Katz und Maus

Entstehung und Quellen

Neuhaus schreibt: „Ursprünglich gehörten [...] Mahlke und seine Geschichte zum Stoffkomplex Kartoffelschalen, der Vorform der Hundejahre“ (Neuhaus, 2010b: 88). Aus diesem Komplex isolierte Grass die Geschichte um Mahlke, da er in ihr das Potenzial sah, eine Novelle abzugeben. Gegenüber Heinz Ludwig Arnold bemerkte Grass: „Hundejahre habe ich mit einer falschen Erzählkonzeption begonnen, die dann in der Mitte des Buches durch ein Kapitel, das eigentlich Katz und Maus enthielt, zerschlagen wurde; es stellte sich heraus, daß darin eine Novelle war, die den Roman kaputt machte“ (Arnold, 1978: 18).

Katz und Maus heißt im Untertitel Eine Novelle und tatsächlich gelingt es, an die alte Tradition der Novelle, die ihren Höhepunkt bei Thomas Mann oder Arthur Schnitzler (Neuhaus, 2010b:88.) erreicht hat, anzuknüpfen. Neuhaus geht sogar so weit zu behaupten, Grass habe mit Katz und Maus die postmoderne Novelle begründet (ebd.).

Viele Eigenarten von Katz und Maus verdanken sich dem Anschluss an die Novellentradition. So etwa das Dingsymbol des Ordens, die unerhörte Begebenheit als Höhepunkt (der Diebstahl des Dingsymbols) und die Unausweichlichkeit des Konflikts. Eine Novelle braucht „Spannungskurven und Wendepunkte. Man hört gerne Unerhörtes, Dramatisches – insofern ist also im Begriff des novellistischen Erzählens die Nähe zum Drama bereits angelegt“ (Füllmann, 2010: 10). Das Schicksal Mahlkes ist durch solche dramatischen Einschnitte strukturiert: Wer hat ihm die Katze auf den Hals gesetzt? Warum hat er den Orden gestohlen? Ist er ertrunken? 

Natürlich ist auch die Kürze von Katz und Maus typisch novellistisch. Die Geschichte lässt sich schließlich, bei konzentrierter Lektüre, an einem Tag lesen. Geradezu prototypisch für die Novelle ist die Darstellung eines „einzelnen Konflikt[s]“ (Heyse, 1969: 73). Bei diesem handelt es sich um den Konflikt zwischen Katz und Maus, der in der allerersten Szene entfaltet wird (vergleiche Kapitel Zitate und Textstellen). Dieser Konflikt steht für einen notwendigen Konflikt, der aus der Natur der beiden Konfliktparteien entsteht. Wie Katze und Maus naturgemäß Feinde sind, ist die Beziehung zwischen Mahlke und seiner Umwelt eine feindliche.

Inwieweit reale Personen den fiktiven Personen zugrunde liegen, lässt sich nicht nachprüfen. Fest steht allerdings, dass der Ort Danzig mehr als nur Schauplatz ist. Man sollte nicht vergessen, dass Danzig die Heimat von Günter Grass ist, die er nach dem Krieg verlassen musste. Das Schreiben über Danzig kann also immer wieder als Versuch, die Heimat oder die eigene Jugend wiederzufinden verstanden werden.

Veröffentlicht am 16. August 2022. Zuletzt aktualisiert am 21. September 2022.