Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull

Figuren

  • Felix Krull

    Ich-Erzähler, der im Alter von 40 Jahren einen Lebensrückblick von seiner Geburt bis zum Alter von Anfang Zwanzig gibt.

    Felix sieht ausgesprochen gut aus und fasziniert mit seiner androgynen Erscheinung Frauen wie Männer. Schon als Kind wird ihm besondere Schönheit attestiert. Er hat blondes Haar, graublaue Augen, goldbraune Haut und ein zartes, fast mädchenhaftes Gesicht. Seine Stimme wirkt ebenso wie seine Umgangsformen und sein gesamtes Wesen angenehm auf andere Menschen.

    Zu seinen Lieblingsbeschäftigungen gehört es, sich zu kostümieren und in andere Rollen zu schlüpfen. Er beobachtet sich selbst genau und trainiert sich schon früh eine bestimmte physische Wandlungsfähigkeit an. So kann er beispielsweise seine Pupillen nach Belieben weiten, Hustenanfälle vortäuschen und bei der Musterung sogar einen epileptischen Anfall simulieren.

    Seine Sprachbegabung vervollkommnet sein schauspielerisches Talent. Mit Leichtigkeit kann er sich in vielen Sprachen verständigen. Dass er dabei nicht über ein einfaches Sprachniveau hinauskommt, gleicht er durch perfekte Aussprache aus. »Landestypische« Gestik und Mimik, wie sie gewissen Klischeevorstellungen entspricht (etwa das Sprechen mit den Händen der Italiener) ergänzen seine Inszenierungen.

    Auch fühlt er sich zu allem hingezogen, was mit Inszenierung und Außendarstellung zu tun hat. Zu seinen wichtigsten Erlebnissen gehören Theater- und Zirkusabende sowie der Besuch eines Stierkampfes. Auch opulente Schaufensterauslagen, dekorative Buffets oder luxuriöse Arrangements in Hotelzimmern faszinieren ihn.

    Felix ist sehr fantasievoll, träumt häufig vor sich hin und stellt dabei vage Überlegungen über die Welt und die Menschen an, die jedoch nie zu echtem philosophischen Erkenntnisdrang werden.

    In Liebesdingen ist er ausschließlich an kurzen erotischen Abenteuern interessiert und hält tiefe Gefühle von sich fern. Als echter Verführer hat er ein gutes Auge für die individuelle Schönheit jeder Frau und schätzt die Vielfalt weiblicher Erscheinungen. Dabei beschreibt er körperliche Eigenschaften mit demselben kühlen Blick wie die Auslagen teurer Modegeschäfte oder die Delikatessen im Feinkostladen.

    Auf eigenartige Weise vereinen sich in seinem Charakter Begabung, ästhetischer Geschmack und Sensibilität – etwa seine Liebe zum Theater, seine besonderen Sprachfähigkeiten und seine erotische Empfänglichkeit – mit materiellen Interessen, Oberflächlichkeit und Gefühlskälte. Bei allem Hang zum Schwärmen und Träumen demonstriert er immer wieder seine ausgeprägte Überlebensfähigkeit. In schwierigen Situationen erweist er sich als erfindungsreich, äußerst resilient und egoistisch.

  • Engelbert Krull

    Der Vater von Felix Krull ist ein gaunerischer Champagnerhersteller, der seinen billig produzierten Fusel unter wohlklingendem Namen und glanzvoller Aufmachung verkauft. Er ist leichtlebig, liebt die Halbwelt und das Vergnügen. Dazu gehört auch, dass er seine Ehefrau betrügt. Um sich den Anschein von Glanz und Eleganz zu geben, hat er sich ein paar Verhaltensweisen der sogenannten »höheren Gesellschaft« abgeguckt und flicht zum Beispiel französische Brocken in seine Unterhaltungen ein. Da er keine inneren Werte besitzt, erschießt er sich, als seine Firma Bankrott macht.

