Katz und Maus

Zusammenfassung & Analyse

Kapitel I

Die Novelle beginnt mit der Schilderung einer Katze, die den großen Adamsapfel des Protagonisten Joachim Mahlke für eine Maus hält. Mahlke, der Erzähler Pilenz und einige andere Jungs halten sich in der Nähe eines Stadions während eines Sportturniers auf. Mahlke schläft und die Katze wird vom Erzähler auf seinen Hals gesetzt, damit sie dessen Adamsapfel angreift. 

Auch die folgende Beschreibung des gestrandeten Minensuchbootes ist der Chronologie vorgelagert. Die Beschreibung der Jungs auf dem Minensuchboot im Sommer hat, wie die erste Szene mit Katze und Adamsapfel, den Charakter einer Exposition. Der Protagonist Mahlke wird als extrem fähiger Taucher eingeführt. Das fahruntüchtige Boot ist der Treffpunkt der pubertierenden Jungs.

Joachim Mahlke ist kurz nach Kriegsbeginn 1939 vierzehn Jahre alt geworden und lernt erst in diesem Alter schwimmen. Schnell ist er der beste Schwimmer der Gruppe, in die er nur aufgenommen wird, weil er gut schwimmen kann. Dabei trägt er immer einen Schraubenzieher und ein Kettchen mit der heiligen Jungfrau Maria um den Hals.

Auch im Turnunterricht ist Mahlke der beste, wenngleich es ihm an Eleganz der Bewegungen fehlt. Dennoch kommt Mahlke selbst bei großen Anstrengungen nicht ins Schwitzen. In der Turnstunde ist es ihm allerdings nicht erlaubt, den Schraubenzieher am Schnürsenkel um den Hals zu tragen.

Außerdem wird in diesem Kapitel erzählt, dass Mahlke keinen Vater mehr hat, weil dieser gestorben ist. Mahlke lebt mit seiner Mutter und deren Schwester zusammen.

Als Mahlke aufgrund seiner körperlichen Potenz in den Freundeskreis aufgenommen worden ist, taucht er immer wieder in die unter Wasser liegenden Räume des Minensuchbootes und schraubt Schilder und Plaketten ab, die er den Freunden stolz präsentiert. Einige verschenkt er, andere behält er für sich selbst.

Mahlke wird als eifriger Kirchgänger porträtiert. Aus dem Boot birgt er auch eine Medaille der heiligen Matka Boska Czestochowska, der schwarzen Madonna von Tschenstochau.

 

ANALYSE

Wie bereits erwähnt, kann das erste Kapitel als Exposition verstanden werden. Hier werden die zentralen Figuren der Novelle vorgestellt, einerseits Mahlke und andererseits Pilenz, der Erzähler. 

Auffallend ist, dass die Novelle nicht mit einem normalen Satz anfängt, sondern mit „... und einmal“ (5). Dadurch wird darauf hingewiesen, dass der Beginn einer Erzählung immer etwas Künstliches hat. Es gibt keinen Anfang aus dem luftleeren Raum, kein Anfang aus dem Nichts. Die Novelle macht durch diesen Satz deutlich, dass sie an andere Dinge, die sich zugetragen haben, anschließt. Gleichzeitig wird der Leser auf intertextuelle Bezüge aufmerksam gemacht, die sich in der Folge immer wieder finden lassen.

Aber auch die Szene, die am Anfang erzählt wird, ist bedeutend. „Die Novelle Katz und Maus beginnt mit einem typischen novellistischen Ereignis“ (Schröder, 1986: 74). Dieses Ereignis schwebt gleichsam als prototypisches Ereignis über der Handlung. Die Szene verbindet sich auch mit dem Titel der Novelle. Hier wird der Grundkonflikt, auf den sich alle Taten Mahlkes zurückführen lassen, geschildert.

Außerdem werden bereits im ersten Kapitel die Versuche Mahlkes geschildert, seinen Adamsapfel zu verbergen. Es wird damit schon hier deutlich, worum es in der Erzählung geht: die fortschreitenden Versuche Mahlkes, zu verschwinden.

Wichtig ist ferner, dass zu Ende des Kapitels die erste lateinische Sequenz vorkommt (19). Der Text wird immer wieder Kirchenlatein zitieren und damit den Grundkonflikt auf eine höhere Ebene tragen. Es geht eben nicht nur um die eine Person Mahlke, sonder um den Menschen und seine Stellung in der Welt. 

Dadurch, dass die Grundlinien schon im ersten Kapitel angelegt sind, ergibt sich für den Leser der Eindruck eines sehr dichten Netzwerks aus Informationen. Der erste Eindruck ist mit einer gewissen Orientierungslosigkeit verbunden. Die weiteren Kapitel beziehen sich aber immer wieder auf das erste und schaffen es so, einen bündigen Gesamteindruck des ganzen Textes herzustellen.

Eine weitere Besonderheit des ersten Kapitels besteht darin, dass bestimmte Szenen - etwa die Eingangsszene mit der Katze - mit der Chronologie der Handlung brechen. Gerade die Eingangsszene schwebt über der Reihenfolge der Geschehnisse. Dadurch, dass der Erzähler immer wieder auf diese Szene zurückkommt, wird sie zu einer Art Leitmotiv.

 

Kapitel II

Der Erzähler stellt die Ernsthaftigkeit von Mahlkes Frömmigkeit in Frage. Vom Studienrat Brunies nach seinen Berufswünschen gefragt, antwortet Mahlke nämlich, er wolle Clown werden. Er äußert diesen Wunsch so ernsthaft, dass niemand in der Klasse diesen doch eher ungewöhnlichen Berufswunsch in Frage stellt.

Der Erzähler Pilenz schildert das Wohnviertel Mahlkes, das auch das des Erzählers ist. Es handelt sich um Langfuhr, einen Vorort von Danzig, dessen Bild durch gleichförmige Einfamilienhäuser geprägt wird.

Mahlkes Zimmer befindet sich in der Dachkammer eines solchen Hauses. Pilenz schildert das Inventar des Jungenzimmers, in dem sich auch Beutegut aus dem Minensuchboot befindet. Es fällt auf, dass neben dem für Jungs typischen Dekor (Schmetterlingssammlung, Fotos von Schauspielern und Kriegshelden) auch ein Druck der Sixtinischen Madonna im Zimmer hängt. Ein weiteres Kuriosum ist eine ausgestopfte Schneeeule, die gewisse Ähnlichkeit mit Mahlke zu haben scheint.

Als wichtigster Einrichtungsgegenstand gilt Pilenz aber das aus dem Boot geborgene Grammophon, das Mahlke repariert und wieder funktionstüchtig gemacht hat. Platten hat er jedoch keine.

Mahlke wird als guter Schüler geschildert, der allerdings nicht allzu viel Fleiß zu investieren scheint. Auch ist er in schulischen Dingen nicht auf Konkurrenz bedacht, lässt alle abschreiben.

Eine Besonderheit an ihm ist, dass er sehr zurückhaltend bei sexuellen Späßen ist. Während die anderen Jungs mit Präservativen herumspielen und ähnliches, bleibt er auf Abstand.

Dennoch ist es Mahlke wichtig, gemocht zu werden und Leistungen zu bringen, zu denen andere nicht fähig sind. Dies erstreckt sich vor allem auf den sportlichen Bereich. Pilenz pocht jedoch darauf, dass Mahlke kein Angeber ist.

