Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull

Rezeption und Kritik

Schon zu Beginn seiner Arbeit an dem Roman in den 1920er-Jahren ließ Thomas Mann Teile des unvollendeten Werkes veröffentlichen. Das erste Buch kam bereits 1923 heraus und wurde von der Kritik positiv aufgenommen. Rezensenten und Publikum hofften auf eine baldige Fortsetzung: »Es wird einstimmig beschlossen, dass der Roman des Hochstaplers aufs Schnellste zu Ende gedichtet werden soll.« (Monty Jacobs in der Vossischen Zeitung vom 28.10.1923, zitiert nach Kern 2021) 

Nach langer Pause, bedingt durch NS-Zeit, Krieg und Exil, nahm Thomas Mann die Arbeit am ersten Teil des Romans jedoch erst 1954 wieder auf. Das Erscheinen der beiden ersten Auflagen mit insgesamt 42.000 Exemplaren wurde von der Presse erneut positiv aufgenommen. Das Publikum war begeistert, doch eine Fortsetzung konnte nicht mehr herausgebracht werden, da Thomas Mann nur ein Jahr darauf im Alter von 80 Jahren in Zürich verstarb. Quellen, die über seine Pläne zur weiteren Entwicklung des Romans Aufschluss geben könnten, existieren abgesehen von einigen spärlichen Notizen, nicht.

Die großartigen Schauplätze am Rhein, in Paris und Lissabon, die schillernden Figuren und die amüsante Handlung legten eine Verfilmung des Stoffes nahe.Die erste Verfilmung des Romans entstand 1957. Kurt Hoffmann führte Regie, in der Hauptrolle war Horst Buchholz zu sehen, Zaza wurde von Lieselotte Pulver gespielt. Susi Nicoletti verkörperte Madame Houpflé, Paul Dahlke den Professor Kuckuck. 1982 schuf Regisseur Bernhard Sinkel eine fünfteilige Fernsehverfilmung mit John Moulder-Brown in der Hauptrolle und u. a. Klaus Schwarzkopf und Mareike Carrière in weiteren Rollen.

Die aktuellste filmische Umsetzung (2021) des Stoffes stammt aus der Regiewerkstatt von Detlev Buck. Die Hauptrolle wird von Jannis Niewöhner verkörpert. In weiteren Rollen sind u. a. Maria Furtwängler, Liv Lisa Fries und Joachim Król zu sehen. Nach Meinung vieler Filmkritiker handelt es sich trotz Daniel Kehlmanns Mitarbeit am Drehbuch um eine sehr flache Aneignung des literarischen Stoffes. Der Versuch, aus der schillernden Hauptfigur einen liebenden Jüngling zu machen, der um seine Angebetete kämpfen muss, kehrt die Ironie der Vorlage völlig unter den Teppich und macht den Kinofilm zu einer einfallslosen, eindimensionalen Romanze.

Text von Dr. Susanne Niemuth-Engelmann. Veröffentlicht am 6. Januar 2023. Zuletzt aktualisiert am 6. Januar 2023.