  • Mutter

    Über Felix‘ Mutter erfährt man wenig – nicht einmal ihren Namen. Sie wird als ähnlich leichtlebig und oberflächlich wie der Vater beschrieben, ist aber äußerlich unscheinbarer als er. Dabei wirkt sie vulgärer als Engelbert, dem es gelingt, seine Protzerei mit einer gewissen Anmut und Eleganz zu tarnen. Zugleich wird ihre Person, anders als die ihres Mannes, nicht mit Betrug und Täuschung assoziiert. Nach dem Bankrott seiner Firma zeigt sie Tatkraft und baut mit Erfolg eine kleine Pension in Frankfurt am Main auf.

  • Olympia Krull

    Schwester von Felix Krull, genannt »Lympchen«, vulgär und vergnügungssüchtig wie die gesamte Familie. Über ihr Äußeres berichtet Felix nur, dass sie ziemlich dick ist. Sie hat ein besonders enges Verhältnis zur Mutter und träumt von einer Karriere als Sängerin. Nach dem Bankrott der Familie geht sie dank Schimmelpreesters Beziehungen zu einer Theatertruppe nach Köln. Später erarbeitet sie sich einen gewissen Ruhm als Operettensängerin.

  • Felix Schimmelpreester

    Patenonkel von Felix Krull, untersetzt, mit grauem, gelichtetem Haar, glattrasiert, mit hakenförmiger Nase und verkniffenem Mund. Er hat keine Augenbrauen und trägt eine übergroße runde Brille. Sein scharfer Blick und seine bittere Lebenseinstellung wirken einschüchternd auf andere. Er ist ein Kunstmaler von mittelmäßiger Begabung, der sich als Hochstapler einen Professorentitel angemaßt hat. Schimmelpreester stammt aus Köln, wo er als Festordner eine besondere Position im Karneval innehatte. Aufgrund eines nie aufgeklärten Vorfalls zog er sich später in das Städtchen zurück, in dem Familie Krull lebt. Hier wird er zum engen Freund der Familie. Durch seine Bekanntschaft mit Hoteldirektor Stürzli hilft er Felix, eine Anstellung im Grandhotel zu bekommen.

  • Rozsa

    Ungarische Prostituierte, die Felix in Frankfurt kennenlernt. Sie ist als Zirkuskind aufgewachsen, hat in einem Bordell in Budapest gearbeitet und später bei einem reichen Wiener Kaufmann gelebt. Nach dessen Tod prostituiert sie sich erneut. In Frankfurt zieht sie ein halbes Jahr lang mit Felix zusammen und wird seine Liebeslehrerin.

  • Stanko

    Kroatischer Zimmerkollege von Felix und Hilfskoch im Pariser Hotel »Saint James and Albany«. Stanko ist etwa im gleichen Alter wie Felix, also um die Zwanzig, als sie sich kennenlernen. Er ist ein Kleinkrimineller, der sofort durchschaut, dass es sich bei Felix‘ Juwelen um Diebesgut handelt. Später fordert er Felix zu weiteren Diebestouren auf, was dieser jedoch ablehnt. Trotz seiner kriminellen Energie wirkt Stanko sympathisch. Er ist etwas grobschlächtig, dabei aber warmherzig und lustig. Stanko bietet Felix ehrliche Freundschaft an, die allerdings nicht erwidert wird.

  • Madame Houpflé

    Erfolgreiche Schriftstellerin in mittleren Jahren, die unter dem Künstlernamen Diane Philibert schreibt. Sie ist elegant, gut gekleidet und auf den ersten Blick als Angehörige der Oberschicht zu erkennen. Verheiratet ist sie mit Monsieur Houpflé, einem schwerreichen Hersteller von Toilettenschüsseln. Die Ehe mit ihm ist sexuell unbefriedigend. Sie tröstet sich darüber mit jungen Männern hinweg, für die sie eine Schwäche hat. Felix ist einer von ihnen, und sie begegnet ihm mit großem Selbstbewusstsein und entwaffnender Direktheit. Dabei zeigt sie zugleich Melancholie angesichts ihres eigenen fortgeschrittenen Alters und der Vergänglichkeit körperlicher Schönheit.

