Der Untertan

Zusammenfassung und Analyse

Kapitel 1

Diederich Heßling wächst als kränkliches, ängstliches Kind in Netzig unter dem strengen Regime seines herrischen Vaters auf, der eine Papierfabrik betreibt. Obwohl der Vater öfters Gebrauch von seinem Rohrstock macht, liebt und verehrt ihn Diederich. Seine Mutter hingegen verachtet er, obwohl sie ihn mit Liebe überschüttet, da sie ihn vom Wesen her zu ähnlich ist und er sich selbst verachtet. 

Bereits in seinen jungen Jahren tritt er nach unten, indem er den Arbeitern in der Papierfabrik droht und seine Mutter bei seinem Vater verpetzt. Er ergötzt sich hierbei an der Angst, die den Schwächeren von ihm zugefügt wird, während er auf der anderen Seite ebenso die Unterwerfung vor der Macht seines Vaters genießt. 

Bereits früh lernt er, wer Respektspersonen sind, denen er sich unterwerfen musste – Lehrern, Polizisten, Institutionen wie der Kirche und dem Irrenhaus, Direktoren. Er lokalisiert aber auch Schwächere, wie seine beiden jüngeren Schwestern Emmi und Magda, die er im Rahmen eines Schulsettings drangsaliert.

Er lernt in der Schule auch den Rausch der Masse kennen, die ihm Beifall spendet. Er lässt den einzigen Juden in der Klasse vor einem selbstgebastelten Kreuz niederknien und erhält dafür die Anerkennung seiner Mitschüler und sogar Lehrer. Für die Lehrer darf er seine Mitschüler bespitzeln und damit seinem Verlangen nach Macht nachgehen, aber auch der Lust an Unterwerfung gegenüber den Lehrern. 

Nach seinem Gymnasialabschluss geht Diederich auf Wunsch seines Vaters nach Berlin, um Chemie zu studieren. Anfangs ist er einsam und hat Heimweh, doch nach einem Zusammentreffen mit Herrn Göppel, einem Lieferanten des Vaters, wird er in dessen Familie als regelmäßiger Besucher integriert. Dort lernt er dessen Tochter Agnes kennen und umwirbt sie. Einerseits gefällt sie ihm, andererseits ärgert ihn, dass sie so „weich“ ist – eine Eigenschaft, die er an sich selbst verachtet. 

Er wird von einem Untermieter Göppels drangsaliert – dem Mecklenburger Mahlmann. Dieser nimmt Diederich sein Geld ab, bedroht und ohrfeigt ihn und erhebt Anspruch auf Agnes bis zum Ende des Semesters. Danach könne Diederich sie haben. Diederich geht daraufhin ängstlich auf Abstand zu Agnes, die dies nicht versteht. Er fürchtet sich so sehr vor Mahlmann, dass er sogar die Universität wechseln und Berlin verlassen will, doch sein Vater durchkreuzt seine Pläne. So verbleibt Diederich in Berlin.

In einer Löwenapotheke trifft er auf seinen ehemaligen Schulkameraden Gottlieb Hornung, der ihn in die angesehene Studentenverbindung „Die Neuteutonen“ einführt. Diederich wird zum Konkneipanten gekürt und zum ersten Mal fühlt er sich als Teil eines großen Ganzen, akzeptiert und geachtet. Er erfährt Stärke durch Gemeinschaft, denn in der Gemeinschaft kann ihm keiner etwas anhaben. Er lernt zu fechten und trägt die ihm zugefügten Narben mit Stolz. Der Jurist Wiebel wird zu Diederichs großem Vorbild – von seiner Kleidung über seine Manieren bis hin zur Aussprache von bestimmten Lauten – Diederich bewundert ihn und eifert ihm nach. Als er Wiebels persönlicher Leibfuchs wird, ist er überglücklich, seinem Vorbild dienen zu dürfen. Doch das heitere Verbindungsleben bekommt nicht jedem und so verstirbt Diederichs lebenslustiger Verbindungsbruder Delitzsch plötzlich an einem Herzinfarkt, was ihn sehr betrübt. 

Nachdem Wiebel die Verbindung verlässt, um sein Referendariat zu beginnen, übernimmt Diederich seine Stellung und darf seine Macht an jungen Füchsen ausleben, was er sehr genießt. Er lernt die Wirkung einer Uniform kennen, die ihm auch äußerlich Macht verleiht – auch außerhalb der Studentenverbindung. 

Am Ende des Semesters stehen Diederich und Hornung verschuldet da und aus Verzweiflung sucht Diederich Mahlmann auf, um alte Schulden einzufordern. Mahlmann lacht ihn aus und wirft ihn aus seinem Büro. Zu Hause erreicht ihn die Nachricht vom bevorstehenden Tod seines Vaters und so macht er sich auf den Weg nach Netzig, um in den letzten Augenblicken bei ihm zu sein. Trotz der Strenge des Vaters während seiner Kindheit trifft sein Tod Diederich sehr. Während der Kondolenzbesuche sieht er sich als einen Vertreter der „Neuteutonia“ und tritt entsprechend formsicher auf, was ihm Bewunderung einbringt. Der alte Buck rät ihm, im Sinne des Gemeinwohls zu handeln und Achtung vor den Rechten seiner Mitmenschen zu haben. Diederich stimmt ihm eingeschüchtert zu. 

Durch das Testament des Vaters werden Diederich und der Buchhalter Sötbier zum Vormund seiner beiden Schwestern bestimmt. Zudem ist er darüber entrüstet, wie wenig die Papierfabrik des Vaters jährlich einbringt. Er will sich später darum kümmern, denn zunächst muss er seinen Militärdienst ableisten. Nachdem er sich gebührend von den Neuteutonen verabschiedet hat, tritt er vor den Stabsarzt, der ihn für diensttauglich befindet. 

Obwohl er nach außen hin froh darüber zu sein scheint, angenommen worden zu sein, schreibt er seinem alten Hausarzt Dr. Heuteuffel und bittet ihn um eine Bescheinigung, die ihn als dienstuntauglich einstuft. Der Arzt lehnt dies ab und so tritt Diederich seinen Dienst an. 

Die sportlichen Betätigungen belasten ihn so sehr, dass er ein Hinken simuliert, um einem Fußmarsch zu entgehen. Er wendet sich schließlich an einen Alten Herrn der Neuteutonen, der Arzt in der Musterungskommission ist. Dieser erstellt ihm ein Gutachten, das ihn vom Militärdienst wegen seines Fußleidens befreit. Nach außen hin schweren Herzens, innerlich jedoch erleichtert lässt sich Diederich ausmustern. 

Er kehrt zu den Neuteutonen zurück und bedauert lautstark, dass er zu gern dabeigeblieben wäre, wäre da nicht sein Fußleiden. Im Verlauf erhält Diederich eine private Vorlesung, ein sog. Privatissimum von Herrn von Barnim. Dieser klärt Diederich darüber auf, dass er eine ständische Volksvertretung wie im Mittelalter wünsche, die Juden ausgenommen. Diederich stimmt ihm zu, doch vor Wiebel wechselt er seine Meinung hin zur Durchsetzung von Macht notfalls mit Gewalt. 

Im Februar 1892 wird Diederich Zeuge einer Arbeitslosendemonstration vor dem Schloss und trifft zum ersten Mal den Kaiser Wilhelm II., der sich auf seinem Pferd den Demonstrierenden entgegenstellt. Er ist überwältigt vor dem Anblick des Kaisers und fällt beim Jubeln in eine Pfütze. Dies amüsiert den Kaiser sehr und er reitet davon, Diederich in der Pfütze zurücklassend. 

 

Analyse

Sozialisierung – Macht und Machtlosigkeit

 

Das erste Kapitel behandelt die Sozialisation Diederichs zu dem Untertanen, der er sein Leben lang sein wird. 

Diederich lernt als „weiches Kind“ (1) bereits früh, sich der Macht unterzuordnen. In seiner Kindheit ist die oberste Instanz – neben Gott, dem „schrecklichen lieben Gott“ (2) – der allmächtige Vater, der wie Gott alles weiß und alles sieht und wenn er es nicht sieht, dann hilft Diederich nach, indem er ihm seine Schandtaten gesteht. Er verehrt und fürchtet seinen Vater und behält diese Dualität der sich widersprechenden Emotionen bis zum Ende des Buches bei. Der Vater ist für Diederich „fürchterlicher als Gnom oder Kröte” und doch „sollte man ihn lieben“ (1). Selbst vor den Arbeitern gibt er damit an, der Prügel seines Vaters wert zu sein und erhebt sich damit zum ersten Mal über jemanden, der hierarchisch noch unter ihm steht. 

Seiner Mutter bringt er keine Achtung entgegen, denn „ihre Ähnlichkeit mit ihm selbst verbot es ihm.“ (3) Auch dieses mangelnde Selbstwertgefühl als Individuum begleitet Diederich ein Leben lang, sodass er sich nur in einer gleichgesinnten Masse wohlfühlen kann.

Dies bestätigt sich in der Schule, denn nachdem er erst unter der „kalten Macht“ (4) leidet, findet er den Trost in der Masse, die ihm zujubelt, als er einen jüdischen Schüler drangsaliert: „Wie wohl man sich fühlte bei geteilter Verantwortlichkeit und einem Schuldbewußtsein, das kollektiv war!“ (7). Er genießt zum ersten Mal selbst Macht über einen noch Schwächeren, indem er den wehrlosen Schüler demütigt. Er bewundert die Lehrer als Machtinhaber und die „kalte Macht“ (4), an der selbst, „wenn auch nur leidend, teilhatte“ (4). In der Schule lernt Diederich auch zum ersten Mal, die Macht über ihm für seine Zwecke zu nutzen, indem er seine Mitschüler denunziert. Auch seine Schwestern drangsaliert Diederich, indem er sie absichtlich Fehler in ihre Diktate einbauen lässt, damit er sie bestrafen kann. Auf diese Weise wird er vom Macht-Erleidenden zum Macht-Ausübenden.

