Der Untertan

Figuren

  • Herr von Barnim

    Assessor von Barnim hält Diederich in Berlin eine Privatvorlesung, ein sog. Privatissimum, um ihn politisch auf den Weg gegen die Sozialdemokratie zu bringen

  • Leutnant von Brietzen

    Leutnant von Briezen findet Gefallen an Diederich Heßlings Schwester Emmi, verlässt sie jedoch. Nachdem Diederich ihn aufsucht und an seine Ehrenpflicht appelliert, bietet von Brietzen Diederich an, sich zu duellieren. Dies erinnert an die Szene mit dem alten Göppel, dem Diederich damals das Duell angeboten hatte, um seine Tochter nicht heiraten zu müssen. Diesmal befindet sich Diederich anstelle des alten Göppel, schlägt das Duell aus und wird von dem Leutnant hinausgeworfen. Nach diesem Zwischenfall verlässt der Leutnant von Brietzen Netzig.

  • Der alte Buck

    Der alte Buck ist eine angesehene Persönlichkeit in Netzig und mit Herrn Heßling sowie dessen Sohn Diederich Heßling freundschaftlich verbunden. Trotz seiner liberalen und fortschrittlichen Denkweise hat er immer ein offenes Ohr für Diederich Heßling, meist aus Sentimentalität.
    Er achtet sehr auf seine äußere Wirkung und ist eine Erscheinung - so trägt er einen Frack und Zylinder auch tagsüber, eine „weißseidene Halsbinde“ (6), einen großen weißen Bart und nutzt einen Spazierstock mit einem goldenen Knauf. Diederich ist sehr von dem alten Buck eingeschüchtert und denkt, ihm gehöre die ganze Stadt, „von der Badeanstalt, bis zum Gefängnis, vor allem, was öffentlich war“ (6).
    Er nahm an der Märzrevolution 1948 teil und wurde damals sogar zum Tode verurteilt, was Diederich Heßling immer wieder imponiert.
    Als Diederichs kaisertreue Pläne in Form einer „Partei des Kaisers“ ihren Ausdruck finden, ist der alte Buck wiederum enttäuscht und setzt das Gerücht in die Welt, dass es Diederich lediglich um die Papierfabrik Gausenfeld geht und er seine nationale Gesinnung nur vorschiebt. Als der alte Buck mit seinem Kandidaten bei der Wahl zum Reichstag scheitert, erleidet er großen finanziellen Schaden. Letztlich muss er sich von Diederich Geld leihen, was dieser überall herumerzählt.
    Die letzte Handlung des alten Buck ist seine Klage gegen die Zeitung „Die Volksstimme“, die von Grundstücksspekulationen rund um Gausenfeld berichtet hatte. Auch wenn er den Prozess gewinnt, so ist er finanziell und gesellschaftlich ruiniert. Er legt seine Ämter nieder und leidet an Herzschwäche, was ihn letztlich auf das Sterbebett bringt. Als das Kaiser-Wilhelm-Denkmal enthüllt wird, sieht er Diederich als Schatten im Türeingang stehen und ruft aus, dass er den Teufel sehe. Daraufhin verstirbt er im Kreise seiner Familie.

  • Bruder des alten Buck

    Der Bruder des alten hat fünf unverheiratete Töchter, ist ebenfalls ein liberal gesinnter Netziger und wird wegen seiner misslichen finanziellen Lage von seiner Familie unterstützt.

  • Herr Heßling

    Herr Heßling begann seine Laufbahn als Büttenschöpfer in den alten Mühlen und war in mehreren Kriegen als Unteroffizier dabei, aus denen ihm ein invalides Bein verblieb. Nach dem letzten Krieg konnte er sich durch den wirtschaftlichen Aufschwung eine Basisausstattung für eine Papierfabrik leisten. Er ist ein pedantischer Chef, der die Bögen noch selbst nachzählt und sehr auf die Knöpfe achtet, die von den Lumpen abgetrennt werden. Im Familienleben ist er ein tyrannischer Patriarch, der seinen Sohn Diederich Heßling mit einem Rohrstock prügelt und dessen Ehefrau sich nicht traut, sich am Tisch satt zu essen. Er hält Ehre, Pflichtgefühl und Ehrlichkeit sehr hoch und fordert diese Charaktereigenschaften von jedem in seinem Umfeld ein. Gefühlsäußerungen lehnt er ab und verurteilt sie bei seiner Frau, die Diederich seiner Ansicht nach mit ihrer nachsichtigen Erziehung verzieht. Einmal wöchentlich erhält sie von ihm Wochenaufgaben zugeteilt, die sie nicht zu seiner Zufriedenheit erledigt. Trotz unterschiedlicher Ansichten ist er freundschaftlich mit dem alten Buck verbunden.
    Herr Heßling verstirbt während der Studienzeit von Diederich Heßling.

  • Wolfgang Buck

    Wolfgang Buck ist Diederich Heßlings Kindheitsfreund und der jüngste Sohn des alten Buck. Er trifft auf Diederich Heßling in Berlin wieder, als er Jura studiert und sich auf seine Karriere als Rechtsanwalt in Netzig vorbereitet. Trotz seiner Verlobung mit Guste Daimchen unterhält er eine Liebschaft zu einer Schauspielerin in Berlin und versucht, Guste an Diederich abzugeben.
    Im Prozess seines Schwagers, des Fabrikanten Lauer, übernimmt er die Verteidigung. Er wird während des Prozesses mehrfach zu einer Ordnungsstrafe verurteilt und verliert letztlich den Prozess.
    Auf dem Harmonieball erfährt er von Guste von dem Gerücht, demnach er und Guste Halbgeschwister seien. Er hat Diederich im Verdacht, der Urheber des Gerüchts zu sein, hält sich diesbezüglich jedoch bedeckt. Kurze Zeit später löst er die Verlobung zu Guste auf und geht ans Theater in Berlin. Er bittet Diederich, ihm zur Seite zu stehen, wenn er Guste die Nachricht überbringt, flüchtet jedoch und lässt Diederich mit Guste und der Botschaft allein. Drei Jahre später arbeitet Wolfgang Buck wieder als Rechtsanwalt in Netzig, ist jedoch gesellschaftlich geächtet.

