Sommerhaus, später

Absatz 15 – 18

Zusammenfassung

Die Erzählerin berichtet, dass das Haus eine Ruine ist, die jeden Moment in sich zusammenzufallen droht. Sie definiert es als einstmals schönes Haus, als »Schiff«, das nun gestrandet ist. Stein und die Erzählerin betreten das Haus, wobei Stein euphorisch ist, die Erzählerin aber sichtlich Angst hat, das verfallene Gebäude zu betreten.

Sie erkennt, dass die Schlüssel, die Stein ihr gegeben hat, keine Funktion mehr haben, da die Türen offen oder nicht mehr vorhanden sind. Obwohl die Erzählerin - vermutlich wegen ihrer Angst im Haus - körperliche Nähe zu Stein sucht, geht er nicht darauf ein, weil er so abgelenkt ist von seiner Faszination für das Haus. Als er merkt, dass die Erzählerin seine Begeisterung nicht teilt, bricht sich aufgestaute Aggression in ihm Bahn. Er sagt, dass die ganze Clique hier einziehen könne, um massenweise Drogen zu nehmen und ihr melancholisches Künstlerleben zu genießen. Die Erzählerin erkennt die Ironie und die damit verbundene Kritik in Steins Kommentar und fühlt sich unwohl und ängstlich, da ein solcher Gefühlsausbruch untypisch für Stein ist.

Sie beginnt zu verstehen, dass das Haus Steins Angebot einer festen Beziehung ist und wird wütend darüber, dass sie mit ihm alleine hier ist und niemand aus der Clique da ist, um sie »vor Stein zu schützen.« Stein entschuldigt sich für seinen Gefühlsausbruch und sie gehen auf die Veranda, um zu rauchen und den Kirchturm zu betrachten. Die Erzählerin ist verwirrt und hat das Gefühl, etwas Positives sagen zu müssen und macht darum den Vorschlag, den Efeu von der Veranda zu entfernen, damit die Aussicht auch im Sommer gewährleistet ist. Stein nimmt davon nicht wirklich Notiz und wirkt abwesend. Die Erzählerin denkt an einen nahen Moment zwischen ihr und Stein und wünscht sich, dass er sie noch einmal so ansehen würde, bereut diesen Wunsch aber augenblicklich.

Sie fordert eine Erklärung von Stein und möchte anscheinend, dass er das indirekte Angebot einer festen Paarbeziehung in diesem Haus ausspricht und Stein sagt mit einem Anflug von Gleichgültigkeit, dass das Haus eine Möglichkeit für sie ist, die sie wahrnehmen kann oder auch nicht.

Die Erzählerin ist irritiert durch Steins Gleichgültigkeit, dann sieht sie eine Gestalt auf der anderen Straßenseite und glaubt, das blasse, kümmerliche Kind der Vormieterin zu erkennen. Stein reagiert nicht auf ihre Beobachtung und fordert sie auf, wieder mit ihm wegzufahren. Sie hofft darauf, dass sich Steins Stimmung wieder aufhellt und er auf sie zugeht, doch er bedankt sich nur geschäftsmäßig dafür, dass sie mitgekommen ist. Sie versteht Steins Frust nicht, da er schließlich Teil der Clique sein wollte.

Analyse

Die Enttäuschung über das Haus spiegelt den steten Wechsel von Erwartung und Enttäuschung, Zuneigung und Abneigung, Nähe und Distanz wider, der die Geschichte bestimmt. Die Einschätzung des Hauses als Ruine steht im Kontrast zu Steins Euphorie für das Haus. Der ruinöse Zustand des Gebäudes steht für die Brüchigkeit der Beziehung zwischen Stein und der Erzählerin. Die Sicherheit und Ordnung, die die Erzählerin mit den Schlüsseln assoziiert hat, ist nicht gewährleistet und die Schlüssel sind nutzlos.

Steins ungewohnt aggressive Äußerung zeigt, dass sich sein Ärger über den Lebensstil der Clique schon lange aufgestaut hat. Ausgelöst wird dieser Gefühlsausbruch wahrscheinlich durch das Verhalten der Erzählerin, da sie seine Begeisterung nicht teilt, das Potential des Hauses nicht sieht und vor allem die symbolische Bedeutung – eine Einladung mit Stein als Paar hier zu leben – nicht erkennt oder erkennen will. Durch seine Kritik erkennt die Erzählerin, dass er nur Teil der Clique ist, um in ihrer Nähe sein zu können und dass er sich nach einer festen Paarbeziehung mit ihr sehnt, ohne die anderen Mitglieder der Künstler-Clique.

Dass sie sich wünscht, jemand aus der Clique wäre da, um sie vor Stein zu schützen, lässt Ablehnung erahnen. Danach hat sie das Gefühl, Stein aufheitern zu wollen und wieder zeichnet sich der stete Wechsel von Zu- und Abneigung der Erzählerin ab. Ob das Kind wirklich auf der anderen Straßenseite ist oder ob die Erzählerin es sich nur einbildet, legt der Text nicht eindeutig offen. Da das Kind von der Erzählerin negativ besetzt ist, weist es auftauchend am Haus darauf hin, dass es hier kein positives Ende für sie gibt. Stein verhält sich abweisend und resignierend, da die Reaktion der Erzählerin ihm zeigt, dass sie nicht für eine Paarbeziehung mit ihm bereit ist.

Veröffentlicht am 7. Oktober 2022. Zuletzt aktualisiert am 7. Oktober 2022.