Eine Alliteration ist ein rhetorisches Stilmittel und gehört zu den Klangfiguren. Man erkennt sie am selben Anlaut in zwei oder mehr aufeinanderfolgenden Wörtern. Hervorgegangen aus Orakel- und Zaubersprüchen sowie Gebetsformeln, ist die Alliteration eine sehr alte sprachliche Figur.

Was ist eine Alliteration?

Die Alliteration ist heute ein rhetorisches Stilmittel, das im Alltag, in der Literatur und in der Sprache der Werbung und der Medien häufig verwendet wird. Dabei werden zwei oder mehr Wörter mit gleichen Anfangsbuchstaben kurz hintereinander in einem Satz verwendet. Beispiele bekannter Alliterationen in der Alltagssprache sind etwa die Formulierungen »durch dick und dünn« oder »bei Nacht und Nebel«

Alliteration – Begriffsherkunft

Man nimmt an, dass der Ursprung dieser Stilfigur im Bereich magischer und beschwörender Formeln liegt. Der Begriff Alliteration wurde um 1500 geprägt. Er stammt aus dem Lateinischen und setzt sich zusammen aus »ad« (»zu«) und »littera« (»Buchstabe«).

Die Alliteration im Alltag mit vielen Beispielen

In der Alltagssprache finden sich zahlreiche Alliterationen. Sie unterstreichen mitunter die Zusammengehörigkeit miteinander verknüpfter Ausdrücke. Einige Alliterationen sind als feste Wendungen Bestandteil des deutschen Wortschatzes. Manche haben nahezu bildhaften Charakter angenommen. So beschreibt zum Beispiel »bei Nacht und Nebel« eine Dunkelheit, die als besonders unwirtlich oder bedrohlich wahrgenommen wird. Andere Alliterationen verstärken eine Aussage wie beispielsweise »mit Schimpf und Schande«.

Beispiele für Alliterationen im Alltag:
  • »durch dick und dünn«
  • »bei Nacht und Nebel«
  • »Mann und Maus«
  • »Kind und Kegel«
  • »zickzack«
  • »Bimmelbahn«
  • »Der frühe Vogel fängt den Wurm«
  • »Aller Anfang ist schwer.«
  • »Küche und Keller
  • »bei Wind und Wetter«
  • »der Rubel rollt«
  • »gut und gern«
  • »Haus und Hof«
  • »klipp und klar«
  • »mit Schimpf und Schande«
  • »mit Zittern und Zagen«
  • »nicht wanken und nicht weichen«
  • »null und nichtig«
  • »von Pontius zu Pilatus«
  • »veni, vidi, vici« (lat. = ich kam, ich sah, ich siegte); Ausspruch Caesars über seinen Sieg bei Zela, 47 v. Chr.; die Wendung wird heute für einen überraschenden Erfolg verwendet.

Sogenannte Zungenbrecher sind Sätze, die schwer auszusprechen sind. Das liegt an der Folge ähnlicher oder gleicher Silben. Alliterationen werden dafür gezielt eingesetzt. Wer hat sich nicht schon einmal an »Fischers Fritze« versucht!

Beispiele für Alliterationen in Zungenbrechern:
  • »Fischers Fritze fischt frische Fische«
  • »Blaukraut bleibt Blaukraut, und Brautkleid bleibt Brautkleid.«
  • »Zwischen zwei Zwetschgenzweigen zwitschern zwei Schwalben.«
  • »Bierbrauer Bauer braut braunes Bier, braunes Bier braut Bierbrauer Bauer.«
  • »Wir Wiener Wäscheweiber würden weiße Wäsche waschen, wenn wir wüssten, wo warmes, weiches Wasser wäre.«
  • »Als Anna abends aß, aß Anna abends Ananas.«
  • »Kleine Kinder können keine Kirschkerne knacken.«

Auch Kinderreime verdanken ihren Charme mitunter Alliterationen. Ein beliebtes Beispiel für einen Anlautreim stammt aus dem Märchen »Hänsel und Gretel«.

