Ellipse – Die Kunst des Weglassens

Die Ellipse ist ein Stilmittel, welches die Grundlagen der Grammatik aushebeln kann. Satzstrukturen, denen elementare Bestandteile fehlen, werden richtig, weil sie trotzdem verständlich sind und zugleich den Text oder die Rede auflockern. Bestimmte Teile eines Satzes können mithilfe der Ellipse ausgespart werden.

Der deutsche Sprachgebrauch erlaubt diese Auslassung, falls es sich um redundante Worte handelt. In der schönen Literatur finden sich aber auch Beispiele für komplexere Ellipsen, welche dann auch Raum für Interpretationen lassen.


Was darf fehlen?

Die häufigste Form der Ellipse besteht darin, ein Wort, welches zweimal im Satz stehen müsste, nur einmal zu nennen. Ein Satz wie: »Du isst den Apfel, ich die Birne.« ist mittlerweile so gebräuchlich, dass das fehlende Verb kaum noch auffällt. Doch die Auslassung darf noch weitergehen. »Du den Apfel, ich die Birne.« ist immer noch verständlich, denn was käme für die Früchte sonst infrage, wenn nicht das Verspeisen selbiger? Treibt man die Ellipse jedoch bis zum Äußersten und sagt bloß »Du Apfel, ich Birne.«, eröffnet man durchaus einen weiten Interpretationsspielraum. Wurde hier dem Angesprochenen eine Frucht zum Essen zugewiesen oder bloß seine Körperform beschrieben?

Doch nicht nur das Verb darf der Ellipse zum Opfer fallen. Im Beispielsatz: »Du darfst den Apfel schälen, ich darf den Apfel essen.« kann die zweite Erwähnung des Wortes Apfel gekürzt werden. Auch in diesem Beispiel ist die Verkürzung bis zu einem Extrem möglich: »Du schälen, ich essen.« Dieser unvollständige Satz bleibt im passenden Kontext durchaus verständlich. Allerdings muss hier im Umfeld bereits klargestellt werden, dass es sich um den Apfel handelt, der geschält und gegessen werden soll.


Was bewirkt die Ellipse?

Das Stilmittel wird vielfach in Reden genutzt, um die Sprache mündlicher klingen zu lassen. In der Schriftsprache werden die Auslassungen normalerweise eher selten genutzt, wodurch die Ellipse gleich einen lockereren Eindruck hinterlässt. Die Sprache klingt mit gut gewählten Ellipsen zudem schneller und schwungvoller. Schließlich ist es in den meisten Fällen die Redundanz einiger Wörter, welche zu deren Streichung führt.

Dieser Schwung wird besonders gerne im journalistischen Bereich genutzt. Titel sollen flott und knackig klingen, weswegen auf eine vollständige Satzgrammatik bewusst verzichtet wird. Ein ganzer Text, der ausschließlich mit elliptischen Satzstrukturen gebildet wird, klingt hektisch, aufgeregt und bringt damit auch eine gewisse Wichtigkeit an den Leser. Im Telegrammstil werden aktuelle Informationen vermittelt, welche so eilig transportiert werden müssen, dass keine Zeit für korrekte Grammatik bleibt.

Doch auch die Alltagssprache lässt sich mit Ellipsen gut nachbilden. Ein Satz wie »Ich Auto!«, der einem Protagonisten in den Mund gelegt wird, transportiert seinen sozialen Hintergrund deutlicher als seine Aussage, dass er ein Auto besitzt.


Kritik an der Nutzung des Stilmittels

In der Linguistik und Literaturwissenschaft wird die Nutzung der Ellipse mitunter kritisch betrachtet. Einige Linguisten sehen in der Ellipse einen unvollständigen Satz. Anstelle eines interessanten Stilmittels sehen diese Experten eine fehlerhafte Grammatik. In der Untersuchung elliptischer Sätze werden daher zuerst die Auslassungen zurückgenommen. Kann ein Satz nicht eindeutig rekonstruiert werden, gilt nach strenger Lesart die Satzstruktur als fehlerhaft.

Sowohl Schriftsteller als auch andere Freunde der Ellipse halten dagegen, dass Vollständigkeit in der Sprache ohnehin schwer zu definieren ist. Der typische Verbalsatz, der zum Beispiel als vollständig erkoren wurde, sei ebenfalls bloß eine von mehreren Varianten eines kompletten Satzes. Mit dieser Einstellung zur Sprache wird die Ellipse nicht als fehlerhaft, sondern effizient angesehen. Der Schriftsteller soll nicht fragen, was er weglassen kann. Wichtiger ist die Frage, was unbedingt gesagt werden muss. Der Kontext, in dem ein Satz steht, ist bedeutend für das Verständnis des Lesers. In der Untersuchung des Satzes muss daher immer auch der Kontext beachtet werden.


Fehlerhafte Anwendung der Ellipse

Die Ellipse kann wie schon erwähnt in verschiedenen Abstufungen genutzt werden. »Du isst Äpfel und ich schäle Birnen.« lässt sich nur schwer elliptisch verkürzen. Allein das Bindewort »und« kann durch ein Komma oder sogar einen Punkt ersetzt werden. Grammatisch korrekt ist die Struktur immer noch.

Das schon erwähnte Beispiel »Du Apfel, ich Birne.« wäre keine korrekte Verkürzung des Satzes. Der Leser kann unmöglich erkennen, dass zwei unterschiedliche Verben ausgelassen wurden. Da hilft auch der Kontext nicht, der besagt, dass Äpfel und Birnen geschält und gegessen werden können. Die Verständlichkeit ist oberstes Gebot.