Der Untertan

Prüfungsaufgaben

  1. Ordnen Sie das Werk in eine literarische Epoche ein.

 

Literarisch enthält das Werk Elemente des Naturalismus (1880 – 1900). Im Naturalismus wird die Realität möglichst ungeschönt und realistisch dargestellt. Wichtig waren Objektivität und Sachlichkeit, was Heinrich Mann durch seine genaue Recherche z. B. der Papierherstellung und der Strafprozessordnung gelungen ist.

 

  1. Erläutern Sie die sprechenden Namen im Roman.

 

Im Roman finden sich diverse sprechende Namen, die auf den Charakter oder die Optik der jeweiligen Personen Rückschlüsse ziehen lassen. So klingt Heßling wie „Häßling“ oder „hässlich“. Der Jude Jadassohn klingt wie „Judassohn“. Kühnchen ist z. B. während des Prozesses gegen Lauer ganz und gar nicht „kühn“, was sich durch das Diminutiv zeigt. Der Redakteur Nothgroschen bietet ein unsicheres und unterwürfiges Verhalten gegenüber der unter anderem finanziell stärkeren Gesellschaft.

 

  1. Welcher Symbole und Verhaltensweisen bedient sich Heßling, um seine Kaiser- und Obrigkeitstreue hervorzuheben?

 

Diederich bedient sich diverser Symbole, die er mit Stolz trägt so wie z. B. eines in der Manier des Kaisers frisierten Bartes. Er trägt seine Orden mit Stolz und „blitzt“ im Laufe des Buches immer mehr. Auch seine Haltung und teilweise wörtlich übernommene Reden des Kaisers machen Eindruck auf z. B. Guste Daimchen in ihrer Hochzeitsnacht oder die Mitarbeiter der Papierfabrik. Er verschickt Telegramme im Namen des Kaisers und wird durch diesen bestätigt, was seine Identifikation mit dem Kaiser vollendet.

 

  1. Analysieren Sie das Frauenbild Heßlings sowie seine Motive für sein Verhalten gegenüber den Frauen in seinem Leben.

 

Diederich verachtet weiche, schwache Frauen, wie z. B. Agnes, da sie ihn an seine Mutter und sich selbst erinnern und er sich selbst seit der Kindheit verachtet. Starke, wehrhafte Frauen hingegen bewundert er, wie z. B. Guste Daimchen, die sich gegen seine Zudringlichkeiten im Zug wehrt. Auch Käthchen Zillich, die auf gleicher Ebene wie die Männer diskutieren kann, hat seinen Respekt.

 

  1. Beschreiben Sie den Typus des Untertanen am Beispiel von Diederich Heßling.

 

Wolfgang Buck beschreibt den „neuen Typus“ des Untertanen als einen „mittelmäßigen Zeitgenossen“, der sich seiner Umgebung „je nach Gelegenheit“ anpasse und mit „Härte und Unterdrückung“ seine Persönlichkeit und Macht aufbaue. Doch diese Härte dient laut Wolfgang Buck lediglich als Deckmantel für einen schwachen und weichen Charakter, der nur seinen eigenen Profit vor Augen hat. Der Untertan ist ein obrigkeitshöriger, autoritärer Charakter, der sich in ein hierarchisch organisiertes System einfügt. Er befindet sich in einem ewigen Zwiespalt zwischen Unterwerfung und Unterdrückung. Seine Individualität gibt er auf, um Teil eines großen Ganzen zu sein und in einem gleichgesinnten Kollektiv aufzugehen. Um seine Ziele zu erreichen, ist ihm jedes Mittel der Manipulation und Täuschung recht.

