Inhaltsangabe

Ein Wettbewerb der Verlagsbuchhandlung Cotta wurde Georg Büchner 1836 Anlass, die Komödie »Leonce und Lena« zu verfassen, die 1895 in München uraufgeführt wurde. Das Stück erzählt in drei Akten die Geschichte eines Prinzenpaares, dessen königliche Väter aus den Reichen »Popo« und »Pipi« die Eheschließung für sie arrangierten. Auf der Flucht vor der Zwangsehe begegnen die beiden einander, verlieben sich und heiraten schließlich maskiert und ohne Wissen um die Herkunft des jeweils anderen.

Erster Akt

Die erste Szene beginnt mit einem Gespräch zwischen dem Prinzen Leonce und seinem Erzieher. Leonce verspottet das Vorhaben des Hofmeisters, ihn auf seine Tätigkeit als Staatsmann vorzubereiten, indem er eine Reihe sinnloser Beschäftigungen aufzählt, die er bereits vollbracht hat. Der Hofmeister tritt ab und mit sich allein verfällt Leonce in einen klagenden Monolog über das langweilige Schicksal, ein melancholischer Müßiggänger zu sein. Währenddessen tritt der angetrunkene Valerio auf. Die beiden Männer entdecken als Gemeinsamkeit ihren Hang zum Nichtstun und freunden sich miteinander an.

Die zweite Szene führt in das Ankleidezimmer von König Peter aus dem Reich Popo, Leonces Vater. König Peter wird als ein vergesslicher König vorgestellt, der sich durch einen Knoten im Taschentuch an sein Volk erinnern lässt. Nach der Ankleidezeremonie begibt er sich zur Staatsratssitzung; da er vergessen hat, worüber er dort sprechen wollte, wird die Sitzung sofort wieder beendet.

In der dritten Szene trennt sich Leonce von seiner Geliebten Rosetta, die ihn – wie alles und jeder in seinem Leben – anödet. Vom Freund Valerio als Narr tituliert will er sich wie dieser an den einfachen Freuden des Lebens, den kulinarischen Genüssen, erfreuen. Doch seine Stimmung schlägt einen Moment später ins Gegenteil um und er droht dem flüchtenden Freund Prügel an. Ein Stolpern und das Erscheinen des Staatsrates halten ihn davon ab, Valerio weiter zu verfolgen. Der Staatsrat kündigt an, dass die Prinzessin Lena aus dem Reich Pipi, mit der Leonce auf Wunsch seines Vaters verheiratet werden soll, am folgenden Tag eintreffen werde. Der Prinz soll zudem am Tag der Vermählung das Amt des Königs übernehmen. Leonce will weder heiraten noch König werden. Er plant, gemeinsam mit Valerio gen Süden zu fliehen.

Die als Braut geschmückte Lena klagt in der vierten Szene im königlichen Garten einer Gouvernante ihr Leid: Wie Leonce will auch sie sich nicht mit einem Unbekannten verheiraten lassen. Dabei bedient sie sich einer Sprache, die sie selbst und ihren Schmerz in die Nähe des gekreuzigten Jesu rückt. Die Gouvernante deutet an, eine Lösung zu wissen.

Zweiter Akt

Valerio und Leonce befinden sich in der ersten Szene auf einem Feld in der Nähe eines Wirtshauses. Leonce beschließt, nach einem Frauenzimmer zu suchen, das seinem Ideal entspricht.

In der zweiten Szene begegnen die beiden Männer im Garten des Wirtshauses Lena und ihrer Gouvernante. Sofort entsteht zwischen Lena und Leonce, die einander ihre Identität nicht preisgeben, eine besondere Anziehung.

Lena gesteht der Gouvernante in der dritten Szene, dass sie sich von Leonce und speziell von dessen melancholischem Wesen innerlich berührt fühlt und läuft in den Garten hinaus.

Dort trifft sie in der vierten Szene auf Leonce. Im Dialog der beiden mischen sich Gedanken und Gefühle um Tod und Begehren. Nachdem Leonce sie geküsst hat, entfernt sich Lena. Leonce will das soeben empfundene Glück zum Bleiben zwingen, indem er sich in einen Fluss stürzt, wird aber von Valerio aufgehalten.


Dritter Akt

Leonce verkündet in der ersten Szene, Lena heiraten zu wollen. Valerio soll ihm helfen, diesen Wunsch gegenüber König Peter durchzusetzen und zur Belohnung das Amt des Staatsministers erhalten.

Die zweite Szene spielt im Reich König Peters. Vor dem Schloss haben sich der König, der Schulmeister und der Landrat sowie einige Bauern versammelt, um das Jubilieren bei der Hochzeitszeremonie einzuüben.

Die dritte Szene führt ins Innere des Schlosses, in dem die Hochzeitsgesellschaft auf das Brautpaar wartet. Leonce, Lena, Valerio und die Gouvernante betreten maskiert den Saal. Valerio stellt das Liebespaar als berühmte Marionetten vor. König Peter, der dies glaubt und daher meint, leblose Puppen vor sich zu haben, fasst den Beschluss, diese stellvertretend heiraten zu lassen. Die vermeintlichen Puppen werden getraut. Als sie anschließend ihre Masken abnehmen, werden sie als Prinz Leonce und Prinzessin Lena erkannt. Erstmals erfahren sie voneinander um ihre Herkunft. Zunächst sehen sich alle als Betrogene an. Schließlich übergibt der gerührte König seinem Sohn die Regierungsgeschäfte. Leonce verabschiedet die anwesenden Gäste und kündigt an, man werde am folgenden Tag noch einmal von vorn beginnen. Es folgen noch einige Äußerungen von Lena, Leonce und Valerio, in denen der Wunsch nach einem Land zum Ausdruck kommt, das von Puppen und Spielzeug besiedelt wird und aus dem Arbeit und Ernsthaftigkeit zugunsten von Müßiggang und Genuss verbannt sind.


Oberflächliches Auftragswerk oder politische Satire? Keines der Werke Büchners ist auf so viel Ablehnung gestoßen wie »Leonce und Lena«. Zahlreiche Anspielungen und Hinweise auf bekannte literarische und philosophische Werke legen den Schluss nahe, dass Büchner in seinem Drama nicht allein die politische Klasse verspotten wollte. Der versteckte Angriff galt auch einer um sich selbst kreisenden Kunst, die dem Ideal einer Gesellschaft huldigt, in der Gefühlsäußerungen sentimental, Gedanken von bornierter Kleinlichkeit und das »schöne Leben« ein Garant für Langeweile und Oberflächlichkeit sind.


Zusammenfassung von Inhaltsangabe.de.
Veröffentlicht am 5. Mai 2012, zuletzt aktualsiert am 26. März 2017.