  • Herr Cohn

    Herr Cohn ist ein liberaler jüdischer Besitzer eines Warenhauses in Netzig. Im Prozess gegen Lauer lässt der Staatsanwalt Jadassohn alle Anwesenden an einem alten Gerücht teilhaben, demnach sich ein Lieferant Cohns in dessen Warenhaus das Leben genommen haben soll. Dieses Gerücht hat ihn schon einmal beinahe den Bankrott gekostet und er verwehrt sich heftig dagegen. Das Gerücht ist jedoch wirkungsvoll genug, sodass Cohn nicht mehr als Zeuge für Lauer zugelassen wird.

  • Frau Daimchen

    Frau Oberinspektor Daimchen ist verwitwet und lebt mit ihrer Tochter. Als ihre Tochter reichlich erbt, steigen beide gesellschaftlich auf, was sie durch ihre Kleidung und Einrichtungsstil hervorheben. In der Stadt Netzig geht das Gerücht um, dass sie eine Liebschaft mit dem alten Buck hatte, aus der Guste hervorging und diese damit die Halbschwester von Wolfgang Buck sein soll, da sie „zu früh“ zur Welt kam.

  • Guste Daimchen

    Guste Daimchen kennt Diederich Heßling aus Kindheitstagen. Er trifft sie im Zug auf seiner Heimreise nach Netzig wieder und ist ganz begeistert von ihr und findet alles an ihr „appetitlich“. Verbildlicht wird es durch seinen Gedanken an ein „rosiges Schweinchen“ bei ihrem Anblick und ihren Fingern, die „rosigen Würstchen glichen“. Sie dämpft jedoch seinen Eifer, da sie mit Wolfgang Buck verlobt ist. Durch eine Erbschaft ihres Onkels in Magdeburg kommt sie zu viel Geld, wobei die Summe je nach Quelle zwischen einer Million und 35.000 schwankt. Nachdem ihr Verlobter Wolfgang Buck den Prozess um Lauer verliert, wendet sie sich verstärkt Diederich zu. Bei einem Besuch in der Papierfabrik Diederichs kommt es zu Intimitäten zwischen ihm und Guste. Bei einem Familienabend erfährt Diederich, dass Guste die Halbschwester von Wolfgang Buck sein soll und er sorgt dafür, dass dieses Gerücht in Netzig verbreitet wird. Daraufhin löst Wolfgang Buck die Verlobung mit Guste auf, die sich dann verzweifelt an Diederich wendet, damit sie gesellschaftlich nicht geächtet wird. Diederich nimmt sich ihrer an und heiratet sie.
    Es findet eine Doppelhochzeit statt zwischen Guste und Diederich und Magda und Kienast. Auf der Hochzeitsreise steht nicht Guste, sondern Kaiser Wilhelm II. im Mittelpunkt von Diederichs Interesse, indem dieser dem Kaiser nachreist und ihm zu Diensten ist. Guste fügt sich ihrem Schicksal, regiert jedoch im Hause Heßling mit harter Hand. So sorgt sie dafür, dass Diederichs Mutter und seine Schwester Emmi in ein ehemaliges Dienstmädchenzimmer ziehen, wobei sie diese am liebsten auch aus diesem Zimmer vertrieben hätte. Emmi möchte sie mit einem Handwerker verheiraten, damit sie das Haus verläßt.
    Im Schlafzimmer übernimmt sie ebenfalls eine dominante Rolle, um Diederichs Lust nach Unterwerfung und Demütigung zu befriedigen und ihn in seinem Untertan-Sein zu bestätigen.
    Guste bringt drei Kinder zur Welt – die Tochter Gretchen und die beiden Söhne Horst und Kraft.

  • Napoleon Fischer

    Napoleon Fischer arbeitet als Maschinenmeister in der Papierfabrik Heßling und ist Diederich Heßling von Anfang an ein Dorn im Auge. Er fühlt sich von dem Sozialdemokraten verspottet und macht sich über seine äußere Erscheinung lustig. Er hat jedoch auch opportunistische Züge, wie fast alle Protagonisten des Romans und spekuliert auf Vorteile, wenn er mit Diederich kooperiert. So spielt er ihm in die Hände, als Diederich eine für die Fabrik bestellte Maschine nicht bezahlen kann, indem er behauptet, diese hätte einen Defekt. Auch politisch profitiert Fischer von Diederich, indem Diederich seine Kandidatur zum Stadtverordneten unterstützen und ein Gewerkschaftshaus bauen lassen will. Das Gewerkschaftshaus wird letztlich durch die Liberalen gebaut und Diederich und Fischer zerstreiten sich. Letztlich gewinnt Fischer die Wahl zum Reichstagsabgeordneten.