In einem hierarchisch strukturierten Kollektiv aufzugehen ist für ihn seitdem das Höchste, wonach er ständig strebt. So auch während seines Studiums bei den Neuteutonen, denn „alles ward laut kommandiert, und wenn man es richtig befolgte, lebte man mit sich und der Welt im Reinen“ (22) und in der Gemeinschaft geht er auf, denn „ihn herausreißen, ihm einzeln etwas anhaben, das konnte keiner!“ (23).

Auch sein Verhältnis zu Frauen zieht sich von seiner Kindheit bis in seine Jugendjahre, denn Agnes Göppel, die ihm gefällt, findet er „widerlich weich“ (11), eine Eigenschaft, die er seit seiner Kindheit an sich selbst verachtet und somit auch bei anderen. Er findet ihre „Koketterie“ (11) und „Sentimentalität“ (12) „albern“ (12).

Beim Militär wird das Aufgehen im Kollektiv wieder Thema bei Diederich, denn er genießt „Das Aufgehen im großen Ganzen!“, lässt sich aber - als innerlich immer noch „weiches Kind“ - wegen eines erfundenen Fußleidens ausmustern. 

Den Höhepunkt seines bisherigen Lebens bildet die Begegnung mit dem Kaiser während der Arbeitslosenproteste in Berlin. Er trifft auf sein Idol und „ein Rausch, höher und herrlicher als der, den das Bier vermittelt, hob ihn auf die Fußspitzen, trug ihn durch die Luft“ (53). Auch sein Bedürfnis nach Unterwerfung wird deutlich in dem Satz: „Die Macht, die über uns hingeht und deren Hufe wir küssen!“ (53). Damit ist die Sozialisierung von Diederich Heßling zum perfekten Untertanen des Königs vollzogen.

 

Kapitel 2

Nach seiner Begegnung mit dem Kaiser trifft Diederich auf Agnes, die er zuletzt vor drei Jahren gesehen hat. Er erzählt ihr von seiner Begegnung mit dem Kaiser, wobei er seinen Fall in die Pfütze verschweigt und von seinem Militärdienst. Da wegen der Demonstration alle Straßen abgesperrt sind und keine Busse fahren, nimmt Diederich Agnes mit in sein Apartment. Dort gesteht Agnes Diederich, dass sie damals schon Gefühle für ihn hatte und sie geben sich einander hin. Agnes lädt ihn zu Sonntag zu den Göppels ein. Beflügelt von der Liebe zu Agnes ist Diederich gegenüber Arbeitslosen und Juden milde gestimmt und erkennt sie nicht als Feinde, sondern als Menschen. 

Bei den Göppels tritt er formvollendet auf und macht viel Eindruck auf die Familie. Es entsteht eine feste Liebschaft mit Agnes, die Diederich sehr glücklich macht. Erste Gewitterwolken ziehen jedoch auf, als Agnes zu viel von Diederichs Zeit beansprucht und ihm eine Karriere ausreden will. Er lässt sie absichtlich in seinem Apartment warten, während er an politischen Versammlungen teilnimmt. Als er eines Abends verspätet nach Hause kommt, trifft er vor seiner Tür Wolfgang Buck, den Sohn des alten Buck. Als er ihn mit in sein Apartment nimmt, muss Agnes sich verstecken und warten, bis Wolfgang Buck gegangen ist. Dieser erzählt Diederich, dass er sich nicht entscheiden könne, ob er General oder Arbeiterführer werden wolle, er sei unentschlossen - was Diederich missbilligt. Er überlegt, einen Streit anzuzetteln, verwirft diesen Gedanken jedoch angesichts der Uniform von Wolfgang Buck und der sich versteckenden Agnes. Diederich tut ihn als Schöngeist ab und fühlt sich gedemütigt durch Wolfgang Bucks Manieren, Eloquenz und seiner Freundschaft mit Offizieren. Als Wolfgang Buck schließlich geht, befreit Diederich die aufgelöste Agnes aus der Kammer und versichert ihr seine Liebe – trotz seiner abweisenden Art in letzter Zeit. Zudem weiß er durch den Buchhalter Sötbier, dass es mit Göppels Geschäften bergab geht, und er fühlt sich von Agnes und ihrem Vater zur Heirat gedrängt. Als er seine Doktorarbeit abgibt, ist er wieder guter Dinge und fährt mit Agnes aufs Land. Dort verbringen sie schöne Tage und gestehen sich immer wieder ihre Liebe zueinander. Zurück in Berlin geht Diederich jedoch wieder auf Abstand zu Agnes und fühlt sich von ihr an der Nase herumgeführt. Er verbringt nun seine Zeit bei den Neuteutonen, mit Lernen und kehrt erst spät nach Hause zurück, um Agnes nicht zu begegnen. Nach vierzehn Tagen schreibt sie ihm einen Brief, in dem sie ihm gesteht, wie unglücklich sie ist. Diederich wirft den Brief voller Verachtung in eine Schublade und zieht weiter nach Norden um, um Agnes zu meiden. 

Eines Abends wartet Herr Göppel auf ihn, um ihn wegen Agnes zu sprechen, der es nicht gut geht. Er lädt Diederich zu Sonntag zu sich nach Hause ein, doch Diederich schlägt die Einladung aus. Schließlich kommt Herr Göppel auf den Punkt und drängt Diederich zur Heirat mit Agnes, auch aus geschäftlichen Gründen. Das macht Diederich wütend und er fordert Herrn Göppel zum Duell auf, was dieser ausschlägt. Schließlich weist Diederich Herrn Göppel darauf hin, dass Agnes nicht unberührt in die Ehe gehen würde, was gegen seine Ehre wäre. Herr Göppel zieht unverrichteter Dinge von dannen. 

Diederich fühlt sich nun durch die Studentenverbindung, den kurzen Militärdienst und seinen Patriotismus gewachsen und „tauglich“ und so lässt er sich auch äußerlich den Offizieren und Adeligen angleichen, indem er seinen Schnurrbart in spitzen Winkeln Richtung Augen binden lässt. 

 

Analyse

 

In diesem Kapitel geht es hauptsächlich um die Liebesbeziehung zu Agnes, die er nach drei Jahren wiedertrifft. Er kann mit ihrer Liebe nicht umgehen, denn eine Beziehung auf Augenhöhe hat er nie kennengelernt. Da er Menschen nur nach dem Prinzip „über mir“ oder „unter mir“ einteilt, erscheint ihm Agnes nach ihrem Liebesgeständnis an ihn „verkleinert und sehr in ihrem Wert gesunken, seit er den Beweis hatte, dass sie ihn liebte“ (59). Auch sein mangelndes Selbstwertgefühl als Individuum kommt zum Vorschein, als Agnes zu ihm sagt: „Ich hab‘ nur dich!“ und Diederich antwortet: „Dann hast du nicht viel“ (59).

Und während Agnes eine partnerschaftliche Beziehung anstrebt, erlebt Diederich die Beziehung zu Agnes als Machtkampf, bei dem er unbedingt gewinnen will. Zum Schluss fühlt er nur noch „Spott“ für sie übrig, denn „eine Geliebte, die ihn an seiner Karriere hindern wollte, könne er überhaupt nicht brauchen“ (68).

Als ihr Vater, der alte Göppel, ihn besucht, hat er auch für ihn nur Verachtung übrig. Er präsentiert sich dem Vater gegenüber als moralisch überlegen, indem er die Reinheit von Agnes anspricht: „…mein moralisches Empfinden verbietet es mir, ein Mädchen zu heiraten, das mir ihre Reinheit nicht mit in die Ehe bringt!“ (87). Dass dies nur seiner Doppelmoral geschuldet ist, stellt sich später bei seiner Beziehung mit Guste heraus, die er problemlos heiraten konnte. Hier präsentiert sich auch zum ersten Mal der opportunistische Aspekt in Diederichs Charakter, denn ihm ist die Mitgift von Agnes zu wenig, da es mit „Göppels Geschäft bergab ging“ (73).

In der Figur des Wolfgang Buck erhält Diederich einen Gegenpart, dem Ränge, Militär und Macht nichts bedeuten, sondern nur Manieren und Charakter. Damit fordert er Diederichs Weltbild einer hierarchischen Weltordnung heraus, denn „auf Niveau kommt es an, nicht auf Auszeichnung, und am allerwenigsten auf große Männer“ (70), woraufhin Diederich ihn einerseits als „Alkoholiker“ (71) degradiert, andererseits jedoch seine Uniform bewundert. Auf diese Weise wird auf diesen Seiten der Kern für die weitere Rivalität, aber auch Freundschaft der beiden gesät. 

Diederich passt sich nun auch optisch der höchsten Macht – dem Kaiser – an, indem er sich seinen Schnurrbart genauso frisieren lässt. Damit ist auch optisch seine Verwandlung in einen kaisertreuen Untertanen vollzogen. 

 

Kapitel 3

Um den Göppels aus dem Weg zu gehen, reist Diederich nach Netzig. Im Zug nach Netzig trifft er auf Guste Daimchen, die ihm sehr gefällt. Sie erzählt ihm von ihrer Verlobung mit Wolfgang Buck, was Diederich sogleich entmutigt. Er wird von seinen beiden Schwestern Emmi und Magda abgeholt, die ihm erzählen, dass Guste geerbt habe und Millionärin sei. Dies imponiert Diederich. Zu Hause wird er von seiner Mutter als das neue Familienoberhaupt begrüßt und füllt diese Rolle auch gleich aus, indem er in der Papierfabrik hart durchgreift. Der Maschinenmeister Napoleon Fischer erregt seinen Unmut, da er sich als Sozialdemokrat entpuppt und Diederich keine Sozialdemokraten in seiner Papierfabrik dulden will.

Er gerät mit dem Buchhalter Sötbier aneinander, da er neue Maschinen kaufen und seine Konkurrenten unterbieten will. Doch Sötbier informiert ihn, dass dafür kein Geld da ist, wovon Diederich nichts hören will. Beim Untersuchen der Heizungsrohe entdeckt er hinter einem Haufen Säcke den Arbeiter Karl mit seiner jungen Braut. Er wirft beide hinaus. Als er auch Napoleon Fischer hinauswerfen will, weist Sötbier ihn darauf hin, dass dieser in einer Gewerkschaft organisiert ist und deshalb nicht entlassen werden kann. Diederich nimmt es missbilligend hin. 

