Die Physiker

Gattung/Textsorte
Erscheinungsjahr
1961
Originalsprache
Deutsch
Literarische Epoche oder Strömung

Über das Werk

Die Komödie »Die Physiker« des Schweizer Schriftstellers Friedrich Dürrenmatt entstand 1961, also vor dem Hintergrund des Kalten Krieges und des Mauerbaus. Ein Jahr später, im Jahr der Kubakrise, wird das Stück in Zürich erstmals aufgeführt. Ort der Handlung ist eine psychiatrische Klinik in der damaligen Gegenwart. Die dort stattfindenden Handlungen und Dialoge der drei Physiker (Möbius, Kilton, Eisler) und ihrer Ärztin Mathilde von Zahnd stehen als Symbol für die zu Beginn der 60er Jahre angespannte internationale Weltlage sowie für den Einfluss der Wissenschaft auf globale Konflikte. Zentrale Frage ist der Anteil und die Verantwortung der Wissenschaft für den Fortbestand der menschlichen Zivilisation.

Das Stück enthält zahlreiche Gleichnisse, die zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wesentlich das gesellschaftliche, wissenschaftliche und politische Leben bestimmen. Im Zentrum steht die Frage nach der Verantwortung von Forschung und Wissenschaft und deren zumindest manchmal sehr zweifelhaften Folgen für die Menschheit. Die Tragikomödie erzeugt Zweifel daran, ob alles technisch Machbare auch umgesetzt werden sollte. Auch die Aufgaben und Methoden der beiden Geheimdienste (Ost/West) während des Kalten Krieges werden ad absurdum geführt. Dürrenmatts Stück wird gelegentlich als Groteske bezeichnet – aufgrund der direkt und indirekt dargestellten Widersprüche. So stehen die Wissenschaftler “Einstein” und “Newton” für logisches Vorgehen, exakte Forschung und genaue Berechnungen. Dennoch finden sich diese Personen an einem Ort wieder, der oft mit Chaos, Verwirrung und Desorientierung (in mehrfacher Hinsicht) gleichgesetzt wird. Diese Konstellation ist vergleichbar mit einer Gratwanderung zwischen Humor und Aussichtslosigkeit.

Ein anderer wesentlicher Punkt ist die Theorie des Dramas, die Dürrenmatt vertritt. Danach muss jede zufällig gemachte wissenschaftliche Entdeckung immer die denkbar schlimmsten Folgen haben. Zu dieser These gehört auch, dass Entdeckungen und Forschungsergebnisse sich auf Dauer nicht verheimlichen oder sogar zurücknehmen lassen. Folge dieser These ist ein Paradoxon: Dürrenmatt fordert dazu auf, nicht jede wissenschaftliche Theorie zu Ende zu denken, stellt aber gleichzeitig klar, dass entwickelte Gedankenmodelle, die einmal in der Welt sind, sich nie wieder beseitigen lassen.

Dürrenmatt erzählt diese Überlegungen mithilfe von grotesk-tragischen Formulierungen (»schreckliche Wissenschaft«, »gefährliche Forschung«) und wiederholten ethischen Fragen. Dadurch sind Parallelen zum Eskalationspotenzial der Zeit des Kalten Krieges inklusive der nuklearen Drohgebärden von Sowjetunion und USA unübersehbar.

Veröffentlicht am 5. August 2011. Zuletzt aktualisiert am 12. Oktober 2022.

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