  • Fritzsche

    Der liberale Landgerichtsrat ist bei der Erschießung des Arbeiters Karl zugegen, ist jedoch nicht mehr Zeuge der Majestätsbeleidigung durch den Fabrikbesitzer Lauer. Er möchte die Angelegenheit gerne juristisch mit Diederich klären, ohne, dass jemand zu Schaden kommt, da er mit der Familie Lauer befreundet ist. Als Untersuchungsrichter im Prozess gegen Lauer tätigt er jedoch belastende Aussagen zu dessen Person und verabschiedet sich nach dem Prozess in Urlaub nach Genua.

  • Agnes Göppel

    Sie ist Diederich ebenfalls zugeneigt, wird aber von einem Untermieter ihres Vaters, dem Studenten Mahlmann, umworben. Diederich lässt sich von diesem einschüchtern und geht auf Abstand zu Agnes, sehr zu ihrem Kummer. Erst drei Jahre später kommt es zu einem Treffen der beiden im Tiergarten und sie beginnen eine Beziehung, die sie vor ihrem Vater geheim halten. Als Diederich schließlich wieder auf Abstand zu ihr geht, erfährt sie den Grund dafür auch diesmal nicht und leidet sehr an der zerbrochenen Beziehung. Sie vertraut sich ihrem Vater an, der Diederich daraufhin aufsucht und vergeblich versucht, ihn zurück zu seiner Tochter zu führen.
    Viele Jahre später heiratet sie.

  • Herr Göppel

    Herr Göppel ist als Zellulosefabrikant seit 30 Jahren in Berlin tätig, verwitwet und Vater von Agnes Göppel. Er stammt ursprünglich aus Netzig und beliefert unter anderem die Papierfabrik des Herrn Heßling. Er nimmt Diederich Heßling während dessen Studienzeit unter seine Fittiche und lädt ihn wöchentlich zu sich nach Hause ein. Aufgrund nachlassender Qualität seiner Zellulose gehen seine Geschäfte schlecht, sodass er letztlich Diederich aufsucht, um ihm zur Heirat seiner Tochter Agnes zu bewegen. Diederich lehnt jedoch ab, da es Agnes an „Reinheit“ zur Ehe mangelt und fordert Herrn Göppel zum Duell heraus. Dieses schlägt Herr Göppel empört aus und verlässt Diederichs Apartment.

  • Herr Harnisch

    Landgerichtsrat Harnisch ist einer der Richter im Prozess gegen den Fabrikanten Lauer.