Beispiele für Alliterationen in Kinderreimen:
  • »Knusper, knusper, Knäuschen,
    wer knuspert an meinem Häuschen?«
  • »Ene, mene, miste, es rappelt in der Kiste.
    Ene, mene, muh und raus bist du.«
  • »Ri Ra Rutsch,
    wir fahren mit der Kutsch.«

Die Alliteration in der Literatur

In Prosatexten und Gedichten bewirkt eine Alliteration eine größere Einprägsamkeit, aber auch ein Innehalten und Aufmerken der Leser. Zudem können Aussagen durch den Einsatz mehrerer gleicher Anfangsbuchstaben je nach Textart und Textstelle eine besondere Dramatik oder Ironie erhalten. Wenn Clemens Brentano schreibt »Komm Kühle, komm küsse den Kummer«, erhöht die Alliteration die poetische Wirkung und die emotionale Tiefe dieser Textstelle.

Für literarische Texte erschaffen Autoren häufig vollkommen neue Alliterationen, die den Lesern nicht aus der Umgangssprache bekannt sind und deshalb einen besonderen Eindruck hinterlassen.

Beispiele für Alliterationen in der Literatur:
  • »Seine Wort’ und Werke« (Goethe, Der Zauberlehrling, V. 5)
  • »Dass zum Zwecke« (V. 11, V. 25 ebd.)
  • »Stock, der du gewesen, Steh doch wieder still!« (V. 63f. ebd.)
  • »Völlig fertig in die Höhe« (V. 83 ebd.)
  • »Helft mir, ach! Ihr hohen Mächte!« (V. 84 ebd.)
  • »Nass und nässer« (V. 85 ebd.)
  • »Röslein, Röslein, Röslein rot« (Goethe, »Heidenröslein«)
  • »Ich träume tief im Weingerank« (Rilke, »Gedichte«)
  • »Mir war so bang, und du kamst lieb und leise« (Rilke, »Gedichte«)
  • »Komm Kühle, komm küsse den Kummer« (Clemens Brentano, »Rheinmärchen«)

Die Alliteration in der Werbung

Durch den Einsatz von Alliterationen in Werbetexten erreicht man eine große Einprägsamkeit und die besondere Aufmerksamkeit der Leser. Diese Funktionen machen sie auch zu einem beliebten Stilmittel in der Werbung. Beispielsweise kennt fast jeder den Slogan »Geiz ist geil«.

Ein Spruch aus der Werbung der Fünfzigerjahre, an den sich heute noch zahlreiche Menschen erinnern können, lautet: »Milch macht müde Männer munter.« Diese Einprägsamkeit über die Jahrzehnte verdankt der Werbeslogan zu einem großen Teil der Alliteration, hier in der Sonderform des Tautogramms.

Beispiele für Alliterationen in der Werbung:
  • »Geiz ist geil« – Saturn
  • »Create your coffee.« – Tchibo Qbo
  • »Kleidung clever kaufen bei Kik!« – KiK
  • »Lecker liefern lassen« – Lieferheld
  • »Leistung aus Leidenschaft« – Deutsche Bank
  • »Milch macht müde Männer munter.« – Westdeutsche Milchwirtschaft
  • »Na, neugierig?« – Kinder Überraschung
  • »Ready to rock.« – Porsche 911 R
  • »Spiel, Spaß, Spannung, Schokolade.« – Kinder Überraschung
  • »Women at work.« – Hornbach
  • »Lecker ist mir lieber.« – Iglo
  • »Wo Wirksamkeit wächst.« – Klosterfrau
  • »Toffifee« – Toffifee (Besonderheit einer Alliteration in einem Wort)
  • »Von hier, von Herzen« – Schweizer Bauern

Die Alliteration in Medien und Politik

Auch Journalisten in Presse, Rundfunk und Fernsehen setzen häufig Alliterationen ein. Besonders im Boulevardjournalismus werden Ereignisse in vielen Fällen dramatisiert, um sie interessanter und damit verkäuflicher zu machen. Eine Schlagzeile, in der alle oder fast alle Wörter mit demselben Anlaut beginnen, fällt schon rein optisch besonders ins Auge. Hinzu kommt die Aufmerksamkeit, die die sich wiederholenden Anlauten beim Lesen erregen. Auf diese Weise werden Alliterationen beispielsweise zum Kaufargument für eine Boulevardzeitung am Kiosk. Als Schrift auf dem Bildschirm, aber auch in einer gesprochenen Formulierung, wecken sie das Interesse der Zuschauer eines Unterhaltungsmagazins im Fernsehen.

