Inhaltsangabe

Die »Traumnovelle« ist eine Prosaerzählung des österreichischen Schriftstellers Arthur Schnitzler. Das Werk, dessen Handlung zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Wien angesiedelt ist, erschien erstmals vollständig im Jahre 1926. Ein Jahr zuvor waren bereits die einzelnen sieben Kapitel der »Traumnovelle« in einer Berliner Zeitschrift abgedruckt worden. Im Mittelpunkt der Geschehnisse stehen der Wiener Arzt Fridolin, seine Ehefrau Albertine sowie die gemeinsame 6-jährige Tochter. Der Leser begleitet das Ehepaar über zwei Tage hinweg bei dem immer schwieriger werdenden Versuch, Eheleben und private Erfüllung miteinander zu vereinen.

1. Kapitel

Das erste Kapitel der Novelle erzählt von einem scheinbar intakten Familienleben des Wiener Arztes Fridolin (etwa 35 Jahre alt) und seiner Frau Albertine (etwa 25 Jahre alt). Während Fridolin gänzlich in seinem Beruf aufgeht, kommen Albertine erste Zweifel an ihrer Rolle als Hausfrau und Mutter. Außerdem trauert sie ihrer Jugend nach, die sie nicht so wie gewollt, genießen konnte, weil sie als Jungfrau in die Ehe gehen sollte. Weil aber ein Ausbrechen aus diesem klassischen Familienalltag einem Affront gleichkäme, werden diese Bedenken immer wieder verworfen.

Als die Familie einige erholsame Tage in Dänemark verbrachte, machten sowohl Albertine wie auch ihr Mann Fridolin erotische Erfahrungen mit ihnen völlig Fremden. Beide gestehen sich ihre Abenteuer, wobei Fridolin von der Unzufriedenheit seiner Frau erfährt. Das Gespräch wird unterbrochen, als Fridolin zu einem Notfall gerufen wird.

2. Kapitel

Der Wiener Hofrat hat einen Herzinfarkt erlitten und konnte – trotz aller Eile – nicht mehr gerettet werden. Marianne, die bestürzte Tochter des Hofrates erklärt dem Arzt unter Tränen, dass sie nun Ihrem Verlobten Dr. Roediger an die Göttinger Universität folgen wolle. Wie sich aber herausstellt, ist Marianne vor allem über den Weggang aus Wien betrübt, weil sie schon lange in Fridolin verliebt ist. Noch bevor beide die Situation vertiefen können, erscheint der Verlobte von Marianne, woraufhin Fridolin nach Hause zurückkehren will.


3. Kapitel

Fridolin ist irritiert. Seine offensichtlich unglückliche Ehefrau, die Ereignisse in Dänemark, der Tod des Hofrats und das Geständnis von Marianne lassen ihn nicht mehr los. Er streift durch das nächtliche Wien und wird schließlich von einer Prostituierten angesprochen, die sich als Mizzi vorstellt. Beide begeben sich in Mizzis Zimmer und Fridolin ist auch bereit, das Mädchen zu bezahlen – allerdings nicht für ihre Liebesdienste, sondern weil er sein Herz ausschütten will. Das junge Mädchen zeigt sich enttäuscht, was den Arzt dazu veranlasst, seine Entscheidung bezüglich der Liebesdienste zu überdenken. Nun aber ist es Mizzi, die das Angebot ablehnt. Fridolin beschließt zu gehen und verabschiedet sich von Mizzi wie ein Gentlemen, was diese von ihren bisherigen Freiern nicht kennt.


4. Kapitel

Immer noch läuft der Arzt ohne Ziel durch die nächtliche Innenstadt und kehrt in einem Kaffeehaus ein. Dort trifft er auf Nachtigall, einen ehemaligen Kommilitonen, der sich als Musiker über Wasser hält. Fridolin erfährt durch Nachtigall von ausschweifenden Festen und Bällen, bei denen der Pianist mit verbundenen Augen auftritt. Trotz erheblicher Bedenken seitens Nachtigall machen sich beide auf den Weg zu einem dieser Bälle. Zunächst benötigt Fridolin jedoch eine Verkleidung, die er sich bei dem Kostümverleiher Gibiser besorgt. Als Fridolin dort nach einer Mönchskutte stöbert, begegnet er der Tochter von Gibiser, die sich gerade mit zwei Männern vergnügt.