Gegen Ende des Kapitels wird das Minensuchboot, das als Treffpunkt fungiert, nochmal zum Thema. Vor dem Hintergrund des Krieges und einer gewissen Begeisterung für Technik, sind die in der Hafen- und Werftstadt Danzig lebenden Jungs sehr auf Kriegsschiffe fokussiert. Das Minensuchboot wird im Zusammenhang der gesamten polnischen Marine vorgestellt und erklärt, wie es zu dem Unglück kam. Das Boot, die Rybitwa, schlug schon auf der Jungfernfahrt leck.


ANALYSE

Eine der wichtigsten Funktionen des 2. Kapitels ist es, das polnische Minensuchboot mit einer Geschichte auszustatten. Diese Geschichte des Bootes entwickelt sich aber frei aus der Erzählung heraus. Zunächst geht es nämlich darum, dass Mahlke auch im Aufzählen der Flotten (damals ein Hobby der Jungs) bald der Beste sein wird (29). Mahlke kann selbst die Namen der japanischen Schiffe „fließend und ohne Stocken“ (ebd.) aufsagen. Zusammen mit dem Fakt, dass Mahlke erst sehr spät schwimmen gelernt hat, ergibt sich das Bild eines Spätzünders, der aber alle, die vor ihm waren, überflügeln will. Hier findet sich ein Hinweis auf die „kleinbürgerliche Mentalität“ (Hasselbach, 1990: 40). Mahlke ist ein Emporkömmling, ist also doch, entgegen dem Bekunden Pilenz', eine Art Streber.

Das Minensuchboot ist deshalb so wichtig, weil es die zentrale Bühne für Mahlkes Künste wird. Dazu kommt, dass das Boot immerhin ein Überbleibsel des Krieges ist. Man könnte also sagen, dass Mahlkes Entwicklung auf dem Krieg beruht – und tatsächlich ist es ja der Krieg, der ihm erst die Möglichkeit verschafft, sich richtig auszuzeichnen. 

Zudem verweist das Boot nicht nur auf den Krieg, sondern fungiert auch als Schutzraum für die Jungs. Hier sind keine Erwachsenen, hier sind sie ganz unter sich. Das Minensuchboot, obwohl es ein Wrack ist und auf eine Katastrophe verweist, stellt einen Rückzugsort für die Jugendlichen dar.

Wichtig ist auch, dass das Wohnmilieu geschildert wird. Es handelt sich um eine typische Vorortsiedlung in Danzig-Langfuhr, in der das kleinbürgerliche Milieu lebt. Die Enge wird durch die dichte Schilderung des Straßennetzes noch betont. Mahlkes Zimmer ist eine Dachkammer, die über die Enge des Milieus hinauszuweisen scheint. Auch dass das Fenster der Dachkammer auf eine Kirche sieht, ist von Bedeutung. 

Mahlkes Zimmer wird als Raum gezeichnet, der sich von seinem Umfeld ablöst und gleichzeitig auf etwas anderes hinweist (die Kirche). Damit wird die Frömmigkeit Mahlkes gespiegelt, dessen Glaube an die Jungfrau Maria ja ebenfalls über das irdische, alltägliche Dasein erhaben ist.

 

Kapitel III

Pilenz schildert Mahlke als nicht sehr hübschen Jungen. Er gibt aber zu bedenken, dass das ausschließlich am Adamsapfel liegen könnte. Erstmals wird hier angedeutet, dass Mahlke mit einem riesigen Geschlechtsteil ausgestattet ist. 

In der Öffentlichkeit wird jedoch vor allem der riesige Adamsapfel gesehen, der laut Erzähler Pilenz fast ein Eigenleben zu haben schien. 

Mahlke interessiert sich nicht für Mädchen, im Gegensatz zu den anderen pubertierenden Jungs. Eine Zeit lang begleitet das Mädchen Tulla Pokriefke die Jungs zum Boot. Tulla wird allerdings weniger als Mädchen gesehen, sondern gilt eher als Kamerad. 

Deswegen haben die Jungs auch kein Problem damit, vor Tulla zu onanieren und auf das Boot zu ejakulieren. Tulla ist von dem Sperma fasziniert und spielt damit herum, indem sie es wie Farbe anrührt. Sie verlangt von den Jungs, zu ejakulieren. 

Als sie es auch von Mahlke verlangt, sträubt dieser sich zunächst. Aus Tullas Provokationen reagiert er, indem er sie ohrfeigt und dann sein Geschlechtsteil herausholt. Tulla und die Jungs sind verblüfft über die Größe von Mahlkes Geschlechtsteil und der großen Menge Sperma, die er ejakuliert. Mahlke ist zudem  in der Lage, zweimal in direkter Folge zu ejakulieren. 

Besonders Tulla ist davon beeindruckt und sucht in der Folge die Nähe Mahlkes. Er aber kommt ihrem Bitten nach Wiederholung nicht nach. Bald sind die Jungs wieder unter sich.

Der Erzähler schildert nicht nur Mahlkes Geschlecht, das übrigens den Eindruck des übergroßen Adamsapfels mildert, sondern auch sein Gesicht. Dabei fällt auf, dass sich Mahlkes Gesicht zu entziehen scheint. So greift Pilenz zu einer Karikatur, die ein Mitschüler von Mahlke anfertigte. Mahlke reagiert auf die Karikatur mit einem heftigen Gewaltausbruch. 

ANALYSE

In diesem Kapitel finden sich erste Hinweise auf eine potenzielle Homosexualität des Erzählers. Mahlkes Penis ist nicht einfach nur groß, er ist „erwachsener gefährlicher anbetungswürdiger“ (35). Auch Tulla spiegelt das quasi anbetende Verhalten gegenüber Mahlkes Glied: „Darf ich mal schnell, nur ganz schnell?“ (ebd.). Diese Szene ist zur Zeit der Erstveröffentlichung als Skandal empfunden worden – und auch heute ist die Szene noch durchaus anstößig, da es sich ja eigentlich um eine Form der Kinderpornographie handelt. Die Szene ist aber wichtig, da Mahlke hier als jemand dargestellt wird, der mit bestimmten Vorzügen rechnen kann. Allerdings ist im Alltag nur der negativ besetzte Adamsapfel sichtbar. Der wohl eher positiv besetzte Phallus muss unter Kleidung verborgen werden. Penis und Adamsapfel werden aber miteinander in Beziehung gesetzt: „Aber das Ding hatte seine Entsprechungen“ (32). Sie gehören zusammen wie zwei Seiten einer Medaille.

Besonders wichtig ist auch das Ende des Kapitels. Hier wird Mahlke karikiert und diese Karikatur ist es, die Pilenz benutzt um dem Leser Mahlkes Äußeres zu schildern (Schröder, 1986: 77). 

Dies ist so wichtig, weil die Figur Mahlke hier wieder hinter äußeren Attributen zu verschwinden scheint. Niemand weiß, wie Mahlke wirklich ausgesehen hat, was bleibt ist lediglich die Karikatur. Alle erinnern sich bloß an das Abbild, nicht an das Original.

Das zentrale Problem von Mahlke ist, dass er hinter Attributen verschwindet, hinter dem Adamsapfel, dem Orden, der Karikatur. Die ganze Novelle versucht eine authentisches Bild Mahlkes zu entwerfen, muss aber aus genau diesem Grund scheitern. Das Erzählen dringt niemals hinter die Oberfläche.