Danach stattet er den wichtigsten Personen in Netzig einen Besuch ab. Auf dem Weg zum Bürgermeister biegt er zum Haus des alten Buck ab, der nach der Revolution 1884 zum Tode verurteilt wurde. Der alte Buck empfängt Diederich herzlich und rührt ihn mit seiner Warmherzigkeit. Er sagt Diederich voraus, dass dieser zum Stadtverordneten gewählt werden wird und schließlich im Magistrat sitzen wird. Diederich beteuert, dass er durchaus liberal ist, um dem alten Buck zu gefallen, dem Liberalismus sehr wichtig ist. Der alte Buck versichert ihm, ihm beim Ausbau seiner Papierfabrik die städtische Baupolizei vom Hals zu halten, wofür Diederich sich überschwänglich bedankt. Beim Abschied versichert er dem alten Buck erneut, dass er ein durchaus liberaler Mann sei. Der alte Buck warnt ihn noch vor dem Regierungspräsidenten von Wulckow und entlässt Diederich mit seinem Gedichtband „Sturmglocken“. 

Wieder auf der Straße fühlt sich Diederich vom alten Buck überrumpelt und in eine Falle gelockt. Auf dem Weg zum Bürgermeister Dr. Scheffelweis beschließt er, abzuwarten, bis er mehr Macht als der alte Buck hat. 

Der Bürgermeister bemerkt anerkennend die Schmisse in Diederichs Gesicht und stellt ihm seinen Gast vor, den Assessor Jadassohn von der Staatsanwaltschaft. Bei diesem fallen Diederich sofort seine großen, roten, abstehenden Ohren auf. Als Jadassohn über den alten Buck herzieht, bemüht sich Scheffelweis um Neutralität und Objektivität, was Jadassohn abschmettert. Er bezeichnet den alten Buck und seinen Genossen, den Reichstagsabgeordneten Kühlemann, als Umstürzler. Diederich – noch unter dem Einfluss des alten Buck stehend – bezeichnet sich wieder als einen durchaus liberalen Mann, doch auch hier unterbricht ihn Jadassohn leidenschaftlich. Während Jadassohns Plädoyer für Regierungstreue ändert Diederich jedoch seine Meinung und ruft aus, dass die Vorfrucht der Sozialdemokratie Liberalismus ist. Er hält wiederum ein Plädoyer gegen den Sozialismus und missbilligt dabei, dass der Schwiegersohn des alten Buck, der Fabrikant Lauer, seine Arbeiter an den Fabrikerlösen beteiligt. 

Die drei einigen sich darauf, in anderthalb Jahren bei den Neuwahlen zum Reichstag für Umschwung zu sorgen und sich in das engere Wahlkomitee zu platzieren. Wegen der Angst, sich zu weit aus dem Fenster gelehnt zu haben, zieht Diederich den Bürgermeister zur Seite und versichert ihm nochmals, dass er ein durchaus liberaler Mann ist. Der Bürgermeister versichert ihm dasselbe. Jadassohn und Diederich tauschen in einem Ratskeller alte Geschichten über gemeinsame Bekannte aus und Jadassohn würdigt den Kaiser in den höchsten Tönen. Beflügelt von Jadassohns Patriotismus wettert Diederich gegen den alten Buck und behauptet gar, er hätte Majestätsbeleidigungen begangen. 

Sie besuchen den Pastor Zillich, der zu den leitenden Personen im Kriegerverein gehört. Dort sprechen sie über Pastor Zillichs Schwager Heuteuffel, der in seiner Freizeit freigeistige Vorträge hält und damit beliebter bei den Bürgern Netzigs ist als Pastor Zillich. Diederich hat währenddessen ein Auge auf Pastor Zillichs Tochter Käthchen geworfen und versucht, sich ihr zu nähern. Auf dem Weg zur Kneipe begegnen sie Guste Daimchen und Jadassohn verspricht Diederich, die genaue Summe ihrer Erbschaft herauszufinden. 

In der Kneipe geht es bei den drei Herren feuchtfröhlich zu, als plötzlich ein Schuss fällt. Sie rennen hinaus und finden einen toten Mann vor dem Regierungsgebäude vor sowie den Wachsoldaten, der ihn erschossen hat. Der Tote ist der Arbeiter Karl, den Diederich entlassen hat und der den Wachsoldaten provoziert haben soll.

Der Regierungspräsident von Wulckow gibt sich die Ehre und lobt den Soldaten für seine Pflichtergebenheit. Er verspricht dem Soldaten, dass der Kaiser ihn für seine Tapferkeit belohnen wird. Der inzwischen eingetroffene Dr. Heuteuffel bestätigt den Tod des Arbeiters und stellt sich vor die Braut des Arbeiters Karl, die Jadassohn abführen lassen will. Der ebenfalls anwesende Fabrikant Lauer steht ihm dabei zur Seite. Ihnen gegenüber stehen Diederich, Zillich und Jadassohn, die jedoch passen müssen, als die Braut mit dem Toten im Sanitätswagen davonfährt. Auf Diederich macht der Vorfall großen Eindruck, denn dass jemand einfach so, ohne ein Urteil zu fällen, auf offener Straße erschossen werden kann, ist für ihn der Inbegriff der kaiserlichen Macht. 

Zurück in der Kneipe bilden sich weiterhin zwei sich gegenüberstehende Lager – auf der einen Seite Jadassohn, Pastor Zillich, Diederich und auf der anderen Seite Heuteuffel, der Warenhausbesitzer Cohn und der Fabrikant Lauer. Diederich provoziert den Fabrikanten Lauer derart, dass dieser sich zu einer Majestätsbeleidigung hinreißen lässt. Er berichtet Jadassohn davon, der sich Notizen macht. Zu ihnen gesellen sich Major Kunze und Gymnasialprofessor Kühnchen, die zu der allgemeinen pro-kaiserlichen Stimmung beitragen. Sie nötigen den anwesenden Redakteur der „Netziger Zeitung“, Herrn Nothgroschen, ein angebliches Telegramm des Kaisers zu veröffentlichen, in dem der Wachsoldat, der den Arbeiter Karl erschossen hatte, belobigt und befördert wird. Der Redakteur bestätigt Diederich, wieviel Ähnlichkeit er mit dem Kaiser hat. 

 

Analyse

 

Mit Guste Daimchen betritt eine Dame Diederichs Leben, die im krassen Gegensatz zu Agnes und seiner Mutter steht: „Er verglich ihre Art, sich zu wehren, mit Agnes‘ Hilflosigkeit, und er sagte sich: ‚So eine könnte man getrost heiraten‘“ (91). Als er zusätzlich noch von ihrer Erbschaft erfährt, ist er „erschrocken vor Hochachtung“ (92).

In seiner Firma, einem Mikrokosmos des Obrigkeits- und Untertanenstaats, greift er hart durch und macht sogleich seine politische Gesinnung deutlich: „Denn für mich ist jeder Sozialdemokrat gleichbedeutend mit Feind meines Betriebes und Vaterlandsfeind…“ (94). Alle, die sich ihm entgegenstellen, „zerschmettere“ (94) er, denn „einer ist hier der Herr, und das bin ich“ (94). Sein erstes Hindernis stellt sich ihm in Form des Sozialdemokraten Napoleon Fischer in den Weg, der gewerkschaftlich organisiert ist und damit zu Diederichs Leidwesen nicht so leicht „zerschmettert“ werden kann. Und da Status für Diederich oberste Priorität hat, weist er den Buchhalter Sötbier auch gleich daraufhin, dass er „…für Sie der Herr Doktor!“ (97) ist. 

Mit dem alten Buck, seinem Bruder, dem Fabrikbesitzer Lauer, Dr. Heuteuffel und dem Warenhausbesitzer Cohn betritt das liberale Lager in Netzig die Bühne. Auf der konservativen, kaisertreuen Seite stehen Assessor Jadassohn, Major Kunze, Lehrer Kühnchen, Pastor Zillich und der Regierungspräsident von Wulckow. Die stärkste Partei sind jedoch die Sozialdemokraten, die durch Diederichs Maschinenmeister Napoleon Fischer repräsentiert werden. 

Diederich bewegt sich nun in die Richtung, die ihm wirtschaftlich, politisch und persönlich am meisten nützt und bezeichnet sich z. B. beim alten Buck sogar als „…durchaus liberaler Mann!“ (107), da er Hochachtung vor ihm empfindet. Dies relativiert er nach dem Besuch jedoch sofort wieder und fragt sich, ob er „ewig so weich bleiben“ (108) wird. Beim Bürgermeister Scheffelweis bezeichnet er sich zwar immer noch als „durchaus liberaler Mann“ (111), relativiert dies jedoch mit „…aber das muss ich sagen“ (111), denn mit Assessor Jadassohn hat er einen konservativen Machtinhaber vor sich und tendiert nun in diese Richtung. 

Diederich ändert im Laufe des Gesprächs mit dem Bürgermeister und Jadassohn seine politische Richtung von liberal zu konservativ und erklärt fest „daß ich in allem fest zu seiner Majestät stehe“ (112). Als der Bürgermeister jedoch verkündet, dass er vor allem das Interesse der Stadt im Blick habe, die in liberaler Hand ist, versichert Diederich ihm, „…daß ich ein durchaus liberaler Mann bin!“ (115). 

In der Figur von Scheffelweis wird Diederichs Tendenz zur stärksten Macht personifiziert, denn seine Sätze beginnen meist mit „einerseits“ und „andererseits“ (111), denn auch er ist stets mit der stärksten Macht. 

In diesem Kapitel findet die Majestätsbeleidigung statt, die Diederich provoziert hat. Das nationale Lager schart sich um Diederich und gibt dem Redakteur Nothgroschen ein Glückwunschtelegram in Auftrag. Diederich übergibt ein weiteres Telegramm an Nothgroschen und behauptet, es käme vom Kaiser selbst. Die Identifikation mit dem Kaiser ist damit abgeschlossen.

