Was ist eine Alliteration?

Die Alliteration ist ein Stilmittel, das in der Literatur, im Alltag und in der Sprache der Werbung und der Medien häufig verwendet wird. Dabei werden zwei oder mehr Wörter mit gleichen Anfangsbuchstaben kurz hintereinander in einem Satz verwendet. Man nimmt an, dass der Ursprung dieser Stilfigur im Bereich magischer und beschwörender Formeln liegt.

Der Begriff Alliteration stammt aus dem Lateinischen und setzt sich zusammen aus »ad« (»zu«) und »littera« (»Buchstabe«).

Beispiele bekannter Alliterationen sind die Formulierung »durch dick und dünn« und der Zungenbrecher »Fischers Fritze fischt frische Fische«. Eine Alliteration, die aus zwei Wörtern mit gleichem Anlaut besteht, wie etwa »Mann und Maus« oder »Kind und Kegel«, nennt man Zwillingsformel. Eine weitere Besonderheit ist die Alliteration in »zickzack« oder »Bimmelbahn«: Hier findet sich der gleiche Anlaut innerhalb eines Wortes.

Beispiele für Alliterationen im Alltag:
  • »bei Nacht und Nebel«
  • »bei Wind und Wetter«
  • »der Rubel rollt«
  • »gut und gern«
  • »Haus und Hof«
  • »klipp und klar«
  • »mit Schimpf und Schande«
  • »mit Zittern und Zagen«
  • »nicht wanken und nicht weichen«
  • »null und nichtig«
  • »von Pontius zu Pilatus«

Im deutschen Schriftsystem werden Buchstaben nicht ausschließlich nach der Phonetik, also ihrem Klang, geschrieben. So klingen etwa die Buchstaben V und F oder I und Y gleich. Deshalb sind auch Alliterationen mit verschiedenen Anfangsbuchstaben möglich. Ein Beispiel hierfür ist das Sprichwort »Der frühe Vogel fängt den Wurm«.

Die Alliteration in der Literatur

In Prosatexten und Gedichten bewirkt eine Alliteration eine größere Einprägsamkeit, aber auch ein Innehalten und Aufmerken der Leser. Zudem können Aussagen durch den Einsatz mehrerer gleicher Anfangsbuchstaben je nach Textart und Textstelle eine besondere Dramatik oder Ironie erhalten. Wenn Clemens Brentano schreibt »Komm Kühle, komm küsse den Kummer«, erhöht die Alliteration die poetische Wirkung und die emotionale Tiefe dieser Textstelle.

Für literarische Texte erschaffen Autoren häufig vollkommen neue Alliterationen, die den Lesern nicht aus der Umgangssprache bekannt sind und deshalb einen besonderen Eindruck hinterlassen.

Der Stabreim ist ein Sonderfall der Alliteration: Anlaute in alliterativen Versen werden nach bestimmten Regeln benutzt und wiederholt. Heute als Stilmittel bekannt, war der Stabreim in der altgermanischen Dichtung die gebräuchliche Reimform: Die betonten Stammsilben eines Verses wurden durch denselben Anlaut hervorgehoben. Überliefert ist die Reimform zum Beispiel im althochdeutschen (um 800) »Hildebrandslied«. Später wurde der Stabreim (als Reimform) durch den Endreim ersetzt. Eines der ersten Beispiele dafür ist das mittelhochdeutsche (um 1200) Nibelungenlied.

Beispiele für einen Stabreim
  • »Eines weiß ich, das ewig lebet: der Toten Tatenruhm« (Edda)
  • »Milch macht müde Männer munter« (Werbung der Milchwirtschaft)

Unbedingt zu beachten ist die Betonung der Stammsilbe: »Vernunft und Verzicht« ist eine Alliteration, aber kein Stabreim!

Eine besondere Form der literarischen Alliteration ist das Tautogramm. Dabei handelt es sich um einen Text, in dem sämtliche Wörter mit dem gleichen Anlaut beginnen. Im Mittelalter gab es Tautogramme zunächst ausschließlich in Gedichtform. Später nutzte man dieses Stilmittel auch für literarische Prosatexte und inzwischen hat es zusätzlich Eingang in andere Sprachbereiche, etwa die Werbung, gefunden.

Beispiele für Alliterationen in der Literatur:
  • »Seine Wort’ und Werke« (V. 5) (aus: Goethe, Der Zauberlehrling)
  • »Dass zum Zwecke« (V. 11, V. 25) ebd.
  • »Stock, der du gewesen, Steh doch wieder still!« (V. 63f.) ebd.
  • »Völlig fertig in die Höhe« (V. 83) ebd.
  • »Helft mir, ach! Ihr hohen Mächte!« (V. 84) ebd.
  • »Nass und nässer« (V. 85) ebd.
  • »Röslein, Röslein, Röslein rot« aus: Goethe, Heidenröslein
  • »Ich träume tief im Weingerank« aus: Rilke, Gedichte
  • »Mir war so bang, und du kamst lieb und leise« aus: Rilke, Gedichte

Die Alliteration in der Werbung und den Medien

Die große Einprägsamkeit und die besondere Aufmerksamkeit der Leser, die durch den Einsatz von Alliterationen erreicht wird, macht diese auch zu einem beliebten Stilmittel in der Werbung. Beispielsweise kennt fast jeder den Slogan »Geiz ist geil«.
Ein Spruch aus der Werbung der Fünfzigerjahre, an den sich heute noch zahlreiche Menschen erinnern können, lautet: »Milch macht müde Männer munter.« Diese Einprägsamkeit über die Jahrzehnte verdankt die Formulierung zu einem großen Teil der Alliteration, hier in der Sonderform des Tautogramms.

Beispiele für Alliterationen in der Werbung:
  • »Create your coffee.« – Tchibo Qbo
  • »Geiz ist geil« – Saturn
  • »Kleidung clever kaufen bei Kik!« – KiK
  • »Lecker liefern lassen« – Lieferheld
  • »Leistung aus Leidenschaft« – Deutsche Bank
  • »Milch macht müde Männer munter.« – Westdeutsche Milchwirtschaft
  • »Na, neugierig?« – Kinder Überraschung
  • »Ready to rock.« – Porsche 911 R
  • »Spiel, Spaß, Spannung, Schokolade.« – Kinder Überraschung
  • »Women at work.« – Hornbach
  • »Lecker ist mir lieber.« – Iglo

Auch Journalisten in Presse, Rundfunk und Fernsehen setzen häufig Alliterationen ein. Besonders im Boulevardjournalismus werden Ereignisse gern dramatisiert, um sie interessanter und damit verkäuflicher zu machen. Eine Schlagzeile, in der alle oder fast alle Wörter mit demselben Anlaut beginnen, fällt schon rein optisch besonders ins Auge. Hinzu kommt die Aufmerksamkeit, die die sich wiederholenden Anlauten beim Lesen erregen. Auf diese Weise werden Alliterationen beispielsweise zum Kaufargument für eine Boulevardzeitung am Kiosk oder wecken als Schrift auf dem Bildschirm, aber auch gesprochen, das Interesse der Zuschauer eines Unterhaltungsmagazins im Fernsehen.

Alliteration und Assonanz

Alliteration und Assonanz sind verwandte Stilmittel. Beide zählen zu den Klangfiguren. Alliterative Verse entstehen durch den Gebrauch derselben Konsonanten. Eine Assonanz dagegen bezeichnet den Gleichklang der Vokale in zwei oder mehreren Wörtern.

Beispiele für Assonanzen:
  • »Hans und Franz«
  • »Lug und Trug«
  • »Krethi und Plethi«