 

Kapitel IV

Dieses Kapitel beginnt mit Versuchen Mahlkes, seinen Adamsapfel zu verstecken. Mahlke wird als potenzieller Erfinder der sogenannten Puscheln erwähnt. Dabei handelt es sich um Wollkugeln, die ab dem Winter 1941/42 wie eine Fliege vor dem Hals getragen wurde. Die Puscheln werden als Modeerscheinung seitens des Schuldirektors verboten. Der Studienrat Brunies jedoch hat seinen Gefallen an den Puscheln und trägt sie sogar selbst. Später kommt Brunies ins KZ Stutthof.

Mahlke hört auf die Puscheln zu tragen, als sie zu beliebt werden. Er trägt nun Schals und riesige Sicherheitsnadeln. Das Clowneske der Erscheinung wird dabei von Pilenz hervorgehoben und mit Mahlkes geäußertem Berufswunsch in Verbindung gebracht.

Der Erzähler schildert in einer weiteren Szene den starken Eindruck, den Mahlke auf Mädchen macht. Zwei Cousinen des Erzählers sind im Winter aus Berlin zu Besuch. Der Erzähler und Schilling, einer der Jungs, versuchen die Mädchen zu beeindrucken und rudern sie zum Minensuchboot hinaus. Dort ist wider Erwarten Mahlke und hackt ein Loch in die zugefrorene Ostsee. Die Mädchen siezen Mahlke, obwohl er nur ein Jahr älter als die Jungs ist und sind tief beeindruckt. Auf seine Bitte hin urinieren erst die Mädchen, dann die Jungs auf die Stelle, an der Mahlke das Loch hacken will. Sein Ziel ist ein Zugang zum Boot. Nachdem alle uriniert haben, arbeitet er weiter und ignoriert die Mädchen und Jungs.

Am nächsten Tag schaut Pilenz nach, ob Mahlke sein Ziel erreicht hat. Der Erzähler ist erstaunt über das Loch, das genau so gesetzt ist, wie Mahlke es wollte. Pilenz bewundert Mahlke.

Pilenz äußert den Verdacht, dass Mahlke entgegen dem Eindruck alles nur für Publikum mache. Der Erzähler Pilenz ist als Messdiener in der Kirche aktiv, in die Mahlke geht. Auch sein dortiges frommes Gebaren zieht der Erzähler in Zweifel. Er denkt, auch das Beten geschähe für ein Publikum.

 

ANALYSE

In diesem Kapitel wird die Anziehungskraft, die Mahlke auf weibliche Menschen hat, mit der Anziehungskraft, die Pilenz auf weibliche Menschen nicht hat, verglichen. Deutlich wird die Antipathie und der Neid, den Pilenz für Mahlke empfindet. Gleichzeitig bewundert er ihn auch.

Außerdem wird Mahlke als Modeschöpfer stilisiert, er sei der Erfinder der sogenannten Puscheln. Was daran besonders auffällt ist, dass Mahlke aufhört Puscheln zu tragen, als ihn andere kopieren. Das erscheint zunächst paradox. Mahlkes Ziel ist es eigentlich, seinen Adamsapfel zu verbergen. Solange er der einzige Mensch ist, der Puscheln trägt, würde ja allein der Puschel schon darauf deuten, dass unter ihm etwas verborgen wird. Er wäre nur eine Hülle, die den Adamsapfel verdeckt. Wenn nun alle Puscheln tragen, kann gar nicht mehr davon ausgegangen werden, dass etwas darunter verborgen wäre. Dennoch stört es Mahlke, wenn es alle machen.

Man könnte Mahlke hier einen Individualisten nennen. Er möchte durchaus etwas Besonderes sein, will nicht so sein wie die anderen, aber er will eben auch nicht er selbst sein. Vielleicht ist dies das große Problem im Leben Mahlkes. Er will anders sein als die Anderen, aber nicht er selbst.

Darauf kommt auch Pilenz, wenn er sagt, dass Mahlke nichts ohne Publikum täte. Selbst das Beten in der Kirche geschieht für andere. Mahlke ist also radikal auf die Anderen bezogen. 

Was zusätzlich wichtig an diesem Kapitel ist, ist dass Mahlke selbst im Winter das Minensuchboot alleine betritt. Dies zeigt, wie wichtig dieser Ort für ihn ist. 

 

Kapitel V

Ein ehemaliger Schüler, der im Krieg als Luftwaffenpilot mit dem Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet wurde, kommt in das Gymnasium, um in der Aula einen Vortrag zu halten. Der Anblick des Kriegshelden bewegt Mahlke dazu, seine Puscheln abzulegen. Der Soldat ist ein Leutnant und schildert seine Kriegserlebnisse sehr anschaulich.

Es fällt dem Erzähler auf, dass alle Jungs der Schule hellauf begeistert vom Leutnant sind und ihm langanhaltenden Beifall spenden. Nur Mahlke klatscht nicht mit. 

Im Anschluss hält der Direktor eine Rede, die durch ihre Langatmigkeit auffällt. 

Nach der Rede verlassen die Schüler im Gedränge den Saal. Pilenz stellt Mahlke und fragt ihn nach seiner Meinung zum Vortrag. Mahlke weicht aus und äußert sich nur zu den Bedingungen, unter denen mittlerweile der Orden verliehen wird. Es scheint ihn zu beunruhigen.

Der Erzähler vermutet, die Rede habe Mahlke aufgewühlt und gibt weitere Beispiele, wie Mahlke versucht, seinen Adamsapfel unter Anhängern, Knöpfen und Nadeln zu verstecken. Er versucht, Mahlke zu verstehen und vermutet, Mahlke litte unter dem Winter, weil er nicht im Wasser tauchen, nicht abtauchen könne.

 

ANALYSE

Hier kommt der erste ehemalige Schüler in die Aula und hält eine Rede. Pilenz bettet den Vortrag in sein Erzählen ein, dadurch entsteht eine kleine, weitere Binnengeschichte. Der Leutnant wird so zum Erzähler 2. Ordnung, zum erzählten Erzähler. Gleichzeitig ist es dieser Soldat, der Mahlke auf die Möglichkeit aufmerksam macht, seinen Adamsapfel mit dem Ritterkreuz zu verbergen. 

Ihm tut sich die Möglichkeit auf, seine empfundene „Minderwertigkeit und Angst durch militärischen Erfolg“ (Schröder, 1986: 81) zu überdecken. Gleichzeitig sieht Mahlke aber ein, dass es bis zur Verleihung des Ordens ein weiter Weg ist. Die Rede des Leutnants bringt ihn also zunächst zum Leiden (56). 

Dennoch ist Mahlkes Ziel gesetzt, er denkt bereits darüber nach, wie viele feindliche Flugzeuge er abschießen müsste, um bei der Luftwaffe erfolgreich dienen zu können. In diesem Kapitel fällt die Luftwaffe als Waffengattung mit Zukunft für Mahlke aus.

Schließlich versucht Pilenz, die Gefühlslage Mahlkes zu verstehen. Da der Orden noch soweit weg ist, das Wasser aber gefroren, sodass man nicht abtauchen kann, muss Mahlke im Winter leiden. Laut Pilenz will Mahlke sich bloß verstecken, will nicht mehr im Fokus stehen. 

Leider bringen Mahlkes Versuche immer mit sich, dass er auffällt (56). Seine Situation erscheint so, dass sie nur durch besonders radikale Mittel gelöst werden kann.

 

Kapitel VI

Als wieder Sommer ist, ist Mahlke allerdings nicht mehr der begeisterte Schwimmer des vorigen Sommers. Mittlerweile sind auch jüngere Schüler auf das Wrack gestoßen und verleiden den älteren den dortigen Aufenthalt. Die Jungs beobachten nun vor allem die U-Boote, die von der nahen Werft auslaufen.