 

Kapitel 4

Diederich gerät in einen Streit mit seinen Schwestern, die ihr monatliches Toilettengeld von ihm nicht bekommen, da die Rechnung vom Ratskeller so hoch ist. Schließlich schreibt er einen Brief an die Firma Büschli & Co., um eine neue Maschine für die Papierfabrik, einen sog. Holländer, zu bestellen. Sötbier rät ihm davon ab, doch Diederich ist fest entschlossen.  In seiner Verzweiflung holt Sötbier den Maschinenmeister Napoleon Fischer dazu, der bestätigen soll, dass die jetzige Maschine hervorragend ihren Dienst tut. Doch auch hiervon lässt sich Diederich nicht beeindrucken und bestellt den Holländer. 

Anschließend geht er zu Dr. Heuteuffel, um seinen Brief, den er ihm während seiner Militärzeit geschrieben hatte, zurückzufordern. Schließlich könne dieser Brief ihn als Feigling und Drückeberger entlarven und dies kann Diederich nicht zulassen. Heuteuffel jedoch lenkt Diederich ab, indem er Untersuchungen an ihm durchführt und vermeintliche Leiden entdeckt. Vor der Arztpraxis stößt er auf Jadassohn, mit dem er in eine Kneipe geht. 

Jadassohn berichtet Diederich von seinem Plan, Anklage gegen Lauer wegen Majestätsbeleidigung zu erheben. Diederich ist unsicher, doch Jadassohn ist fest entschlossen, auch, weil es seiner Karriere guttun würde. Er versichert Diederich, dass sämtliche zu dem Zeitpunkt Anwesenden seine Aussage bestätigen würden, doch dieser ist weiterhin unsicher und möchte keinen „anständigen“ Menschen wie Lauer ins Gefängnis bringen. Sie verabschieden sich recht kühl und gehen auseinander.

Als Diederich am nächsten Tag die Bestätigung seines Telegramms durch den Kaiser in dem Berliner „Lokalanzeiger“ liest, gibt ihm das wieder die Bestätigung, dass er rein im Sinne des Kaisers handelt und sogar seine Worte vorausahnen kann. Mit diesem neu gewonnen Schwung stattet er Guste Daimchen einen Besuch ab und trifft dort auf ihre Mutter, die Frau Oberinspektor Daimchen. Guste eröffnet Diederich, dass sie überlegt, mit ihrem Verlobten Wolfgang Buck nach Berlin zu ziehen. Nach seinem bestandenen Staatsexamen könne er dort Karriere machen. Ihre Mutter und Diederich sind dagegen, doch Guste schmettert ihre Bedenken ab. Diederich versucht, Guste Wolfgang Buck auszureden, doch sie hat nur Verachtung für ihn übrig. Diederich findet Guste plötzlich doch nicht passend für ihn, zudem Jadasson herausgefunden hatte, dass sie nur fünfzigtausend Mark geerbt hat anstatt einer Million. Er konzentriert sich fortan auf Käthchen Zillich, besonders da sie die einzige ist, die angesichts des Prozesses gegen Lauer auf seiner Seite steht. 

 

Vor dem Prozess wird Diederich von allen gemieden, auch in der Kneipe sitzt er inzwischen allein am Tisch. Als der Major Kunze widerwillig zu ihm stößt, spricht Diederich ihn auf seine anstehende Mitgliedschaft im Kriegerverein an. Major Kunze lehnt dies entrüstet ab und zweifelt sogar seinen Militärdienst an. Kaum verlässt er Diederichs Tisch, kommt der Landgerichtsrat Fritzsche dazu, der Diederichs Aussage, die zur Anklage gegen Lauer geführt hat, ebenfalls missbilligt – zudem ist er mit der Familie Lauer eng befreundet. Beide sind sich darüber einig, dass er in seinem „jüdischen Radikalismus“ über die Stränge schlägt. Die Zeitungen sind ebenfalls auf der Seite des Fabrikanten Lauer, was Diederichs Ansehen in Netzig nicht gerade zugutekommt. Sie berichten zudem über Lauers Großzügigkeit gegenüber seinen Arbeitern, die er am Gewinn seiner Fabrik beteiligt. Auch Diederichs Geschäfte leiden, denn die Aufträge bleiben aus, sodass er ein Drittel seiner Belegschaft entlassen muss und die Anzahlung für den neuen Holländer nicht leisten kann. Seine Schwestern und seine Mutter bekommen die Kälte der guten Netziger Gesellschaft ebenfalls zu spüren und machen Diederich dafür verantwortlich. 

Um wenigstens das Problem des zu teuren Holländers zu lösen, versucht Diederich, diesen noch vor der Ankunft zu reklamieren. Es gelingt ihm, den Maschinenmeister Napoleon Fischer für seine Zwecke zu gewinnen, indem er ihm die Überstunden bezahlen will. Der Maschinenmeister bestätigt sehr gerne, dass der Holländer nichts tauge und ist bereit, dies der Firma Büschli & Cie. zu bestätigen. Die Firma jedoch weigert sich, den tadellosen Holländer zurückzunehmen, woraufhin Diederich mit einer Klage droht. Die Firma antwortet, indem sie den Prokuristen Friedrich Kienast schickt, um die Maschine in Augenschein zu nehmen. Sämtliche Reklamierungsversuche seitens Diederichs und des Maschinenmeisters schlägt Kienast aus, findet jedoch Gefallen an Magda, wegen der er gerne noch einmal vorbeikommt. Emmi beobachtet dies alles eifersüchtig, da sie als die ältere Schwester ein Anrecht auf die erste Heirat zu haben glaubt. Schließlich einigen sich Diederich und Kienast auf eine Verheiratung Kienasts mit Magda und die Rücknahme des Holländers. Auf einem gemeinsamen Spaziergang treffen sie auf Wolfgang Buck, der Diederich eröffnet, dass er Lauer beim Prozess vertreten wird. Zudem bittet er Diederich, sich Guste anzunehmen, da er in Berlin „beschäftigt“ sei. Diederich lehnt dies empört ab.

 

Zu Hause stellt er fest, dass seine Mutter seine Vorladung hat verschwinden lassen. Sie solle ihm nicht die Laune verderben, was für Diederich kein Trost ist. Er zerstreitet sich mit seiner Mutter und seinen Schwestern und zieht sich missmutig zurück.

Bei Gericht am nächsten Tag angekommen, stellt Diederich fest, dass die gute Netziger Gesellschaft geschlossen zugegen und ihm gegenüber immer noch feindselig gestimmt ist. 

Schließlich ist der Prozesssaal gefüllt und die Richterbank besetzt mit dem vorsitzenden Landgerichtsdirektor Sprezius, dem Landgerichtsrat Harnisch und dem Landsgerichtsrat Kühlemann. Als Diederich seine Aussage tätigt, verhaspelt er sich immer wieder und behauptet, dass er nicht genau wisse, ob es der Angeklagte war, der die Majestätsbeleidigung getätigt habe. Er windet sich in alle Richtungen, um Lauer nicht zu belasten, wird jedoch vom Vorsitzenden Sprezius, Jadassohn und Wolfgang Buck in die Mangel genommen. Der alte Buck spricht ihm sein Wohlgefallen aus, was Diederich sehr berührt, insbesondere angesichts der allgegenwärtigen Feindseligkeit ihm gegenüber. 

Als nächster muss Pastor Zillich aussagen und er gibt schließlich zu, die Majestätsbeleidigung tatsächlich gehört zu haben. 

 

Der Zeuge Kühnchen berichtet zunächst über den patriotisch geladenen Abend, an dem der Kaiser als Thema im Mittelpunkt stand. Ansonsten habe er nichts mitbekommen, da er zu dem Zeitpunkt geschlummert habe. 

Major Kunze wird als nächster in den Zeugenstand gerufen und berichtet, dass er nichts mitbekommen habe, da er erst später dazugestoßen sei, zudem sei Diederich ein Denunziant. Jadassohn erinnert Major Kunze daran, dass Diederich ihm vor acht Tagen hundert Mark geliehen habe, woraufhin er seine Aussage überdenkt und gegen Lauer aussagt. 

Langsam kippt die Stimmung zu Diederichs Gunsten. Der Zeuge Nothgroschen belastet Lauer ebenfalls und wird vom Vorsitzenden Sprezius vor Wolfgang Buck beschützt und schließlich aus dem Zeugenstand entlassen. 

Der Zeuge Fritzsche, ein Freund der Familie Lauer, sagt zu Lauers großer Überraschung ebenfalls gegen ihn aus. Die Stimmung ist jetzt endgültig zugunsten Diederichs und gegen den Angeklagten Lauer gekippt.

Der Bruder des alten Buck wird als nächstes vernommen und sogleich nach seinen Lebensverhältnissen befragt. Da er von seiner Familie Unterstützung erhält, bezeichnet ihn Jadassohn als wirtschaftlich und damit moralisch abhängig. Damit wird der Bruder als Zeuge entlassen.

Der Zeuge Heuteuffel wird vernommen und wegen seiner freien Gesinnung von Jadassohn als Teilnehmender an der Tat bezichtigt. Zudem würde er sonntags Atheismus in seinen Reden verbreiten, was angesichts eines christlichen Kaisers moralisch verwerflich sei. Als Wolfgang Buck dagegen angeht, wird er zu einer Ordnungsstrafe wegen Verhöhnung Jadassohns verurteilt. Als er nach dem Familienleben der Lauers befragt wird, berichtet er von tadellosen Zuständen. Jadassohn jedoch hat andere Informationen vorliegen, nach denen die Herren regelmäßig im Bordell „Klein-Berlin“ verkehren würden. Heuteuffel pariert, indem er Jadassohn in demselben Etablissement gesehen haben will und wird dafür zu einer Ordnungsstrafe verurteilt. 

Als Wolfgang Buck in letzter Verzweiflung sämtliche Arbeiter Lauers als Leumundszeugen vernehmen lassen will, wird dies von den Richtern abgelehnt und als letzter Zeuge lediglich der Bürgermeister Scheffelweis zugelassen.

