Der Untertan

Zitate und Textstellen

  • „Ich habe Prügel bekommen, aber von meinem Papa. Ihr wäret froh, wenn ihr auch Prügel von ihm bekommen könntet. Aber dafür seid ihr viel zu wenig.“
    – 1
    Wenn der junge Diederich Prügel von seinem Vater erhielt und weinend an der Werkstätte vorbeiging, lachten die Fabrikarbeiter ihn aus. Doch Diederich ist klar, dass er in den Augen des Vaters/Machtinhabers höher steht, als die Arbeiter, da er der Prügel seines Vaters wert ist und die Arbeiter nicht.
  • „Im Lauf der Jahre berührten zwei über Machtinhaber hereingebrochene Katastrophen ihn mit heiligem und süßem Schauder.“
    – 5
    Die Dualität des Machtgenusses und der Freude, Autoritätspersonen scheitern zu sehen (Diederichs Vater, der die Treppe herunterfällt) zeigt sich in diesem Gedankengang Diederichs ganz deutlich. Einerseits fürchtet und bewundert er Autoritätspersonen und hat ein schlechtes Gewissen (heilig), andererseits ist er schadenfroh, wenn sie „fallen“ (süß).
  • „Was Diederich stark machte, war der Beifall ringsum, die Menge, aus der heraus Arme ihm halfen, die überwältigende Mehrheit drinnen und draußen.“
    – 7
    Diederich hat in dieser Szene den einzigen Juden der Klasse vor einem selbstgebastelten Kreuz in die Knie gezwungen und erfährt zum ersten Mal den Beifall der Masse. Später erfährt er dieselben Emotionen im Prozess gegen Lauer, als die Masse sich zu seinen Gunsten verhält und ihn bejubelt.
  • Sachlich sein heißt deutsch sein
    – 164
    Diederich verwendet diesen Satz mehrmals im Buch, wenn ihm unterstellt wird, er würde aus persönlichem Groll agieren. Dagegen verwehrt er sich und hebt seine rein nationalen Gesinnung, Tugenden und reine Sachlichkeit hervor.
  • Nichts Menschliches hielt Stand vor der Macht
    – 203
    Während des Prozesses sagt Lauers Freund Fritzsche aus und – durch Lenkung des Richters – auch er sagt schließlich gegen ihn aus. Diederich ist beeindruckt, wie sehr sich die Zeugen der Macht der Richter, der kaisertreuen Gesinnung und allgemeinen Stimmung beugen.
  • Ein Durchschnittsmensch mit gewöhnlichem Verstand, abhängig von Umgebung und Gelegenheit, mutlos, solange hier die Dinge schlecht für ihn standen, und von großem Selbstbewußtsein, sobald sie sich gewendet hatten
    – 216
    Mit diesen Worten beschreibt Wolfgang Buck Diederich, der beim Prozess gegen Lauer ausgesagt hat. Zunächst wollte er nicht aussagen und relativierte seine Rolle bei der Anklage, doch als das Publikum auf seiner Seite war, änderte er seine Meinung in die Richtung der Mehrheit und sagte nachdrücklich gegen Lauer aus.
  • „Das Gefühl der kaiserlichen Macht ist mit einem Menschenleben nicht zu teuer bezahlt!
    – 130
    Auch hier wird wieder deutlich, dass das Individuum für Diederich keinen Wert hat, solange er nicht „im großen Ganzen“ eingebunden ist. Konkret ist hier die Erschießung des Arbeiters Karl gemeint, die Diederich als Ausdruck kaiserlicher Macht sieht.
  • „Dann kann es geschehen, daß über das Land sich ein neuer Typus verbreitet, der in Härte und Unterdrückung nicht den traurigen Durchgang zu menschlicheren Zuständen sieht, sondern den Sinn des Lebens selbst.“
    – 219
    Wolfgang Buck spricht mit diesem Zitat Diederich persönlich an, der als kleiner Papierfabrikant den großen Kaiser nachahmt und sich in seinen Augen damit lächerlich macht.
  • Blut und Eisen bleibt die wirksamste Kur! Macht geht vor Recht!
    – 294
    Diederich spricht sich mit diesen Worten für Militarismus des Kaisers aus, mit dem er seine Machtstellung festigt, was er sehr bewundert – selbst wenn es auf Kosten von Menschenleben ist.
  • Wer treten wollte, mußte sich treten lassen, das war das eherne Gesetz der Macht
    – 370
    Diederich, aufgebracht wegen von Brietzen und dessen Verhalten gegenüber seiner Schwester Emmi, erinnert sich an das ihm versprochene Kaiser-Wilhelm-Denkmal und von Wulckow, der ihn „tritt“ und fügt sich in dieses Setting und spürt sogar einen „heimlichen Schauer“ (370) der Macht, die ihn tritt.
Veröffentlicht am 18. September 2022. Zuletzt aktualisiert am 21. September 2022.