Zitate und Textstellen

Theodor: »Ich weiß ja, du bist nicht der Mensch, dich aus einem Abenteuer ins Freie zu retten, drum hab‘ ich dir’s ja so bequem gemacht und dir Gelegenheit gegeben, dich in ein anderes hineinzuretten…« (1. Akt) Dieses Zitat offenbart die Motivation, die der Handlung des Dramas zugrunde liegt: Theodor kritisiert die Affäre des Freundes, die […]

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Zitate und Textstellen
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Über das Werk

Theodor: »Ich weiß ja, du bist nicht der Mensch, dich aus einem Abenteuer ins Freie zu retten, drum hab‘ ich dir’s ja so bequem gemacht und dir Gelegenheit gegeben, dich in ein anderes hineinzuretten…« (1. Akt)

Dieses Zitat offenbart die Motivation, die der Handlung des Dramas zugrunde liegt: Theodor kritisiert die Affäre des Freundes, die Stress, Unruhe und Komplikationen bedeutet. Darum bietet er ihm mit der süßen Christine einen Ausweg aus dieser Situation, die ihm zum vorübergehenden Zeitvertreib und zur Erholung dienen soll. Er macht Fritz deutlich, dass dieser auch die Beziehung zu Christine nicht zu ernst nehmen soll.

Fritz: »Und du hast ja gar keine Ahnung, wie ich mich nach so einer Zärtlichkeit ohne Pathos gesehnt habe, nach so was Süßem, Stillem, das mich umschmeichelt, an dem ich mich von den ewigen Aufregungen und Martern erholen kann.« (1. Akt)

Fritz macht mit dieser Aussage deutlich, dass er sich nach einer süßen, unkomplizierten Liebesbeziehung sehnt. Diese soll ihm – nach Theodors Ideologie – zur Erholung dienen. Dadurch, dass er explizit erwähnt, sich danach gesehnt zu haben, überschreitet er jedoch Theodors gleichgültige und berechnende Einstellung zur Beziehung. Dass er sich in seiner Einstellung von Theodor unterscheidet, bringt schon die Anmerkung »Und du hast ja gar keine Ahnung« zum Ausdruck. Doch auch wenn er sich insgeheim nach tieferen Gefühlen sehnt, kann er aus seinen festgelegten Mustern nicht ausbrechen.

Christine: »Das ist ein Mädel, die schaut zum Fenster hinaus, und draußen, weißt, ist der Winter – und das heißt ‚Verlassen.‘« (2. Akt)

Christine beschreibt hier das Bild, das im Zimmer des Vaters hängt und ihre eigene Situation treffend umreißt: Bei diesem Mädel, dem »süßen Mädel«, handelt es sich um Christine, die zu Beginn des dritten Akts ebenfalls am Fenster sitzt und ihren geliebten Fritz vermisst, die aber auch metaphorisch am Fenster sitzt – also dem unerreichbaren Partner und dessen Liebe sehnsüchtig hinterherschaut. Sie fühlt sich verloren und hilflos, was auch dem Titel »Verlassen« entspricht. Ihre Aussichtslosigkeit wird dadurch verstärkt, dass auf dem Bild – und damit in Christines Leben – Winter herrscht. Das Ende Christines wird hierdurch schon angedeutet. Einzig Fritz könnte sie davor bewahren: Der Einschub »weißt« ist daher an ihn gerichtet und wirkt wie eine eindringliche Bitte.

Fritz: »Im Sommer werden wir uns weniger sehn… Denk dir, wenn ich zum Beispiel einmal auf ein paar Wochen verreiste, was möchtest du da sagen?« (1. Akt)

Fritz zeigt hier widersprüchliche Gedankengänge, die seinem ambivalenten Verhältnis zur Beziehung entsprechen: Einerseits denkt er bereits an den Sommer – ein Gedanke, den Mizi und Theodor gänzlich von sich weisen – und scheint damit eine längerfristige Beziehung zu Christine zu intendieren. Andererseits aber löst er sich auch schon jetzt emotional von Christine, indem er eine fiktive Reise beschreibt, die lange andauern und zudem ohne die Partnerin stattfinden würde. Er offenbart damit also seine innere Zerrissenheit und die Unfähigkeit, sich vollkommen auf Christine einzulassen.

