Liebelei

Prüfungsaufgaben

1. Erläutere, inwiefern Mizi dem Typus des »süßen Mädels« zugeordnet werden kann.

Mizi ist emotional unabhängig und sexuell erfahren. Die Beziehung zu Theodor ist nicht auf Dauer angelegt – Mizi ist sich dessen bewusst und befürwortet es sogar. Ihre Beziehung ist darum unkompliziert und bequem, sie scheint keine Liebe für Theodor zu empfinden und offenbart eine gewisse Oberflächlichkeit.

2. Welchen Eindruck vermittelt die dialektale und volkstümliche Sprache?

Schnitzler zeichnet durch die volkstümliche und dialektale Sprache ein authentisches Bild der Wiener Gesellschaft um 1900; der Leser taucht in diese ein und beobachtet sie aus verschiedenen Blickwinkeln. Damit führt Schnitzler der Leserschaft die verschiedenen Konzepte und deren Scheitern vor Augen, es entsteht ein übersichtliches Bild, das den Leser die Motivationen und Hintergründe vollständig begreifen lässt.

3. Worum geht es in »Liebelei«?

»Liebelei« handelt von verschiedenen Beziehungs- und Liebeskonzepten, wobei vor allem die Beziehung zwischen Christine und Fritz im Vordergrund steht. Fritz hat zunächst eine Affäre mit einer verheirateten Frau, deren Mann ihn zum Duell fordert. Nachdem er in diesem Duell stirbt, stürmt Christine aus der Wohnung, ihr Vater Hans bleibt allein zurück.

4. Worin liegt die Kernproblematik des Stücks?

Die Kernproblematik liegt darin, dass Christine ihren Partner innig liebt, während Fritz sich zum einen seiner Gefühle nicht sicher ist, da er seine Grenzen nicht überwinden kann und er sich zum anderen in ein todbringendes Duell manövriert. Ein harmonisches, glückliches Ende der beiden ist damit nicht möglich. Aber auch die anderen zugrundeliegenden Liebes- und Lebenskonzepte werden als reine Wunschvorstellungen entlarvt, die letzten Endes scheitern müssen.

5. Begeht Christine am Ende Suizid? Begründe deine Antwort.

Sie nimmt sich am Ende das Leben, weil mit der Information, dass Fritz für eine andere Frau im Duell gestorben ist, auch Christines Einsicht einhergeht, dass ihr Konzept von der romantischen, ewig währenden Liebe gescheitert ist. Da sie ihr Denken, Handeln und Fühlen auf diesem Konzept aufgebaut hat, wird durch den Tod des Geliebten auch die Identität der Protagonistin zerstört. Ihr bleiben keine Handlungsoptionen, der Suizid ist die logische Konsequenz. Ihr Suizid wird darüber hinaus bereits durch die Flucht aus der Wohnung, die Bildmetapher und auch eigene Aussagen im Verlauf der Handlung angekündet.

6. Was fällt an der Reaktion Christines auf Fritz‘ Tod auf und was könnte das bedeuten?

Christine beklagt, dass ihr Geliebter für eine andere Frau gestorben ist und sie nicht einmal an der Beerdigung teilnehmen konnte, also nur einen untergeordneten Wert hat. Den Tod an sich, und damit den Verlust des Partners, beweint sie allerdings nicht. Diese Beobachtung legt die Vermutung nahe, dass sie nicht Fritz, sondern ihrem verlorenen, gescheiterten Ideal nachtrauert.

7. Inwiefern ist die Figur des Vaters als modern zu bezeichnen?

Im bürgerlichen Trauerspiel des 18. Jahrhunderts agieren die Vaterfiguren streng und nach festgelegten moralischen Werten und Normen; die Kinder sind in ihrer persönlichen Entscheidungsfreiheit eingeschränkt, weil die Väter ihnen vorgeben, wie sie sich zu verhalten haben. Hans Weiring grenzt sich von diesen Handlungsweisen ab: Für ihn stehen die persönlichen und emotionalen Bedürfnisse der Tochter über den gesellschaftlichen Erwartungen. Er gesteht Christine daher Eigenständigkeit und Freiheit zu – sie darf ihre eigenen Entscheidungen treffen, die nicht mit den gesellschaftlichen Standards übereinstimmen müssen.

8. Inwieweit nimmt der Titel »Liebelei« Bezug auf den Inhalt des Stücks?

Der Ausdruck »Liebelei« meint eine leichte, zeitlich begrenzte Liebschaft, die sich von einer ernsthaften Beziehung vor allem dadurch unterscheidet, dass sie lediglich auf Ruhe, Erholung und Amüsement ausgelegt ist. Stress, Streit und unangenehme sowie zu persönliche Fragen sollen um jeden Preis verhindert werden, um diese Ruhe zu gewährleisten. »Liebelei« umreißt damit die Beschaffenheit derjenigen Beziehung, die Mizi und Theodor führen und die Fritz praktiziert, auch wenn er mit diesem Konzept nicht gänzlich einverstanden ist.

9. Welchen Zweck hat der Auftritt der neunjährigen Lina im dritten Akt?

Die Unterhaltung zwischen Christine und Lina verstärkt den zuvor von Fritz gezeichneten Eindruck von Christine als kindliches Geschöpf. Christine wirkt dadurch noch ängstlicher, verlorener und hilfloser. Ihr Auftritt steigert zudem das Mitleid der Leser für die süße, naive Christine.

10. Weshalb wird Christine nicht direkt zu Beginn, sondern erst im weiteren Verlauf des ersten Akts eingeführt?

Es ist auffällig, dass Christine und auch Mizi erst später im ersten Akt auftreten. Vorher sprechen Fritz und Theodor über Frauen und Liebeskonzepte. So ist bereits hier die Rede vom »süßen Mädel« – dieser Kategorie werden auch Christine und Mizi zugeordnet. Auf diese Weise ordnet auch der Leser die beiden Frauen dieser Kategorie zu. Im Moment des ersten Erscheinens steckt Christine also bereits in ihrer Rolle als »süßes Mädel« fest und wird im weiteren Verlauf der Handlung auch anhand dieser Rollenzuweisung betrachtet. Eine vorangehende Charakterisierung vor dem ersten Auftritt lenkt also die Weise, wie man Christine wahrnimmt und bewertet.

Veröffentlicht am 14. Juli 2022. Zuletzt aktualisiert am 14. Juli 2022.