Liebelei

Interpretationsansätze

Das Drama wird von zeitgenössischen Kritikern mit gegensätzlichen Meinungen aufgenommen: Manchen ist das Stück nicht authentisch genug, andere bemängeln eine zu genaue Schilderung. Es gibt jedoch auch viel Lob und Anerkennung von Kritikern, die die Authentizität und Modernität hervorheben. Eben jene Modernität wird vor allem an der Rolle des Vaters deutlich, der sich durch seine Güte und fehlende Strenge von den Vaterfiguren des 18. Jahrhunderts stark abgrenzt und neue Möglichkeiten offeriert. Wie alle anderen Modelle in »Liebelei« scheitert allerdings auch sein Konzept, sodass am Ende alle Figuren beschädigt, manche sogar gebrochen, aus der Handlung treten.

Das Stück kann als Gesellschaftskritik verstanden werden, da die handelnden Figuren erst durch gesellschaftliche Werte, Zwänge und Grenzen in ihre Rollen gedrängt werden. Die unterschiedlichen Lebens- und Liebeskonzepte, die sie aus dieser Lage heraus entwickeln, stellt Schnitzler als kritisch und zum Scheitern verurteilt vor. Präsentiert wird also eine Krise der Gesellschaft, in der keine der dargestellten Handlungsoptionen in einer akzeptablen Lebensgrundlage mündet.

Aus der Krise der Gesellschaft resultiert auch eine Krise der Sprache, die Ausdruck der unterschiedlichen Ideale und Konzepte ist. Diese Problematik entwickelt sich nicht aus der Gegenüberstellung von Klein- und Großbürgertum, sondern aus den verschiedenen und festgelegten Überzeugungen. Die Figuren verstehen sich nicht wirklich, reden aneinander vorbei und verharren auf ihren Anschauungen. Die Krise der Kommunikation führt vor Augen, wie tiefgreifend die Probleme der Figuren in ihrem Denken und Handeln verankert sind.

Veröffentlicht am 14. Juli 2022. Zuletzt aktualisiert am 14. Juli 2022.