Der Zeuge Scheffelweis ist in seiner Aussage unentschlossen und will sich nicht auf eine Seite festlegen. Einerseits halte er ihn nicht der Tat fähig, andererseits schon. Damit wird auch er als Zeuge entlassen.

Diederich hat – nachdem die Stimmung endgültig zu seinen Gunsten umgeschlagen ist – einen großen Auftritt vor Gericht, indem er seine Aussage fest und nachdrücklich wiederholt und von reiner Pflichterfüllung gegenüber dem Kaiser spricht, die ihn zur Provokation Lauers animiert hat. Seine Worte haben eine vernichtende Wirkung auf Lauer, dem die Worte fehlen.

In der Pause wird er von der guten Netziger Gesellschaft umringt, die ihn morgens noch geächtet hat und selbst der Regierungspräsident von Wulckow spricht ihm nun sein Wohlwollen aus. 

Während des Plädoyers macht Jadassohn mit einem theatralischen Auftreten keinen guten Eindruck und animiert das Publikum sogar zum Gelächter. Als Wolfgang Buck an der Reihe  ist, beginnt er sogleich mit dem Vorwurf der Erpressung der Zeugen zu Aussagen gegen Lauer, woraufhin er den Unmut des Vorsitzenden auf sich zieht. Er bezeichnet Diederich offen als einen Untertanen, der nach der Meinung der Masse geht, um seinen Vorteil zu erlangen. Und die Person des Kaisers sei erst durch den Vorsitzenden aufgekommen, denn der Angeklagte habe sie nicht genannt. Mit seiner Rede rührt er die Zuschauer zu Tränen, verspielt jedoch auf den letzten Metern wieder seine Sympathien und so wird Lauer zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. 

Die Zeitungen, die vor dem Prozess geschlossen pro-Lauer eingestellt waren, berichten nun negativ über ihn, auch die Beteiligung seiner Arbeiter am Gewinn seiner Fabrik könne man genauso gut als Weihnachtsgeschenk übergeben. 

Zudem wirft der Redakteur Nothgroschen Lauer vor, durch seine Majestätsbeleidigung die Existenz seiner Arbeiter gefährdet zu haben.

Diederich erreicht ein Brief des Major Kunze, der seine Meinung bezüglich der Aufnahme Diederichs in den Kriegerverein geändert hat. Unterstützung hat Diederich dabei von dem Regierungspräsidenten von Wulckow und so fordert er den Besuch von Major Kunze und Professor Kühnchen, die seiner Bitte nachkommen. In seiner Antrittsrede behauptet er, dass der Kaiser persönlich vor dem Provinziallandtag mehr Soldaten forderte, sonst würde er die „ganze Bude ausräumen“. Diese Behauptung wird von der „Netziger Zeitung“ und dem „Lokal-Anzeiger“ gedruckt und nicht von kaiserlicher Seite dementiert.      

 

Analyse

 

Zu Beginn des Kapitels sieht sich Diederich der Ächtung der Netziger Gesellschaft gegenüber, die auf der Seite von Lauer steht. Auch seine Freunde, die bei dem Vorfall zugegen waren, wollen nichts mehr davon wissen und distanzieren sich von ihm. Diederich wendet sich wieder der Masse zu und fragt sich: „wie kommt ich dazu, einen anständigen Menschen wie Lauer ins Gefängnis zu bringen?“ (152)

Dass dieser Prozess von Jadassohn aus opportunistischen Motiven geführt wird, erkennt Diederich recht schnell: „Sie haben offenbar die Absicht, mit Hilfe eines politischen Prozesses schneller Staatsanwalt zu werden.“ (152) Hier zeigt sich, dass in Netzig im Grunde jeder aus eigennützigen Motiven handelt, um ans Ziel zu gelangen – ohne Rücksicht auf Verluste. 

Wirtschaftlich geht es für ihn ebenfalls bergab, denn die Aufträge bleiben aus, sodass er sogar die neu erworbene Maschine zurückgeben muss. 

Hier kollaboriert er zum ersten Mal mit dem eigentlich verhassten Maschinenmeister und Sozialdemokraten Napoleon Fischer, da es zu seinem Vorteil ist. Auch mit dem Prokuristen Kienast, der wegen der Maschine in seine Fabrik kommt, trifft er eine Absprache, indem er seine Schwester Magda samt großzügiger Mitgift an ihn zwecks Heirat übergibt, damit er die Maschine zurücknimmt. 

Während des Prozesses ist Diederich anfangs kleinlaut und relativiert seine Rolle in dem Vorfall. Doch als er merkt, dass das Publikum schließlich auf seiner Seite steht, hält er eine leidenschaftliche Rede gegen die humanistischen, demokratischen Werte und für eine kaisertreue, nationale Gesinnung. Damit dreht sich der Wind für den Angeklagte Lauer und die Bucks - sie verlieren auf jeder Ebene und damit der Liberalismus.

 

Kapitel 5

Nach seiner Aufnahme in den Kriegerverein erhalten Emmi und Magda von Frau von Wulckow eine Einladung zum Tee, da sie in ihrem Theaterstück eine Rolle bekommen sollen. Als sie Besuch von Guste Daimchen bekommen, weist Diederich diese noch einmal darauf hin, dass Wolfgang Buck gesellschaftlich nicht sonderlich förderlich für sie ist. Sie empört sich diesmal nicht, sondern ist geknickt, zeigt den Schwestern jedoch eine Tasche, die er ihr geschenkt hat und die die Schwestern selbst haben wollten. Als Diederich Guste hinausbegleitet, nähern sie sich der Papierfabrik an, in der gerade Feierabend herrscht. Diederich findet in einem Lumpenhaufen einen Brillanten, den er Guste schenkt. 

Eines Tages kommt er bei einem Spaziergang bei der berüchtigten Kneipe „Grüne Engel“ vorbei und geht hinein. Dort trifft er auf Käthchen Zillich, die ihre Anwesenheit dort mit einer Notlüge zu erklären versucht, doch Diederich überredet sie, ihm Gesellschaft zu leisten. Sie werden von Jadassohn entdeckt, der die Kneipe ebenfalls aufsucht und so machen sie sich zu dritt einen feuchtfröhlichen Abend. Diederich ist erstaunt, dass Käthchen raucht, trinkt und sehr direkt ist, was ihm gefällt. Er vermutet jedoch, dass Käthchen und Jadassohn sich im Geheimen wieder treffen werden, da sie ein Zeichen ausgetauscht haben. Er ist froh, diese „Falle“ aufgedeckt zu haben und ist immer noch erstaunt über das enthemmte Verhalten der Pastorentochter Käthchen. 

 

Zu Hause verbietet er seinen Schwestern jeglichen Kontakt zu Käthchen, da sie einen schlechten Einfluss auf sie ausübe. Die Schwestern tun die Gerüchte als Klatsch ab und verärgern Diederich, der die Diskussion beendet. Die Mutter erzählt von einem Gerücht, nach dem Wolfgang Buck und Guste Daimchen Halbgeschwister seien, da der alte Buck mit der Oberinspektorin Daimchen eine Liebschaft gehabt haben soll. Die Geschwister sind entsetzt und Diederich verlässt wütend über den Klatsch das Haus, um allein in eine Kneipe einzukehren. Dort kommt ihm jedoch die Idee, durch diesen Klatsch Gustes Verlobung platzen zu lassen und sie mit ihrem Erbe zu heiraten. Er bringt eine Hausschneiderin zu seinen Schwestern, die für den Harmonieball noch nicht fertig ausgestattet sind und lässt seine Schwestern den Klatsch an sie weitergeben. Die Hausschneiderin behauptet, das Gerücht bereits von der Schwiegermutter des Bürgermeisters Scheffelweis zu kennen und dass es bereits in ganz Netzig bekannt sei. 

Später am Tage geschieht in der Papierfabrik ein Unfall – der Arm einer 14-jährigen Arbeiterin wird von einer Maschine erfasst und zerquetscht. Diederich will sich um eine Schadensersatzzahlung an das Mädchen drücken und ruft Napoleon Fischer zu sich, um sich mit ihm zu beraten. Er bietet ihm drei Goldstücke an, die Fischer entrüstet ablehnt. Als Diederich ihn jedoch mit dem Gerücht über Guste Daimchen und Wolfgang Buck versorgt, ist Fischer interessiert, denn Klatsch aus den obersten Riegen spielt für ihn in der Politik eine große Rolle, da er ihn für sich und seine Zwecke nutzen kann.

Am nächsten Abend machen sich die Geschwister Heßling und eine gemeinsame Freundin, Inge Tietz, auf dem Weg zum Harmonieball. Auf dem Weg dorthin dreht sich das Gespräch wieder um das Gerücht, dass Guste und Wolfgang Buck Halbgeschwister seien, was Diederich als „Dienstbotenklatsch“ abtut, obwohl er für die Verbreitung des Klatsches verantwortlich ist. Sie kommen zu spät beim Ball an, das Stück von Frau von Wulckow hat bereits begonnen. Diederich leistet Frau von Wulckow Gesellschaft und so schauen sie sich durch einen Türspalt das Stück „die heimliche Gräfin“ an. Diederich lobt das Stück über alle Maßen und schmeichelt sich bei Frau von Wulckow ein. Nur die prominenten Ohren von Jadassohn, der in dem Stück mitspielt, verdirbt beiden die Laune, da sie von dem Geschehen auf der Bühne ablenken. Frau von Wulckow findet ihn gar unpassend als Staatsanwalt und will es ihrem Mann sagen. 