Dennoch taucht Mahlke noch einmal, aber nur, um einen der jüngeren Schüler, der unter Deck eingeklemmt war, zu retten. Mahle übernimmt auch bei den Wiederbelebungsversuchen, die erfolgreich sind, das Kommando.

Von nun an taucht Mahlke wieder, allerdings ohne Schraubenzieher. Einer der Tauchgänge zieht sich dabei so in die Länge, dass die oben gebliebenen Jungs, darunter Pilenz, erwarten, Mahlke müsse etwas zugestoßen sein. Sie bereiten sich schon darauf vor, den Erwachsenen vom Unglück erzählen zu müssen. Die Nachricht vom Tod Mahlkes dessen Mutter zu überbringen, muss Pilenz übernehmen.

Dann aber ist Mahlke unvermittelt wieder da und macht sich über die Jungs und ihre Sorge lustig. Er hat aus dem Inneren des Bootes ein Paar Kopfhörer geholt. So kommt heraus, dass Mahlke unter Wasser den Zugang zur Funkerkabine gefunden hat, in der kein Wasser steht. Die Kabine kann nur Mahlke erreichen, da nur er in der Lage ist, so lange zu tauchen. 

In der Folge holt Mahlke allerlei technisches Gerät aus der Funkerkabine und verschenkt es an die Jungs. Er selbst holt das Dekor aus seinem Zimmer in der Dachkammer und verstaut es in der Kabine. Der Erzähler hat die Kabine nie gesehen, malt sich aber aus, wie Mahlke sie eingerichtet haben muss. Auch die Sixtinische Madonna bringt Mahlke in die Kabine. Im Anschluss ist Mahlke so aufgeräumt wie nie und pfeift Marienlieder, bei denen er nur vom Erzähler (dem einzigen anderen Katholiken an Bord) begleitet werden kann.

Auch das von ihm reparierte Grammophon bringt Mahlke in die Kabine. Mittlerweile hat er auch Schallplatten und spielt sie in der Folge ab. Die Jungs genießen die Musik, die Mahlke ihnen aus dem Inneren des Schiffs vorspielt. 

Gleichzeitig wird gegen Ende des Kapitels deutlich, wie ambivalent ihr Bild von Mahlke ist. Sie bewundern ihn, verachten ihn aber auch gleichzeitig.

 

ANALYSE

Der Anfang des sechsten Kapitels offenbart, wie wenig zutreffend Pilenz' Deutungen der Gefühle Mahlkes sind. Hat das letzte Kapitel noch behauptet, Mahlke wolle unbedingt wieder tauchen, so zeigt er im Sommer überhaupt keine Anzeichen dafür. 

Erst die Notlage eines jüngeren Schülers bringt Mahlke dazu zu tauchen. Er tut dies aber ohne Beifall bekommen zu wollen. Hier zeigt sich die Vielseitigkeit des Charakters Mahlke. Natürlich will er dazugehören und ist eine Art Mitläufer, gleichzeitig ist aber wirklich ein Held. 

Interessant ist, dass der Absatz, in dem die Rettung des Jungen geschildert wird, wieder mit „... und einmal“ (59) beginnt. Hier wird eine Verbindung zum ersten Kapitel gezogen, was wiederum die ganze Novelle stimmiger erscheinen lässt. 

Besonders wichtig ist dieses Kapitel aber deswegen, weil der frischgebackene Held Mahlke während der Rettung das ultimative Versteck findet. Dieses besteht in der Funkerkabine. Bis zu ihr zu tauchen vermag nur Mahlke. Dieses Versteck ist also nur durch Leistung zu erreichen, aber durch eine Leistung, die (fast) keiner aufbringen kann. Der Schutzraum des Minensuchboots wird somit durch einen weiteren Schutzraum binnendifferenziert. 

Spannend daran ist, dass die Funkerkabine beim intakten Boot der Raum war, der über das Boot hinauswies, das Schiff mit der Außenwelt kommunizieren ließ. Nun aber ist der Funkraum der Raum, der ins Boot hineinweist. Er ist ein verstummter Sender, Ort für die Selbstgespräche von Mahlke. 

Das deutet darauf hin, dass das zerstörte Boot als Bühne für Mahlke ein problematischer Ort ist. Er entfaltet seine Funktion erst, indem er kaputt geht. Erst der Tod schafft für Mahlke die Möglichkeit zu leben.

 

Kapitel VII

Ein weiterer Kriegsheld kommt in die Schule um einen Vortrag zu halten. Diesmal ist es ein Kapitänleutnant zur See, der auf einem U-Boot erfolgreich Dienst getan hat. 

Zum Vortrag sind auch Mädchen der nahen Gudrun-Schule eingeladen. Es kommt zu wenig Interaktionen zwischen den Jungs und den Mädchen, aber es werden Briefchen weitergereicht. Der Erzähler bekommt auf seine Zettelchen keine Antwort.

Nach einer langen Rede des Direktors beginnt der Kapitänleutnant seinen Vortrag, der deutlich weniger anschaulich als der des Fliegers ausfällt. Einerseits zitiert er bloße Fakten über die Schiffsstärke der deutschen Marine, die den Jungs von der Küste aber allesamt geläufig sind. Ansonsten greift er zu pathetischen Natur- und Augenblicksschilderungen, die den Jungs und Mädchen in der Aula eher lächerlich vorkommen. Der Kapitänleutnant erweckt den Eindruck, dass er sich eher ans versammelte Lehrerkollegium als an die Kinder und Jugendlichen wendet. Immer wieder weist Pilenz auf das Ritterkreuz an seinem Hals hin.

Im Anschluss haben die Jungen um Pilenz und Mahlke Turnunterricht. Der Kapitänleutnant nimmt an der Turnstunde teil. In der Umkleidekabine ist der Soldat deutlich nahbarer und beantwortet geduldig die Fragen der Jungs. Auch das Turnen selbst erledigt er mit Bravour.

Beim anschließenden Umziehen jedoch fällt ihm auf, dass sein Orden weg ist. 

Die Jungs um Pilenz verdächtigen Mahlke, den Orden gestohlen zu haben. Doch niemand äußert diesen Verdacht. Die Schüler behaupten sogar, der Schüler Buschmann habe den Orden gestohlen. Buschmann hat unglücklicherweise ein ständiges Grinsen im Gesicht. Auch die Ohrfeigen, die der Sportlehrer Buschmann gibt, bringen diesen nicht dazu, mit dem Grinsen aufzuhören. Die Untersuchung verläuft schließlich im Sande.

Mahlke indessen trägt plötzlich eine Krawatte, unter der er vermutlich den Orden versteckt. Er lenkt den Verdacht von sich ab und kommt, trotz intensiver Durchsuchung aller Turnbeutel, mit dem Orden davon. Der Kapitänleutnant resigniert schließlich und geht.

 

ANALYSE

Dieses Kapitel stellt den Höhepunkt der Handlung dar. Im Gegensatz zum vorherigen Kriegshelden, der in der Aula spricht, ist der Kapitänleutnant intellektueller und selbstsicherer. Genau dadurch wird er aber auch unsympathischer. Durch sein Auftreten wird die zweite Waffengattung von Mahlke ausgeschieden; auch die Marine hat für ihn keine Zukunft mehr. Dafür tut sich ihm die Möglichkeit auf, schon jetzt in den Genuss des Ordens zu kommen, wenngleich auf betrügerische Weise.