  • Eleanor Twentyman

    Junge Frau von 17 oder 18 Jahren, die zusammen mit ihren Eltern Gast im »Saint James and Albany« ist und sich schwärmerisch in Felix verliebt. Die Familie ist schwerreich und stammt aus Birmingham. Eleanor wird ständig von ihrer Mutter kontrolliert und überwacht und träumt davon, mit Felix durchzubrennen.

  • Lord Nectan Kilmarnock

    Wohlhabender schottischer Lord um die 50, der von Felix im Hotel bedient wird und sich dabei in ihn verliebt. Er stammt aus Aberdeen, hat eine vornehme, zurückhaltende Ausstrahlung, ist schlank, groß und stets sorgfältig gekleidet. Seine Augen sind grün-grau, er hat einen fein geschnittenen Mund und damit kontrastierend eine etwas klobige Nase, graues Haar und einen grauen Schnurrbart. In vielem gleicht er also äußerlich seinem Schöpfer Thomas Mann. Kilmarnock möchte Felix an sich binden, indem er ihm die Adoption anbietet, doch Felix weist ihn zurück.

  • Marquis Louis de Venosta

    Der Marquis ist ein junger Adeliger, der ungefähr im gleichen Alter wie Felix ist. Sein Auftreten und seine Kleidung zeigen seine Herkunft an; dabei wirkt er angenehm, aber durchschnittlich. Er studiert an der Pariser Kunstakademie und dilettiert im Zeichnen. Obwohl er nur mittelmäßig begabt ist, ist sein bequemer Lebenslauf qua Geburt festgelegt. Er steht im Einklang mit seiner gesellschaftlichen Rolle. Insofern ist sein Lebensentwurf der genaue Gegenpol zu dem von Felix Krull. Venosta liebt die Soubrette Zaza und schlägt Felix einen Rollentausch vor, um sie nicht aufgeben zu müssen, wozu seine Familie ihn drängt. Hinsichtlich der Umsetzung des Plans erweist sich Venosta als recht naiv.

  • Zaza

    Freundin von Marquis Louis de Venosta, eine reizvolle Sängerin, die manchmal mit Louis im Hotel speist und dabei auch mit Felix flirtet. Besonders mag sie es, wenn Felix sie mit »Marquise« anspricht. Sie ist der Grund, warum Louis unbedingt in Paris bleiben will und den Rollentausch mit Felix betreibt.

  • Professor Antonio José Kuckuck

    Direktor des Naturhistorischen Museums Lissabon. Der 57-jährige Paläontologe (erforscht Lebewesen vergangener Erdzeitalter) besitzt laut Felix »Sternenaugen« und ist ein begeisterter Wissenschaftler, der in seinem Fach aufgeht. Er hat tiefe Einblicke in die Natur von Welt und Menschen, an denen er Felix im Gespräch teilhaben lässt. So betrachtet er das Leben als beständigen Wandel und das Auftauchen des Menschen im Universum als bloße erdgeschichtliche Episode. Kuckuck lebt mit seiner Frau Maria Pia und seiner Tochter Suzanna in einer Villa oberhalb von Lissabon.

  • Maria Pia Kuckuck-la Cruz

    Ehefrau von Professor Kuckuck, portugiesische Schönheit von strenger, würdevoller Erscheinung. Sie hat charakteristisch südeuropäische, »iberische« Gesichtszüge und hält sich stets äußerst gerade. Ihr Auftreten ist hoheitsvoll, was nach Felix‘ Einschätzung ihrem gesellschaftlichen Stand nicht ganz entspricht. Sie gibt sich distanziert und kühl, ist aber im Inneren leidenschaftlich und empfänglich für Felix‘ Annäherungsversuche. Ihrem Ehemann gegenüber verhält sie sich zärtlich und äußerlich loyal; ihre Tochter erzieht sie mit Strenge und weist sie häufig zurecht, ohne sie dabei jedoch zu demütigen.