Von Guste und Wolfgang Buck erfährt Diederich in der Pause, dass der Bürgermeister ein Verhältnis mit seiner Schwiegermutter haben soll und ist erleichtert, dass die beiden von „seinem“ Gerücht noch nichts mitbekommen haben. Währenddessen spricht die ganze Netziger Gesellschaft davon und auch der alte Buck wird gemieden und gemustert. Diederich spricht den Bürgermeister auf die Stadtverordnetenwahlen an und will sich seine Unterstützung sichern, da Lauer und Wolfgang Buck ihre Plätze räumen mussten. Der Bürgermeister ist gewohnt unentschlossen, doch von Wulckow spricht Diederich seine Anerkennung aus, was diesen sehr freut. Diederich versichert, dass wenn er zum Stadtverordneten gewählt wird, der städtische Arbeitsnachweis aufhört und von Wulckow damit die billigsten Arbeitskräfte sicher sind, selbst wenn die Arbeitslosigkeit durch die Arbeitsnachweise niedrig ist. Von Wulckow informiert zudem Diederich und Scheffelweis darüber, dass der Reichstag vermutlich aufgelöst wird. Der Bürgermeister wiederum weiß zu berichten, dass der alte Kühlemann in seinem Testament sein ganzes Vermögen der Stadt vermacht hat und dass damit ein Säuglingsheim gebaut werden soll. Diederich hingegen stellt sich  etwas Nationaleres vor. 

Das Stück der Frau von Wulckow ist ein voller Erfolg, das Publikum applaudiert. Herr von Wulckow spricht noch einmal eine Einladung Diederichs zum Tee aus. Diederich und der alte Buck nähern sich wieder an, als der alte Buck ihn auf sein Grundstück anspricht, auf dem er gerne das Säuglingsheim errichten lassen würde. Diederich verneint jegliche Verkaufspläne und der alte Buck sichert ihm Unterstützung, sollte Diederich Stadtverordneter werden wollen. 

Hinter einer Pflanzengruppe entdeckt Diederich durch den alten Buck ein geheimes Zimmer und zieht Käthchen Zillich hinein. Diese wehrt sich halbherzig, als sie von Guste Daimchen überrascht werden. Käthchen und Guste zanken sich und schließlich weiht Käthchen Guste in das Gerücht ein, demnach sie und Wolfgang Buck Halbgeschwister seien. Diederich stellt fest, dass Guste und ihr Geld durch das Gerücht entwertet sind, was ihn wiederum höher stellt. Auch Guste sieht es so und schmachtet Diederich an. Sie machen sich wieder auf den Weg zum Ball und mischen sich unter die Netziger Gesellschaft.

Am Büffet trifft er auf Wolfgang Buck, der die Anwesenden zeichnet. Dieser lädt ihn zu einer gemeinsamen Flasche Sekt ein und Diederich willigt ein. Wolfgang Buck sagt ihm, dass er ihn vor Gericht auch gern gezeichnet hätte, denn er hat ihn als Typus fasziniert, die Rolle, die er vor Gericht gespielt hat, fand er interessanter als den Prozess selbst. Guste stößt dazu und unterrichtet ihren Verlobten von dem Gerücht, dieser bleibt jedoch unbeeindruckt. Guste legt nach und erzählt ihm, dass Diederich sie – im Gegensatz zu ihm – verteidigt habe. Wolfgang Buck simuliert an sich selbst, wie er demjenigen, der das Gerücht verbreitet hat, buchstäblich an den Kragen gehen würde und erschreckt damit Diederich, der genau weiß, dass er der Urheber des Gerüchts ist. Doch Wolfgang Buck löst in Sektlaune lachend die dramatische Stimmung auf und stimmt lautstark ein nationales Geschrei an, das die Aufmerksamkeit der Anwesenden erregt. Deutlich angeheitert brechen die beiden schließlich auf, begleitet von Guste und Diederichs Schwestern. 

Am nächsten Tag wacht Diederich mit einem Kater auf – auch moralisch, denn er hat mit seinem Geschrei auf dem Ball diverse Damen brüskiert. Sogleich macht er sich im Gehrock und Zylinder auf, um sich persönlich bei den Damen zu entschuldigen. Danach lässt er Napoleon Fischer in seine Wohnung kommen und dieser macht es sich – bereits an solche Unterredungen mit Diederich gewohnt – mit einer Zigarre gemütlich. Diederich kommt gleich zum Punkt – er will Stadtverordneter werden und braucht dafür Fischers Hilfe. Doch Fischer, der bereits einen der beiden frei gewordenen Sitze sicher hat, denkt, dass die Freisinnigen den zweiten Platz bekommen werden. Fischer bietet seine Bedingungen an – ein Gewerkschaftshaus, was er von Diederich schriftlich zugesichert haben will. Notgedrungen lässt sich Diederich darauf ein und die beiden schlagen ein. Fischer fordert zudem, dass Diederich seine Kontakte bei der „Netziger Zeitung“ spielen lässt, damit sie positiv über ihn berichtet. 

 

Danach stattet er dem alten Buck einen Besuch ab und bittet um eine Aufstellung als Freisinniger. Fischer und Diederich erhalten die notwendigen Stimmen und werden in die Versammlung eingeführt. Seine ersten Amtshandlungen werden in der „Netziger Zeitung“ wohlwollend erwähnt, während sie in der „Volksstimme“ zerrissen werden. Auch der Berliner „Lokal-Anzeiger“ ist voll des Lobes für den Patrioten. 

Diederich, Fischer und der Parteiwirt Rille treffen sich in der Kneipe, um ein geheimes Papier zu unterschreiben. 

Am selben Tag statten Diederich und seine beiden Schwestern den von Wulckows einen Besuch ab. Emmi versteht sich sehr gut mit dem Leutnant von Brietzen und knüpft erste zarte Bande. Diederich schleicht sich im Laufe des Abends nach einem Hinweis von Frau von Wulckow hinaus und in das Zimmer von Herrn von Wulckow – seinem Hund folgend. Von Wulckow ignoriert Diederich zunächst und lässt ihn unschlüssig im Zimmer stehen. Innerlich aufgebracht lässt Diederich diese Behandlung über sich ergehen und vermittelt von Wulckow, dass der Magistrat seine Grenzen hat, gerade in Bezug auf seinen Vetter von Quintzin, der nicht einmal Steuern an die Stadt zahlt. 

Diederich berichtet von Wulckow von seinem Plan, ein Kaiser-Wilhelm-Denkmal errichten zu lassen, falls Napoleon Fischer in den Reichstag gewählt werden sollte. Dieses Denkmal soll auf seinem Grundstück errichtet werden und er bietet von Wulckow das Vorkaufsrecht an. Der aufgebrachte von Wulckow verwehrt sich jeglichen Grundstücksspekulationen und einigt sich mit Diederich darauf, dass er sein Grundstück sofort verkauft.

Eines sonntags trifft Diederich Wolfgang Buck im Stadtpark. Dieser erzählt ihm, dass er ans Theater gehen und dafür seine bürgerliche Stellung und die Heirat mit Guste aufgeben will. Er bittet Diederich, ihm beim Schlussmachen mit Guste Beistand zu leisten, doch als Diederich bei Guste ankommt, stellt er fest, dass Wolfgang Buck verschwunden ist. So bleibt es an ihm, Guste die Wahrheit über ihren Verlobten zu sagen und sie zu trösten. Guste hat nun Diederich als potentiellen Ehemann ins Auge gefasst und ist sich ihrer prekären Lage sehr bewusst. Diederich lässt sie ein wenig zappeln, nimmt sich ihrer dann schließlich  an. Natürlich müsse Guste vorab Kontoauszüge und Nachweise über ihre Erbschaft erbringen, dazu will Diederich eine Gütergemeinschaft und das alleinige Sagen über das Geld. Guste ist mit allem einverstanden, solange Diederich sie in ihrer Lage zur Frau nimmt. Sie genießen einen aufwühlenden Abend in der Oper und sehen sich „Lohengrin“ an, wobei Diederich Wagner als vertretbare deutsche Kunst bezeichnet, die sämtliche nationalen Ansprüche bedient. 

Die Hochzeit kommt dann auch recht bald, denn beide haben es eilig. Diederich hat die Politik im Hinterkopf und Guste das Gerede der Netziger Gesellschaft. Am Hochzeitstag bekommt er Besuch vom Premierleutnant Karnauke, der sein Grundstück kaufen will. Diederich ist entsetzt, wie weit unter dem eigentlichen Verkaufswert er sein Grundstück abgeben soll, willigt aber schließlich ein. Denn Karnauke wurde durch von Wulckow geschickt, damit er Diederichs Haus für seinen Vetter Quitzin kauft - sonst würde von Wulckow sämtliche Absprachen fallenlassen. Auf diese Weise erpresst, verkauft Diederich schließlich sein Haus weit unter Wert trotz Sötbiers Einwänden. Schließlich kann er Guste heiraten und bekommt von Karnauke den Kronenorden vierter Klasse. Als sie zur Hochzeitsreise aufbrechen, präsentiert sich Diederich seiner Guste ordenbehangen und stramm, wovon sie sehr beeindruckt ist. 

 

Analyse

 

In diesem Kapitel nähert sich Diederich den von Wulckows, um seine politische Stellung weiter auszubauen und in die Nähe der Macht zu kommen. Von Wulckow hat in Netzig großen Einfluss und davon will Diederich profitieren. Er verhält sich – wie bei jedem Machtinhaber – gewohnt unterwürfig. Auch verbreitet er das Gerücht, Wolfgang Buck und Guste Daimchen seien Halbgeschwister, indem er wieder den verhassten Napoleon Fischer benutzt. Er paktiert weiterhin mit ihm, um sich auf politischer Ebene bei der Wahl zum Stadtverordneten weiter gegen die Freisinnigen zu positionieren. In diesen Situationen stellt er seine nationale Gesinnung hinten an und lässt sein opportunistisches Wesen durchscheinen, dem jedes Mittel recht ist, um an sein Ziel zu gelangen – auch das Paktieren mit Sozialdemokraten. Er lässt sich allerdings von Buck als ein Kandidat der Freisinnigen aufstellen und gewinnt zusammen mit Fischer die Wahlen. Beide versichern einander, weiterhin gemeinsame Sache zu machen und Diederich zum Kaiser-Wilhelm-Denkmal zu verhelfen, während Napoleon in den Reichstag gewählt werden soll. Hier wird wieder deutlich, dass es beiden keineswegs um die politische Gesinnung geht, sondern rein um den eigenen Vorteil.