Beispiele für Alliterationen in den Medien
  • »titel, thesen, temperamente« (Titel einer Sendung der ARD)
  • »Putins Puppen« (Titelseite DER SPIEGEL 15/2019)
  • »der gefühlvolle Geflügelzüchter« (aus der Boulevardsendung »Schwiegertochter gesucht«, RTL)

Selbstverständlich nutzt auch die Politik für ihre Werbeslogans die gute Einprägsamkeit, die sich mit Hilfe einer Alliteration erzielen lässt.

Beispiele für Alliterationen in Politik und Gesellschaft
  • »Wachstum braucht Weitblick« (Wahlplakat der CDU)
  • »Verantwortung statt Verschuldung« (Wahlplakat der CDU)
  • »Fridays for Future«
  • »Klimaschutz kennt keine Grenzen.« (Wahlplakat der Grünen)
  • »Kinder, Küche, Kirche« (Die »drei K«, eine Wendung, die die gesellschaftliche Rolle der Frau im 20. Jahrhundert beschreibt)
  • »Kinder, Küche, Karriere« (Die neuen »drei K« in der Gesellschaft des 21. Jahrhunderts)

Besondere Formen der Alliteration

Der Stabreim als Sonderform

Der Stabreim ist ein Sonderfall der Alliteration: Anlaute in alliterativen Versen werden nach bestimmten Regeln benutzt und wiederholt. Heute als Stilmittel bekannt, war der Stabreim in der altgermanischen Dichtung die gebräuchliche Reimform: Die betonten Stammsilben eines Verses wurden durch denselben Anlaut hervorgehoben. Überliefert ist die Reimform zum Beispiel im althochdeutschen (um 800) »Hildebrandslied«. Später wurde der Stabreim (als Reimform) durch den Endreim ersetzt. Eines der ersten Beispiele dafür ist das mittelhochdeutsche (um 1200) Nibelungenlied.

Beispiele für einen Stabreim
  • »Eines weiß ich, das ewig lebet: der Toten Tatenruhm« (Edda)
  • »Milch macht müde Männer munter« (Werbung der Milchwirtschaft)

Unbedingt zu beachten ist die Betonung der Stammsilbe: »Vernunft und Verzicht« ist eine Alliteration, aber kein Stabreim!

Das Tautogramm als Sonderform der Alliteration

Eine besondere Form der literarischen Alliteration ist das Tautogramm. Dabei handelt es sich um einen Text, in dem sämtliche Wörter mit dem gleichen Anlaut beginnen. Im Mittelalter gab es Tautogramme zunächst ausschließlich in Gedichtform. Später nutzte man dieses Stilmittel auch für literarische Prosatexte und inzwischen hat es zusätzlich Eingang in andere Sprachbereiche, etwa die Werbung, gefunden.

Beispiele für ein Tautogramm
  • »Röslein, Röslein, Röslein rot« (Goethe, »Heidenröslein«)
  • »Milch macht müde Männer munter« (Werbung der Milchwirtschaft)

Alliteration als Zwillingsformel

Eine Zwillingsformel oder Paarformel ist eine Alliteration, die aus zwei Wörtern mit gleichem Anlaut besteht. Die Alltagssprache kennt eine Vielzahl solcher Wendungen.

Beispiele für eine Zwillingsformel
  • »Mann und Maus«
  • »Kind und Kegel«

Alliteration in einem Wort

Eine weitere Besonderheit ist die Alliteration in »zickzack« oder »Bimmelbahn«: Hier findet sich derselbe Anfangslaut innerhalb eines Wortes.

Alliterationen mit verschiedenen Anfangsbuchstaben

Im deutschen Schriftsystem werden Buchstaben nicht ausschließlich nach der Phonetik, also ihrem Klang, geschrieben. So klingen etwa die Buchstaben V und F oder I und Y gleich. Deshalb sind auch Alliterationen mit verschiedenen Anfangsbuchstaben möglich.

Beispiele für eine Alliteration mit verschiedenen Anfangsbuchstaben
  • »Der frühe Vogel fängt den Wurm.« (Sprichwort)
  • »In vielen Fällen«

Alliteration und Assonanz

Alliteration und Assonanz sind verwandte Stilmittel. Beide zählen zu den Klangfiguren. Alliterative Verse entstehen durch den Gebrauch derselben Konsonanten. Eine Assonanz dagegen bezeichnet den Gleichklang der Vokale in den betonten Silben von zwei oder mehreren Wörtern.

Beispiele für Assonanzen:
  • »Hans und Franz«
  • »Lug und Trug«
  • »Krethi und Plethi«