 

  1. Analysieren Sie die Notwendigkeit des Todes des alten Bucks im Roman.

 

Die einzige positive Gegenfigur zu Diederich, der alte Buck, symbolisiert den Liberalismus und humanitär-demokratische Werte der 1848er Revolution in Netzig. Da seine Werte in einem autoritären Untertanenstaat immer weniger gelten, muss er schließlich sterben, da sich Diederichs Untertanen-Typ letztlich durchgesetzt und gesiegt hat. Nach dem Majestätsbeleidigungsprozess und der Niederlage des Liberalismus begann der Abstieg des alten Buck, der letzten liberalen Instanz in Netzig. Er verliert schrittweise auf wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und politischer Ebene, während Diederich Heßling parallel dazu auf denselben Ebenen an Macht und Ansehen gewinnt.

 

  1. Erläutern Sie das Theater-Motiv anhand von Beispielen.

 

Der Prozess gegen den Fabrikanten Lauer gerät zu einem buchstäblichen Schauspiel, bei dem die Zuschauer jubeln, buhen oder applaudieren und jeder Protagonist mit Gestik, Mimik und Rede auf maximale Wirkung beim Zuschauer hofft. So spielt für Wolfgang Buck jeder nur eine Rolle auf der Bühne von Netzig, wobei er insbesondere von Diederichs Rolle als „Untertan“ fasziniert ist. Am Ende des ersten Kapitels kommentiert ein Passant den kaiserlichen Auftritt vor den Arbeitslosen als „Theater, und nicht mal gut“. Gegen Ende des sechsten Kapitels gehen der alte Buck und Wolfgang Buck am Kaiser-Wilhelm-Denkmal vorbei und Wolfgang Buck kommentiert die kommende Denkmalsenthüllung mit „Theater, und kein gutes“.

 

 

  1. Welche satirischen Elemente finden sich in „Der Untertan“?

 

Indem Diederich die Reden des Kaisers in banalen Situationen wiedergibt, wirkt er lächerlich. Dasselbe gilt für seine Kaiser-Imitation, die er mit übertriebenem Habitus überspitzt und ausschmückt. Diederichs Fall in die Pfütze vor dem Kaiser wirkt komisch, da sich Diederich gerade in dieser Situation besonders würdevoll präsentieren wollte. Tiervergleiche kommen im Roman häufig vor, um Verhaltensweisen oder das Aussehen von Figuren zu karikieren – durch alle Gesellschaftsschichten hindurch. Während seiner Hochzeitsreise verbringt Diederich mehr Zeit damit, dem Kaiser hinterher zu reisen, als Zeit mit seiner Ehefrau zu verbringen.

 

  1. Benennen und beschreiben Sie die verschiedenen Machtformen, die Heßling sich zu eigen macht.

 

Diederich lernt bereits früh, dass er sich durch Denunziantentum Vorteile verschaffen kann. Später kommen Intrigen und das Verbreiten von Gerüchten hinzu. Dazu paktiert er notfalls mit seinen Gegnern, wie z. B. den Sozialdemokraten, um seine Ziele zu erreichen. Auch Aggression – wie er sie z. B. den Arbeitern in seiner Fabrik gegenüber oder Guste nach der Hochzeit äußert – ist sein Mittel der Wahl, um seine Ziele zu erreichen. Während seiner Zeit beim Militär nutzt er Beziehungen, um sich vom Militärdienst freistellen zu lassen. Auch Lügen setzt er gezielt ein, etwa indem er ein Telegramm im Namen des Kaisers abdrucken lässt, welches er selbst verfasst hat.

 

  1. Wie ist Heßlings Haltung zu Theater und Schauspiel zu definieren? Benennen Sie Beispiele.

 

Diederich verachtet das Theater und Schauspiel, so sagt er zu Agnes vor einer Wursttheke, dass dies die einzige Kunst ist, die er bewundert. Durch seine verkümmerte Individualität und selbstauferlegte Härte bleibt ihm der Zugang zur Kunst verschlossen. Durch die Imitation des Kaisers spielt er jedoch immer mehr eine Rolle, die zur Selbstaufgabe seines „weichen“ Selbst führt und durch eine Kaiser-Persona ersetzt wird.

Veröffentlicht am 15. September 2022. Zuletzt aktualisiert am 21. September 2022.