Woyzeck

Szenen 21–25

Szene 21 (Es kommen Leute)

Zusammenfassung

Zwei Personen nähern sich in dieser Szene dem Ort, an dem Woyzeck Marie umgebracht hat. Marie scheint mit dem Leben zu kämpfen, denn die sich nähernden Personen nehmen die erstickenden Laute eines sterbenden Menschen wahr.

Analyse

Während die zweite Person die Geräusche dem übersinnlichen Rufen des Wassers zuordnet und aus Angst gehen möchte, drängt die erste Person darauf, dem Geräusch zu folgen. Marie wurde zwar erstochen, dennoch scheint sie nicht sofort gestorben zu sein und schnappt weiter nach Luft. Da Woyzeck sich bei dem Tatort keine Gedanken über Abgeschiedenheit gemacht hat, wird seine Tat sofort entdeckt.

Szene 22 (Das Wirtshaus)

Zusammenfassung

Nach dem Mord ist Woyzeck guter Laune, im Wirtshaus singt und tanzt er zum ersten Mal im ganzen Drama. Er flirtet mit Käthe, deutet aber gleichzeitig an, dass auch sie sterben wird. Käthe singt für ihn und das Lied kann so gedeutet werden, dass Käthe als Prostituierte arbeitet. Beim Ausziehen seiner Jacke wird Käthe auf das Blut an seinem Arm aufmerksam und Woyzeck flieht daraufhin.

Analyse

Die gute Laune von Woyzeck deutet darauf hin, dass ihm der Mord an Marie offenbar Macht und Erleichterung verschaffte. Vermutlich ist er im Blutrausch und kann nur noch an seinen verübten Mord denken, welcher ihn mit Freude erfüllt. Auf das Lied, welches Käthe für ihn singt, antwortet Woyzeck, dass er sich nicht »blutig« (Büchner 29), das heißt sündig machen möchte und somit in die Hölle kommt. Dabei scheint er nicht zu bedenken, dass er soeben einen Mord, die schlimmste Sünde überhaupt, begangen hat. Diese Formulierung macht Käthe auf das Blut an seinem Arm aufmerksam, denn direkt nach dem Mord ist Woyzeck blutbeschmiert in das Wirtshaus gelaufen. Woyzeck hat sich keine Gedanken darüber gemacht, seine Spuren zu verwischen. Das lässt auf mangelnde Intelligenz, aber auch auf Woyzecks zerrütteten psychischen Zustand schließen. Als er auf das Blut angesprochen wird, versucht er es zunächst mit einer schlecht durchdachten Ausrede. Doch selbst der Narr durchschaut seine Lüge und Woyzeck gibt schließlich zu, einen Mord begangen zu haben. Er stellt die rhetorische Frage »Bin ich Mörder?« (Büchner 29) und stürmt hinaus.

Szene 23 (Abend. Die Stadt in der Ferne)

Zusammenfassung

In Szene dreiundzwanzig kehrt Woyzeck zum Tatort zurück. Er kann sich nicht erinnern, wo er das Messer hat liegen lassen.

Analyse

Woyzeck war bei der Durchführung seines Mordes sehr unvorsichtig, obwohl er die Tat über mehrere Tage hinweg geplant hatte. Nun wird ihm bewusst, dass er durch die Mordwaffe überführt werden kann. Dabei sind ihm offensichtlich die Zeugen, welche ihn mit Marie weggehen sahen und die Szene im Wirtshaus, welches er blutbeschmiert betrat, nicht gegenwärtig. Fast spöttisch redet er mit der toten Marie und macht ihr Vorwürfe über ihre Affäre und ihr Äußeres. Er verspürt keinerlei Reue und sieht seinen Mord als gerechtfertigt an. Er findet schließlich das Messer und verschwindet, als sich weitere Menschen nähern.

Szene 24 (Woyzeck an einem Teich)

Zusammenfassung

Woyzeck versucht, die Mordwaffe zu vernichten. Dazu wirft er das blutige Messer in einen Teich. Er macht sich Sorgen, dass es im Sommer von Badenden entdeckt wird, stapft in den Teich und wirft es weiter hinein. Dabei entdeckt er, dass seine Kleidung blutverschmiert ist und versucht nun endlich, sich zu waschen.

Analyse

Das Woyzeck immer tiefer in das Wasser geht, um seine Kleidung rein zu waschen, macht wenig Sinn, denn die Gäste im Wirtshaus haben seine blutige Kleidung bereits gesehen, außerdem ist die nasse Kleidung ebenfalls verräterisch. Woyzeck kann nicht mehr rational oder logisch handeln, er tut, was ihm in den Sinn kommt. Manchmal scheint er klare Momente zu haben und sich über die Strafverfolgung Gedanken zu machen, doch meist handelt er triebgesteuert.

Szene 25 (Straße)

Zusammenfassung

Zwei der Kinder, mit denen Marie zuvor gesungen hat, stellen fest, dass Marie verschwunden ist. Sie haben gehört, dass in einem nahe liegenden Wald eine Leiche gefunden wurde.

Analyse

Anstatt schockiert oder traurig zu reagieren, sind die Kinder begierig, die Leiche zu sehen. Dies zeigt die abgestumpfte und mitleidlose Gesellschaft, die Büchner mit seinem Drama kritisieren möchte.

Veröffentlicht am 27. September 2022. Zuletzt aktualisiert am 27. September 2022.