  • Diederich Heßling

    Diederich Heßling wächst als kränkliches, „weiches“ Kind auf, das von seinen Eltern teilweise zu Unrecht mit dem Rohrstock geprügelt wird. Während er von seiner Mutter zusätzlich mit Liebe überschüttet wird, ist sein Vater unnachgiebig und streng.
    Aufgrund der Charakterähnlichkeit zwischen ihm und seiner Mutter verachtet er sie und bewundert den Vater als Machtinhaber. Diederich lernt bereits früh, dass Unterwerfung Schmerzvermeidung und Belohnung bedeutet und so sucht er später in der Schule, im Studium, als Unternehmer und Lokalpolitiker die Nähe der Mächtigen und verachtet die Schwächeren. Auch Menschen, die ihm ähnlich sind, verachtet er – wie seine Mutter.
    Seine Kindheit und Jugend verbringt Diederich in der fiktiven Kleinstadt Netzig in der Nähe von Berlin. Bereits während seiner Kindheit lernt er durch die Prügel seines Vaters, sich Machtinhabern zu unterwerfen und durch die unrechtmäßigen Prügel seiner Mutter, ihm zur Verfügung stehenden Mittel – z. B. Drohungen – zu nutzen, um gegen dieses Unrecht vorzugehen.
    In der Schule hat er einen schweren Start und „heult“ viel, sodass er den Lehrern teilweise keine Antworten geben kann. Mit der Zeit jedoch bewundert er die Lehrer als autoritäre Respektspersonen,, da sie Macht über andere ausüben dürfen. Indem er selbst zum Instrument dieser mächtigen Personen wird, wenn er z. B. seine Mitschüler bespitzelt, findet er langsam in seine Rolle des opportunistischen Untertanen hinein, der nach oben buckelt und nach unten tritt. Er lässt sich dabei gern von der allgemeinen Stimmung leiten und passt sein Verhalten dem Beifall der Menge an, als er etwa den einzigen Juden der Klasse vor einem selbstgebauten Kreuz in die Knie zwingt und dafür den begeisterten Beifall seiner Mitschüler und Lehrer erhält. Später wiederholt sich das Bild des wankelmütigen Diederichs, der sich von der Zustimmung der Menge abhängig macht, im Prozess gegen den Fabrikanten Lauer.
    Nach seinem mittelmäßigen Gymnasialabschluss zieht er auf Wunsch seines Vaters nach Berlin, um Chemie zu studieren. Er begegnet alsbald einem Lieferanten seines Vaters, der früher in Netzig gewohnt hat – Herrn Göppel. Dieser lädt Diederich zu sich nach Hause ein, wo Diederich auf Agnes Göppel trifft, in die er sich verliebt. Der Untermieter der Göppels, der Student Mahlmann, umwirbt Agnes ebenfalls und schüchtern Diederich ein, sodass dieser seine Bemühungen um sie aufgibt.
    Mit der Hilfe seines früheren Schulkameraden Gottlieb Hornung tritt er der angesehenen Studentenverbindung „Neuteutonen“ zunächst als Konkneipant bei. In der Gemeinschaft fühlt er sich stark und beschützt und ordnet sich gerne den Regeln und Strukturen der Verbindung unter. Als er schließlich Vollmitglied wird, muss er sich einer schmerzhaften Mensur durch seinen Korpus Wiebel unterziehen. Die dadurch erhaltenen Schmisse trägt er mit Stolz.
    Als sein Vater im Sterben liebt, reist er nach Netzig und wird nach dessen Tod der Vormund seiner beiden Schwestern Emmi und Magda. Darauf tritt er seinen Militärdienst an, der ihm körperlich jedoch zu anstrengend ist. Er bemüht sich um eine Ausmusterung wegen eines verstauchten Fußes, schafft es jedoch erst mit der Hilfe eines Sanitätsrats, der Mitglied bei den Neuteutonen war.
    Nach der Ausmusterung studiert er wieder, um seinen Doktor zu machen. Während dieser Zeit begegnet er dem Kaiser, fällt jedoch unglücklich in eine Pfütze und wird von diesem ausgelacht. Im Tiergarten trifft er auf Agnes Göppel wieder und beginnt eine Liebschaft mit ihr. Bald jedoch wird ihm ihre viel zu emotionale Art zu viel und er beginnt, sie zu verachten, wie sich selbst und früher seine Mutter. Nach einem Urlaub auf dem Lande geht er auf Abstand zu ihr und als ihr Vater ihn aufsucht, bietet er an, sich mit ihm zu duellieren. Der alte Göppel gibt resigniert auf, da Heßling Agnes wegen ihrer nicht mehr vorhandenen „Reinheit“ nicht heiraten will.
    Nach seinem Doktorexamen fährt er nach Netzig, um die Papierfabrik und die Herrschaft im Hause Heßling zu übernehmen. Im Zug nach Netzig trifft er auf Guste Daimchen, von der er sofort begeistert ist. Diese eröffnet ihm jedoch, dass sie nicht nur reich geerbt hat, sondern auch mit Wolfgang Buck verlobt ist.
    Diederich fokussiert seine Aufmerksamkeit ganz auf die Papierfabrik, die er mit harter Hand führen will, um sich Respekt zu verschaffen. Als Zeichen eines neuen Zeitalters entlässt er den Arbeiter Karl, der sich mit seiner Braut in einem Lumpenhaufen vergnügt hatte und bestellt eine viel zu teure Maschine (einen Holländer) entgegen dem Ratschlag des Buchhalters Sötbier. Schließlich wird Diederich gezwungen, die Maschine mit der Hilfe seines Maschinenmeisters Napoleon Fischer zu reklamieren, da er sie sich nicht leisten kann. Der Prokurist Kienast von der Herstellerfirma ist jedoch nicht von den Mängeln überzeugt und lässt sich erst durch eine Heirat samt großzügiger Mitgift mit Diederichs Schwester Magda anderweitig überzeugen.
    Der entlassene Arbeiter Karl wird später im Verlauf vor dem Regierungsgebäude von einem Wachsoldaten erschossen. Diese Gelegenheit nutzt Diederich, um sich als kaisertreuer Nationalist zu profilieren und provoziert den liberalen Fabrikbesitzer Lauer zu einer kaiserfeindlichen Äußerung. Daraufhin wird vom Assessor Jadassohn Anklage gegen Lauer erhoben. In diesem Prozess muss Diederich als Hauptzeuge aussagen, was ihm vor dem Prozess die Ächtung der Netziger Gesellschaft einbringt. Im Laufe des Prozesses jedoch schlägt die Stimmung um und nach einer leidenschaftlichen Rede voller nationaler Gesinnung bekommt er von der Zuschauermenge begeisterten Beifall. Dies bringt ihm die Achtung des Regierungspräsidenten von Wulckow ein und all jener, die ihn vor dem Prozess geächtet haben. In seinem Schlussplädoyer bezeichnet der Verteidiger Woflgang Buck Diederich offen als „Untertanen“, sich „abhängig von Umgebung und Gelegenheit“ verhält.
    Auf dem Harmonieball der Frau von Wulckow erhält Diederich eine Einladung zum Tee. Dieser kommt er gerne nach und verärgert sogleich von Wulckow, indem er ihm anbietet, statt des Säuglingsheims ein Kaiser-Wilhelm-Denkmal zu errichten und von ihm als Gegenleistung die Belieferung aller lokalen Zeitungen mit Papier verlangt. Zusätzlich bietet er von Wulckow an, sein eigenes Grundstück als einen Standort für das Denkmal zur Verfügung zu stellen. Daraufhin wirft ihn von Wulckow aus seinem Haus.
    Aufgrund des Gerüchtes, Guste Daimchen und Woflgang Buck seien Halbgeschwister löst dieser Verlobung auf und zieht nach Berlin. Diederich nutzt die Gelegenheit und heiratet Guste Daimchen. Am Hochzeitstag erhält er Besuch vom Premierleutnant Karnauke, der ihn zum Verkauf seines Grundstücks weit unter dem Verkaufswert zwingen will. Als Diederich schließlich zustimmt, erhält er von Karnauke während der Hochzeitsfeier den Kronenorden vierter Klasse überreicht.
    Während seiner Hochzeitsreise liest Diederich in der Zeitung, dass der Kaiser nach Italien reisen wolle. Daraufhin richtet er seine weitere Reise nach der Route des Kaisers aus und jubelt ihm auf allen Etappen zu. Der Kaiser löst den Reichstag auf und Diederich kehrt mit Guste nach Netzig zurück.
    Zurück in Netzig gründet er die „Partei des Kaisers“ und fasst die Papierfabrik Gausenfeld ins Auge.
    Diederich wird Vater einer Tochter und zwei Söhnen. Im Schlafzimmer unterwirft sich Diederich Guste und stellt fest, dass er es mag, von ihr im Rahmen eines sado-masochistischen Settings dominiert und erniedrigt zu werden.
    Schließlich kommt der Tag der Enthüllung des Kaiser-Wilhelm-Denkmals. Während der Einweihungsrede Diederichs beginnt es, in Strömen zu regnen und die Gesellschaft löst sich auf. Diederich sucht Schutz unter dem Rednerpult und bekommt von einem Schutzmann in seiner gebückten, knienden Haltung den Wilhelmsorden überreicht. Auf dem Nachhauseweg schaut Diederich bei dem alten Buck vorbei, der im Sterben liegt. Er traut sich nicht weiter als bis zum Türeingang und wird nur vom alten Buck gesehen, der daraufhin verstirbt.

