Der Untertan

Sprache und Stil

Der Roman „Der Untertan“ ist eine Gesellschaftssatire. Dies wird durch Übertreibung, Ironie und Spott, mit denen auf gesellschaftliche Missstände aufmerksam gemacht wird, deutlich. So ahmt Diederich die Reden des Kaisers nach in der kleinen Umgebung seiner Papierfabrik, deren Arbeiter ihn freundlich empfangen. Diederich sieht sich in seinem Tun den hierarchisch unter ihm stehenden Mitmenschen in der Rolle des Kaisers. So übernimmt er teilweise wörtlich Zitate aus den Reden des Kaisers bei seiner Ansprache an die Arbeiter in Montagetechnik. 

Erzählt wird „Der Untertan“ von einem auktorialen (allwissenden) Erzähler, überwiegend aus der Perspektive von Diederich Heßling. Der auktoriale, das Geschehen überblickende Erzähler informiert den Leser beispielsweise darüber, dass Diederichs Mutter heimlich isst, bietet beim Prozess gegen Lauer die Perspektive verschiedener Figuren und geht auf ironische Distanz zu Diederich und den Konservativen, während er bei Liberalen wesentlich milder ist. 

Der Roman ist in einer gehobenen Sprache verfasst und verwendet überwiegend hypotaktische Sätze. Es wird häufig Fachsprache verwendet, so etwa im Bereich der Papierherstellung oder während des Prozesses gegen Lauer. Auch während Diederichs Zeit bei den Neuteutonen oder beim Militär werden Fachausdrücke verwendet, die typisch für die Wilhelminische Zeit sind und damit eine besonders realistische Darstellung des Geschehens ermöglichen. 

Durch Dialekte (Delitzsch, Kühnchen), gehobene Ausdrucksweise (Heuteuffel, der alte Buck) und formelhafte Klischees (Diederich, Jadassohn) wird sprachlich ein breites Panorama unterschiedlichster Figuren geboten, was den Roman besonders nah am realen Leben wirken und die Figuren authentisch erscheinen lässt. Bei der Vielzahl der Figuren im Roman werden in direkter Ansprache häufig die vollen Titel bzw. Berufsbezeichnungen verwendet, wie z. B.: „Herr Fabrikbesitzer Lauer!“ (127). 

Durch diverse Stilmittel hebt Heinrich Mann die satirische Seite im Roman hervor. Die Stilmittel kommen überwiegend bei den konservativen Figuren vor, die dadurch ironisch vorgeführt werden.

 

Ellipsen (Auslassen von Satzteilen)

Heinrich Mann verwendet Ellipsen, um den Kern eines Satzes durch Auslassung von für die Bedeutung unwichtiger Worte hervorzuheben:

„Gesinnung verdächtig und Haltung schlapp“ (118)

„Gleich hat man eine Ohrfeige“ (121)

Exclamatio (Ausruf)

Exklamationen verwendet Heinrich Mann, um die Hilf- und Machtlosigkeit der Protagonisten hervorzuheben: „Diederich fühlte sich einem Kompetenzstreit nicht gewachsen, also schrie er“ (99). Auch Empörung wird dadurch aufgezeigt.

„Im Schatten meiner Kirche! Solch ein Haus!“ (121)

Parenthese (Einschub)

Durch Einschübe werden im Roman zusätzliche Informationen oder Erklärungen vermittelt.

„Da stehen wir, Gott sei Dank, anders da“ (118)

Rhetorische Frage

Rhetorische Fragen werden überwiegend zur Provokation genutzt, wie z. B.:

„Warum besuchen sie nicht lieber die freigeistigen Vorträge des Doktors Heuteuffel?“ 

Anapher (Wortwiederholung zu Beginn aufeinanderfolgender Sätze)

Durch Anaphern werden besonders empörende Dinge wiederholt, um sie hervorzuheben.

„Kaffee, verstehen Sie, Kaffee gibt Heuteuffel den Leuten umsonst, damit sie kommen und ihre Seele von ihm fangen lassen“ (119)

Hyperbel (Übertreibung)

Durch die Übertreibung wird die Satire im Roman besonders deutlich:

„…kann ich den Herrn nur anflehen, ja, mit gerungenen Händen anflehen…“ (119)

Pejorativ (negative Konnotation)

Negative Konnotationen werden im Roman meist bei konservativen Protagonisten verwendet, um eine satirische Distanz zu schaffen:

„Die geniert sich das nicht, sie ist so gräßlich kokett“ (120)

Adverbien (nähere Bestimmung des Verbes)

Adverbien bestimmen im Roman die näheren Umstände, unter denen etwas gesagt oder getan wird, meist negativ konnotiert. 

„Er zwinkerte aufdringlich“ (120)

„Sie lächelte schnippisch“ (121)

Metapher (sprachliches Bild)

Durch Metaphern werden im Roman besonders verachtenswerte Zustände bildlich umschrieben:

„Dies schwarze Loch von einer Gasse“ (121)

„Dieser Tempel der Sittenlosigkeit“ (122)

Diminutiv (Verniedlichung)

Das Diminutiv wird im Roman verwendet, um Verachtung für eine Person auszudrücken:

„War das nicht das Töchterchen…“ (121)

Aposiopese (Abbruch des Satzes)

Durch den Abbruch des Satzes werden Dinge nicht ausgesprochen, für die die Protagonisten zu feige sind:

„Jadassohn entschuldigte sich; er habe nur geglaubt, der junge Buck -.“ (122)

„Da er ja mit der Frau Lauer –.“ (123)

Ironie (das Gegenteil des Gesagten)

Durch die Ironie werden besonders verachtenswerte Machenschaften im Roman bloßgestellt.

„Führen Sie doch auch den Toten ab!“ (127)

Veröffentlicht am 19. August 2022. Zuletzt aktualisiert am 21. September 2022.