Was ist ein Parallelismus?

Der Parallelismus ist ein rhetorisches Stilmittel, bei dem die Wiederholung von Satzgliedern und Wörtern eine bedeutsame Rolle spielt. Schon die Verfasser der Bibel kannten das Gestaltungsprinzip und setzten es vielfach ein. Des Weiteren ist es in in allen literarischen Gattungen anzutreffen, wird aber auch von Werbung und Politik genutzt, um Aussagen höhere Schlagkraft zu verleihen. Der Begriff Parallelismus kommt aus dem Griechischen und bedeutet Nebeneinanderstellung.


Wie wird ein Parallelismus erzeugt?

Sätze oder Teilsätze, die aufeinander folgen, weisen dieselbe Syntax auf. Das heißt, dass gleiche Satzarten wie beispielsweise Haupt-, Neben- oder Fragesatz eine identische Abfolge der Satzglieder zeigen wie etwa Subjekt, Prädikat und Objekt. Häufig kommt die inhaltliche Wiederholung von Wörtern hinzu, wodurch sich die Parallelität noch verstärkt. Zu den verschiedenen Formen der Stilfigur zählen antithetischer, synonymer, synthetischer, parabolischer und stufenartiger Parallelismus.


Antithetischer Parallelismus

Diese Form findet sehr häufig Anwendung. Während die Abfolge der Satzglieder gleich ist, wird die Aussage durch Bildung einer Antithese verstärkt. So stehen sich widersprüchliche Begriffe gegenüber, die die jeweilige Botschaft eindringlich vermitteln.

Beispiel:

»Heiß ist die Liebe, kalt ist der Schnee.«
Hermann Löns, Rote Husaren

Beide Sätze bestehen aus einem mehrteiligen Prädikat (»heiß ist«, »kalt ist«) und einem Subjekt (»die Liebe«, »der Schnee«). Die Abfolge der Satzglieder ist jeweils identisch. Dabei sind die Wörter heiß und kalt zwar parallel angeordnet, inhaltlich aber gegensätzlich. Somit stehen sie sich antithetisch gegenüber, was die Wirkung der Aussage verstärkt.


Synonymer Parallelismus

Kennzeichnend für einen synonymen Parallelismus ist, dass die Wörter im ersten Teil mit denen aus dem zweiten Teil synonym sind und somit das Gleiche bedeuten. Da der Sinn der parallel angeordneten Satzglieder identisch ist, könnten die Wörter bei manchen synonymen Parallelismen ausgetauscht werden.

Beispiel:

»Ich bin entdeckt, ich bin durchschaut.«
Friedrich Schiller, Maria Stuart

Die Wörter »entdeckt« und »durchschaut« verhalten sich synonym zueinander. Durch die Verdopplung des Ausdrucks mit gleichem Sinn wird die Situation dem Leser eindringlich veranschaulicht.


Synthetischer Parallelismus

Bei dieser Form führt der zweite Satz- oder Versteil den ersten fort, wiederholt diesen nicht noch einmal, sondern entfaltet die Aussage weiter und bestimmt sie genauer. Bei einem solchen synthetischen Parallelismus ist die Parallelität der Satzglieder und Satzarten häufig kaum gegeben.

Beispiel:

»Jahwe ist mein Licht und mein Heil – vor wem sollte ich mich fürchten?«
Bibel, Psalm 27,1

Der erste Versteil stellt einen Sachverhalt fest, im zweiten wird eine Schlussfolgerung gezogen, wodurch die Aussage insgesamt bekräftigt wird.


Parabolischer Parallelismus

Als parabolisch oder auch allegorisch wird eine Aussage bezeichnet, die nur sinnbildlich zu verstehen ist. Der parabolische Parallelismus arbeitet mit unterschiedlichen Ebenen. So beinhaltet diese Form eine Bild- und eine Sachhälfte. Das heißt, dass der erste Teil ein Bild entwirft, das der zweite Teil auf die Sachebene überträgt.

Beispiel:

»Gleichwie ein Vater sich erbarmt der Kinder, so erbarmt sich Jahwe über alle, die ihn fürchten.«
Bibel, Psalm 103,11

Der erste Teil des Verses transportiert das Bild des liebenden Vaters, der an der Seite seiner Kinder steht. Im zweiten Teil erfolgt die Übertragung auf eine Sachebene und die Konkretisierung der Aussage. Der parabolische Parallelismus weist Ähnlichkeiten mit dem Vergleich auf und wird in der Bibel häufig zur Verdeutlichung von Bildern eingesetzt.


Stufenartiger Parallelismus

Dieser Form liegen dreigliedrige Verse zugrunde, die sich inhaltlich steigern und die Satzglieder zugunsten der Erhöhung der Ausssagekraft parallel anordnen. Die Beibehaltung entscheidender Worte im Laufe der einzelnen Versglieder ist ein typisches Merkmal dieser Form, wobei der Gedanke aber gleichsam weitergetrieben wird.

Beispiel:

»Gewaltiger als vieler Wasser Gebraus,
gewaltiger als die Brandung der Meere:
allgewaltig in der Höhe ist Gott.«
Bibel, Psalm 93,3

Hier erfolgt die Steigerung über die Begriffe »Wasser«, »Meer«, »Gott« bei paralleler Anordnung der Verse. Die Ausssagekraft der Passage wird doppelt verstärkt, indem einerseits der Parallelismus genutzt wird, andererseits die Klimax, die stufenweise Steigerung von Wörtern, zur Anwendung kommt.


Parallelismus in der Politik

Der Parallelismus gilt als eines der ältesten Stilmittel, das sich auch heute noch hoher Beliebtheit erfreut, so zum Beispiel in der Politik. In politischen Reden fällt auf, dass das Gesagte häufig bei Nutzung der gleichen Form mit etwas abgewandeltem Inhalt wiederholt wird. Dadurch erreicht der Redner zum einen die Verstärkung seiner Worte, zum anderen erleichtert er es den Zuhörern, den Gedanken zu behalten, wenn dieser nicht sofort durch den nächsten abgelöst wird.

Beispiele aus der Politik:

»Ein Leben in Freiheit ist nicht leicht, und die Demokratie ist nicht vollkommen.«
John F. Kennedy

»Wir Sozialdemokraten treten an, die Regierung des Stillstandes abzulösen. Wir treten an, die notwendige Modernisierung menschlich zu gestalten.«
Gerhard Schröder

»Dies war mehr als ein Parteitag der Bestätigung. Dies wurde zu einem Parteitag der zuverlässigen Orientierung.«
Willy Brandt


Parallelismus in Werbung und Alltag

Die Werbung bedient sich gerne rhetorischer Stilmittel, um die Werbebotschaft eingängiger zu gestalten und den Wiedererkennungswert von Produkten zu steigern. So nutzen Werbefachleute das gesamte Repertoire von der Alliteration (»Mars macht mobil«) über das Paradoxon (»Die Zukunft heute«) bis hin zum Parallelismus. Im Alltag unterstreichen Parallelismen das Gesagte ebenfalls wirkungsvoll.

Beispiel aus der Werbung:

»Schützt unter Wasser. Schützt auf der Erde. Schützt im All.«
Werbung für Renault Laguna

Beispiele aus dem Alltag:

»Kleine Kinder, kleine Sorgen – große Kinder, große Sorgen.«

»Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.«