  • Emmi Heßling

    Emmi Heßling ist die jüngere Schwester von Diederich Heßling und die ältere der beiden Schwestern. Sie wurde als Kind mit ihrer Schwester Magda von Diederich drangsaliert und bestraft. Als ihre Schwester Magda den Prokuristen Kienast heiratet, ist sie eifersüchtig, da sie als die ältere der beiden ein Anrecht auf die erste Verheiratung zu haben glaubt. Sie begrüßt Käthchen Zillichs freizügiges Verhalten gegenüber Männern. Nach Diederichs Hochzeit mit Guste muss sie mit ihrer Mutter in ein ehemaliges Dienstmädchenzimmer ziehen, was zu einem eisigen Verhältnis zwischen Emmi und Guste führt.
    Als sie sich nach ihrer unglücklichen Liebschaft mit Leutnant von Brietzen mit Chloroform umbringen will, sucht Diederich den Leutnant auf, um ihn vergeblich zur Rede zu stellen.
    Daraufhin umsorgt Diederich sie liebevoll, bringt sie in einem eigenen Apartment unter und teilt ihr ein großzügigeres monatliches Budget zu, was Magda missbilligt.

  • Frau Heßling

    Mutter Heßling ist in den Augen ihres Ehemannes eine „gefühlsselige“ Frau, die durch das Lesen von Romanen zum Lügen animiert wird. Vor ihrem Ehemann hat sie Angst und traut sich nicht, sich am Tisch satt zu essen, sodass sie später heimlich „nascht“. Anstatt die ihr von ihrem Mann aufgetragenen Arbeiten zu erledigen, „klatscht“ sie mit den Dienstmädchen und schafft so ihre Arbeit nicht. Sie prügelt ihren Sohn Diederich Heßling ebenfalls, jedoch oft zu Unrecht, was ihr dieser übelnimmt. Dennoch liebt sie ihn und so beten und musizieren sie zusammen, um Stimmung zu machen. Sie erzählt ihm gerne Märchen und bekräftigt seinen Glauben an den Weihnachtsmann und ein Burggespenst. Nach dem Tod ihres Mannes unterwirft sie sich ihrem Sohn, der das Familienregime übernimmt.
    Bei seinem Prozess gegen den Fabrikanten Lauer unterschlägt sie ihm aus Angst eine Vorladung.
    Nach Diederichs Hochzeit mit Guste Daimchen muss sie in ein ehemaliges Dienstmädchenzimmer ziehen.

  • Magda Heßling

    Magda Heßling ist die jüngere Schwester von Diederich Heßling und die jüngere der beiden Schwestern und hat als Kind sehr unter seinen Schikanen gelitten. Als Erwachsene muss sie sich von ihm aushalten lassen, indem er ihr ein monatliches Auskommen zuteilt, das aus dem Gewinn der Papierfabrik generiert wird. Sie findet Gefallen an dem Prokuristen Kienast, der wegen einer angeblich defekten Maschine in Diederichs Fabrik in Netzig verweilt. Diederich ist mehr als froh, dem Prokuristen seine Schwester zur Heirat zu übergeben, wenn dieser nur den viel zu teuren Holländer wieder mitnimmt. Kienast nimmt schließlich Magda zur Frau und den Holländer zurück.
    Magda und Kienast heiraten am selben Tag wie Guste und Diederich und bekommen einen Sohn.

  • Herr Heuteufel

    Herr Heuteufel ist als praktischer Arzt in Netzig tätig und gehört der gehobenen Gesellschaft an. Diederich fürchtet sich bereits als Kind vor dem Arzt, der ihm den Rachen pinselt. Als Diederich sich dienstuntauglich melden will, erhält er von Heuteufel keine Unterstützung, sondern den Rat, nicht zu „kneifen“. Heuteufel ist Mitglied der Freimaurerloge und steht in Konkurrenz zu seinem Schwager Pastor Zillich, da seine Reden mehr Gehör finden. Als Diederich versucht, seinen Brief wegen der Freistellung vom Militärdienst zurückzuholen, lenkt Heuteufel ihn ab, indem er ihn wegen seinem Gesundheitszustand Angst einjagt.
    Er tritt im Prozess gegen Lauer als Zeuge auf und wird von Jadassohn diskreditiert, da er regelmäßig das Bordell „Klein-Berlin“ aufgesucht haben soll. Dies bleibt jedoch ohne Wirkung, da er Jadassohn ebenfalls der Bordellbesuche bezichtigt. Im Nachgang bemüht sich Heuteufel um einen besseren Ruf in der Netziger Gesellschaft, indem er andere Liberale schlecht macht und das Gerücht weiter verbreitet, dass Wolfgang Buck mit seiner Halbschwester verlobt sein soll.
    Als Liberaler kandidiert er gegen den Sozialdemokraten Napoleon Fischer und den Konservativen Major Kunze. Er setzt sich für den Bau des Säuglingsheims ein und protestiert gegen den Bau eines Kaiser-Wilhelm-Denkmals. Bei der Reichtagswahl erhält er zwar die meisten Stimmen, verliert jedoch bei einer Stichwahl gegen Napoleon Fischer.

