Was ist eine Klimax?

Die Klimax (von altgriech. »klimax« = Leiter) ist ein rhetorisches Stilmittel der Steigerung.

In mehreren (meist drei) Stufen werden bei der Klimax Wörter, Wortgefüge oder Satzteile aneinandergereiht und bewegen sich dabei von einem schwachen Ausdruck über einen stärkeren zum stärksten. Der letzte Begriff der Reihung stellt also ihren Höhepunkt dar.

Beispiel:

»Ich habe gebeten, gebettelt, auf Knien gefleht.«

Die Steigerung kann sich dabei auf verschiedene Qualitäten beziehen. So können sich die Begriffe vom Kleinsten zum Größten, vom Unbedeutendsten zum Wichtigsten, vom Ungenauesten zum Genauesten oder vom Niedrigsten zum Höchsten bewegen.

»Die Nachricht verbreitete sich in jedem Dorf, jeder Stadt, jedem Land.«

»Alle waren an diesem Tag voller Freude, ob Bettler, Bauer oder Edelmann.«

»Ich lese, was mir gefällt: Groschenhefte, Unterhaltungsromane, Werke der Weltliteratur.«


Wirkung der Klimax

Durch die langsame Annäherung an das Thema, die allmähliche, stufenweise Bewegung auf die Zielaussage hin, wird die Spannung gesteigert und Erregung beim Zuhörer bzw. Leser erzeugt. Eines der berühmtesten Beispiele hierfür ist Julius Caesars Ausspruch:

»Veni, vidi, vici.«
(»Ich kam, ich sah, ich siegte.«)

Die Linguistin und Rhetorik-Expertin Anita Hermann-Ruess sagt über dieses Verfahren: »Wenn wir steigern, ist das so, als ob wir am Hauptschalter drehen, der die Intensität der Emotionen steuert.« [1]


Die Klimax in der Literatur

Auch in der Literatur wird die Klimax als rhetorisches Mittel eingesetzt, um den Leser in eine Erwartungshaltung zu versetzen und seine Aufmerksamkeit zu erhöhen. Die Verwendung der Klimax macht einen Text lebendig, emotional und ausdrucksvoll:

»Ich habe dem Königtum den Krieg erklärt, ich habe es geschlagen, ich habe es getötet und den Königen einen Königskopf als Fehdehandschuh hingeworfen.«
Georg Büchner, Dantons Tod

»Du hast verstanden? Du hast verziehen? Du hast vergessen? Welch ein Missverständnis, du hast nur aufgehört zu lieben.«
Arthur Schnitzler, Aphorismen und Betrachtungen


Klimax und Antiklimax

Das rhetorische Verfahren, das der Klimax zugrundeliegt, wird Amplificatio (lat. = Erweiterung) genannt. Eine solche Erweiterung kann wie eben beschrieben eine Steigerung sein. Sie kann aber auch als Minderung und Abschwächung in Erscheinung treten. In diesem umgekehrten Fall spricht man von der Antiklimax.

Beispiele:

»Sie ist doch bloß neidisch: auf mein Haus, meine Küche, ja sogar auf meine Kaffeemaschine.«

»Roland liebte die gesamte Natur, Bäume, Sträucher und Grashalme.«

Wichtig: Der erzielte Effekt ist ebenso wie bei der Klimax die Verstärkung und Steigerung der Aussage. Dieser Effekt wird lediglich durch ein umgekehrtes Verfahren erzeugt. Wie die Beispiele zeigen, ist die Antiklimax in manchen Fällen wirkungsvoller als die Klimax: Wie groß muss der Neid einer Frau sein, die ihrer Nachbarin sogar die Kaffeemaschine missgönnt. Und wie stark muss Rolands Naturliebe sein, wenn er selbst die Grashalme liebt!


Die Klimax im Verkaufsgespräch und in der Werbung

In der Verkaufspsychologie ist die Klimax als Mittel bekannt, eine Aussage zu verstärken und einprägsamer zu machen. Verkaufsargumente werden hier nicht einfach aneinandergereiht, sondern in einen logischen Zusammenhang gestellt: Vom schwächsten Argument geht der Verkäufer Schritt für Schritt zu überzeugenderen Argumenten weiter, um schließlich mit dem stärksten Verkaufsargument den Höhepunkt des Gesprächs zu erreichen.

So könnte ein Buchhändler z. B. mit folgenden Worten ein Buch über Gedächtnistraining empfehlen:

»Der Titel steht auf der Spiegel-Bestsellerliste. Die meisten haben ihn bereits gelesen. Er ist so spannend, dass Sie ihn nicht mehr aus der Hand legen werden. Aber was das Beste ist: Sie können Ihre Gedächtnisleistung mit den enthaltenen Übungen enorm steigern!«

Weitere Beispiele:

»Das Getränk hat kaum Kalorien, schmeckt köstlich und verbessert das Hautbild in wenigen Tagen.«

»Diese Wandfarbe ist preisgünstig und zugleich ökologisch unbedenklich. Mit ihren traumhaften Naturtönen verwandelt sie Ihre Wohnräume in ein privates Paradies.«

In Werbeslogans finden sich zahlreiche Beispiele für die Verwendung von Klimax und Antiklimax. Oftmals wird als letztes Glied der Steigerungskette anstelle des Superlativs der Markenname genannt. Dieses Verfahren setzt ein Grundverständnis der Steigerungsformen beim Kunden voraus.

»Gut. Besser. Paulaner.«

»Bigger. Better. Burger King.«

»Klar. Spritzig. Sprite.«

»Quadratisch. Praktisch. Gut.«
(Ritter Sport)

[1] Hermann-Ruess, Anita. Emotionale Rhetorik: Mit Worten begeistern, beeindrucken, berühren. Offenbach a. M.: Gabal 2014, S. 41. ^