Hier zeigt sich, wie Mahlke sündig wird. Es ist nicht die Onanie-Szene, von der es zwar heißt, dass er sie beichten müsse, doch sie macht ihn nicht schuldig. Schuldig macht ihn erst der Diebstahl und vor allem die Tatsache, dass der Diebstahl auf Kosten Buschmanns zustande kommt.

Während Buschmann von Mallenbrandt geschlagen wird, versteckt Mahlke das Ritterkreuz unter einer Krawatte. Pilenz spricht von „Mahlkes Krawattenpremiere“ (79). Daraus erwächst aber keine Tradition, vielmehr dient die Krawatte nur dazu, den verborgenen Orden zu verbergen. Hier zeigt sich, dass Mahlkes Identitätsprobleme sogar noch weiter reichen als bisher angenommen. Es reicht nun nicht mehr etwas zu verbergen, das Verbergende muss verborgen werden. Mahlkes Situation ist eigentlich unlösbar.

Dadurch, dass Buschmann für Mahlke verprügelt wird, verliert Mahlke den Heldenstatus, den er sich bei der Rettung des jungen Schülers zuvor erworben hat. 

Eigentümlich ist es, dass Pilenz die Prügelszene humoristisch einfärbt. Allein das groteske Grinsen Buschmanns macht aus der ernsten Situation eine Farce. Das kann aber nicht verdecken, wie schrecklich es ist, was sich da abspielt, schließlich schlägt ein erwachsener Mann (ein Turner sogar) einen Jungen. Dass keine moralische Reaktion von Pilenz kommt, beschädigt auch dessen Bild. Der unzuverlässige Erzähler wird so auch moralisch unzuverlässig. 

 

Kapitel VIII

Am nächsten Tag, einem Sonntag, trifft Pilenz als Messdiener in der Kirche auf Mahlke, kann diesen allerdings nicht zur Rede stellen. Der Pater, Hochwürden Gusewski, verwickelt ihn nämlich nach der Messe in ein Gespräch über Pilenz' Bruder, der als Soldat an der Ostfront steht. Vom Bruder des Erzählers fehlt jede Nachricht.

Im Anschluss trifft sich der Erzähler mit Hotten Sonntag, Tulla und Schilling. Alle Jungs sind sich einig, dass Mahlke den Orden gestohlen haben muss, doch spricht es keiner so aus, dass es auch Nichteingeweihte verstehen könnten. Hier bekommt Mahlke seinen Spitznamen, er wird der große Mahlke genannt.

Sie gehen ins Strandbad und sehen von dort, dass Mahlke in Richtung des Minensuchbootes unterwegs ist. Pilenz schwimmt ihm nach.

Inzwischen ist der Krieg weit fortgeschritten, einige der Jungs haben sich bereits freiwillig gemeldet. Mahlke aber nicht.

Der Erzähler nennt hier auch erstmals seinen Namen und schildert, von wo aus er die Geschichte erzählt. Er ist Sekretär im Düsseldorfer Kolpinghaus. Er reflektiert sein Verhältnis zu Mahlke, das keine richtige Freundschaft sei. Er ist Mahlke hörig.

Schließlich kommt Pilenz beim Schiff an. Mahlke hört Musik und hat den Orden um den Hals. Sonst ist er völlig nackt. Der Orden verdeckt den Adamsapfel perfekt.

Mahlke ist sehr aufgeräumt und spricht unverblümt über den Diebstahl des Ordens. Schließlich versucht er mit dem Orden auch sein Geschlechtsteil zu verdecken, was aber aufgrund der Größe nicht funktioniert.

Die beiden schwimmen wieder zurück und fahren mit der Bahn nach Hause. Was Mahlke mit dem Orden vorhat, wird erst am Dienstag in der Schule deutlich. 

Mahlke hat den Orden beim Schulleiter abgeliefert und wurde deswegen von der Schule geworfen. Er kommt dann auf der Horst-Wessel-Oberschule unter und kann dort das Abitur machen.

 

ANALYSE

In diesem Kapitel wird der Höhepunkt weiter ausgeführt und zum Wendepunkt gemacht. Zentral ist aber die Szene, in der Pilenz zum Boot schwimmt und unterwegs allerlei Reflexionen einstreut (84f). Auch wird das Kriegsgeschehen thematisiert. Damit wird der Höhepunkt der Handlung nochmals unterstrichen. 

In dieser Szene zeigt sich auch, dass sich etwas fundamental verändern wird, denn die ersten Jungs melden sich freiwillig zur Armee (85). Dadurch rückt der Krieg wieder näher. Die Stimmung wird bedrohlicher.

Auf dem Höhepunkt der Szene wird auch die Rahmenhandlung offenbart, hier ist der Punkt, an dem Pilenz sich erstmalig namentlich nennt – wenngleich er seinen Vornamen verschweigt (86). Die Szene ist also selbst auf der Ebene des Erzählens der Höhe- oder Wendepunkt. 

Im Anschluss findet sich ein weiterer Hinweis darauf, warum Pilenz überhaupt erzählt: „Aber ich schreibe, denn das muß weg“ (89). Pilenz hofft auf die therapeutische Wirkung des Textes und verkoppelt diesen dadurch mit der Beichte. 

Die Beichte (oder die Geständnisse) haben eine lange Tradition in der Literatur, die bis zu Augustinus zurückreicht. Genau an diese Tradition schließt Pilenz an, denn es sind seine Geständnisse, die er hier zu Papier bringt. Und selbstverständlich findet sich auch hier wieder ein nicht zufälliger Hinweis auf Kirche und Religion. Der Mensch kann sich nur durch das Geständnis von Gewissensbissen befreien – genau das versucht Pilenz und gibt es hier, in diesem eher unscheinbaren Satz, zu Protokoll.

Ein interessanter intertextueller Hinweis findet sich gleich daneben: „[E]in als griechischer Chor funktionierender Möwenpulk“ (89). Selbstverständlich weist Pilenz hier auf den Chor der griechischen Tragödie hin (Neuhaus, 2010a: 50). Er „setzt die Anspielung auf die griechische Tragödie als Hinweis auf den strengen Bau seiner Novelle als Schwester des Dramas“ (ebd.). 

Dieses intertextuelle Verfahren ist typisch postmodern: fiktionale Werke, die ihre eigene Fiktionalität thematisieren und damit bewusst spielen.

 

Kapitel IX

Die Wege von Pilenz und Mahlke trennen sich. Auch in den Ferien ist Mahlke nicht da. Vermutlich, so Pilenz, ist er in einem Wehrertüchtigungslager und wird auf das Soldatenhandwerk vorbereitet. Mahlke erscheint auch nicht in der Kirche, was stark gegen seine Gewohnheit ist.

Die Jungs - ohne Mahlke - finden sich immer wieder auf dem Boot ein, wo sich auch eine Gruppe Jüngerer um den Anführer Störtebecker aufhält. 

Der Erzähler versucht bei Tulla zu landen, das gelingt ihm aber nicht. Wahrscheinlich, weil Tulla in Störtebecker verliebt ist. Störtebeckers Bande sucht den Zugang zu der Funkerkabine, aber es gelingt niemandem.

Das Fehlen Mahlkes ist ambivalent. Zwar ist es langweilig ohne ihn, andererseits aber ist gerade Pilenz erleichtert, einmal ohne ihn sein zu können. Dennoch wird Pilenz direkt nach den Ferien wieder Messdiener, da Mahlke nun wieder regelmäßig in der Kirche ist.

