Katz und Maus

Kapitel I

Zusammenfassung

Die Novelle beginnt mit der Schilderung einer Katze, die den großen Adamsapfel des Protagonisten Joachim Mahlke für eine Maus hält. Mahlke, der Erzähler Pilenz und einige andere Jungs halten sich in der Nähe eines Stadions während eines Sportturniers auf. Mahlke schläft und die Katze wird vom Erzähler auf seinen Hals gesetzt, damit sie dessen Adamsapfel angreift.

Auch die folgende Beschreibung des gestrandeten Minensuchbootes ist der Chronologie vorgelagert. Die Beschreibung der Jungs auf dem Minensuchboot im Sommer hat, wie die erste Szene mit Katze und Adamsapfel, den Charakter einer Exposition. Der Protagonist Mahlke wird als extrem fähiger Taucher eingeführt. Das fahruntüchtige Boot ist der Treffpunkt der pubertierenden Jungs.

Joachim Mahlke ist kurz nach Kriegsbeginn 1939 vierzehn Jahre alt geworden und lernt erst in diesem Alter schwimmen. Schnell ist er der beste Schwimmer der Gruppe, in die er nur aufgenommen wird, weil er gut schwimmen kann. Dabei trägt er immer einen Schraubenzieher und ein Kettchen mit der heiligen Jungfrau Maria um den Hals.
Auch im Turnunterricht ist Mahlke der beste, wenngleich es ihm an Eleganz der Bewegungen fehlt. Dennoch kommt Mahlke selbst bei großen Anstrengungen nicht ins Schwitzen. In der Turnstunde ist es ihm allerdings nicht erlaubt, den Schraubenzieher am Schnürsenkel um den Hals zu tragen.

Außerdem wird in diesem Kapitel erzählt, dass Mahlke keinen Vater mehr hat, weil dieser gestorben ist. Mahlke lebt mit seiner Mutter und deren Schwester zusammen.
Als Mahlke aufgrund seiner körperlichen Potenz in den Freundeskreis aufgenommen worden ist, taucht er immer wieder in die unter Wasser liegenden Räume des Minensuchbootes und schraubt Schilder und Plaketten ab, die er den Freunden stolz präsentiert. Einige verschenkt er, andere behält er für sich selbst.

Mahlke wird als eifriger Kirchgänger porträtiert. Aus dem Boot birgt er auch eine Medaille der heiligen Matka Boska Czestochowska, der schwarzen Madonna von Tschenstochau.

Analyse

Wie bereits erwähnt, kann das erste Kapitel als Exposition verstanden werden. Hier werden die zentralen Figuren der Novelle vorgestellt, einerseits Mahlke und andererseits Pilenz, der Erzähler.

Auffallend ist, dass die Novelle nicht mit einem normalen Satz anfängt, sondern mit »... und einmal« (5). Dadurch wird darauf hingewiesen, dass der Beginn einer Erzählung immer etwas Künstliches hat. Es gibt keinen Anfang aus dem luftleeren Raum, kein Anfang aus dem Nichts. Die Novelle macht durch diesen Satz deutlich, dass sie an andere Dinge, die sich zugetragen haben, anschließt. Gleichzeitig wird der Leser auf intertextuelle Bezüge aufmerksam gemacht, die sich in der Folge immer wieder finden lassen.

Aber auch die Szene, die am Anfang erzählt wird, ist bedeutend. »Die Novelle Katz und Maus beginnt mit einem typischen novellistischen Ereignis« (Schröder, 1986: 74). Dieses Ereignis schwebt gleichsam als prototypisches Ereignis über der Handlung. Die Szene verbindet sich auch mit dem Titel der Novelle. Hier wird der Grundkonflikt, auf den sich alle Taten Mahlkes zurückführen lassen, geschildert.

Außerdem werden bereits im ersten Kapitel die Versuche Mahlkes geschildert, seinen Adamsapfel zu verbergen. Es wird damit schon hier deutlich, worum es in der Erzählung geht: die fortschreitenden Versuche Mahlkes, zu verschwinden.

Wichtig ist ferner, dass zu Ende des Kapitels die erste lateinische Sequenz vorkommt (19). Der Text wird immer wieder Kirchenlatein zitieren und damit den Grundkonflikt auf eine höhere Ebene tragen. Es geht eben nicht nur um die eine Person Mahlke, sonder um den Menschen und seine Stellung in der Welt.

Dadurch, dass die Grundlinien schon im ersten Kapitel angelegt sind, ergibt sich für den Leser der Eindruck eines sehr dichten Netzwerks aus Informationen. Der erste Eindruck ist mit einer gewissen Orientierungslosigkeit verbunden. Die weiteren Kapitel beziehen sich aber immer wieder auf das erste und schaffen es so, einen bündigen Gesamteindruck des ganzen Textes herzustellen.

Eine weitere Besonderheit des ersten Kapitels besteht darin, dass bestimmte Szenen - etwa die Eingangsszene mit der Katze - mit der Chronologie der Handlung brechen. Gerade die Eingangsszene schwebt über der Reihenfolge der Geschehnisse. Dadurch, dass der Erzähler immer wieder auf diese Szene zurückkommt, wird sie zu einer Art Leitmotiv.

Veröffentlicht am 10. Oktober 2022. Zuletzt aktualisiert am 20. Oktober 2022.