Was ist eine Assonanz?

Die Assonanz ist ein Stilmittel und bezeichnet den sprachlichen Gleichklang zweier oder mehrerer Wörter. Die klangliche Übereinstimmung beruht auf einer Häufung bzw. Wiederholung von Vokalen; Konsonanten bleiben unberücksichtigt. Der Begriff Assonanz leitet sich ab vom lateinischen Verb »assonare« (anklingen, mit einstimmen).

Bekannte Assonanzen im Alltagsgebrauch
  • Jahr und Tag
  • Rang und Namen
  • Geben und Nehmen

Wie die mit ihr verwandte Alliteration ist die Assonanz eine Klangfigur. Klangfiguren dienen der akustischen Gestaltung von Texten. In der Literatur spielen sie vor allem in der Lyrik eine Rolle, tauchen aber auch in anderen Gattungen auf. Weil sie sich gut im Gedächtnis verankern lassen, werden sie häufig in umgangssprachlichen Redewendungen und in der Werbung verwendet.


Bewertung der Assonanz in der Literatur

In der Lyrik versteht man unter der Assonanz eine bestimmte Reimform, den sogenannten vokalischen Halbreim. Es handelt sich dabei um eine lautliche Übereinstimmung der Versenden, die ausschließlich durch die verwendeten Vokale erzeugt wird. Darum hat man die Assonanz in der deutschen Literatur lange Zeit als »unreinen« oder »unvollständigen« Reim bezeichnet.

Da romanische Sprachen besonders viele Vokale enthalten, ist die Verwendung der Assonanz in der romanischen Literatur wesentlich geläufiger als in der deutschen. In der spanischen Literatur etwa ist die Assonanz von jeher dem »reinen« Endreim gleichgestellt gewesen.


Neubewertung der Assonanz in der Romantik

In der deutschen Literatur fand ein Umdenken erst seit der Epoche der Romantik statt. Dies ist zum einen auf zahlreiche Übersetzungen aus der romanischen Literatur durch bedeutende Dichter der Romantik zurückzuführen. Durch seine Beschäftigung mit Calderón entdeckte z. B. Ludwig Tieck die Assonanz als Gestaltungsmittel und übertrug sie bei seinen Übersetzungen ins Deutsche.

Beispiel für ins Deutsche übertragene Assonanzen:

»O mein Sohn, wie gräßlich heulend
Klagt herauf vom Moor die Unke!
Hörst du wohl die Raben krächzen?
Die Gespenster in dem Sturme?«
Ludwig Tieck, Die Zeichen im Walde, 1801

Zum anderen wurde die Assonanz auch mit der Volksliedsammlung »Des Knaben Wunderhorn« (1805–1808) von Achim von Arnim und Clemens Brentano »salonfähig« gemacht, da sie in mündlich tradierten Liedtexten häufig vorkommt.

Der Gleichklang der Vokale muss nicht zwingend am Versende erscheinen. In Eduard Mörikes »Jägerlied« (1838) tauchen sie in der Zeilenmitte auf, besonders augenfällig im dritten Vers.

Beispiel für eine Assonanz in der Zeilenmitte eines Gedichtes:

»Zierlich ist des Vogels Tritt im Schnee,
Wenn er wandelt auf des Berges Höh‘:
Zierlicher schreibt Liebchens liebe Hand,
Schreibt ein Brieflein mir in ferne Land.«
Eduard Mörike, Jägerlied, 1838


Die Assonanz in der Lyrik der Moderne

Assonanzen tragen in Gedichten dazu bei, eine bestimmte klangliche Atmosphäre, eine Grundstimmung wie z. B. »düster«, »hell«, »hart« oder »sanft« zu erzeugen. Darum sind sie noch immer ein beliebtes Stilmittel, auch in der Lyrik des 20. und 21. Jahrhunderts.