  • Gottlieb Hornung

    Gottlieb Hornung ist ein ehemaliger Schulkamerad von Diederich Heßling und arbeitet in der Löwenapotheke von Netzig. Während seines Studiums der Pharmazie in Berlin führt er Diederich bei den Neuteutonen ein. Nach seinem Studium findet er keine Anstellung in den Apotheken Netzigs, da er sich weigert, als studierter Apotheker Zahnbürsten und Schwämme zu verkaufen – unter anderem an Guste Daimchen. Im Verlauf sieht er sich dem Vorwurf ausgesetzt, perverse Briefe an die gute Gesellschaft in Netzig geschrieben zu haben und wird letztlich zu einem Aufenthalt in einer Nervenheilanstalt verurteilt.

  • Jadassohn

    Jadassohn ist als Assessor bei der Staatsanwaltschaft in Netzig tätig und will unbedingt Karriere machen. Er wird charakterisiert durch sehr große, rote, abstehende Ohren und sieht laut Diederich „stark jüdisch aus“.
    Als der Fabrikbesitzer Lauer sich von Diederich zu einer Majestätsbeleidigung provozieren lässt, nutzt Jadassohn die Gelegenheit und die Abwesenheit seines Vorgesetzten Feifer, um einen Prozess gegen Lauer anzuzetteln. Er verspricht sich hiervon einen Karriereschub. Mit Diederichs Aussage gelingt es ihm, den Prozess zu gewinnen.
    Durch antisemitische Bemerkungen erhofft er sich einen Platz in der guten Netziger Gesellschaft, unter anderem als Schauspieler in Frau von Wulckows Theaterstück. In diesem fällt er negativ auf durch seine Ohren und überzogenes Schauspiel, woraufhin er sich in Paris die Ohren anlegen lässt und letztlich doch noch den Posten des Staatsanwalts bekommt.

  • Karl

    Karl war ein Arbeiter in der Papierfabrik Heßlings. Diederich erwischt ihn und seine Braut in flagranti in einem Berg von Lumpen und entlässt ihn daraufhin. Karl wird kurze Zeit später von einem Wachsoldaten vor dem Regierungsgebäude Netzig erschossen, weil er den Wachposten gereizt haben soll.

  • Karnauke

    Premierleutnant a. D. Karnauke ist ein resoluter Käufer, der von Quitzin von von Wulckow zu Diederich geschickt wird, um sein Grundstück zu kaufen. Er bietet Diederich an seinem Hochzeitstag 120.000 Mark für sein Grundstück im Wert von 200.000 Mark an. Notgedrungen willigt Diederich ein und erhält auf der Hochzeitsfeier von Karnauke den Kronenorden vierter Klasse.

  • Friedrich Kienast

    Friedrich Kienast ist als Prokurist bei der Firma Büschli & Cie tätig, bei der Diederich eine Maschine für deine Papierfabrik bestellt hat. Da Diederich die Maschine nicht bezahlen kann, reklamiert er sie mit Hilfe seines Maschinenführers Napoleon Fischer, um sie zurückschicken zu können. Kienast durchschaut diesen Trick und gerade, als es auf einen Rechtsstreit hinausläuft, lernt er Diederichs Schwester Magda Heßling kennen. Sie gefällt ihm sehr und letztlich einigen sich die Herren Heßling und Kienast auf eine Hochzeit zwischen Kienast und Magda. Die beiden heiraten am selben Tag wie Diederich und Guste.
    Durch einen Streit um die Verteilung der Gewinne aus der Papierfabrik gehen Diederich und Kienast getrennte Wege.

  • Klüsing

    Klüsing ist durch seine Papierfabrik in Glausenfeld der härteste Konkurrent Diederichs und hat alle Aufträge in Netzig. Er ist mit dem alten Buck befreundet. Als Diederich den Regierungspräsidenten von Wulckow auf seiner Seite weiß, fühlt sich Klüsing unter Druck gesetzt und muss letztlich seine Papierfabrik an Diederich verkaufen. In einem Brief eröffnet er ihm, dass Cohn und Kühnemann versucht haben sollen, sein Grundstück für das Säuglingsheim zu kaufen.

  • Herr Kühlemann

    Der liberale Landgerichtsrat Kühlemann ist ein Freund des alten Buck und Richter am Netziger Gericht. Ginge es nach ihm, hätte er den Fabrikanten Lauer freigesprochen, doch er wurde überstimmt. Da er ein großes Vermögen zu vererben hat und keine Erben, schielen mehrere Personen in Netzig auf sein Vermögen und hoffen auf sein baldiges Ableben. Als der Bürgermeister Scheffelweis auf dem Harmonieball erzählt, dass Kühlemann die Stadt als Erben benannt hat, entbrennt sogleich ein Streit um die Verwendung des Vermögens. Diederich will ein Kaiser-Wilhelm-Denkmal errichten, Scheffelweis besteht auf einem Säuglingsheim und der Pastor Zillich träumt von einer neuen Kirche. Nach dem Tod von Kühlemann wird letztlich ein Kaiser-Wilhelm-Denkmal errichtet.

