel vom »Gezeitenwechsel«. Auf diese Weise ist ein komplizierter Vorgang für die Zuhörer leichter zu erfassen, indem sie sich eine bildliche Vorstellung machen.

In der Werbung sind Metaphern unverzichtbar, da sie besonders gut Gefühle transportieren. Das ist hilfreich, um den Kunden zum Kauf anzuregen. Außerdem merkt sich der Leser oder Zuschauer einprägsame Bilder und bildhafte Formulierungen besser als lange Erklärungen.

Wie unterscheidet man Metaphern und Vergleiche?

Eine Metapher erkennt man daran, dass sie ohne weitere Erklärung oder Vergleichswörter eingesetzt wird. Sie spricht für sich, und der Leser oder Zuhörer muss die Beziehung zwischen den beiden Begriffswelten selbst erschließen.

Im Gegensatz dazu wird dieser Zusammenhang bei einem Vergleich durch Worte dargestellt. Beispiel für einen Vergleich: »Die junge Frau ist flink wie ein Reh.«

Weitere Beispiele für Metaphern

  • »Wipfelmeer«
  • »kreativer Kopf«
  • »Mauer des Schweigens«
  • »Faust im Nacken« (unausweichliche Bedrohung)
  • »Macht der Finsternis« (Kräfte des Bösen)
  • »Wüstenschiff« (scherzhafte Metapher für ein Kamel)
  • »hässliches Entlein« (Ausdruck für eine wenig attraktive Person)
  • »etwas durch die rosarote Brille sehen« (etwas allzu positiv beurteilen)