Beispiele für Assonanzen in der Lyrik der Moderne:

1. Verbindung der Versenden zweier Strophen durch Assonanz:

»er kam aus dem november . der hagel brachte
ihn herab . all das wasser auf den flügeln
die nähte und die grate einer gußform

die im regen hing bis der wind sie kappte
und er dann an die scheibe schlug wie ein bügel
der aus seinem schloß schnappt . der ahorn«
Raoul Schrott, Physikalische Optik I, 1996

2. »ia«-Assonanz innerhalb eines Verses:

»Doch hosianna, ihr Börsianer!«
Kurt Drawert, Idylle rückwärts, 2011

3. »ä«-Assonanz in der Versmitte, »u«-Assonanz am Versende:

»das nächtliche um uns:
ein specht schlägt eine tanne wund«
Sina Klein, kokon, 2014


Die Assonanz im Rap

Klangfiguren wie die Assonanz rücken Sprachgebilde stärker als andere rhetorische Stilmittel in die Nähe der Musik. Die Vokale, nicht die Konsonanten, werden in Liedern tatsächlich gesungen. Darum entfalten Assonanzen ihre Wirkung in gesprochener und gesungener Sprache besser als im Schrifttext. So erklärt sich nicht nur die oben erwähnte Häufung von vokalischen Halbreimen im Volkslied. Auch im Rap wird mit Assonanzen gearbeitet; häufig mit großer Kunstfertigkeit und einem ausgeprägten Sprachgefühl, vor allem im sogenannten »Fun Rap«.

Beispiel für Assonanzen im Rap:

»Und er so: Rap ist doch nur ‘ne Modedroge
So ‘ne Berg- und Talfahrt, so ‘ne Toblerone
Dreh ‘n Clip mit zehn Bitches oben ohne
Und halt dazu ‘n paar homophobe Monologe
Dendemann, Ersoichso Lyrics

Der Rapper Dendemann zitiert in obigem Beispiel die Haltung eines Plattenbosses. Fabian Wolbring vertritt die These, dass Dendemann bewusst einen Kontrast zwischen Form und Inhalt herstellt. Der Plattenboss ist der Meinung, es handele sich beim Rap um eine oberflächliche Modeerscheinung. Die kunstvolle Reimkonstruktion mit zahlreichen raffinierten Assonanzen beweist aber genau das Gegenteil. Sie unterläuft so die Aussage, die durch sie transportiert wird – eine virtuose Art der Entlarvung.[1]


Die Assonanz in der Werbung

Die Häufung gleicher Vokale oder Doppellaute macht einen Text besonders einprägsam. Darum nutzen Werbetexter gern die Wirkung von Assonanzen.

Beispiele für Assonanzen in der Werbung:
  • »Leistung aus Leidenschaft«
    Deutsche Bank

  • »Wir lieben Kino«
    CineMaxX

  • »Drei, zwei, eins … meins«
    eBay

  • »Media Markt. Stark!«
    Media Markt

  • »Alles andere kann warten«
    Mumm

Verbindung von Assonanz und Alliteration:

  • »Bitte ein Bit!«
    Bitburger

  • »Mit Gutfried geht’s uns gu
    Gutfried

  • »Das einzig Wahre: Warsteiner«
    Warsteiner

  • »Manner mag man eben«
    Manner

  • »Geiz ist gei
    Saturn


Die Assonanz in umgangssprachlichen Redewendungen

Viele kennen das Phänomen, dass sich Texte leichter in Verbindung mit einer Melodie auswendig lernen lassen. Ebenso gelangen Texte, die mit vielen Klangfiguren arbeiten, einfacher in unser kollektives Sprachgedächtnis. So ist es nicht verwunderlich, dass viele häufig verwendete Redewendungen des Alltags Assonanzen enthalten.

Beispiele für Assonanzen in der Umgangssprache:
  • Mit Brief und Siegel
  • Mein Name ist Hase
  • Wein, Weib und Gesang
  • Herein, wenn’s kein Schneider ist
[1] Quelle: Wolbring, Fabian. Die Poetik des deutschsprachigen Rap. Köln: Vandenhoeck & Ruprecht, 2015 ^