Bei einer Einladung der von Wulckows wird Diederich buchstäblich schlechter als der Hund behandelt und in ihm wallt kurzzeitig Hass auf den Adel als herrschende Klasse auf. Doch bevor er seine Emotionen vokalisieren kann, lockt ihn von Wulckow mit der Aussicht auf einen Orden und Diederich ist besänftigt. Damit fügt er sich wieder in die Rolle des Untertanen, der vor der Macht buckelt. Als er jedoch seine eigenen Wünsche äußert, wird er durch von Wulckow umgehend bestraft und auf seinen Platz verwiesen. 

Wolfgang Buck überlässt Guste Daimchen ihrem Schicksal und verlässt Netzig, um in Berlin ans Theater zu gehen. Gustes prekäre Lage ausnutzend, nimmt sich Diederich ihrer und ihres Vermögens an – unter der Bedingung, dass er allein über das Geld entscheidet. Guste ist mit allem einverstanden, da sie durch das Gerücht entmachtet ist, was Diederich sofort ausnutzt. 

An seinem Hochzeitstag wird er gezwungen, sein Haus zu verkaufen. Er wird vom Adel unter Druck gesetzt und beugt sich abermals der Macht, indem er sein Haus weit unter Wert verkauft. Er wird dafür jedoch mit einem Orden belohnt, der ihm auf seiner Hochzeitsfeier überreicht wird, was ihn wiederum besänftigt. So hat alles für ihn seine Ordnung – er beugt sich der Macht und wird dafür belohnt. 

Mit dem Orden behangen baut er sich in der Hochzeitsnacht vor Guste auf, die ihn kaum wiedererkennt. Seine Verwandlung in eine Kaiser-Kopie ist beinahe abgeschlossen.

 

Kapitel 6

In Zürich angekommen, genießt das frisch verheiratete Paar zunächst ihre Hochzeitsreise. Doch dann liest Diederich in der Zeitung, dass der Kaiser unterwegs nach Rom ist und so brechen die beiden auf, um dem Kaiser hinterher zu reisen. Es entsteht sogar eine Art Wettrennen, wer früher in Rom ankommt – Diederich oder sein Kaiser. Am Bahnhof angekommen stellt Diederich fest, dass der Kaiser zeitgleich in Rom angekommen ist und durchbricht sämtliche Absperrungen, um in die Nähe des Kaisers zu kommen. Es gelingt ihm, direkt vor den Wagen des Kaisers zu kommen und für einen Moment seine Aufmerksamkeit zu erhaschen – er wird vom Kaiser mit einem Lächeln belohnt. Danach wartet Diederich vor jeder Station des Kaisers auf ihn, salutierend, jubelnd oder Wache haltend. Und während Diederich auf seinen Kaiser wartet, wartet Guste allein auf ihren Diederich im Hotel. 

Diederich verhindert sogar ein vermeintliches Attentat und überwältigt einen verdächtig aussehenden Künstler, der sich hinter einer Säule versteckt und eine vermeintliche „Bombe“ wirft – einen Beutel mit Zahlpulver. Dennoch schafft es Diederich mit seiner Heldentat in die Zeitung und ist sehr stolz darauf. Am Tag der Abreise erfährt Diederich, dass der Kaiser den Reichstag aufgelöst hat.

Da Guste bei der eiligen Abreise ihre Zahnbürste im Hotel vergessen hat, kehren sie in Netzig in eine Apotheke ein. Dort trifft Diederich auf Gottlieb Hornung, der sich weigert, Zahnbürsten und Schwämme zu verkaufen als „Studierter“ und ehemaliger Neuteutone. Bereits fünf Anstellungen hätte er wegen dieser Einstellung verloren, doch Diederich gefällt sie. Da er einen nationalen Kandidaten aufstellen will, lädt er Hornung zu sich nach Hause ein, um die Angelegenheit zu besprechen und Hornung mit seiner aristokratischen Herkunft und nationalen Gesinnung auf seine Seite zu ziehen. 

Seine Mutter und Emmi quartiert Diederich in einem alten Dienstmädchenzimmer ein und arrangiert ein Treffen mit Kunze, Kühnchen und Zillich, um seine politischen Angelegenheiten weiter voranzutreiben, da die Sitze des aufgelösten Reichstags neu besetzt werden müssen. Kunze, der laut Diederich in den Reichstag soll, glaubt nicht an den Sieg eines nationalen Kandidaten, doch Diederich verspricht ihm ein Denkmal gegenüber dem Kaiser-Denkmal, da er so viel für Netzig getan hätte. Nach weiterer Überredung schlägt Kunze schließlich zögerlich ein. Diederich legt noch einen Orden obendrauf, Zillich verspricht er die Reparatur seiner Kirche und Kühnchen eine Rektorenstelle. Nachdem die drei eine „gesunde Grundlage der Interessen“ festgelegt haben, konzentrieren sie sich wieder auf die Politik – Major Kunze wird offiziell als nationaler Kandidat für den Reichstag aufgestellt. Alle drei machen sich sogleich an den Wählerfang – Kunze im Kriegerverein, Kühnchen bei seinen Schülern und Zillich bei seiner Gemeinde. 

Diederich spricht sich in der „Netziger Zeitung“ gegen das Säuglingsheim aus, das in erster Linie für uneheliche Kinder gedacht sei und das Laster begünstigen würde. Weiter appelliert er an die Netziger Bewohner, dass sie möglichst viele „deutsche“ Kinder zur Welt bringen. 

Nach diesen Vorarbeiten findet schließlich die erste Wahlversammlung der „Partei des Kaisers“ bei Klappsch statt. Aber auch Heuteuffel, Cohn und ihre Freunde sind in der Kneipe, was Diederich nicht passt. Kunze lässt sich bei seiner Antrittsrede sogleich verunsichern und verheddert sich in seiner Rede, dennoch erntet er soliden Applaus vom Kriegerverein. Auch Hornung verheddert sich und erntet für seine Arroganz Spott und Häme. Der nächste Redner Heuteuffel bringt das Thema „Säuglingsheim“ auf und wird zugunsten Diederichs, der als Nächster das Wort an sich reißt, von der Runde zum Verstummen gebracht. 

Er spricht sich wieder für das Kaiser-Denkmal aus und was es symbolisiert – eine Huldigung an die Großväter und ein Versprechen an die Enkel, sich stets den Werten der nationalen Gesinnung verpflichtet zu fühlen. Als Diederich sich immer weiter gegen die Humanität ausspricht, verlassen die liberalen das Lokal. Diederich hat sich im Laufe des Abends heiser geschrien und gruselt sich bereits vor dem gereizten Heuteuffel, der ihm den Hals pinseln soll. Dieser verbietet ihm zusätzlich das Ausgehen, was Diederich angesichts des tobenden politischen Kampfes besonders schwerfällt. 

Während Guste sich mit Mutter Heßling streitet, fällt Diederich die geknickte Emmi auf. Auch mit Emmi zerstreitet sich Guste, da diese ihr den Leutnant von Brietzen nicht gönnt. Von den Streitigkeiten zu Hause genervt, widmet sich Diederich wieder der Politik zu. Fischer wird nämlich die „Partei des Kaisers“ zu stark und sie würde gegen die Sozialdemokratie hetzen. Diederich verspricht ihm wieder das sozialdemokratische Gewerkschaftshaus und will sich gleich bei der Versammlung darum kümmern. Doch Cohn und seine Genossen kommen ihm mit dem Antrag zuvor und Diederich kann nur hilf- und stimmlos zusehen. Diederich will Fischer daraufhin entlassen, da dieser sich mit den Freisinnigen eingelassen hat, doch Fischer lässt sich nicht so leicht loswerden. Diederich hat Angst, dass Fischer seine Geheimnisse ausplaudern könnte und beschwichtigt ihn mit einer Zigarre. Fischer erzählt ihm im Gegenzug, dass der alte Buck überall herumerzählt, dass Diederich der Nationalismus nicht so wichtig sei und er nur die Papierfabrik Gausenfeld im Blick habe und dass er Klüsing mit seiner Angst vor Auftragsentzug zum Verkauf bewegen will. Diederich ist außer sich vor Wut und glaubt sogar, dass der alte Buck mit von Wulckow gemeinsame Sache macht. Nun wittert Diederich hinter jeder Handlung seiner Mitmenschen Fallen und Intrigen – orchestriert durch den alten Buck.

Zu Hause findet Diederich Emmi vor dem Fenster, als würde sie auf jemanden warten. Guste unterrichtet sie darüber, dass der Leutnant Brietzen sich habe versetzen lassen, was Emmi einen heftigen Schlag versetzt. Sie rennt in ihr Zimmer und verbarrikadiert sich dort. Diederich folgt ihr und Emmi lässt ihn herein. Sie hatte versucht, sich mit Chloroform umzubringen, was Diederich sehr besorgt. Und obwohl er innerlich ehrlich besorgt um sie ist, spricht er dennoch nur von der Schande, die sie über die ganze Familie bringen würde und der Ehre, die dadurch in Gefahr sei.

Am nächsten Tag macht Diederich sich auf den Weg zum Leutnant von Brietzen, um ihn wegen Emmi zu sprechen. Er findet sich in derselben Rolle wieder, in der damals der alte Göppel vor ihm stand und ihn wegen Agnes sprechen wollte. Von Brietzen fordert ihn sogar zum Duell heraus, wie Diederich früher den alten Göppel. Diederich knickt ein und verlässt unverrichteter Dinge das Haus. Durch diese Geschichte aufgewühlt schreibt er nach Berlin und erkundigt sich nach Agnes. Agnes ist inzwischen verheiratet und relativ gesund, was er mit gemischten Gefühlen aufnimmt.

Schließlich ist der Wahltag da und Diederich wird in seinem Schlafzimmer von Fischer überrascht. Fischer ist wütend, weil er sich von Diederich verraten fühlt, da er sich bei Heuteuffel angebiedert haben soll. Fischer versichert ihm, dass wenn die Sozialdemokraten nicht in den Reichstag kommen, die Streiks losgehen würden. Nachdem Fischer ihn wieder verlassen hat, geht Diederich durch die Stadt, um die Stimmung einzufangen. Zillich und Kunze reagieren verhalten, was Diederich wieder Verrat durch den alten Buck wittern lässt. Nachdem er den ganzen Tag auf Stimmenfang unterwegs war, wird abends das Ergebnis verkündet – Stichwahl zwischen Heuteuffel und Fischer. 

