Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull

Inhaltsangabe

Felix Krull wird zu Beginn der 1870er-Jahre als Sohn des Champagnerfabrikanten Engelbert Krull im Rheingau nahe Mainz geboren. Zusammen mit seiner Schwester Olympia wächst er wohlbehütet in einer Villa auf. Seine Eltern leben auf großem Fuß und sind für ihre Einladungen zu ausschweifenden Festen bekannt. Der Ruf der Familie ist beim redlichen Bürgertum des Ortes nicht der Beste – auch aufgrund des billig produzierten Champagners, der als Spitzenware verkauft wird.

Der hübsche und fantasievolle Felix fällt schon früh durch seine Freude an Rollenspielen und Kostümierungen auf. Gern sitzt er dem Kunstmaler Schimmelpreester, seinem Paten, Modell. Kleine Diebstähle im örtlichen Delikatessenladen belasten sein Gewissen ebensowenig wie sein talentiertes Vortäuschen von Krankheiten, um der Schule fernzubleiben. Die Oberrealschule verlässt er ohne Abschluss. Als er 16 ist, wird das Zimmermädchen Genovefa seine Geliebte. Bereits mit ihr entdeckt er seine »Begabung« als Liebhaber.

Um 1890 geht das Familienunternehmen bankrott und Engelbert Krull erschießt sich. Die Villa wird verkauft und der Lebensstandard der Familie sinkt dramatisch. Felix‘ Mutter eröffnet eine bescheidene Pension in Frankfurt am Main, wohin Felix sie begleitet. Am Abend durchstreift er die große Stadt, empfänglich für deren Pracht und die Verlockungen der Halbwelt. Durch das Herbeirufen von Wagen vor der Oper verdient er sich etwas Geld. Seine Schönheit fällt Frauen wie Männern auf. Zweideutige Angebote lehnt er ab, bis er der Prostituierten Rozsa begegnet. Eine Zeit lang wird er ihr Zuhälter und lernt dabei alle Spielarten körperlicher Liebe kennen.

Durch Vortäuschung eines epileptischen Anfalls gelingt es Felix, vom Militärdienst befreit zu werden. So kann er nach Paris abreisen, wo ihm Schimmelpreester eine Anstellung in einem Grand Hotel verschafft. Felix überzeugt seine Arbeitgeber von Anfang an durch seine Gewandtheit. Die Schriftstellerin Madame Houpflé alias Diane Philibert, die er bei der Zollabfertigung an der Grenze bestohlen hatte, begegnet ihm als Hotelgast wieder und wird seine Geliebte. Das Geständnis seines Diebstahls erregt sie sexuell, und sie fordert ihn auf, ihr weitere Schmuckstücke zu »stehlen«. Vom Hilfskoch Stanko erhält Felix die Adresse eines Hehlers, der ihm eine große Summe für die Juwelen zahlt. In seiner Freizeit führt er nun eine luxuriöse Parallelexistenz, bleibt aber seiner Hotelanstellung treu.

Schnell steigt Felix vom Liftboy zum Kellner auf. Auch im Speisesaal kann er sich romantischer Avancen schwer erwehren. Die 17-jährige Tochter eines Industriellen verliebt sich ebenso rettungslos in ihn wie ein 50-jähriger schottischer Lord, der ihm eine Privatanstellung anbietet und sogar Adoption in Aussicht stellt. Doch Felix widersteht allen Annäherungsversuchen und folgt seinen eigenen Aufstiegsplänen.

Ein neues Kapitel beginnt für ihn, als er den etwa gleichaltrigen Marquis de Venosta und dessen große Liebe Zaza kennenlernt. Venostas Familie lehnt die Sängerin ab und will den Marquis auf eine Auslandsreise schicken, um die beiden zu trennen. Venosta schlägt Felix vor, an seiner Stelle die Reise anzutreten. Er selbst könne so mit Zaza in Paris bleiben. Bei den Vorgesprächen zu diesem Plan erweist Felix sich als raffiniert und ausgebufft. Anders als der naive Venosta erkennt Felix alle Fallstricke, die den Rollentausch auffliegen lassen könnten. Erst nachdem alles minutiös durchgespielt worden ist, von den Zahlungsmitteln über die Briefe an die Eltern bis hin zur gefälschten Unterschrift, tritt Felix als falscher Marquis die Reise an.

Im Zug nach Lissabon lernt er den Paläontologen Professor Kuckuck kennen. Kuckuck ist Direktor des Naturhistorischen Museums Lissabon. Er vertieft sich mit Felix in eine Unterhaltung über den Ursprung lebender Organismen auf der Erde und die Entwicklung bis zum Erscheinen der menschlichen Spezies. Das Gespräch wendet sich schließlich philosophischen Fragen um das Sein und das Nichts zu. 

In Lissabon bezieht Felix eine prachtvolle Hotelsuite. Bei einem Spaziergang lernt er durch Zufall Kuckucks Mitarbeiter Dom Miguel Hurtado sowie Kuckucks Tochter Suzanna, genannt Zouzou, und Kuckucks Frau Maria Pia kennen. Mutter und Tochter gefallen ihm gleichermaßen, auch wenn ihm die Mutter mit Kühle, die Tochter mit selbstbewusster Sachlichkeit begegnet. Er wird zum gern gesehenen Gast im Hause des Professors. Einmal lässt er sich von diesem durch das Naturkundemuseum führen, ein Rundgang, der ihn nachhaltig beeindruckt.

Von den Abendveranstaltungen und gesellschaftlichen Anlässen, die er in seiner Rolle als Marquis wahrnimmt, berichtet er seinen »Eltern« in ausführlichen Briefen. Er erhält sogar eine Audienz beim König. Die Mutter des Marquis antwortet ihm stolz und freudig. Allerdings äußert sie Verwunderung über die Eloquenz und gesellschaftliche Gewandtheit ihres Sohnes, die sie bisher nicht in diesem Maß an ihm wahrgenommen hatte.

Als Felix ein lang ersehntes Stelldichein mit Zouzou an einem versteckten Gartenplatz herbeiführen kann und sie stürmisch küsst, werden die beiden von Zouzous Mutter überrascht. Diese zeigt sich streng, schickt ihre Tochter auf ihr Zimmer und verlangt von Felix eine Unterredung im Haus. Das vermeintlich ernste Gespräch hinter verschlossenen Türen erweist sich jedoch als Verführungsspiel. Bereitwillig sinkt Felix nun auch in die Arme der Mutter.

Text von Dr. Susanne Niemuth-Engelmann. Veröffentlicht am 6. Januar 2023. Zuletzt aktualisiert am 6. Januar 2023.