In der Kirche trägt Mahlke seinen Adamsapfel frei. Hochwürden Gusewski ist besorgt wegen der demonstrativen Frömmigkeit Mahlkes, er verdächtigt den Jungen, vom rechten Glauben abzukommen und einer Götzenanbetung zu verfallen.

Pilenz und Mahlke treffen sich am Ausgang der Sakristei. Mahlke ist so gelöst wie lange nicht. Er spricht über seine Pläne. Er möchte in den Krieg ziehen und zwar als U-Bootfahrer. Es fällt auf, dass der sonst eher einsilbige Mahlke nun lange und ohne Pause spricht. Am Ende lädt er Pilenz zu sich nach Hause ein.

Erst am dritten Advent kommt Pilenz der Einladung nach. Im Gepäck hat er Weihekerzen, die es in diesem  Kriegswinter nur noch auf Bezugsschein gibt. Durch seinen gefallenen Bruder hat Pilenz Anrecht auf Weihekerzen. 

Es wird deutlich, dass es im Krieg (aus deutscher Sicht) nicht zum Besten steht.

Pilenz, Mahlke, seine Mutter und seine Tante sitzen zusammen im Wohnzimmer und unterhalten sich. Dabei wird deutlich, dass Mahlke die beiden Frauen beherrscht, er im Haushalt das Kommando führt. Sie reden über den Krieg und über Mahlkes verstorbenen Vater. Es kommt heraus, dass dieser als Lokführer in einem Zugunglück starb. Da er Schlimmeres verhindert hatte, wurde er posthum mit einer Medaille ausgezeichnet.

 

ANALYSE

In diesem Kapitel wird erzählt, was aus Mahlkes Vater geworden ist. Dass er tot ist, weiß der Leser bereits seit dem ersten Kapitel, nun aber wird klar, dass der Vater ein Held ist. Es ist nicht sehr unwahrscheinlich, dass dieser übermächtige (tote) Vater zum Ideal geworden ist, dem Mahlke einfach nicht folgen kann. Denn nur wer lebendig ist, kann Fehler begehen und dadurch nahbar werden. Wer tot ist und posthum idealisiert wird, scheidet als erreichbares Vorbild aus. Ein Ideal lässt sich nicht kopieren, es ist eben nicht nahbar. An einem Ideal kann man nur scheitern.

Gleichzeitig wird klar, dass die Identität von Mahlkes Vater ein Stück weit auf Mahlke übergegangen ist: „Beide Frauen gehorchten ihm oder jenem verstorbenen Lokomotivführer“ (104). Das „oder“ zeigt an, dass es nicht zu entscheiden ist, wem die Frauen denn nun gehorchen. Aber das ist nicht das Einzige, was auffällt. Das „oder“ zeigt sogar an, dass es nicht einfach zu entscheiden ist, wer wer ist. Wieviel Vater Mahlke steckt in Mahlke? 

Die Identitätsproblematik Mahlkes wird damit keinesfalls leichter, im Gegenteil. Es ist nicht mehr zu entscheiden, wer Mahlke überhaupt ist. Sein Weg muss ihn in der Folge immer tiefer in falsche Identifizierungen führen. Man könnte fast sagen, dass es keinen Joachim Mahlke gibt. 

Die Identitätsproblematik bleibt aber nicht bei Mahlke stehen. Wieder wird die Situation mit der Katze und dem Adamsapfel geschildert, diesmal von Mahlke selbst, der einen anderen Jungen als Pilenz als Verantwortlichen bezeichnet (105). Und dann heißt es: „[W]enn ich nur wüßte, wer die Mär erfunden hat, er oder ich oder wer schreibt hier?“ (ebd.). Hier wird der Erzähler selbst problematisch, die Probleme von Mahlke wirken sich also auch auf die Identität des Erzählers aus. 

Dazu kommt ein neuerlicher Zweifel an der Katzengeschichte. Hat sie sich überhaupt jemals zugetragen? Und wenn nicht, besteht dann der Grundkonflikt überhaupt? An dieser Stelle wirft die Novelle existenzielle Fragen auf, verweigert sich aber einer Antwort. Wobei genau darin auch eine Art Antwort zu sehen ist.

 

Kapitel X

Pilenz muss mittlerweile als Luftwaffenhelfer an der Strandbatterie Brösen-Glettkau Dienst tun. Vormittags muss er zur Schule, nachmittags zum Dienst. Über Schüler von Mahlkes neuer Schule erfährt er, dass Mahlke inzwischen das Notabitur bekommen hat und zum Reichsarbeitsdienst eingezogen wurde.

Im Februar besucht Pilenz seinen Freund Esch, der im Lazarett in Oliva liegt. Danach trifft er zufällig Mahlke in einer Allee.

Das Gespräch zwischen den beiden ist von Hemmungen geprägt, sie können sich nicht ungezwungen unterhalten. Sie verabschieden sich bald.

Im Februar 1941 schließlich besteht Pilenz sein Abitur und wird ebenfalls zum Arbeitsdienst eingezogen. Er versucht es nochmal, bei Tulla zu landen, hat allerdings keinen Erfolg. Auch die Schwester von Hotten Sonntag will nicht mit ihm schlafen. 

Bevor er den Dienst antritt, will er sich von Hochwürden Gusewski verabschieden. Nachdem er diesen besucht hat, trifft er Mahlkes Tante auf der Straße, die ihm unvermittelt Feldpost von Mahlke zeigt. 

Trotz der Aufforderung, den Brief zu lesen, liest Pilenz ihn zunächst nicht, sondern konzentriert sich auf die ungelenken Zeichnungen, die Mahlke unter den Text gesetzt hat. Pilenz identifiziert das Gekritzel als durchgestrichene, sowjetische T-34. Mahlke bringt in den Zeichnungen zum Ausdruck, wie viele Panzer er bereits zerstört habe (da er nicht bei den U-Booten, sondern bei der Panzertruppe gelandet ist).

Schließlich überfliegt Pilenz den Brief doch und verabschiedet sich von der Tante.

 

ANALYSE

Das zehnte Kapitel beginnt wieder mit einer Schilderung der Rahmenhandlung. Die Verantwortung für den Text wird nun auf Pater Alban übertragen. Dadurch wird dieser zwar nicht mitschuldig, Pilenz hat aber eine weitere Rechtfertigung für sein Schreiben gefunden.

Bezeichnend, dass damit das vielleicht unfreiwillige Geständnis „das muß weg“ (89), wieder relativiert wird. Damit verweist Pilenz auf einen weiteren Akteur, nachdem er bereits im ersten Kapitel auf den Autor verwiesen hat. Man kann das verstehen als Versuch, Verantwortung von sich wegzuschieben. Gerade jetzt, wo die Novelle sich ihrem Ende nähert, macht es den Eindruck als zögere Pilenz, als schrecke er vor der Erkenntnis der eigenen Verantwortung zurück.

Durch dieses Spiel zwischen Zugeben und Wegschieben wird der ganze Text auf eine intensive Weise dynamisch. Es ist nicht nur die eigentliche Handlung, die interessiert, sondern auch das Erzählen selbst. Auch dies ist typisch postmodern. Wichtig ist hier, dass es sich um einen Mechanismus der Leseraktivierung handelt. Die widersprüchlichen Verhaltensweisen sorgen dafür, dass das Geschehen selbst dann spannend bleibt, wenn eigentlich gar nichts geschieht.

