Katz und Maus

Kapitel XII

Zusammenfassung

Pilenz ist auf Heimaturlaub. Weil er nur an Mahlke denken kann, macht er sich auf den Weg zu seiner alten Schule, da er vermutet, Mahlke würde dort einen Vortrag halten, wie es schon die anderen Kriegshelden getan haben.

Tatsächlich trifft er Mahlke an, der das Ritterkreuz über dem Adamsapfel trägt.

Der Erzähler Pilenz beschreibt Mahlkes Aussehen und spricht ihn schließlich an. Das Gespräch ist recht einsilbig und bezieht sich auf Mahlkes Absichten, der selbst die Initiative ergreifen und einen Vortrag ohne vorherige Einladung halten will.

Schließlich tritt der Direktor auf die beiden zu und spricht sie an. Er erteilt Mahlke wegen des Diebstahls des Ordens eine Absage.

Pilenz deutet an, er hätte in der Folge mit dem Direktor verhandelt, ob er Mahlke nicht doch sprechen lassen wolle. Der Versuch sei aber fruchtlos geblieben.

Stattdessen versucht Pilenz, andere Institutionen und Gruppen davon zu überzeugen, Mahlke bei ihnen sprechen zu lassen. Allerdings weist Mahlke sämtliche Angebote zurück, da er nur in der Aula seiner alten Schule, dem Conradinum, sprechen will.

Als alle Versuche, den Direktor zu überzeugen, gescheitert sind, will Mahlke sich rächen. Er und Pilenz lauern dem Direktor in der Nähe seines Hauses auf. Als der Direktor spätabends alleine unterwegs ist, tritt Mahlke vor und schlägt ihn.

Nach der Aktion treiben Mahlke und Pilenz sich herum. Das Gespräch kommt dabei auf Gott und den Glauben. Mahlke bekennt, dass er nur an die Mutter Maria, nicht aber an Gott glauben würde.

Schließlich äußert Mahlke die Absicht, sich doch noch mit Tulla einzulassen. Beim Abschied erfährt Pilenz, dass Mahlkes Urlaub längst abgelaufen ist und er eigentlich schon auf dem Weg zurück zur Front sein müsste. Mahlke ist fahnenflüchtig.

Analyse

In diesem Kapitel muss Mahlke erfahren, dass ihm seine Fehler nicht vergeben werden. Sein Versuch beim Militär zu brillieren ist zwar gelungen, dies verschafft ihm jedoch nicht die ersehnte Bestätigung im zivilen Leben. Seine Pläne haben sich also als falsch erwiesen.

Dennoch versucht er es, diesmal in der Panzeruniform, die sein Versteckspiel noch unterstützt. Uniformen sind -noch mehr als Orden - Zeichen für die Unterordnung bzw. die Einordnung in ein Kollektiv. Der radikale Individualist Mahlke, der die Puscheln wegschmeißt, weil zu viele sie tragen, gefällt sich in einer Uniform. Hier wird Mahlkes Charakter wieder in seiner ganzen Widersprüchlichkeit gezeigt. Es ist bezeichnend, dass das über die Uniform funktioniert, da Grass von den Dingen her erzählen will (Hasselbach, 1990: 96).

Dazu kommt, dass hier trotz der vielen Anspielungen auf die Kirche eine sehr irdische Schuld sehr irdisch bestraft wird. Der Mensch ist nach dieser Lesart nicht nur in der Sphäre der Religion unrettbar schuldig, sondern auch im Alltag. Weil Mahlke den Orden früher gestohlen hat, darf er nun nicht, mit dem verdienten Orden, den verdienten Ruhm genießen.
Allerdings ist es ja Mahlkes eigenes Fehlverhalten, das ihn in diese Lage gebracht hat. Wobei natürlich auch Pilenz nicht vergessen werden darf, der ja Katze und Maus (Adamsapfel) überhaupt erst zusammengebracht hat. So ist es auch nur konsequent, dass Pilenz bei Mahlke bleibt und sich sogar für ihn einsetzt. Dass das vergeblich ist, ist aber eigentlich ebenso zwangsläufig.

Der weltliche Bezug der Novelle wird in diesem Kapitel auch dadurch deutlich, dass Mahlke bekennt, gar nicht an Gott zu glauben. So korrespondieren das Geständnis von Mahlkes Atheismus und der Fakt, dass Schuld ein irdisches Phänomen ist. Kurz vor der Katastrophe kommt plötzlich eine mögliche Lösung für das Problem in Sicht: richtiges Handeln. Aber genau für diese Lösung ist es jetzt schon zu spät, denn erstens hat Mahlke den Orden gestohlen und zweitens ist er schon fahnenflüchtig. Von nun an kann es keine Rettung mehr geben.

Veröffentlicht am 10. Oktober 2022. Zuletzt aktualisiert am 20. Oktober 2022.