Die Verwandlung

Prüfungsfragen

  • Stimmt es, dass Gregor den Beruf des Handlungsreisenden deswegen ausgewählt hat, weil er so abwechslungsreich ist?

    Nein, er musste den Beruf wählen, weil sein Vater bei dem Eigentümer des Textilgeschäfts verschuldet war. Allerdings scheint der Beruf durchaus abwechslungsreich zu sein. Gregor reist, schläft in unterschiedlichen Hotels, er hat Beziehungen. Allerdings bleibt es ein »nie herzlich werdender menschlicher Verkehr« (116).

  • In was für ein Ungeziefer genau hat sich Gregor verwandelt? Begründe Deine Sicht.

    Das geht aus dem Text nicht hervor. Allerdings gibt es Indizien. Die Bedienerin nennt Gregor einen Mistkäfer. Mistkäfer aber sind eher unauffällige Käfer, vielleicht ist Gregor also einfach dunkel und wenig abschreckend. Aber würde man einen Mistkäfer als Ungeziefer bezeichnen? Ein Ungeziefer spricht eher für eine Schabe. Aber warum sollte ausgerechnet die in der Küche arbeitende Bedienerin eine Schabe mit einem Mistkäfer verwechseln?

  • Was ist Gregors letztes Wort in der menschlichen Sprache und wie deutest Du es?

    »Nein.« Gregor könnte damit zum Ausdruck bringen, dass er auf sein Menschsein verzichtet. Er benutzt die Sprache, um es etwas zurückzuweisen: er sagt nein. Gleichzeitig erteilt er aber auch der Sprache als Ganzes eine Absage. Sein letztes Wort ist eine Negation, er negiert aber nicht nur die Sprache, sondern auch sich selbst.

  • Stimmt es, dass Gregor trotz aller Probleme ein sehr erfolgreicher Vertreter ist?

    Nein, das stimmt nicht. In der Szene, in der der Prokurist Gregor aus seinem Zimmer holen will, verdächtigt er Gregor der Unterschlagung. Auch dass Gregor aus seinem Beruf keinerlei Selbstvertrauen schöpft, zeigt, dass er in diesem Beruf nicht glücklich ist. Das heißt auch, dass er ihn nicht gut macht.

  • Das erste und zweite Kapitel endet jeweils mit einer Verletzung Gregors, die ihm sein Vater beigebracht hat. Wie lassen sich die beiden Verletzungen interpretieren?

    Am Ende des ersten Kapitels verletzt Gregor sich zunächst selbst. Weil er panisch versucht, in sein Zimmer zu kommen und steckenbleibt, reibt er sich wund. Der Vater bedroht Gregor zunächst mit einem Besen, gibt ihm dann aber einen Tritt. Dieser Angriff ist das typische Verhalten einem Ungeziefer gegenüber. Der Besen als drohende Waffe, der Stiefeltritt als tötende Waffe. Der zweite Angriff hingegen fängt auch mit den Stiefeln an. Gregor bestaunt noch die Größe der Stiefelsohlen des Vaters. Der letztendliche Angriff erfolgt mit Äpfeln, die geworfen werden. Natürlich sind hier Anklänge an den Baum der Erkenntnis nicht ganz ausgeschlossen. Man könnte also sagen, Gregor wird geehrt, weil er nicht mehr wie ein Ungeziefer angegriffen wird. Er wird aber auch zu etwas radikal Bösen gemacht, zu einer biblischen Plage.

  • Ist Kafka Surrealist?

    Nein, er weist allerdings ein ähnliches Schreibideal auf. Die Surrealisten wollen das Unbewusste mitschreiben lassen. Daher ist eine zentrale Schreibmethode die sogenannte écriture-automatique, das automatische Schreiben. Diese Schreibtechnik funktioniert nur, weil Schreiben einen Rauschzustand hervorrufen kann. Franz Kafka wies ein solches Schreibideal auf (Kafka 2009).

  • Wurde »Die Verwandlung« bereits zu Kafkas Lebzeiten veröffentlicht?

    Ja, das wurde sie. Zuerst erschien sie im Oktober 1915 in der von René Schickele herausgegebenen Literaturzeitschrift «Die weißen Blätter». Wenig später, im gleichen Jahr, erschien die Erzählung in der Anthologie «Der jüngste Tag» beim Leipziger Wolff-Verlag.

  • Wie viele Türen hat das Zimmer von Gregor und was lässt sich daraus deuten?

    Es gibt drei Türen in Gregors Zimmer. Zusätzlich befindet sich an einer Seite ein Fenster. Daran lässt sich deuten, dass Gregors Zimmer nach allen Seiten offen ist. Wenigstens kann es geöffnet werden. Die Türen hält Gregor immer verschlossen, bis er schließlich eingeschlossen wird. Das, was er ausschließen wollte, schließt in ein und aus zugleich. Nur das Fenster gewährt ihm noch ein wenig Freiheit. Allerdings wird seine Sehkraft zusehends schwächer.

  • »Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheuren Ungeziefer verwandelt.« Was meinst Du, ist es wichtig, dass Gregor unruhige Träume gehabt hat?

    Der erste Satz der Erzählung weist auf unruhige Träume hin und wenn man bedenkt, dass Kafkas Schreibideal vorsah, in einem kontinuierlichem Zug Text zu produzieren, dann ist der erste Satz von herausragender Wichtigkeit für den ganzen Text. Es ist also wichtig, dass Gregor geträumt hat. Umso rätselhafter, dass die Träume an keiner anderen Stelle des Textes wieder auftauchen. Die Träume bleiben eine Chiffre, die Interpretationen provoziert.

  • Ist die Verwandlung Gregors bereits zu Beginn abgeschlossen?

    Ja und nein. Er ist zwar äußerlich schon zu einem Käfer geworden, allerdings besitzt er noch die menschliche Sprache. Jedoch verliert er diese im Laufe des ersten Kapitels.

Veröffentlicht am 13. Januar 2023. Zuletzt aktualisiert am 13. Januar 2023.