Und tatsächlich passiert im Kapitel nicht viel. Pilenz muss Dienst machen und liest einen Brief. Dieser Brief aber ist interessant.

Er besteht einerseits aus der Schrift, dem Brieftext, andererseits aber aus Kritzeleien, die Panzer darstellen. Die Frage besteht, warum es so wichtig ist, dass die Kritzeleien so aussehen „als hätte ein Schulkind“ (111) sie gezeichnet? Vielleicht soll hier ein fundamentaler Bruch innerhalb der Persönlichkeit Mahlkes dargestellt werden. Einerseits ist er bereits ein Mann, er ist Soldat, angehender Kriegsheld, Briefschreiber. Auf der anderen Seite aber zeichnet er noch wie Kind. Hierin einen Hinweis auf Entwicklungsdefizite zu sehen, scheint nicht ganz falsch zu sein. Mahlke, der zu früh als Ersatz für den Vater herhalten musste, ist selbst noch ein Kind. In den ungelenken Zeichnungen deutet sich also einerseits Mahlkes Erfolg an (es sind die Panzer, die er bereits zerstört hat) und andererseits seine Tragik, die zur Notwendigkeit seines Scheiterns wird.

 

Kapitel XI

Während Pilenz' Vater an der Front ist, hat seine Mutter wechselnde Verhältnisse mit anderen Männern, die bei Pilenz wohnen. Zu Ehren seines gefallenen Bruders hat die Mutter eine Art Altar errichtet, der Pilenz mit Neid erfüllt. Pilenz verlässt sein Elternhaus, um seiner Einberufung nachzukommen.

Den Arbeitsdienst versieht er dort, wo ein Jahr zuvor bereits Mahlke seinen Dienst abgeleistet hat. Pilenz entdeckt in der Latrine ein Graffito von Mahlke. Dieser hat seinen Nachnamen und den Anfang des Gebets Stabat Mater in das Holz geschnitzt. Diese Entdeckung schockiert Pilenz und lässt ihn nicht mehr los.

Schließlich zerhackt Pilenz das Holz, auf dem Mahlkes Inschrift steht, damit es verfeuert werden kann.

Dennoch hört er weiter Geschichten über Mahlke, der bei den Soldaten, die nicht versetzt worden sind, einen tiefen Eindruck hinterlassen hat. Auch hier ist es vor allem sein Geschlechtsteil, das die Männer beeindruckt. Eine Geschichte handelt davon, wie Mahlke mit der Frau des Oberfeldmeisters geschlafen habe, der ihn aber aufgrund seiner militärischen Verdienste dennoch belobigen musste.

Inzwischen sind auch andere Mitschüler von Pilenz eingetroffen. Nachdem sie anfänglich nicht über Mahlke sprechen wollten, brechen sie ihr Schweigen kurz bevor sie entlassen werden. Eines der Themen ist die zu Beginn der Novelle geschilderte Situation mit der Katze. 

Zwei Tage später wird klar, dass Mahlke bei der Panzertruppe ein erfolgreicher Soldat geworden ist. 

 

ANALYSE

In diesem Kapitel findet sich eine weitere Hinterlassenschaft Mahlkes, eine Latrineninschrift. Auch hier findet sich ein bezeichnender Bruch. Die Inschrift ist eine Latrinenparole, das heißt ein Text, der sich in der Latrine findet. Nun ist der Text aber gleichzeitig keine Latrinenparole, da Latrinenparolen vulgäre Sprüche sind (oder heutzutage irgendwelche Handynummern). Mahlke aber hat den Anfang eine Gebetes eingeritzt.

Die Inschrift Mahlkes steht also in merkwürdigem Kontrast zu ihrer eigenen Umwelt. Man kann das als Ausdruck der existenziellen Situation Mahlkes verstehen. Auch er ist in einem merkwürdigen Kontrast zur eigenen Umwelt. 

Gleichzeitig gibt es Aufschluss über Mahlkes Selbstempfinden. Wie die Inschrift ein Stück Reinheit (nämlich ein Gebet an die Jungfrau Maria) inmitten des Schmutzes ist, so könnte sich auch Mahlke begreifen. Tatsächlich fällt bei Mahlke auf, dass er sich auf seine Umwelt in einer prekären Art und Weise bezieht. 

Am Anfang sucht er zwar die Freundschaft, macht sich dann aber doch extrem wenig aus den Freunden. Daher rührt auch deren ambivalente Haltung gegenüber Mahlke. 

Vielleicht ist die Inschrift in der Latrine als Symbol dafür zu verstehen, dass Mahlke sich seiner Umwelt gegenüber überlegen fühlt. Dieses allerdings gepaart mit dem unbändigen Wunsch, Teil der Gesellschaft zu sein. 

 

Kapitel XII

Pilenz ist auf Heimaturlaub. Weil er nur an Mahlke denken kann, macht er sich auf den Weg zu seiner alten Schule, da er vermutet, Mahlke würde dort einen Vortrag halten, wie es schon die anderen Kriegshelden getan haben. 

Tatsächlich trifft er Mahlke an, der das Ritterkreuz über dem Adamsapfel trägt.

Der Erzähler Pilenz beschreibt Mahlkes Aussehen und spricht ihn schließlich an. Das Gespräch ist recht einsilbig und bezieht sich auf Mahlkes Absichten, der selbst die Initiative ergreifen und einen Vortrag ohne vorherige Einladung halten will.

Schließlich tritt der Direktor auf die beiden zu und spricht sie an. Er erteilt Mahlke wegen des Diebstahls des Ordens eine Absage. 

Pilenz deutet an, er hätte in der Folge mit dem Direktor verhandelt, ob er Mahlke nicht doch sprechen lassen wolle. Der Versuch sei aber fruchtlos geblieben.

Stattdessen versucht Pilenz, andere Institutionen und Gruppen davon zu überzeugen, Mahlke bei ihnen sprechen zu lassen. Allerdings weist Mahlke sämtliche Angebote zurück, da er nur in der Aula seiner alten Schule, dem Conradinum, sprechen will. 

Als alle Versuche, den Direktor zu überzeugen, gescheitert sind, will Mahlke sich rächen. Er und Pilenz lauern dem Direktor in der Nähe seines Hauses auf. Als der Direktor spätabends alleine unterwegs ist, tritt Mahlke vor und schlägt ihn. 

Nach der Aktion treiben Mahlke und Pilenz sich herum. Das Gespräch kommt dabei auf Gott und den Glauben. Mahlke bekennt, dass er nur an die Mutter Maria, nicht aber an Gott glauben würde. 

Schließlich äußert Mahlke die Absicht, sich doch noch mit Tulla einzulassen. Beim Abschied erfährt Pilenz, dass Mahlkes Urlaub längst abgelaufen ist und er eigentlich schon auf dem Weg zurück zur Front sein müsste. Mahlke ist fahnenflüchtig.

 

ANALYSE

In diesem Kapitel muss Mahlke erfahren, dass ihm seine Fehler nicht vergeben werden. Sein Versuch beim Militär zu brillieren ist zwar gelungen, dies verschafft ihm jedoch nicht die ersehnte Bestätigung im zivilen Leben. Seine Pläne haben sich also als falsch erwiesen.

