Katz und Maus

Kapitel XI

Zusammenfassung

Während Pilenz' Vater an der Front ist, hat seine Mutter wechselnde Verhältnisse mit anderen Männern, die bei Pilenz wohnen. Zu Ehren seines gefallenen Bruders hat die Mutter eine Art Altar errichtet, der Pilenz mit Neid erfüllt. Pilenz verlässt sein Elternhaus, um seiner Einberufung nachzukommen.

Den Arbeitsdienst versieht er dort, wo ein Jahr zuvor bereits Mahlke seinen Dienst abgeleistet hat. Pilenz entdeckt in der Latrine ein Graffito von Mahlke. Dieser hat seinen Nachnamen und den Anfang des Gebets Stabat Mater in das Holz geschnitzt. Diese Entdeckung schockiert Pilenz und lässt ihn nicht mehr los.

Schließlich zerhackt Pilenz das Holz, auf dem Mahlkes Inschrift steht, damit es verfeuert werden kann.

Dennoch hört er weiter Geschichten über Mahlke, der bei den Soldaten, die nicht versetzt worden sind, einen tiefen Eindruck hinterlassen hat. Auch hier ist es vor allem sein Geschlechtsteil, das die Männer beeindruckt. Eine Geschichte handelt davon, wie Mahlke mit der Frau des Oberfeldmeisters geschlafen habe, der ihn aber aufgrund seiner militärischen Verdienste dennoch belobigen musste.

Inzwischen sind auch andere Mitschüler von Pilenz eingetroffen. Nachdem sie anfänglich nicht über Mahlke sprechen wollten, brechen sie ihr Schweigen kurz bevor sie entlassen werden. Eines der Themen ist die zu Beginn der Novelle geschilderte Situation mit der Katze.

Zwei Tage später wird klar, dass Mahlke bei der Panzertruppe ein erfolgreicher Soldat geworden ist.

Analyse

In diesem Kapitel findet sich eine weitere Hinterlassenschaft Mahlkes, eine Latrineninschrift. Auch hier findet sich ein bezeichnender Bruch. Die Inschrift ist eine Latrinenparole, das heißt ein Text, der sich in der Latrine findet. Nun ist der Text aber gleichzeitig keine Latrinenparole, da Latrinenparolen vulgäre Sprüche sind (oder heutzutage irgendwelche Handynummern). Mahlke aber hat den Anfang eine Gebetes eingeritzt.
Die Inschrift Mahlkes steht also in merkwürdigem Kontrast zu ihrer eigenen Umwelt. Man kann das als Ausdruck der existenziellen Situation Mahlkes verstehen. Auch er ist in einem merkwürdigen Kontrast zur eigenen Umwelt.

Gleichzeitig gibt es Aufschluss über Mahlkes Selbstempfinden. Wie die Inschrift ein Stück Reinheit (nämlich ein Gebet an die Jungfrau Maria) inmitten des Schmutzes ist, so könnte sich auch Mahlke begreifen. Tatsächlich fällt bei Mahlke auf, dass er sich auf seine Umwelt in einer prekären Art und Weise bezieht.
Am Anfang sucht er zwar die Freundschaft, macht sich dann aber doch extrem wenig aus den Freunden. Daher rührt auch deren ambivalente Haltung gegenüber Mahlke.

Vielleicht ist die Inschrift in der Latrine als Symbol dafür zu verstehen, dass Mahlke sich seiner Umwelt gegenüber überlegen fühlt. Dieses allerdings gepaart mit dem unbändigen Wunsch, Teil der Gesellschaft zu sein.

Veröffentlicht am 10. Oktober 2022. Zuletzt aktualisiert am 20. Oktober 2022.