Katz und Maus

Kapitel VIII

Zusammenfassung

Am nächsten Tag, einem Sonntag, trifft Pilenz als Messdiener in der Kirche auf Mahlke, kann diesen allerdings nicht zur Rede stellen. Der Pater, Hochwürden Gusewski, verwickelt ihn nämlich nach der Messe in ein Gespräch über Pilenz' Bruder, der als Soldat an der Ostfront steht. Vom Bruder des Erzählers fehlt jede Nachricht.

Im Anschluss trifft sich der Erzähler mit Hotten Sonntag, Tulla und Schilling. Alle Jungs sind sich einig, dass Mahlke den Orden gestohlen haben muss, doch spricht es keiner so aus, dass es auch Nichteingeweihte verstehen könnten. Hier bekommt Mahlke seinen Spitznamen, er wird der große Mahlke genannt.

Sie gehen ins Strandbad und sehen von dort, dass Mahlke in Richtung des Minensuchbootes unterwegs ist. Pilenz schwimmt ihm nach.

Inzwischen ist der Krieg weit fortgeschritten, einige der Jungs haben sich bereits freiwillig gemeldet. Mahlke aber nicht.

Der Erzähler nennt hier auch erstmals seinen Namen und schildert, von wo aus er die Geschichte erzählt. Er ist Sekretär im Düsseldorfer Kolpinghaus. Er reflektiert sein Verhältnis zu Mahlke, das keine richtige Freundschaft sei. Er ist Mahlke hörig.

Schließlich kommt Pilenz beim Schiff an. Mahlke hört Musik und hat den Orden um den Hals. Sonst ist er völlig nackt. Der Orden verdeckt den Adamsapfel perfekt.

Mahlke ist sehr aufgeräumt und spricht unverblümt über den Diebstahl des Ordens. Schließlich versucht er mit dem Orden auch sein Geschlechtsteil zu verdecken, was aber aufgrund der Größe nicht funktioniert.
Die beiden schwimmen wieder zurück und fahren mit der Bahn nach Hause. Was Mahlke mit dem Orden vorhat, wird erst am Dienstag in der Schule deutlich.

Mahlke hat den Orden beim Schulleiter abgeliefert und wurde deswegen von der Schule geworfen. Er kommt dann auf der Horst-Wessel-Oberschule unter und kann dort das Abitur machen.

Analyse

In diesem Kapitel wird der Höhepunkt weiter ausgeführt und zum Wendepunkt gemacht. Zentral ist aber die Szene, in der Pilenz zum Boot schwimmt und unterwegs allerlei Reflexionen einstreut (84f). Auch wird das Kriegsgeschehen thematisiert. Damit wird der Höhepunkt der Handlung nochmals unterstrichen.

In dieser Szene zeigt sich auch, dass sich etwas fundamental verändern wird, denn die ersten Jungs melden sich freiwillig zur Armee (85). Dadurch rückt der Krieg wieder näher. Die Stimmung wird bedrohlicher.
Auf dem Höhepunkt der Szene wird auch die Rahmenhandlung offenbart, hier ist der Punkt, an dem Pilenz sich erstmalig namentlich nennt – wenngleich er seinen Vornamen verschweigt (86). Die Szene ist also selbst auf der Ebene des Erzählens der Höhe- oder Wendepunkt.

Im Anschluss findet sich ein weiterer Hinweis darauf, warum Pilenz überhaupt erzählt: »Aber ich schreibe, denn das muß weg« (89). Pilenz hofft auf die therapeutische Wirkung des Textes und verkoppelt diesen dadurch mit der Beichte.

Die Beichte (oder die Geständnisse) haben eine lange Tradition in der Literatur, die bis zu Augustinus zurückreicht. Genau an diese Tradition schließt Pilenz an, denn es sind seine Geständnisse, die er hier zu Papier bringt. Und selbstverständlich findet sich auch hier wieder ein nicht zufälliger Hinweis auf Kirche und Religion. Der Mensch kann sich nur durch das Geständnis von Gewissensbissen befreien – genau das versucht Pilenz und gibt es hier, in diesem eher unscheinbaren Satz, zu Protokoll.

Ein interessanter intertextueller Hinweis findet sich gleich daneben: »[E]in als griechischer Chor funktionierender Möwenpulk« (89). Selbstverständlich weist Pilenz hier auf den Chor der griechischen Tragödie hin (Neuhaus, 2010a: 50). Er »setzt die Anspielung auf die griechische Tragödie als Hinweis auf den strengen Bau seiner Novelle als Schwester des Dramas« (ebd.).

Dieses intertextuelle Verfahren ist typisch postmodern: fiktionale Werke, die ihre eigene Fiktionalität thematisieren und damit bewusst spielen.

Veröffentlicht am 10. Oktober 2022. Zuletzt aktualisiert am 20. Oktober 2022.