  • Suzanna »Zouzou« Kuckuck

    18-jährige Tochter von Professor Kuckuck und Maria Pia Kuckuck-la Cruz. Sie ähnelt ihrer Mutter, hat wie sie schwarze Augen und dunkles Haar, dabei aber weichere und lieblichere Züge. Sie ist nach Einschätzung von Felix eher hübsch als schön. Zouzou ist eine gute Tennisspielerin, lebendig, temperamentvoll und an vielen Dingen interessiert. In ihren Gesprächen mit Felix gibt sie sich schlagfertig, frech und nüchtern, kann aber nur schwer verbergen, dass sie in ihn verliebt ist.

  • Dom Miguel Hurtado

    Wissenschaftlicher Assistent von Professor Kuckuck, Tierpräparator und Dermoplastiker. Er ist im mittleren Alter, hat eine »Adlernase« (S. 330), trägt eine Brille und häufig einen Panamahut über seinem schulterlangen Haar. Hurtado ist der zukünftige Ehemann von Zouzou, was erst am Ende des Romans von Maria Pia erwähnt, von Felix aber schon lange davor vermutet wird.

  • Genovefa

    Zimmermädchen der Familie Krull und die erste Frau, mit der Felix sexuelle Erfahrungen macht.

  • Sanitätsrat Dr. Düsing

    Hausarzt der Familie Krull, wird von Felix als etwas dümmlich betrachtet und fällt auf dessen Simulationen herein.

  • Müller-Rosé

    Operettensänger von großer Bühnenpräsenz, der das Publikum begeistert. Als Felix ihn in seiner Garderobe kennenlernt, entdeckt er hinter dem charismatischen Star einen Durchschnittsmenschen, pickelig und verschwitzt, der abgeschminkt nichts mehr von seiner Strahlkraft besitzt.

  • Leutnant Übel

    Armer und lebensunerfahrener Soldat, der Olympia einen Heiratsantrag macht. Es kommt jedoch aufgrund des Bankrotts und Selbstmords von Engelbert Krull nicht zur Hochzeit.

  • Geistlicher Rat Chateau

    Katholischer Priester, der aufgrund von Felix‘ Intervention dem kirchlichen Begräbnis des Selbstmörders Engelbert Krull zustimmt. Elegante Erscheinung; ist gutem Essen und Trinken zugetan.

  • Andromache

    Androgyne Trapezkünstlerin von großer Schönheit und perfekter Körperbeherrschung, die von Felix bei einem Zirkusbesuch bewundernd angehimmelt wird.

  • Jean-Pierre

    Uhrmacher und Hehler, bei dem Felix die Juwelen von Madame Houpflé veräußert. Bekannter von Stanko, raffiniert und »mit allen Wassern gewaschen«. Erstaunt über Felix‘ Dreistigkeit; hegt Sympathie für ihn.

  • Eustache

    Liftboy im Hotel, Kollege von Felix.

  • Hector

    Oberkellner im Hotel, dem Felix zu Beginn seiner Kellnerlaufbahn zugeteilt wird und der ihm eine große Zukunft prophezeit.

  • Isaak Stürzli

    Direktor des Pariser Hotels, ist sehr dick und wird von den Mitarbeitern darum »Rhinozeros« genannt. Sein Nacken ist gedrungen, sein Rücken gewölbt, er hat eine große Warze auf der Nase und trägt einen grauen Spitzbart. Trotz seiner Macht im Hotel lässt er sich von Felix bezaubern.

  • Monsieur Machatschek

    Maître d'hôtel im »Saint James and Albany« von großer Leibesfülle, der täglich in perfekt frischer und gestärkter Livrée den Speisesaal kontrolliert. Er besitzt hausintern sehr viel Macht und lässt dies auch Felix spüren, ist aber zugleich amüsiert über dessen dreistes Selbstbewusstsein.

Text von Dr. Susanne Niemuth-Engelmann. Veröffentlicht am 6. Januar 2023. Zuletzt aktualisiert am 6. Januar 2023.