Ausgerüstet mit einem Kostüm trifft sich Fridolin mit Nachtigall, der ihm die geheime Zutrittsparole »Dänemark« verrät. In getrennten Kutschen fahren beide zu dem seltsamen Ball, wo Fridolin unter den zahlreichen anderen als Mönchen und Nonnen verkleideten Gästen umgehend auffällt. Trotz Unbehagen und dem Rat einer Nonne sofort zu gehen, entschließt sich der Arzt, zu bleiben. Der Abend beginnt mit erotischen Tänzen unter den Teilnehmern, wobei die Frauen nur noch ihr Gesicht verhüllen. Fridolin kommt erneut mit der Nonne ins Gespräch und will sie demaskieren. Die geheimnisvolle Schönheit aber schreckt zurück und berichtet von drastischen Strafen bei einer Demaskierung. Das Gespräch bleibt nicht unbemerkt und Fridolin wird als Fremder erkannt. Nachdem er nach einem weiteren Passwort gefragt wird, das Fridolin nicht kennt, muss er seine Maske ablegen. Die unbekannte Tänzerin will sich für ihn aufopfern, doch Fridolin wird des Saales verwiesen und gewarnt, Stillschweigen über die Geschehnisse der Nacht zu bewahren und keine Nachforschungen anzustellen.


5. Kapitel

Es ist schon beinahe wieder hell, als Fridolin zu Hause eintrifft, sein Mönchskostüm versteckt und zu Bett gehen will. Da seine Frau offensichtlich einen Albtraum hat, weckt er sie und will von ihr ihren Traum hören: Albertine berichtet von einer Hochzeitsreise der beiden. Nach einem Flug über den Wörthersee und einer leidenschaftlichen Nacht wollte Fridolin am nächsten Tag neue Kleidung besorgen. Gleichzeitig seien die dänische Affäre von Albertine und viele andere Liebespaare erschienen. Während sich alle ihren geheimen erotischen Wünschen hingaben, ist der Arzt verhaftet und gefoltert worden. Die Liebschaft aus dem ersten Kapitel erschien und forderte Fridolin auf, sich ebenfalls seinen erotischen Fantasien hinzugeben. Als er das ablehnte, sollte er gekreuzigt werden. Albertine empfand dabei kein Mitleid für Fridolin, sondern lachte ihn aus.

Nach diesen Schilderungen ist Fridolin entsetzt und hält seine Ehe für gescheitert, weil er die Ereignisse im Traum realen Geschehnissen gleichsetzt. Er beschließt zunächst die Hintergründe des lasziven Maskenballs zu recherchieren, bevor er seiner Frau davon erzählt.


6. Kapitel

Am nächsten Morgen sucht Fridolin seinen Freund Nachtigall vergeblich im Kaffeehaus, erfährt aber in dessen Pension, dass dieser abgeholt worden sei. Auch ein Versuch, mit der Tochter des Kostümverleihers zu sprechen, bleibt erfolglos. So muss er unverrichteter Dinge wieder zum Dienst ins Krankenhaus. Später am Tag sucht er das Haus, in dem er in der Nacht war. Dort angekommen erhält er nur eine Mitteilung, nicht nach der Unbekannten von letzter Nacht zu suchen. Zurück bei seiner Frau will er sich für deren Traum der letzten Nacht rächen, begibt sich aber zunächst zu Marianne, um sich von ihr zu verabschieden. Im Anschluss geht er zu Mizzi, die allerdings inzwischen im Krankenhaus liegt. Aus der Zeitung erfährt Fridolin von dem Selbstmord einer Baronin D. Weil er dahinter seine geheimnisvolle Unbekannte vermutet, will er sie besuchen, kommt aber zu spät. Nur die Leiche der Baronin kann man ihm noch zeigen.


7. Kapitel

Als Fridolin nach Hause kommt und seiner Frau alle Geschehnisse beichten will, bemerkt er neben der schlafenden Albertine seine Maske. Seine Frau muss sie absichtlich dort hingelegt haben, nachdem er sie wohl beim Verpacken des Kostüms übersehen hatte. Fridolin reflektiert über seine Ehe und die Ereignisse, was ihm die Tränen in die Augen treibt. Albertine erwacht, hört zu und vergibt ihrem Mann. Beide stellen fest, dass alle Träume nun vorbei sind und ihnen die Augen in mehrfacher Hinsicht geöffnet wurden.


Der Autor stellt in der »Traumnovelle« die familiären Werte zu Beginn des 20. Jahrhunderts infrage. Dabei prangert er vor allem das enge Korsett an, das Politik und Gesellschaft dem Eheleben bereits lange vor der Heirat anlegen. Geschnürt wird dieses Korsett auch von ganz einfacheren Gefahren für die Ehe wie beispielsweise unterdrückten Wünschen, geheimen Fantasien, akademischen Zwängen und dem eintönigen Alltagsstress.

Für den Leser ergibt sich daraus die Erkenntnis, dass die Traumwelten ein hohes Maß an individueller Wahrheit enthalten können und den Blick auf sonst ungesehne oder nicht ausgesprochene Bedürfnisse freigeben. Schnitzler erreicht dies in erster Linie, indem er die Geschehnisse durch die Augen und Gedankenwelt des Arztes Fridolin erzählt. Alle anderen Personen berichten vorwiegend durch Dialoge, Berichte oder Traumerlebnisse. Zusätzlich setzt Schnitzler den inneren Monolog ein.


© Inhaltsangabe.de. Es gelten unsere Nutzungs- und Lizenzbedingungen.
  Wie hilfreich waren die Informationen? 79 Stimmen bisher.