Christine: »Ich hab dich lieb.« (1. Akt)

Wie dieses Bekenntnis zeigt, hat Christine keine Probleme damit, Fritz ihre Gefühle mitzuteilen und dabei auch den ersten Schritt zu ergreifen. Im Gegensatz zu Fritz ist sie sich ihrer Gefühle vollständig sicher und fest entschlossen, dem Muster der zeitlich begrenzten Liebelei des »süßen Mädels« zu entfliehen. Dabei ist sie allerdings dem Konzept der ewigen und romantischen Liebe verschrieben, an dem sie bis zum unausweichlichen Ende festhält.

Ein Herr: »Ich will nicht, daß man sie – später bei Ihnen findet.« (1. Akt)

Zum Ausdruck kommt hier, dass die Forderung des Herrn nach den Liebesbriefen und anschließend nach einem Duell aus einer Furcht vor gesellschaftlicher Kränkung und Rufschädigung entsteht. Er ist nicht aufgebracht, weil die Frau und Fritz durch den Betrug seine Gefühle verletzt haben und er nun fürchtet, die geliebte Frau zu verlieren, sondern fühlt sich in seiner männlichen und gesellschaftlichen Ehre verletzt und versucht nun, größeren Schaden abzuwenden.

Fritz: »Ist schon wieder neugierig.« (1. Akt)

Typisch für Fritz‘ ambivalentes Denken und Handeln ist die Tatsache, dass er Christines Fragen zu umgehen versucht. In diesem Fall bezeichnet er Christine als neugierig und lenkt den Fokus damit auf Christine und ihr vermeintlich zu forsches Verhalten. Er will oder kann sich ihr nicht öffnen und scheitert dadurch an einem Ausbrechen aus den festen Mustern.

Fritz: » Ich möcht‘ überhaupt gern dein Zimmer einmal sehn.« (1. Akt)

Wenige Momente, nachdem Fritz wieder einmal Christines Fragen abwehrt, dringt er in ihre Privatsphäre ein, indem er verkündet, ihr Zimmer – und damit ihren Alltag, ihre Wünsche und Träume – erblicken zu wollen. Er stellt hier Forderungen und erwartet von Christine, sich für ihn zu öffnen, während er ihr Dinge verschweigt, sie nicht in sein Innerstes sehen lässt und wichtigen Fragen ausweicht. Die Beziehung bleibt unausgeglichen und unvollständig, was vor allem daran liegt, dass Fritz in seinen Grenzen gefangen bleibt.

Christine: »Alle sagen, daß du mich verlassen wirst! Nicht wahr, du tust es nicht – jetzt noch nicht – jetzt noch nicht…« (2. Akt)

Deutlich wird hier, dass Christine insgeheim weiß, dass die Beziehung zu Fritz ein Ende finden wird. Der Aussage »du tust es nicht« fügt sie die Anadiplose » jetzt noch nicht – jetzt noch nicht« hinzu. Dieses »noch nicht« verrät ihre Einsicht des unausweichlichen Endes, das sie dennoch nicht gänzlich verstehen und akzeptieren will. Voller Verzweiflung will sie es so weit wie möglich hinauszögern.

Mizi: »Verwöhnen tust du ihn, zu gut bist du zu ihm. Da muß ja ein Mann arrogant werden.« (2. Akt)

Mizi lässt hier durchscheinen, dass eine Liebschaft für sie nur auf gegenseitiger Emotionslosigkeit und Gleichgültigkeit beruhen kann, um zu funktionieren. Da Christine »zu gut« zu Fritz sei, zerstört sie in den Augen Mizis diese Ordnung und führe das arrogante Verhalten des Partners selbst herbei. Sie verlagert die Schuld damit vollständig auf Christine und deren Gefühle, die diese lieber unterlassen solle.

Veröffentlicht am 11. Mai 2022. Zuletzt aktualisiert am 12. Mai 2022.

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