Dennoch versucht er es, diesmal in der Panzeruniform, die sein Versteckspiel noch unterstützt. Uniformen sind -noch mehr als Orden - Zeichen für die Unterordnung bzw. die Einordnung in ein Kollektiv. Der radikale Individualist Mahlke, der die Puscheln wegschmeißt, weil zu viele sie tragen, gefällt sich in einer Uniform. Hier wird Mahlkes Charakter wieder in seiner ganzen Widersprüchlichkeit gezeigt. Es ist bezeichnend, dass das über die Uniform funktioniert, da Grass von den Dingen her erzählen will (Hasselbach, 1990: 96).

Dazu kommt, dass hier trotz der vielen Anspielungen auf die Kirche eine sehr irdische Schuld sehr irdisch bestraft wird. Der Mensch ist nach dieser Lesart nicht nur in der Sphäre der Religion unrettbar schuldig, sondern auch im Alltag. Weil Mahlke den Orden früher gestohlen hat, darf er nun nicht, mit dem verdienten Orden, den verdienten Ruhm genießen.

Allerdings ist es ja Mahlkes eigenes Fehlverhalten, das ihn in diese Lage gebracht hat. Wobei natürlich auch Pilenz nicht vergessen werden darf, der ja Katze und Maus (Adamsapfel) überhaupt erst zusammengebracht hat. So ist es auch nur konsequent, dass Pilenz bei Mahlke bleibt und sich sogar für ihn einsetzt. Dass das vergeblich ist, ist aber eigentlich ebenso zwangsläufig.

Der weltliche Bezug der Novelle wird in diesem Kapitel auch dadurch deutlich, dass Mahlke bekennt, gar nicht an Gott zu glauben. So korrespondieren das Geständnis von Mahlkes Atheismus und der Fakt, dass Schuld ein irdisches Phänomen ist. Kurz vor der Katastrophe kommt plötzlich eine mögliche Lösung für das Problem in Sicht: richtiges Handeln. Aber genau für diese Lösung ist es jetzt schon zu spät, denn erstens hat Mahlke den Orden gestohlen und zweitens ist er schon fahnenflüchtig. Von nun an kann es keine Rettung mehr geben.

 

Kapitel XIII

Mahlke ist wieder bei Hochwürden Gusewski im Gottesdienst, trägt nun aber das Ritterkreuz während der Andacht. Pilenz fällt auf, dass Mahlke extrem schwitzt – was sonst nicht seine Art ist. 

Der fahnenflüchtige Mahlke erwartet Pilenz wieder draußen. Mahlke behauptet, er habe sich am vorigen Abend noch mit Tulla getroffen und sie hätten miteinander geschlafen. Pilenz glaubt diese Geschichte nicht.

Mahlke bittet ihn nun um Hilfe, da er sich nicht mehr Zuhause blicken lassen könne – er glaubt, bereits gesucht zu werden. 

Schließlich entscheidet Mahlke, auf das Minensuchboot zu gehen. Auf dem Weg dorthin treffen die beiden einige Schüler, die Mahlke mit Fragen über seine Taten im Krieg ausfragen. Nachdem sie nicht aufhören ihn zu befragen, ergreift er schließlich die Flucht.

Nachdem sie den Jungs entkommen sind, nimmt Mahlke das Ritterkreuz ab und beginnt, unreife Stachelbeeren von einem nahen Busch zu essen. Unterdessen geht Pilenz zu Mahlke nach Langfuhr und erschwindelt Proviant für den Fahnenflüchtigen. Die Tante, die Pilenz öffnet, scheint keinen Verdacht zu schöpfen.

Wieder bei Mahlke lügt Pilenz zunächst, er solle einen Gruß bestellen. Schließlich erzählt er die zweite Lüge, die Frauen Mahlke seien bereits abgeholt worden. Auf beide Lügen reagiert Mahlke nicht. Er isst weiterhin unreife Stachelbeeren. 

Mahlke gibt vor, Bauchschmerzen zu bekommen, deswegen könne er nicht schwimmen. Pilenz rudert die beiden schließlich zum Minensuchboot. Auf der Fahrt erzählt Mahlke seinen geplanten Vortrag.

Auf dem Boot angekommen, weist Mahlke auf einen nicht weit entfernt liegenden Tanker, von dem er behauptet, er fahre unter (neutraler) schwedischer Flagge. Mahlke entwirft einen Fluchtplan.

Schließlich zieht Mahlke sich aus, entledigt sich auch des Ordens – wobei nicht klar ist, wo dieser schlussendlich landet – und taucht, mit einigen Konservenbüchsen, in Richtung Funkerkabine. Pilenz enthält ihm unterdessen den Dosenöffner vor. 

Den Dosenöffner wirft der Erzähler auf der Rückfahrt ins Meer. Ob Mahlke in der Kabine sicher angekommen ist, bleibt unklar.

Pilenz kehrt nicht wieder zurück. Mahlke wird nie wieder gesehen.

 

ANALYSE
Das Buch endet mit dem Satz: „Aber Du wolltest nicht auftauchen.“ (150) und auch dieser Satz ist doppeldeutig. Lapidar bedeutet er, dass Mahlke nicht in Erscheinung treten wollte; dies ist seine metaphorische Bedeutung. Rein faktisch bedeutet der Satz, dass Mahlke nicht an die Wasseroberfläche kommen wollte. Mahlkes Schwimmen steht metonymisch für seine ganze Existenzweise.

Nun ist allerdings der Erzähler Pilenz so wenig zuverlässig, dass man ihm eigentlich nichts mehr glauben kann. Gerade dass Pilenz Mahlke den Dosenöffner vorenthält, offenbart ein sehr negatives Bild von Pilenz' Charakter. Dennoch kann man den Satz „Du wolltest nicht auftauchen“ vielleicht doch ernst nehmen.

Wie es in der Analyse des vorangegangenen Kapitels bereits festgestellt wurde: Mahlkes Problem lässt sich nicht mehr lösen. Die einzige Möglichkeit ist Flucht. 

Mahlkes Fluchtplan ist aber von Anfang an illusorisch. Niemand kann das Hoheitszeichen am Tanker erkennen, sich als Fahnenflüchtiger dorthin zu bewegen ist also völlig ausgeschlossen, da es sich eben auch um einen deutschen Tanker handeln kann. Aber vielleicht ist die Flucht, die Mahlke anstrebt, keine Flucht von einem Land ins andere, sondern vielmehr eine radikale Flucht aus der Welt.

Mahlke sieht sich am Ende eines Weges in die Ecke gedrängt. Sein Fehlverhalten wirkt nach und nun hat er zusätzlich eine Körperverletzung begangen und ist, noch schlimmer, fahnenflüchtiger Soldat. Dies bedeutet, dass auf ihn nur der Tod wartet.

Auch wenn es offengelassen wird – es ist mehr als wahrscheinlich, dass Mahlke (der inzwischen auch dicker geworden ist und durch die faulen Beeren nicht schwimmen kann) es nicht geschafft hat und ertrunken ist. Mahlke ist schließlich endgültig abgetaucht, das sagt der letzte Satz eben auch.

Durch das Anredepronomen Du wird die Anrufung besonders eindringlich. Gleichzeitig korrespondiert sie mit der aus dem ersten Kapitel bekannten Formulierung „Du schwammst dich frei". Mahlke und sein Schwimmen sind die Klammern, zwischen denen sich sein eigentliches Leben abgespielt hat. Ein kurzes Leben und ein schuldiges Leben. Wahrscheinlich hat Mahlke, dessen Seele niemanden vorgestellt wurde, tatsächlich Selbstmord begangen.

Veröffentlicht am 16. August 2022. Zuletzt aktualisiert am 21. September 2022.