Katz und Maus

Gattung/Textsorte
Erscheinungsjahr
1961

Über das Werk

Die Novelle Katz und Maus wird als erste postmoderne Novelle bezeichnet (Neuhaus, 2010a: 88). Das bedeutet auch, dass sie sich der Tradition der (klassischen) Novelle verpflichtet fühlt. Bei Novellen handelt es sich um hochgradig durchkomponierte Texte, die zum einen durch eine relative Kürze (Aust, 2012: 11) und zum anderen durch den Bezug »auf den hörenswerten, exemplarischen Einzelfall« (Hasselbach, 1990: 18) charakterisiert sind. 

Gleichzeitig ist Katz und Maus intertextuell mit anderen Texten von Günter Grass verflochten. So treten Figuren aus Katz und Maus auch in anderen Büchern des Autors auf, wie etwa Tulla Pokriefke in Die Blechtrommel, Hundejahre und Im Krebsgang. Auch Oskar Matzerath, Held und Erzähler der Blechtrommel tritt immer wieder auf, etwa in Kapitel X: »Da kam mir, nach [...] einem vielleicht dreijährigen Jungen, der nicht zu den Großmüttern gehören wollte, sondern eine Kindertrommel, die aber still blieb, bei sich führte, abermals etwas [...] entgegen« (107). Auch Störtebecker ist aus der Blechtrommel bekannt und Joachim Mahlke wird von Tulla in Im Krebsgang erwähnt. Die Novelle ist also fest im Gesamtwerk Günter Grass' verortet.

Die Bezeichnung Danziger Trilogie, worunter die Romane Die Blechtrommel, Hundejahre und die Novelle Katz und Maus zu verstehen sind, stammt nicht von Grass selbst, sondern von John Reddick (Neuhaus, 2010, 42). Dennoch hat auch Grass »wiederholt den Zusammenhang betont, der für ihn zwischen Blechtrommel, Katz und Maus und Hundejahren besteht« (ebd.).

Aber Katz und Maus gehört auch in die Literatur der Nachkriegszeit. Der Begriff der Nachkriegsliteratur ist relativ uneindeutig. Der deutsche Germanist und Literaturwissenschaftler Helmut Peitsch schreibt dazu: »Der Begriff Nachkriegsliteratur wurde in den sechziger Jahren geprägt; er grenzte sie von der damaligen Gegenwartsliteratur ab« (Peitsch, 2009: 9). Demnach galt Katz und Maus damals als Gegenwartsliteratur. Aus heutiger Sicht betrachtet bezieht sich die Bezeichnung Nachkriegsliteratur auf sämtliche deutschsprachige Literatur zwischen 1945 und 1990 (ebd.). Katz und Maus lässt sich aber auch deswegen als Nachkriegsliteratur bezeichnen, weil es sich bei der Novelle um einen Text handelt, der aus der Nachkriegszeit über die Kriegszeit berichtet. Die Binnenhandlung spielt schließlich zwischen 1939 bis 1944. Und selbstverständlich geht es in dem Text auch um Verantwortung gegenüber den Verbrechen der Nationalsozialisten und um die »Übriggebliebenen« (150), also die Unverbesserlichen, die auch nach 1945 noch am Nationalsozialismus festhalten. Katz und Maus ist also ein kritischer Kommentar zur Vergangenheitsbewältigung der westdeutschen Gesellschaft.

Veröffentlicht am 16. August 2022. Zuletzt aktualisiert am 20. Oktober 2022.

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