  • Herr Kühnchen

    Der Gymnasialprofessor Kühnchen ist ein Kriegsveteran und zeigt gerne jedem seinen steifen Finger, auf den ihm ein Franzose im Krieg gebissen hat. Im Prozess gegen Lauer tätigt er keine Aussage zu dessen Lasten, er gibt vor, geschlafen zu haben. Frau von Wulckows Theaterstück „die geheime Gräfin“ entlarvt er auf dem Harmonieball als ein Plagiat des Goethe-Stückes „Natürliche Tochter“, was er auch gleich der Presse (Redakteur Nothgroschen) berichtet. Auch er ist ein Opportunist, der für seine Unterstützung des nationalen Kandidates in Netzig für den neuen Reichstag einen Rektorenposten am Gymnasium fordert.

  • Major Kunze

    Das Vorstandsmitglied des Kriegervereins in Netzig war – wie auch Kühnchen – beim deutsch-französischen Krieg 1870/71 dabei. Seine politische Haltung ist schwankend und während des Prozesses gegen Lauer bezichtigt er Diederich des Denunziantentums. Als herauskommt, dass sich Major Kunze von Lauer 100 Mark geborgt hatte, erinnert er sich plötzlich doch an die Majestätsbeleidigung. Sein wankelmütiges Wesen zeigt sich wieder, als sich die Stimmung zu Diederichs Gunsten ändert und er in dieselbe Richtung einschlägt. Er nimmt Diederich danach sogar in den Kriegerverein auf, nachdem er ihn zuvor geächtet hatte. Auch er kandidiert als nationaler Kandidat für Netzig, verliert jedoch gegen Heuteufel und Fischer.

  • Karl Lauer

    Der Fabrikant Lauer ist ein liberaler Freimaurer und beteiligt seine Arbeiter am Gewinn seiner Firma. Er ist nach seinem Kriegseinsatz Mitglied im Kriegerverein. Nach der Erschießung des Arbeiters Karl auf offener Straße lässt er sich von Diederich in einer Kneipe zu einer Majestätsbeleidigung provozieren, deren Zeuge Jadassohn sofort einen Prozess gegen ihn anstrengt. Lauer wird letztlich zu sechs Monaten Haft verurteilt.

  • Mahlmann

    Mahlmann studiert Ingenieurwesen in Berlin und wohnt zur Untermiete bei den Göppels. Er wird als sehr groß und breit beschrieben. Diederich gegenüber verhält er sich einschüchternd und dominant. Er nimmt ihm Geld ab, ohrfeigt ihn und lacht ihn aus. Er macht ihn bei der Familie Göppel lächerlich, indem er behauptet, Diederich habe sein ganzes Geld „verlumpt“ und würde sich jetzt bei den Göppels satt essen wollen. Von Diederichs Geld kauft er Agnes Göppel geschenkt, wovon diese nichts weiß. Als Diederich für einen Wechsel von 100 Mark für Mahlmann bürgen muss, lässt Mahlmann diesen platzen, sodass Diederich bezahlen muss. Mahlmann schüchtert Diederich schließlich so sehr ein, dass er sich nicht mehr in das Göppelsche Haus traut. Mahlmann verbleibt in Berlin und eröffnet nach Beendigung seines Studiums ein Patentbüro. Diederich sucht ihn später dort auf, um sich sein Geld vom geplatzten Wechsel zurückzuholen, wird jedoch von Mahlmann lachend hinausgeworfen.

  • Nothgroschen

    Der Redakteur Nothgroschen ist bei der liberalen Netziger Zeitung tätig und mischt sich gerne unter die Netziger Gesellschaft, um nach Geschichten für seine Artikel zu recherchieren. Durch seine höfliche und unaufdringliche Art gelangt er mit Leichtigkeit an Stoff für seine Artikel – selbst im nationalen Lager. Im Prozess gegen Lauer sagt er gegen ihn aus.

  • Emil Pacholke

    Emil Pacholke ist als Wachsoldat vor dem Regierungsgebäude in Netzig tätig. Er fühlt sich durch den Arbeiter Karl provoziert und erschießt ihn auf offener Straße. Daraufhin bricht ein Tumult aus zwischen dem liberalen und nationalen Lager, das schließlich in der provozierten Majestätsbeleidigung seitens Lauers mündet.
    Pacholke wird sowohl vom Regierungspräsidenten von Wulckow als auch vom Kaiser für seine Tat belobigt und befördert.

  • Herr von Quitzin

    Herr von Quitzin besitzt ein Rittergut und ist Vetter des Regierungspräsidenten von Wulckow. Er und von Wulckow zwingen Diederich, sein Haus und Grundstück zu verkaufen.

  • Scheffelweis

    Doktor Scheffelweis ist der Bürgermeister von Netzig und ein sehr vorsichtiger, diplomatischer Politiker. Charakteristisch für ihn ist der Ausdruck „einerseits… andererseits“. Er versucht immer, beide Seiten zu betrachten und zerreibt sich häufig zwischen den Fronten. Dies wird satirisch dargestellt anhand seiner Frau und seiner Schwiegermutter, die beide buchstäblich von beiden Seiten an ihm zerren und ihn jeweils auf ihre Seite ziehen wollen.
    Er lässt sich von Jadasssohn und Diederich dazu bringen, zusammen eine kaisertreue Koalition in Netzig erschaffen zu wollen. Im Prozess gegen Lauer zeigt sich die zwiegespaltene Seite des Bürgermeisters, indem er einerseits dessen Verdienste an der Stadt rühmt, andererseits jedoch Zweifel an seiner Person aufkommen lässt.
    Wolfgang Buck und Guste Daimchen erzählen Diederich, dass der Bürgermeister ein Verhältnis mit seiner Schwiegermutter haben soll.