Als er nach der Wahl nach Hause zurückkehrt, erreicht ihn ein Brief aus Gausenfeld – Klüsing will seine Fabrik an ihn verkaufen. Diederich vermutet von Wulckow hinter dem plötzlichen Kaufangebot und erhält im Brief vermeintlich zusätzlich Munition gegen den alten Buck und die Seinen. 

Abends wird eine Versammlung im großen Saal der „Walhalla“ einberufen und dort mischen sich diesmal die Nationalen unter die Freisinnigen. Auf dieser Versammlung stellt sich Diederich dem alten Buck und behauptet, er hätte sein Haus dem Säuglingsheim überlassen müssen, an dem der alte Buck Interesse gezeigt haben soll. Da er sich gewehrt habe, ginge man nach Gausenfeld und hätte zu zweit das Vorkaufsrecht angemeldet, damit dort das Säuglingsheim gebaut werden kann. Einer der beiden Herren sei Cohn gewesen. Dieser will sich auf der Bühne verteidigen, doch es gelingt ihm nicht so recht. Es bricht ein allgemeiner Tumult aus, der von dem anwesenden Polizeibeamten passiv zur Kenntnis genommen wird. 

Der zweite der beiden vermeintlichen Käufer sei Kühlemann gewesen, aus dessen Erbe das Säuglingsheim errichtet werden soll. In diesem Moment erreicht die Versammlung die Nachricht, dass Kühlemann verstorben ist. 

Später marschiert der Kriegerverein – angeführt von Kühnchen – durch die Straßen Netzigs Richtung Wahllokal, um Fischer zu wählen. Auch Diederich marschiert stolz mit und setzt damit ein Zeichen gegen den alten Buck und die Freisinnigen. Fischer gewinnt schließlich haushoch gegen Heuteuffel und die „Netziger Zeitung“ führt dies auf die Hilfe der „Partei des Kaisers“ zurück. Bei der Wahl zwischen dem Säuglingsheim und dem Kaiser-Denkmal wählen die Sozialdemokraten das Denkmal. Der alte Buck legt währenddessen Klage gegen die Zeitung „Die Volksstimme“ ein. 

Der alte Buck muss sich bei Diederich Geld leihen, da er inzwischen wirtschaftlich beinahe ruiniert ist. Diederich lässt sich für seinen Großmut feiern und erfährt nebenbei von Jadassohn, dass Käthchen Zillich nach Berlin gegangen ist. 

Gausenfeld ist inzwischen durch Gerüchte gebeutelt, die Aktien fallen und Arbeiter werden entlassen. Der alte Buck musste die Arbeiterentlassungen in die Wege leiten, da er Vorsitzer des Aufsichtsrates ist – dies schadet seinem Ansehen sehr. 

Nun rollt der Prozess des alten Bucks gegen die Zeitung an und die Gerüchte, der alte Buck habe mit Klüsing gemauschelt, verdichten sich. Der alte Buck will hingegen klargestellt haben, dass es der verstorbene Kühlemann gewesen sei, der mit Klüsing verhandelt habe. Diederich stellt in seiner Aussage fest, dass er den Namen des alten Buck nie genannt habe und ihm keinesfalls schaden wolle. Derweil berichtet die „Netziger Zeitung“ von Diederich als den Großaktionär von Gausenfeld und seiner Einberufung als Generaldirektor. Der alte Buck gewinnt den Prozess und die „Volksstimme“ wird zu einer geringen Strafe von fünfzig Mark verurteilt. Dennoch ist der alte Buck gesellschaftlich ruiniert. Er legt sein Amt als Stadtrat und sein politisches Amt nieder. 

Diederich, der heimlich mehr als die Hälfte der Aktien von Gausenfeld gekauft hat, füllt nun das Amt des Generaldirektors aus. Er verhindert einen Streik und bringt die Fusion der Gausenfelder und seiner Fabrik über die Bühne. Er greift in der neuen Fabrik wieder hart durch und wird von der „Netziger Zeitung“ in den höchsten Tönen gelobt. Diederich prozessiert mit Kienast, der weiterhin die Gewinne aus Diederichs Fabrik haben will, doch Diederich will durch die Fusion mit Gausenfeld nichts mehr davon wissen. 

Eines Tages erreichen anonyme Briefe mit obszönem Inhalt Guste und Diederich. Auch Magda erhält solche Briefe, Emmi ebenfalls. Mit der Zeit stellt sich heraus, dass viele Einwohner Netzigs diese Briefe erhalten haben sollen. Nachdem Gottlieb Hornung Diederich unter vier Augen gesteht, dass er durchaus solche Briefe geschrieben haben könnte, wird er als Hauptverdächtiger angeklagt. Er gibt die Tat zu und muss für einige Zeit in ein Sanatorium. Nach seiner Entlassung aus dem Sanatorium bietet ihm Diederich eine Summe Geld, damit er Netzig verlässt. 

Guste bekommt mit Diederich 3 Kinder – Gretchen, Horst und Kraft. Sie leben ein nach außen hin ordentliches, gottesfürchtiges Leben mit sonntäglichen Kirchgängen. Hinter den Kulissen jedoch besucht Diederich mit anderen Herren der Stadt Käthchen Zillich, die inzwischen als Prostituierte arbeitet. Er und Jadassohn nähern sich wieder an, auch Jadassohn ist ein guter Kunde bei Käthchen. Währenddessen nähert sich Wolfgang Buck, der wieder in der Stadt ist, Emmi an. Der alte Buck leidet inzwischen an einem Herzleiden. 

Das Kaiser-Denkmal nimmt langsam seine Form an und der Zeitpunkt der Enthüllung steht bald bevor. Diederich soll bei der Enthüllung die Festrede halten, was für ihn ein weiterer Beweis seiner wachsenden Macht ist. Von Wulckow währenddessen büßt seine Macht ein und buckelt sogar vor Diederich, welcher ihn kühl abblitzen lässt. 

Der Tag der Denkmalenthüllung ist gekommen und alle wichtigen Protagonisten aus Netzig sind dabei. Nach einem Disput um die besten Sitzplätze beginnt die Zeremonie.  Diederich hält eine leidenschaftliche Rede auf den Kaiser, als das Wetter plötzlich umschlägt und es sogar zu blitzen anfängt. Diederich lässt sich davon nicht irritieren und hält weiterhin seine Rede, während das Publikum langsam unruhig wird. Das Denkmal wird enthüllt und es beginnt zu regnen. Schließlich „platzt“ der Himmel auf und ein Unwetter bricht über die Bürger Netzigs herein. Diederich versteckt sich unter dem Rednerpult und bekommt in dieser Haltung einen Wilhelmsorden von einem Schutzmann überreicht. Dann macht er sich auf den Weg in die Innenstadt und passiert dabei das Haus des alten Buck. Er schleicht sich hinein und sieht den alten Buck im Sterben liegen, umgeben von seiner Familie. Dieser sieht Diederich, erschreckt sich und verstirbt. 

 

Analyse

 

Diederich unterbricht seine Hochzeitsreise, um dem Kaiser nach Rom zu folgen und ihm auf jeder Station in Rom zuzujubeln. Damit ist er der Inbegriff des Untertanen und obrigkeitstreuen Bürgers, der sich der absoluten Macht vollkommen unterwirft. Als er erfährt, dass der Kaiser den Reichstag aufgelöst hat, macht er sich jedoch sofort auf den Weg zurück nach Netzig, um seine eigenen politischen Interessen weiter zu verfolgen. Dies alles tut er seiner Auffassung nach im Sinne des Kaisers, da er ihm ein Denkmal errichten will. Dafür paktiert er abermals mit Napoleon Fischer, damit dieser gewählt und sein Denkmal genehmigt wird, denn seine eigene „Partei des Kaisers“ ist bei der Wahl chancenlos. 

Schließlich kommt es zur Stichwahl zwischen dem Sozialdemokraten Fischer und dem Freisinnigen Heuteuffel. Diederich nutzt einen Brief seines Konkurrenten Klüsing, der ihm seine Papierfabrik anbietet und verbreitet das Gerücht, der alte Buck hätte mit Klüsing gemeinsame Sache gemacht, um sich zu bereichern. Hier wird deutlich, dass Diederich jedes Mittel recht ist, um seine Konkurrenz auszuschalten und immer weiter nach oben zu gelangen. Der alte Buck bricht zusammen und mit ihm politisch die Freisinnigen, denn Fischer gewinnt die Wahlen. Damit beginnt der endgültige Abstieg des alten Buck, der zwar gegen eine Zeitung, die Diederichs Gerücht verbreitet hat, gewinnt, gesellschaftlich jedoch als Verlierer behandelt wird. Schließlich ist er auch finanziell ruiniert und muss sich von Diederich aushelfen lassen. Am Ende ist er gezwungen, sein Amt im Stadtrat und den Parteivorsitz niederzulegen.

Diederich wiederum wird durch Aktienspekulationen Großaktionär und Generaldirektor von Gausenfeld und gewinnt auf der ganzen Linie. Durch Intrigen, Manipulationen und rücksichtsloses Verhalten hat er alle seine Ziele erreicht – er kauft die eigene Papierfabrik und wird durch die Fusion mit Gausenfeld konkurrenzlos, er bekommt sein Denkmal und ist der alleinige Patriarch in seiner Firma und Familie. 

Am Tag der Denkmalenthüllung wird ihm die Feier durch ein heftiges Gewitter verdorben, doch da er einen Orden erhalten hat, ist er guter Dinge. Mit Orden, Schärpe und dem Habitus des Kaisers sieht er den alten Buck im Sterben liegen. Dieser erschreckt sich bei seinem Anblick und verstirbt - und mit ihm der Liberalismus in Netzig.

Veröffentlicht am 18. August 2022. Zuletzt aktualisiert am 21. September 2022.