  • Sötbier

    Der Buchhalter Sötbier ist seit vielen Jahren für die Familie Heßling in der Papierfabrik tätig. Er ist zusammen mit Diederich Heßling der Vormund für Emmi und Magda Heßling. Nach dem Tod des Herrn Heßling und während des Studiums Diederich Heßlings in Berlin führt Sötbier die Geschäfte in der Papierfabrik und teilt den Familienmigliedern jeweils in entsprechendes Monatsbudget zu. Als Diederich die Papierfabrik offiziell übernimmt, gerät er mit Sötbier aneinander, da er sich bevormundet fühlt. Sötbier jedoch agiert mit Vorsicht und Augenmaß, was Diederich durch die Bestellung einer viel zu teuren Maschine für Papierfabrik untergräbt. Als Diederich gezwungen wird, sein Haus und Grundstück zu verkaufen, eskaliert die Lage zwischen ihm und Sötbier, woraufhin Diederich ihn dazu auffordert, seine Kündigung abzugeben. Sötbier unterstützt daraufhin Diederichs politische Konkurrenten, um sich zu rächen.

  • Herr Sprezius

    Der Landgerichtsdirektor Sprezius hat den Vorsitz im Prozess gegen den Fabrikanten Lauer. Er steht eindeutig auf der Seite der Anklage und untergräbt Wolfgang Bucks Verteidigung, wo er nur kann.

  • Herr Tietz

    Herr Tietz ist der Direktor der Netziger Zeitung. Nach dem Prozess gegen den Fabrikanten Lauer erhält Diederich den Auftrag, einen Teil des Papiers an die Zeitung liefern zu dürfen.

  • Wiebel

    Der Jurastudent Wiebel macht Diederich zu einem vollwertigen Mitglied bei den Neuteutonen und ist für ihn eine Respektsperson. Durch seine feine Kleidung und gute Manieren ist er für viele ein Vorbild. Seine Manierismen schaut sich Diederich ab und ahmt sie nach, um sich zumindest äußerlich den Respekt zu verschaffen, den Wiebel sich verschafft hatte. Als er sein Refendariat antritt, verlässt er die Neuteutonen und wird Assessor.
    Er ist mit Jadassohn befreundet.

  • Kaiser Wilhelm II.

    Die erste Begegnung Diederichs mit dem Kaiser findet während der Arbeiterproteste statt, die zweite in Rom, wo der Kaiser den Reichstag auflöst und Diederich kurz zulächelt. Im Buch ist der Kaiser jedoch in den Reden der Netziger und später als Denkmal allgegenwärtig.

  • Frieda von Wulckow

    Frieda von Wulckow ist die Ehefrau des Regierungspräsidenten Otto von Wulckow und fühlt sich dem Theater und den schönen Künsten verbunden.
    Sie inszeniert ein Theaterstück, das auf dem Netziger Harmonieball aufgeführt wird und auf ihre eigene Herkunft als geborene Gräfin Züsewitz anspielt. Laut Kühnchen soll es ein Plagiat von Goethes „Die natürliche Töchter“ sein, doch dies geht auf dem Harmonieball unter und wird von Frieda empört geleugnet.

  • Otto von Wulckow

    Vor dem Haus des Regierungspräsidenten wird der Arbeiter Karl erschossen. Von Wulckow lobt den Wachsoldaten, der den Arbeiter erschossen hat, für seine Tat. Beim Prozess gegen Lauer hat von Wulckow einen großen Auftritt mit Verspätung und verdreckten Jagdstiefeln.
    Diederich versucht, von Wulckow auf seine Seite zu ziehen und sich gegen das Säuglingsheim auszusprechen, was dieser empört zurückweist. Von Wulckow zwingt Diederich jedoch, sein Haus und sein Grundstück zu verkaufen.
    Er wird im Verlauf zum Oberpräsidenten ernannt.

  • Zillich

    Pastor Zillich gehört dem monarchistischen Lager an und war Korpsbruder von Assessor Jadassohn. Seinen Schwager Heuteufel verachtet er wegen seiner zu liberalen Einstellung und sieht sich in Konkurrenz zu ihm stehend, da Heutefeuls Reden z. B. über Darwinismus beim Publikum wesentlich besser ankommen.

  • Käthchen Zillich

    Käthchen Zillich ist die Tochter von Pastor Zillich und die beste Freundin von Emmi und Magda Heßling. Diederich und Jadassohn umwerben sie im Verlauf, doch sie will sich bei Diederich nicht in Konkurrenz mit Guste Daimchen stehen sehen. Als Diederich vor dem Prozess gegen Lauer jedoch angefeindet wird, hält sie zu ihm.
    Mit Jadassohn trifft sie sich heimlich im „Grünen Engel“, wo sie auch Diederich durch Zufall trifft. Durch ihre freizügige Art ermutigt sie Diederich, sie beim Harmonieball zu bedrängen, was sie belustigt zur Kenntnis nimmt. Dabei werden sie von Guste Daimchen überrascht und während der nachfolgenden Auseinandersetzung erzählt Kathchen Guste von dem Gerücht, nach dem sie mit ihrem eigenen Halbbruder verlobt sein soll. Später erwischt Diederich Kätchchen mit einem Schauspieler. Nach einem kurzen Ausflug nach Berlin kehrt Kätchchen nach Netzig zurück und arbeitet in einem Bordell, das sich in der ehemaligen Villa der Familie von Brietzen befindet. Dort sind die Männer der guten Netziger Gesellschaft Kunden sowie Diederich und Jadassohn.

Veröffentlicht am 15. September 2022. Zuletzt aktualisiert am 21. September 2022.